Pandomo Spachtelboden - Versiegelung und Inhaltsstoffe

02.03.2019 Holzwurm



Hallo zusammen,

wir hätten gerne in unserer Küche einen fugenlosen Boden in Betonoptik. Uns wurde nun ein Pandomo Spachtelboden angeboten. Die Spachtelmasse ist allerdings ja mit Kunstoffen vermengt.

Gibt es denn eine ökologische Alternative für einen Boden in Betonoptik? Welche Versiegelung kommt dann in Frage? Wachs?

Danke und Grüße



Boden in Betonoptik



ich befürchte, es gibt keine ökologische Version für einen Boden in Betonoptik außer eben Beton selbst. Aber ob das für Sie ökologisch ist, kann ich nicht beurteilen.



Versiegelung



Sollte der Boden in Betonoptik aus Beton hergestellt werden, kann man diesen mit Seife (Alkaliseifen) versiegeln.
Nach mehrmaligem Auftrag bildet sich eine Schicht aus unlöslichen Kalkseifen. (Nutzt man beispielsweise bei Terrazzo oder Tadelakt.)

Wachs hat den Nachteil, dass es Lösungsmittel enthält und schwerer gleichmäßig aufzubringen ist.



Erstaunlich...



... wie schwierig es in jedem Gewerk ist zu wissen was man in sein Haus einbaut.

Ich fürchte fast es wäre das "einfachste", wenn ich das Projekt selbst angehe. Mal ganz abgesehen davon das "Zementgebundene Designböden" bei 130EUR/qm losgehen...

Einen normalen Estrich hat mein Vater früher schon ab und an gelegt, betoniert auch des öfteren. Aber abgeschliffen und als Sichtboden verwendet natürlich nicht.

Beim Recherchieren stoße ich auf Stahlfaserarmierte Betonböden. Die sind eigentlich für die Industrie. Aber genau das soll der Boden ja haben so etwas "Industriecharme". Außerdem stelle ich mir so die Armierung leichter vor. Wir haben leider sehr unterschiedliche Dicken von 3-7 cm Aufbauhöhe. Was es für den Beton wohl schwierig macht?

Hat da jemand Erfahrung wie ein solcher Boden aufzubauen wäre?

Nachdenkliche Grüße



Ach und die Seife...



... das ist jetzt sicher ne blöde Frage, aber schäumt das dann nicht, wenn ich den Boden wische?!



Antwort: Ach und die Seife



Nein, es schäumt nicht, im Gegenteil.

Technisch ausgedrückt. Kalkseifen wirken als Entlüfter.
D. h. sie bringen Bläschen schneller zu Platzen, was das Schäumen mindert.

Das ist eine Folge ihrer Schwerlöslichkeit, die gleichzeitig die Verwendung als Versiegelung möglich macht.

Wenn Sie mit einer Kernseifelösung (Natriumsalze von Fettsäuren) feucht wischen, passiert im Prinzip folgendes:
Die löslichen, schäumenden Natriumsalze nehmen den Schmutz auf. Die Wasserhärte (Calcium- und Magnesiumionen im Wasser) bilden die schwerlöslichen Kalkseifen. Diese werden in die Oberfläche eingerieben.
Wischt man feucht nach, werden die Natriumseifen aufgenommen, die schwerlöslichen, schaumhemmenden Kalkseifen verbleiben als Versiegelung auf der Oberfläche.

Somit wird im Prinzip bei jeder Reinigung mit Kernseifelösung die Versiegelung gestärkt und das ganz ohne Schaumparty.

Ansonsten schauen Sie doch mal bei Wikipedia unter Terrazzo nach. Dort sind einige Oberflächenbehandlungen mit Vor- und Nachteilen genannt.



Aufbauhöhe



Mit 3-7cm wird das wohl nichts mit Beton. Da bleiben in der Tat nur Ausgleichsmassen und Bodenspachtel und diese haben ausnahmslos alle eine nicht geringe Menge Kunststoff in der Rezeptur. Das einzige was ohne Kunststoff in diesen Schichtstärken funktioniert sind speziell angepasste (um mehr Härte zu bekommen) Tadelaktmischungen oder ein Pastellone Veneziano. Bei beiden Varianten ist da unter 130,-/qm nichts zu machen.





