OSB als Unterdach für Schieferdach?

16.01.2014



Hallo zusammen,

leider müssen wir nach den diversen Orkanen unser 150 Jahre altes Schieferdach (ca. 350qm) nun vollständig sanieren.

Der Dachdecker meines Vertrauens empfiehlt OSB Platten als Unterdach für das Schieferdach.

Meine Fragen hierzu:
- OSB habe ich im Hause meiner Eltern bisher nur als Fussboden verbaut. Nach >20 Jahren ist der Boden trotz guter Verschraubung wellig, so daß ich den OSB Platten nicht wirklich vertraue! Wie sieht es heute mit der Steifigkeit aus?
- Sind andere Platten nicht weitaus geeigneter, um ein diffusionsoffenes Dach zu erhalten? Ich denke da z.B. an PAVATEX ISOLAIR Unterdeckplatten oder MDF?!
- gibt es andere Empfehlungen?

Generell:
- es soll keine energetische Sanierung stattfinden und Winddichtigkeit ist kein primäres Ziel. Unsere Energie geht durch eh durch die alten Doppelflügelfenster flöten, eher weniger durch's Dach.
- ein Ausbau des Dachbodens ist (von mir) nicht geplant, allerdings möchte ich mir die Option offen lassen (oder wenigstens der Generation nach mir)
- das Dach soll mindestens genauso lange halten wie vorher ;-)!

Vielen Dank im voraus für eine fachkundige Meinung
Stephan (Witt)



Langzeiterfahrungen über 150 Jahre



... gibt es logischerweise mit keinem der genannten Plattenmaterialien, am wenigsten mit der OSB... am ehesten noch mit Massivholz/Verbretterung/Rauhspund etc...

MfG,
Sebastian Hausleithner



OSB = starke Dampfbremse



In Hinblick auf eine allfällige zukünftige Dämmung (never say never) würde ich für das Unterdach diffusionsoffene Platten wie die erwähnten Isolair verbauen.

Und auch wenn die Fenster ziehen, kann ein gedämmtes Dach trotzdem etwas bringen.



Schieferdach sanieren



Die Isolair geht mit Sicherheit nicht für eine Schieferdeckung. Es braucht schon massives Holz. Ich würde auch eine Holzschalung der OSB vorziehen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



OSB-Schalung ...



... ist grundsätzlich möglich, mit OSB 3/4. Hierbei müssen bei der Anwendung die in den technischen Baubestimmungen für Spanplatten nach DIN 68763 getroffenen Bestimmungen für Berechnung und Ausführungen eingehalten werden.

Mit OSB geht´s schneller, als mit einer Brettschalung. Sie muß allerdings sofort nach dem Verlegen mit einer Vordeckung (Folie) versehen werden und darf keinesfalls feucht werden.

Wenn Sie an einem späteren Dachausbau denken, muss die OSB-Schalung unterlüftet sein. Darunter befindet sich eine diffusionsoffene Unterdeckplatte / Holzfaserplatte / DWD-Platte. die direkt auf der Sparrenlage liegt.

Die Pavatex-PLatte ist allerdings KEINE Schalung, auf die eine Verscheiferung aufgebracht werden kann. Sie dient auch nicht der Aussteifung der Dachfläche.

Wenn Sie die OSB-PLatte auf die Sparrenaufbringen, können Sie die Dachfläche später nur noch mit Kunstgriffen von innen dämmen. Die OSB-Platte und die Verschieferung wirken als stärkere Dampfbremse. An Der Unterseite der OSB-Platte ist mit Kondensatbildung zu rechnen.

Diese Konstruktion ist dann auf jeden Fall zu vermeiden.



Empfehlung vom Schieferdecker



Zweischaliger Aufbau

-Unterdeckung auf Sparrenlage (USB,DWD,UDP)
-Konterlatte je nach Unterdeckung von 24-40mmm
-Rauspundschalung tech.getr. N+F mind. 24mm
-bituminöse Schalungsbahn
-Schiefer
-mit Firstlüfter



Alle Schieferdecker,



die ich kenne, würden als Unterkonstruktion keinesfalls OSB, sondern, wie schon vorher beschrieben, eine rauhe Holzschalung (24 mm) verwenden.
Der Grund ist recht einfach:
Bei einer OSB-Platte wird mit dem Schiefernagel ein Loch ins Material gestanzt, das genau so bleibt, wie es eingeschlagen wurde. D.h., der Nagel kann relativ leicht aus dem Material herausgezogen werden. Bei einer Holzschalung werden die Holzfasern aufgespalten und drücken nach dem Eindringen des Nagels wieder auf den Nagelschaft.

Kurz und bündig:

Die Auszugswerte sind bei Vollholz deutlich besser als bei dem verleimten Plattenwerkstoff. Nicht ganz unwichtig, v.a. wenn man schon im Eingangspost schreibt, daß man das alte Schieferdach nach diversen Orkanen sanieren muß :-)

Anders verhält sich das bei der Eindeckung mit Ziegeln. Hier wird die Konterlattung im Sparren direkt verankert, d.h. das Material der Unterdeckung spielt keine Rolle. Aber selbst hier würde ich immer lieber auf eine Holzfaserplatte zurückgreifen als auf OSB.

Gruß Andreas



Ist ein Unterdach überhaupt notwendig?



Hallo zusammen,

vielen Dank für die vielen konstruktiven Antworten. Ich tendiere jetzt ganz klar Richtung Vollholz, aber...

Jetzt habe ich aber nochmal eine Grundsatzfrage:
benötige ich überhaupt ein Unterdach? Es ging doch 150 Jahre auch ohne... reicht nicht einfach eine diffusionsoffene Unterspannbahn? Und selbst die...haben wir derzeit nicht.

