Okal Fertighaus Bj. 1978 - kaufen oder Finger weg?

29.09.2011



Hallo,
ich habe eigentlich mein Traumhaus gefunden und stehe nun vor der Entscheidung, es günstig kaufen zu können. Allerdings bin ich durch die Einträge hier im Forum ziemlich verunsichert...

Es handelt sich um ein Okal-Fertighaus aus dem Jahre 1978. Nach Besichtigung mit einem Bausachverständigen ist keinerlei Sanierungsstau vorhanden. Allerdings wies mich der Sachverständige darauf hin, dass es bei Hauser dieser Art und diesem alten zu Problemen b) gl. Formaldehyd und PCP (und einer Reaktion dieser beiden Stoffe kommen kann.

Einen wahrnehmbaren Modergeruch oder andere Anzeichen für eine solche Reaktion gibt es nicht. Der Sachverstandige meinte aber auch,dass die Reaktion auch noch nach 33 Jahren beginne kann und dann eine Komplettsanierung fällig wäre...

Daher meine Fragen:
Gibt es eine prozentuale Wahrscheinlichkeit für Okal-Häuser, dass der Sanierungfall auch nach 33 Jahren noch eintritt?

Wer kann eine verbindliche und langfristig gültige Aussage zur Wahrscheinlichkeit anbieten? Schließlich hilft es m.E. nichts, wenn die aktuelle Raumluft sauber ist, weil diese Reaktion der Stoffe noch nicht angefangen hat...

Gibt es Anzeichen, die ich als Laie wahrnemen kann?

Sonstige (seriöse) Tipps?

Danke vorab!!!





Ihre Frage sollten Sie noch mal durchlesen.

Wer kann eine verbindliche und langfristig gültige Aussage zur Wahrscheinlichkeit anbieten?



Kein Mensch kann verbindliches zur Wahrscheinlichkeit sagen, jedenfalls nicht seriös.

Falls es doch einen gibt wird der wohl eher Lotto spielen.


Grüße
Oliver Struve





Zum einen scheinen Sie einen guten Sachverständigen gehabt zu haben, denn viele "Sachverständige" haben sich offensichtlich noch nie mit dem Thema auseinander gesetzt. Zum anderen halte ich es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Reaktionen erst nach 33 Jahren einsetzen, sie könnten sich mit der Zeit höchstens verstärken. Ich empfehle hier immer eine Raumluftanalyse, denn ohne diese können Sie keine Aussage treffen über den Formaldeyhdgehalt, den PCP/Lindan-Gehalt oder den Gehalt anderer Schadstoffe in der Raumluft.

Wenn Sie das Objekt günstig bekommen können und die Lage so gut ist, planen Sie doch einfach von Anfang an eine Sanierung mit ein oder denken je nach Ergebnis der Raumluftanalyse über einen Abriss nach. Analysen macht übrigens die Stiftung Warentest recht günstig und schnell über ein Partnerlabor. Donnerstags hat die Chemikerin auch Telefonsprechstunde und beantwortet fachliche Fragen von Interessenten zu den Analysen. Einfach mal anrufen. Die Nummer und die Formblätter für die Analysen mit allen Informationen finden Sie auf der Homepage von Stiftung Warentest.

MfG



Okal Fertighaus Bj. 1978 - kaufen oder Finger weg?



Hallo,
danke für die ersten Kommentare und sorry für die Tippfehler - war das erste mal, dass ich auf nem Tablet-PC einen längeren Text geschrieben habe, und das morgens um 4 ;-)

Der Hinweis mit der Stiftung Warentest ist prima, werde ich wohl angehen!

Gibt es denn Fälle, bei denen ein Haus nach mehr als 30 Jahren noch anfing zu reagieren? Mein Sachverständiger meinte, dass es jederzeit noch beginnen kann...
Und das wäre beim Kauf ja ein völlig unkalkulierbares Kostenrisiko :-(

Von vornherein mit einer Sanierung oder einem Abriss zu rechnen ist sicher die sicherste Lösung - treibt aber den (zu kalkulierenden) Preis wohl dermaßen hoch, dass es spätestens dann kein Schnäppchen mehr ist.

Außerdem stellt sich mir die Frage, wie "gesund" das Ganze dann noch ist - selbst mit Mitte 40...

