Dachdämmung innen Jugendstilhaus

09.07.2010



Liebes Forum,

für das folgende Problem bin ich bisher leider nicht fündig geworden und hoffe bei Euch auf Rat. Es geht um eine Innendämmung von Dachzimmern (Schrägen) unseres neuen/alten Hauses von 1914. Der Aufbau ist: Ziegel >> Auflattung >> Dachpappe (querverlegt) >> Windsperre (Holzbretter) >> Sparren (dazwischen durchhängend Flammex-Folie angetackert) >> Bretterverkleidung >> Strohmattenputz >> Tapete.

Das Dach wurde in den 1980'ern neu eingedeckt und ist in gutem Zustand. Nun soll ja Dachpappe etwas tauwassergefährdet sein, so das ich Bedenken habe alles bis zur Windsperre abzureißen und den Dämmstoff einfach davor zu klemmen.

Ich würde gern die Dämmung einfach auf den Putz zu setzen, dann wäre genügend hinterlüftet, aber es fehlt dann wohl eine echte Dampfsperre. Das bisher einfach zwischen die Sparren getackerte Tel-Flammex scheint mir irgendwie unzureichend- wurde vmtl. beim Dachdecken angebracht. Wenn möglich würde ich gern den alten Strohputz drinlassen, weil es eben ein historisches Haus ist, aber wenns denn sein muss entferne ichs eben.

Was meint ihr reicht die beschriebene Dampfsperre aus ?
Ich bin derzeit wirklich etwas ratlos und würde mich über Empfehlungen freuen,

Grüße,
nico





Hallo,

die Pappe ist an dieser Stelle äußerst schlecht.
Haben Sie schon mal in die Dämmebene gesehen ob dort etwas feucht ist?
Wie wird das DG genutzt?


Grüße aus Schönebeck



Dachpappe



Danke für die rasche Antwort! Nun ja, es gibt ja noch keine Dämmebene - bis auf die unvollständige Dampfsperre und ein paar Holzbretter. Ist aber alles trocken, war auch schon im Winter so.



Hanf



Hallo,
Hanf als Daemmstoff soll keine Dampfbremse benoetigen.
Sprechen Sie doch mal mit Hr. Nowotny von www.hanffaser.de
Gruss N. Hoepfer





Das Problem das ich hier sehe ist die Dachpappe, hier dürfte speziell im Winter Kondensat ausfallen und dann die Holzbretter und die Dämmung befeuchten, von Schäden ganz abgesehen.


Dies ändert auch eine Innendämmung nicht. Überschätzen Sie bitte auch nicht die Möglichkeiten einer 100 % dichten Dampfsperre.

Was die erwähnte Hanfdämmung betrifft, diese wird nicht, den gewünschten Dämmerfolg bringen wenn eventuell anfallendes Kondensat nicht abtrocknen kann.
Wenn diese aber über eine Hinterlüftungsebene abtrocknen kann, macht sie das auch, anders als z.B. Miwo.

Grüße aus Schönebeck



bild



Ja, ich dachte mir, das eingesetzter Dämmstoff hinter Dachpappe und Holz wohl feucht wird- auch mit Lüftungsspalt.

Wenn aber die Dämmfolie zwischen den Sparren hängen bleibt, wäre 13 cm Luft zum zirkulieren. Den Dämmstoff also auf und nicht zwischen die Sparren anbringen. Das macht zwar die Räume kleiner, aber vielleicht hat jemand eine bessere Idee.

Danke für den Hanfvorschlag, ich werde mich mal erkundigen, wobei ich aber denke das Hanf ebenso feucht wird und das Gebälk beeinträchtigen könnte.

Ich habe mal ein bild der situation angehängt. Da ich neu hier bin weiss ich nicht wie es angezeigt wird..



Es gibt noch eine weitere Lösung



Die Dellwolle entfernen und den aufbau neu gestalten, mit traditionellem Stauss FG (Fassadengewebe) und Thermo-Fill.
Das Ziegelgewebe mit Luftkalkmörtel verputzen.
das ganze sieht dann in etwa so aus wie auf dem Bild

Grüsse Thomas





Entweder muss die Innenbekleidung runter oder die Dachhaut, anders wird’s nicht, die Pappe muss weg.


Grüße aus Schönebeck



Da



müssen erstmal ein paar grundsätzliche Dinge klargestellt werden: eine "Windsperre" ist da nirgends vorhanden.
Offensichtlich handelt es sich um ein sogenanntes Doppeldach. Die Frage ist, wurde mit Konterlattung gearbeitet? Wenn nicht, wird das Dach nicht mehr in gutem Zustand sein.
Ist eine Belüftung des Sparrenzwischenraums sichergestellt? Und zwar am Fusspunkt und im Firstbereich.
Ohne eine Seite aufzumachen, wird sich da nix vernünftiges installieren lassen. Irgendwo was draufbappen oder einfüllen wird mit Sicherheit kein befriedigendes Ergebnis bringen.
Nein, die Pappe muss nicht zwingend weg.
MfG
dasMaurer



Wenn sowieso alles trocken ist,



würde ich es so lassen. Das spart am meisten Energie.

Konrad Fischer
Energiesparer



Dach die Zweite



Danke wieder mal für die Tipps! @Hr. Fischer: Das mit dem 'so lassen' irritiert mich jetzt etwas, es soll ja wärmer im Haus werden: also Dämmung dann innen drauf ? gibts da nicht Kondenswasser am Putz ?