Danke nochmal
Stephan (Witt)



Was genau wollen sie weglassen ?



Die Unterdeckung oder die bituminöse Schalungsbahn ?

Die Idee eines zweischaligen Aufbaus gefällt mir persönlich sehr gut, zwingend nötig ist sie sicher nicht.
Noch vor wenigen Jahren wurde die Dämmung eben einfach hinterlüftet...das hat, bei entsprechendem Hinterlüftungsquerschnitt, auf alle Fälle funktioniert.
Was ich keinesfalls weglassen würde (und was der Schieferdecker ganz sicher auch nicht unterschreiben würde), ist die bituminöse Unterspannbahn auf der Holzschalung, denn die Schiefernägel durchstossen ja zwangsläufig auch die Unterspannbahn...dort kann bei einem defekten Schiefer dann durchaus Wasser in die Konstruktion eindringen, wenn sich das Nagelloch nicht wieder verschließt...und dieses Wiederverschließen schafft eben nur eine bituminöse Bahn.

Inzwischen bieten einige Firmen bituminöse Unterspannbahnen an, die angeblich diffusionsoffen sind. Ich bin da eher skeptisch, ob da eine dauerhafte Funktion gewährleistet ist, kann aber natürlich auch nicht das Gegenteil behaupten.
Falls es funktionieren würde, könnte man sich die Hinterlüftung sparen.

Mir persönlich wäre das zu heikel.

Gruß Andreas



Was ich weglassen wollte



Was ich weglassen wollte: alles was mit Unterdach zu tun hat (Unterspannbahn, Holzschalung usw.)

Das ist jetzt einfach mal eine plumpe Grundsatzfrage und halten Sie mich ruhig für verrückt, aber seit 150 Jahren haben wir oben im Dach gar nichts (keine Dämmung, keine Unterspannbahnen, keine Holzschalung). Ausser der Lattung und darauf die Schiefertafeln ist nichts vorhanden - wir haben freie Sicht auf den Schiefer.

Das heisst: unser Haus hat 150 Jahre eine ordentliche "Volllüftung" erhalten und es gab bis dato keine Feuchtigkeitsprobleme. Die noch vorhandene Lattung ist auch noch recht kernig (lt. Dachdecker) und müsste eigentlich nicht abgerissen werden (ist aber trotzdem geplant).

Deshalb: kann der Aufbau nicht wie bis dato geschehen? Welche Vorteile habe ich, wenn wir Unterspannbahnen verlegen, einen 2schaligen Aufbau durchführen?

Also reine Grundsatzfrage nach dem Motto "never change a winning team" (mit Team ist die bisherige Konstruktion gemeint).

Danke
Stephan



Nana,



jetzt springen wir aber von der "evtl. später ausbauen"-Version zur absoluten Minimalistenversion :-)

Kernproblem ist tatsächlich, ob sie später noch ausbauen wollen. Wenn ja, dann muß man das bei dieser Baumaßnahme gleich berücksichtigen...später wäre irgendwie blöd, oder ? :-)

Was mich schon wieder stutzig macht:

Schiefer auf Lattung...normalerweise hat man bei einer Schiefereindeckung eine sogenannte Gebindesteigung, d.h. die Schiefer sind nicht parallel zur Traufe verlegt, sondern mit einer Steigung von beispielsweise 20 Grad vom Ortgang weg. Wie sollte das mit einer Lattung funktionieren ? Also ich kenne nicht eine einzige Schieferdeckung, die nicht auf einer Vollschalung verlegt wurde.
Das muß natürlich nix heißen :-)
Hier wäre ein Bild sicher sehr sinnvoll.

Grundsätzlich ist ihre Idee natürlich richtig...was vorher jahrzehntelang funktioniert hat, kann auch weiterhin funktionieren. Man darf sich da auch nix vormachen...selbst eine Bitumenbahn ist nach 30 Jahren porös und somit wasserdurchlässig. Interessant ist dabei die Funktion der Unterdeckbahn...die soll im Schadensfall bei der Eindeckung (egal, ob nun Schiefer oder Ziegel) die wasserleitende Funktion übernehmen, bis die Haupteindeckung repariert ist. So will man einen dauerhaften Schaden am Gebäude (Dachstuhl, Mauerwerk, Dämmung) verhindern. Das macht natürlich Sinn. Umgekehrt macht es wenig Sinn, Schiefer blank auf einer Schalung zu verlegen (obwohl ich auch das schon gesehen habe)...sollte ihnen ein Schiefer z.B. durch Hagel kaputtgehen, dann kann das Wasser ungehindert in den Dachraum eindringen. Jetzt könnte man argumentieren, daß früher auch vier, fünf Eimer im Dachboden standen, mit denen man das eindringende Wasser aufgefangen hat. Ob das noch Stand der Technik ist...ich fürchte, eher nicht :-)

Wichtig ist mMn. erstmal die Frage, ob man sich die Möglichkeit eines späteren Dachausbaus offenhalten will...wenn ja, muß man JETZT schon geeignete Maßnahmen ergreifen, damit es später nicht noch komplizierter (und damit natürlich auch teurer) wird.

Sagt man von vorneherein, man spart sich den Dachausbau (weil z.B. genügend Wohnraum in den unteren Geschossen vorhanden ist), kann man sich den zweischaligen Aufbau auch sparen...auf eine Unterdeckung in Form einer Bitumenbahn würde ich jedoch keineswegs verzichten. Ich habe inzwischen schon einige Dachstühle saniert, in denen tragende Holzbauteile durch jahrelang unbemerkt eindringendes Wasser im wahrsten Sinne des Wortes pulverisiert wurden. Und das kommt deutlich teurer als eine Bitumenbahn.

Gruß Andreas