VG und danke für weitere Kommentare
Ludger





Ich kenne ein Ehepaar, das quietschfiedel und kerngesund mit Anfang 60 seit fast 40 Jahren in ihrem Okal-Haus wohnt. Die haben weder Geruchs- noch Gesundheitsprobleme. Das heißt zwar nicht, dass es die Regel ist, aber wohl auch nicht die Außnahme. Es kann jede Form der Ausprägung geben und es kommt nach meinen Dafürhalten wohl auf das Nutzungsverhalten an. Feuchtigkeit begünstigt die chemischen Reaktionen. Wenn immer gut gelüftet wurde und Feuchtigkeit keine Chance hatte in die Wände einzudringen, dann kann das Ganze gut ausgehen.

Aber mal abgesehen davon sprechen wir hier die ganze zeit nur von Chloranisolen, die zu Geruchsproblemen führen. Formaldehyd/PCP/Lindan/DDT/Dioxine sind eine ganz andere Baustelle und sind geruchslos. Die reagieren nicht erst mit der Zeit, sondern gasen permanent aus, seit dem Baujahr bereits. Wie ausgeprägt diese Belastung ist, kann nur eine Hausstaub- oder Raumluftanalyse zeigen. Für Formaldeyhd gibt es in der Apotheke für ca. 30 Euro einen sehr zuverlässigen Test der Firma Dräger (Bio Check F). Damit siehst man innerhalb 2 Stunden, ob die Grenzwerte für Formaldehyd in der Raumluft überschritten werden oder wie stark der Raumluftgehalt mit Formaldehyd ist. Kann ich dringend empfehlen!





Hallo Dominik,
genau dahin zielte ja meine Frage nach der Wahrscheinlichkeit..
OKAL selber wird mir wohl eher nicht beantworten, wie viele der von denen nach eigenen Angaben gebauten 85.000 Häuser saniert werden mussten ;-)

Ich dachte eher, dass z.B. eine Selbsthilfegruppe beziffern kann, dass z.B. 10 von 100 Häusern "fällig" waren...
100%ige Sicherheit scheint hier aber nur die Sanierung zu schaffen...

Ich kenne das von mir angesprochene Haus bzw. deren Besitzer, die seit 1990 / 1991 darin gewohnt haben, ziemlich gut - und offensichtlich gibt es keine gesundheitliche Schäden.

Übrigens - ein Feuchtigkeitsmessung durch den Sachverständigen (allerdings nur im gemauerten Keller) ergab Bestwerte (24 - 28 xx), sodass zumindest dort keine Feuchtigkeit vorhanden ist.


Wenn ich das richtig verstehe, gibt es Stoffe, die seit Baubeginn ausgasen - diese kann man mit Tests erfassen und somit Konzentrationen messen (PCP, Formaldehyd, Lindan).

Offen bleibt aber, ob es nach 33 Jahren noch die Möglichkeit der Bildung von Chloranisolen gibt, die für den Geruch zuständig wären...
Ist denn Feuchtigkeit das "auslösende Moment" dieser Reaktion?



Okal Fertighaus Bj. 1978 - kaufen oder Finger weg



Hallo Ludger,
Wie du schon geschrieben hast, PCP (Pentachlorphenol), Lindan, Formaldehyd gasen von Anfang an aus.
Dann schreibst du etwas von Chloranisolen, diese haben ein Cl-Atom/Molekül, PCP 5 Cl-Atome/Molekül, also unterschiedliche Strukturen.
Chloranisole können aus den Chlorphenolen durch Veretherung mit Dimethylsulfat dargestellt werden und sind flüssig. Falls jetzt die Chloranisole entstehen sollten, wo kommt denn das Dimethylsulfat her?
Ist ein wenig Chemie, gebe ich zu, aber vielleicht hilft es dir trotzdem weiter.





Hallo Jörg-Peter,
ich gebe zu, dass Chemie noch nie meine Stärke war, aber sei es drum...

Wenn ich die bisherige Diskussion und den Sachverständigen richtig verstanden habe, entstehen Chloranisole durch eine Reaktion zwischen dem (ich glaube) Verbundkleber und dem Holzschutzmittel...

Und wie es scheint, kann diese Reaktion auch noch viele Jahre nach dem Bau des Hauses beginnen. Das genau wäre dann das unkalkulierbare Risiko, das ich abzuschätzen versuche.

