Dämmung mit Schredderpapier?

19.03.2004



Hallo,
in unserer Firma werden transportabel verpackt in Plastiksäcken regelmäßig große Mengen fein geschredderter Papiere entsorgt! Da ich die Decke des Obergeschoßes unter einem Kaltdach mit Isofloc zu dämmen gedenke, kam mir die Idee dafür das geschredderte kostenlose Papier zu verwenden.....
Ich habe einmal die Hand in solch einen Sack gesteckt und siehe da es stellte sich ein angenhmes warmes Gefühl ein -
die Wärmedämmung funktioniert also mit diesem Material!
Isofloc scheint auch geschreddertes Papier zu sein, wenngleich mit Borsalz behandelt (Brandschutz/Ungeziefer?).
Könnte das mit den feinen Abfällen aus den Aktenvernichtern technisch funktionieren? Klappt das im deutschen Vorschriftendickicht?
Vielen Dank für Eure Kommentare!
Gruß
Siegfried



Dämmung mit Schredderpapier?



Ich habe mal im Web gelesen, dass jemand das so praktiziert hat und sehr zufrieden war. Leider habe ich den Link nicht mehr. Von der Kostenseite her ist das natürlich unschlagbar :-)
Über Schädlingsresistenz würde ich mir keine Gedanken machen. Solange das Papier ringsrum fest eingeschlossen ist, wird sich sicher kaum ein Tierchen darein verirren. Also alle Schnittstellen zu angrenzenden Gebäudeteilen (Mauerwerk) geeignet Abdichten und obenauf eine Lage OSB-Platten. Es wird dann aber eine Dampfsperre an der Unterseite notwendig sein, da OSB selber bereit als Dampfbremse fungiert. Somit ist Schimmel durch kondensierende Luftfeuchte eigentlich ausgeschlossen.
Die Sache mit dem Brandschutz ist da schon eine andere. Eine Bau-Zulassung hat das ganze natürlich nicht. Keine Ahnung ob im Schadensfalle die Versichernung rumzickt. Vielleicht kann sich mal ein Experte dazu äussern.



Ganz praktische Frage:



Fühlen Sie sich noch wohl zwischen leicht entflammbaren Baustoffen ?



Schredderpapier



Ich wollte den Gedanken, mit dem geschredderten Paier etwas sinnvolles anzufangen, ganz unpolemisch zur Debatte stellen!

Eigentlich ist mein ganzes Hausinventar hoch brennbar - habe ich festgestellt und - zu meiner Überraschung lebe ich noch!!! : Möbel aus Holz, Sofas, Vorhänge, Teppiche - und was die wohl alles ausgasen im Brandfall..
Selbst die Gefache können lecker brennen.
Kommt es da auf etwas Schredderpapier unter dem Dach an????
Ich meine NEIN!
Wie sind Sie eingerichtet?
Gruß
Siegfried



@Siegfried



Hi Siegfried,

darüber ist schon viel debattiert worden. Problem ist nur, dass sich im Zweifelsfall die Versicherungen wohl hinter irgendwelche blöden Paragraphen und Verordnungen verschanzen könnten
(je"" höher der Schaden, desto wahrscheinlicher). Ich habe das ganze Thema hier unten in Südfrankreich durchexerziert:

1) ich frage mich zuerst selbst (plus WWW) wie sinnvoll, brennbar,
unverrottbar etc der Baustoff ist.
2) ich habe mein Versicherung angerufen, die eine Wischiwaschiauskunft gegeben hat "uns ist egal, mit was sie ihr
Haus dämmen"; aber: das war telefonisch; die gleiche Versicherung hat auch Strawballhäuser versichert ohne Aufpreis
3) natürlich sind all diese Normierungsfragen zum grossen Teil
protektionismus (nur grosse reiche Firmen können sich leisten,
ihre Produkte über mehrere Jahre durch einen Normierungszyklus
zu schleusen, um am Ende einen positiven Bescheid mit
Klasse M2 oder so (frz/europ. Recht, = "normal entflammbar" soviel ich weiss) zu bekommen. Dann "darf" dieses Material verarbeitet werden.
4) Im Brandfall muss dir (so glaube ich jedenfalls) nachgewiesen werden, dass der Brand aufgrund dieses falsch verwendeten
Baustoffs entstanden ist oder extrem gefördert wurde. Aber das ist
eh alles Quatsch, da niemand mir verbieten kann, 20 cm hohe
Haufen aus Altpapier in meinem Dachstuhl zu sammeln. Ich sammle halt Aldiwerbung, warum nicht :-)?