@dasMaurer: Danke fürs Einlesen, die Anwort war bisher zweifellos die hilfreichste ! Ich weiss nicht ob es bedeutsam ist, aber hier noch mal ein Bild der Dachkante. Etwss schlecht zu sehen, aber von der Dachrinne verdeckt, befindet sich eine Holzlatte (ca. 10cm) auf die eine Art Lochblech genagelt ist. Darunter hängt dieser Holzkasten rund ums Haus, den ich auf dem Dachboden mit einem Kniestock von der Dämmung ausschliessen wollte. Soweit also zur Sparrenzwischenraumbelüftung, --- wenn ich nun eine Dämmung einsetzen würde ? Liesse sich vom First allein aus richtig hinterlüften ? Und welchen Nutzen hat das Lochblech auf einer normalen Bretterleiste ? P.S. sind bei einem Doppeldach nicht auch die Ziegel verfugt ? Sind sie hier allerdings nicht.

@BAUST : Ja, ich habe die Innenverkleidung jetzt abgerissen. War 1 Tag Arbeit und das Rauchen konnte ich in der Zeit reduzieren ;)

@Thomas: also Dellwole gibts bisher nicht. An Hinterfüllen hatte ich auch schon gedacht. Wo wäre auf deinem Bild die Dampfsperre ?

+++++
@all: Ich neige im Moment dazu wie in einem anderen Forenbeitrag erwähnt im äußeren Sparrendrittel die Dämmfolie mit 3 Holzlatten einzubringen, dann Zwischensparrendämmung, vielleicht mit Hanf- o. Zellulosematten. Aber reicht die Hinterlüftung bei den Gegebenheiten, das ist die 40.0000$-Frage ??



Wenn es wärmer werden soll,



kommt es aufs richtige Heizen an: Hüllflächentemperierung, ohne Nachtabsenkung, offen geführte Heizrohre (Zentralheizung) oder el. Heizplatten.

Wenn es nässer werden soll: Dachdämmung mit Leichtbaustoffen. Die darin eingeschlossene Luftfeuchte kondensiert garantiert bei winterlicher Unterschreitung des Taupunkts, die über kurz oder etwas weniger kurz dazukommende Raumluft verstärkt den Effekt.

Energiesparen ist mehr als Dämmstopfen und luftdichte Wohnraumversiegelung.

Viel Glück!

Konrad Fischer

PS. Bild: Abgesoffene Wärmedämmung, Holzfeuchte > 30%, Einbau November, Freilegung Januar.



feuchtholz



Hallo Herr Fischer,

ich habe mir mal ihre Filme +webseite angesehen und bin beeindruckt was sie da so zusammengetrugen und öffentlich machen. Auch ich bin eher skeptisch was die Dämmkultur so feiert, wenn man bedenkt wie alles mit Asbestplatten in den 50ern anfing! Diese Generation liegt bereits aus dem einen oder anderen Grund unter der Erde. Meine Frau hat in einem Glaswollgedämmten Fertighaus Asthma bekommen an dem sie seither herumlaboriert...

Nun, ich werde die Verkleidung in einem weiteren Raum - zwecks Vergleich - nicht entfernen, erst mal das dämmen einstellen und eine moderne Heiztherme einbauen. Ich gedenke die entkleideten Sparren des ersten Zimmers einfach nur neu zu verschalen. Welches Material würden sie empfehlen ?

Rohrdämmschalen halten sie demnach auch für unnötig ?



Ohne Zweifel...



ist weniger oft mehr, aber nichts bleibt nichts.

Was die Horrorbilder des geschätzten Herr Fischer betrifft, auch ich kenne derartige Schäden zur genüge.
Der Feuchteschaden im letzten Bild hat mit SICHERHEIT seine Ursache in einem gänzlich verkorksten Bauablauf.

Wie oft kann man beobachten, das im Erdgeschoss die Putzer hunderte Liter von Wasser an die Wand spritzen, und weil’s so kalt ist läuft auch noch die Propangasheizung, unterm Dach derweilen wird die Dämmung zwischen die Sparren gestopft.
Super Sache.
Komisch,
wenn man mit dem Auto gegen eine Wand fährt wundert es keinen das das dabei kaputt geht.

PS
Das war jetzt kein Plädoyer für Mineralwolle!

Grüße aus Schönebeck
[pubimg 22580]



Nein, nein,



das ist es ja gerade! In diesem Hamburger Dachausbau war auch nicht eine Naßstrecke am Laufen und ich wurde als Berater beigezogen, um die irre klaffenden Fensterfugen zu bewundern - teils 10 cm! Sollten dann fachgerecht zugeschäumt werden, wir kennen doch die Hamburger Klabauter ;-)

Und Rohrschalen nur, wenn die Abwärme nicht als Wärmestrahlungsquelle mitgenutzt werden kann oder soll. Durch die Speisekammer ja, durch das Wohnzimmer nein. Beispielsweise.

Fragen über Fragen. Und Antworten hoch drei. Ich beneide die Fragesteller in diesem Forum nicht. Wer kommt hier nicht dümmer raus als rein? Bitte melden ;-)

Konrad Stördiebäcker



Doch,



mich wunderts jedesmal.
Das sorgfältig gebaute Hightechprodukt geht kaputt, und der vermurkste Baupfusch bleibt stehen, echt verdrehte Welt ;-O
MfG
dasMaurer



@nico:



Nein, eine Hinterlüftung vom First wird selbst mit einem leistungsstarken Ventilator pro Sparrenfeld nicht funktionieren. Um hier vernünftige Lösungen zu erarbeiten, muss man sich das vor Ort anschauen. Da ist das Forum hier überfordert.
@ den Backwarenterroristen bezügl. Rohrschalen: bei Kaltwasserleitungen sind die wesentlich wichtiger.
Und bitte nicht über dumme Menschen lästern, das sind die einzigen, die dazulernen können. Ich bin gerne doof ;-)).
MfG
dasMaurer