Zur Verseifung bzw. Kalkseifenbildung hat der Mitkombattant sehr richtige Ausführung gemacht. Aus selbigen Umständen resultiert auch die bessere Umweltverträglichkeit von Seifen, da diese in der Natur sehr schnell durch allgegenwärtigen Kalk zügig ausgefällt werden und Wasserorganismen so weit kürzer belastet werden.

Letztlich verbleiben zur Oberflächenversieglung von mineralischen Böden alle Varianten wie sie auch für Holz gebräuchlich sind, neben dem Seifen, die wie bereits beschrieben durch Alkalien zusätzlich noch eine Hydrophobierung bewirkt, kommen auch natürliche Öle und Wachse, bzw. deren Zubereitungen in Frage, auch eine Versiegelung mit Holzöllack ist denkbar. Dies wird man immer auf die individuelle Situation und Ansprüche an Gestalt und Unterhaltspflege anpassen müssen.

Auch zur mineralischen Basis des Bodenaufbaus wurde mit dem Verweis auf Terrazzo ein wertvoller Hinweis gegeben, solcherlei seit der Antike, ohne Kunstharze realisierte, geschliffene ("Beton"-) Böden, lassen sich ebenfalls auch als Spachtellage auf geeignete Untergründe applizieren. Diese "Betone" werden mit Weisskalken und puzzolanischen Zuschlägen oder natürlich hydraulischen Kalken erstellt. Diese wirken optisch durch die Auswahl von Bindemittel und Zuschlägen.

Bei der beabsichtigten Eigenleistung liegt der Anspruch nunmehr neben der passenden Auswahl an Material und Einbautechnik, hauptsächlich auch darin recht grobe Materialien in geraumer Menge, bedingt durch deren hohe Reaktivität zügig und geschmeidig zu mischen und zu verarbeiten.

Ich habe mich in der Herstellung solcher Böden unterweisen lassen und befinde mich ebenfalls in der Planung von eigenen Umsetzung und habe bereits Muster erstellt.

Sehr zu empfehlen wäre es, sich die Erkenntnis zur (eigenen) Machbarkeit praktisch zu erarbeiten und einfach ein Muster zu erstellen. Bei Interesse kann man mich gerne über Email (Profil) kontaktieren.



Immer wieder beeindruckend...



... welch Wissen hier rumgeistert.
Sehr spannende Geschichte mit dem Seifen. Wie führt man das nun aus? Bei Kreidezeit bin ich auf die Anleitung zu "Geseiftem Kalk" gestoßen.
https://www.kreidezeit.de/anleitungen/geseifter-kalk/

Allerdings wird dort geschrieben, dass es eben nur mit Kalk funktioniert. Im Beton kann ich ja auch kalk beimischen, reicht das dann? Muss man es auch wie in der Anleitung beschrieben so schnell wie möglich ausführen?
Dann wäre da noch der Punkt, dass es eben auch eine Kochstelle gibt und in der Anleitung steht, dass sich geseifte Oberflächen für Kochstellen nicht eignen, da Alkaliseifen nicht Fettabweisend sind?

@ Tobias Büttner:
Wieso ist das Betonieren bei 3-7cm nicht möglich? Wegen Rissbildung? Wie sieht es aus, wenn man den Beton armiert? Stichwort Stahlfaserarmierung?
Beim Tadelakt gefällt und die Oberfläche nicht so recht. Der glänzt so sehr und ist durch das Verdichten sehr uneben. Beim Googlen nach Pastellone Veneziano stößt man auf Bilder die einen Boden zeigen, der praktisch aussieht wie ein solcher Betonboten. Vielleicht wäre das also eine Lösung? Die Kosten wären zur Not auch zu stemmen.

@Mario
Auch Ihnen herzlichen Dank für die Ausführrungen. Sie schreiben Beton lässt sich ggfs. auch als Spachtellage ausführen? Warum bieten die kommerziellen Anbieter dann ausschließlich Mischungen mit Kunstoffanteil an? Laut dem Estrichleger der vor Ort war würde ein Anhydrit-Estrich als Spachtelträger funktionieren. Wäre es dann nicht möglich eine Schicht Beton auf den Anhydrit-Estrich zu spachteln und abzuschleifen? Wozu der Kunststoff (vermutlich Rissprävention) ? Wenn nur eine dünne schicht gespachtelt wird, so sollten auch nicht so große Mengen anfallen die sich leichter selbst anmsichen lassen oder?




Schon gelesen?

Fachwerk