@Dietmar:
hast du schon mal gesehen, wie gut Glaswolle brennt?
hast du schon mal gesehen, wie gut holzfaserplatten brennen?
hast du schon mal gesehen, wie gut Fichtenboden brennt?

gruss
torsten



brennbare Baustoffe



Hab ich alles, ich weiß aus leidvoller Erfahrung mit abgebrannten Häusern, welche Inhaltsstoffe und Baustoffe als Brandbeschleuniger wirken. Ich rate daher auch allen, die sg. "Brandlasten" in ihren Häusern klein zu halten, dazu gehört vor allem Krempel aller Art auf Dachböden: der gehört da nicht hin, auch nicht unter die hölzerne Kellertreppe.
Die alten Schlackeeinschübe in Holzbalkendecke hatten durchaus brandverzögernde Funktion, genau wie überdimensionierte Holzbalken und dicke Kalkputzschichten, auch dicke Parkettfußböden aus 22er Stabparkett kommen schon an schwer entflammbar heran. Jetzt gehen sparsame Menschen hin und ersetzen das durch Paneele - aber nicht dicker als 15 mm -, Papierdämmung und zweifelhafte Kunststofffußböden. Das harte Dach wird durch ein Pappdach ersetzt, im Keller der Heimwerkerbedarf mit Farben, Lacken, Lösungsmitteln gelagert, derweil der altersschwache Fernseher auf Standby steht. Weihnachten oder Sylvester darf man mit Kniezittern erwarten.
Jeder ist gut beraten, an sein Haus höhere Anforderungen in punkto Brandschutz zu stellen, als es die Bauordnung tut.
Die Einstellung "es wird schon nichts passieren" wird typischerweise für grobfahrlässig gehalten, mit Recht !



@Dietmar



Hört sich schlüssig an. Das einzige Problem ist, wenn ein Haus
mit extrudiertem Polystyren isoliert ist, geht die Feuerwehr gar
nicht mehr rein, so giftig ist das. Ich hatte neulich auch eine interessante Erfahrung; bin selbst ein Elektrik-extremist, d.h.
alles neu (auch im Altbau), keine Kompromisse etc, überall
30mA Schalter etc. Trotzdem: ein Verlängerungskabel hatte
eine schlechte Verbindung und schmorte knallhart durch, und
da reagiert natürlich nichts im Elektrokasten. D.h., man kann nie
genug aufpassen zum Brandschutz, da geb ich dir recht. Hingegen glaub ich kaum dass Isofloc nur ansatzweise besser
brandschützt als geschreddertes Papier, da mag Bor drin sein oder nicht, das hängt mit grosser Kohle zusammen

gruss aus Frankreich
torsten



Brennbarkeit...



.... sollte nach meiner Auffassung hier nur als Überbegriff dargestellt werden!
Bei isoflc und sämtlich anderen gleichwertigen Flocken, ist die eigentliche Papierstruktur zerrissen worden, also gefockt und dazu kommt noch, daß sämtliche Papiere ausgewählt und untersucht werden (Druckerschwärzen, Schadstoffeinschlüsse etc.!).
Bei Ihren Papieren kann ich mir keine Beurteilung erlauben, da ich diese ja nicht kenne!
Desweiteren werden diese Flocken mittels Borsalz imprägniert gegen ein günstigeres Brandverhalten (B2).
Bei Ihnen ist aber ja nun keine Flocke da sondern Schnipsel oder Streifen und somit kann ich die Beurteilung von Hr. Beckmann voll mit tragen!
Dazu kommt jetz aber noch die Einbaufrage: Zellulose wird geblasen und verdichtet sich somit hiomogen in der Konstruktion und füllt sämtliche Holhräume und Unebenheiten aus, bei Ihrem Material ist aber keine gute Homogenität als Dämmstofflösung gegeben und auch gegenüber der Funktionsweise in der Konstruktion muß ich meine bedenken einfach anmelden.
Und dies ist dann natürlich auch ein Argument für Versicherung, Behörden und anderweitige Entscheidungsträger!
Sie haben natürlich allesamt Recht, wenn ein Haus abbrennt, dann hilft auch die Zellulose im Dach nicht! Sie ist nur gut sich selbst schützend, d.h., bei einem Dachwohnungsbrand wird durch die geringefügige Verkohlung der Oberfläche ein natürlicher Brandschutz aufgebaut.

MfG ARGE LehmWerk aus der Lausitz.