Also wäre die Antwort auf deine Frage, woher das Dimethylsulfatkommt, wohl mit "Holzschutzmittel" (wie z.B. Xyladekor etc.) zu beantworten.



Okal Fertighaus Bj. 1978 - kaufen oder Finger weg?



Hallo Ludger,
habe über 30 Jahre in einem großen Betrieb Lacke entwickelt, leider nicht Xyladekor oder ähnliche Produkte. Für die Zugabe von Dimethylsulfat zu obigen Produkt sehe ich keine Notwendigkeit, zumal Dimethylsulfat eine sehr giftige Flüssigkeit ist, eindeutig karzinogen und mutmaßlich mutagen und schnell die Haut durchdringt. Dimethylsulfat wird zur Methylierung von diversen chemischen Verbindungen benötigt (wieder diese Chemie!!!), deshalb macht auch der Einsatz in Klebstoffen für mich keinen Sinn, aber Kleber habe ich nie entwickelt.
Hoffe dir ein wenig geholfen zu haben.





Chloranisole sollen wohl, so mein Kenntnisstand ohne tiefere Chemiekenntnisse, durch eine Reaktion von Formaldeyhd mit Pentachlorphenol und bakteriellen Einwirkungen entstehen. Feuchtigkeit wirkt hier als Reaktionsbeschleuniger.

Empfehlenswert ist übrigens das Produkt EX Schadstoffvernichter von Baden Chemie zum Abbau der meisten damals eingesetzten Holzschutzmittel. Es soll gegen alle Produkte aus der Gruppe der Pyrethroide, der Carbamate und der Thio/Thinophosphate wirken, namentlich PCP, Lindan, Dichlofluanid, Cyfluthrin, Permethrin, DDT und Formaldehyd. Die Biozide werden vom Produkt hydrolosiert und in harmlose Salze umgewandelt. Entscheident scheint der ph Wert von 9,6 zu sein. NAOH und Aminosäurepuffer dienen als hydrolysierende und mineralisierende Komponenten. Ich habe mir von Baden Chemie die ausführlichen technischen Dokumente, Prüfzeugnisse, bauaufsichtliche Zulassung und Referenzen schicken lassen (kann jeder anfordern) und diese sind für mich sehr plausibel (ist nen kleiner Katalog mit geschätzten 50 Seiten Dokumentation). Selbst die Dekra hat die Wirksamkeit bestätigt!





Hallo,
danke bis dato für eure wirklich interessanten Kommentare und Hinweise. Ich hätte nie gedacht, dass Chemie für mich doch noch mal interessant werden könnte... ;-)

Bzgl. der Chloranisole findet man unter http://www.arguk-umweltlabor.de/infos/chloranisole.htm detaillierte chemische Informationen - und als Ergebnis, dass Zitat:"Es zeigt sich, dass sich die Chloranisol-Verteilung in der Raumluft von Fertighäusern im Vergleich zu Häusern anderer Bauart deutlich unterscheidet und hin zu höheren Werten verschoben ist."

Außerdem folgendes Zitat von gleicher Studie: "Einige der hier untersuchten Fertighäuser zeichneten sich durch einen mehr oder minder deutlichen schimmelig-muffigen Eigengeruch aus. Wahrscheinlich haben in diesen Fällen die Chloranisole einen wichtigen Beitrag zum Gesamtgeruchseindruck geleistet oder waren sogar alleinige Ursache dafür."


Nach meinem Kenntnisstand halte ich also fest:

1. Es gibt in betreffendem Haus wahrscheinlich Belastungen mit Formaldehyd, Lindan und PCP. Diese Stoffe gasen wohl seit Baubeginn aus und lassen sich in der aktuellen Konzentration durch Raumlufttests ermitteln.
--> Raumlufttest durchführen und mit "normalen" Werten vergleichen.

2. Es könnte nachfolgend zu Belastungen durch Chloranisole kommen (wie oben gesagt, gibt es aktuell keine Moder- oder Schimmelgerüche),eine Wahrscheinlichkeit, ob und wann damit zu rechnen ist, wäre reine Spekulation.
--> Dann allerdings wäre die Sanierung fällig.

Im Moment warte ich noch auf die Info des Sachverständigen, was das Haus + Grundstück überhaupt wert ist und werde anschl. versuchen, eine Entscheidung zu treffen. Ich tendiere aber eher zu einem "Nein"...