Eichendielen, ölen? laugen?

15.12.2006



Wir möchten ca. 100qm Eichendielen verlegen. Ich weiß noch nicht mit was ich die Eichendielen behandeln soll. Ich möchte sie auf jedenfall ölen. Habe verschiedene Anbieter mal etwas genauer betrachtet (Kreidezeit, Auro, Livos und Osmo). Kreidezeit (Hartwachsöl Pur Solid) habe ich auf Fichte-Dielen und Eichendielen ausprobiert, für Fichte sehr schön, die Eiche wird mir etwas zu dunkel. Habe vom Dielenhersteller ein Muster bekommen mit Osmo-Öl sieht eigentlich sehr schön aus (ist viel heller und glänzt nicht so). Habe dann in die Internetseite von Osmo geschaut, habe aber keine Deklaration gefunden was da alles drin ist. Ist das die chemische Keule? Auf Auro bin ich neugierig geworden, da diese auch Lauge und Seife haben und ebenfalls ein Hartwachsöl Pur Solid (wird das Holz davon auch so dunkel und glänzt?) Auro schreibt auch als ersten Arbeitsgang eine Grundierung vor ist das bei allen Anbietern so (bei Kreidezeit habe ich da nichts gefunden). Für was ist die Grundierung nützlich? Ist das Hartwachsöl dem normalen Hartöl qualitätsmäßig vorzuiehen? Im Schlafzimmer möchte ich den Eichenboden gerne etwas heller haben. Ich habe da an weißpigmentiertes Öl gedacht. Habe aber mittlerweile im Forum gelesen, das das gar nicht so einfach ist (Flecken) kann mir jemand einen Tip geben wie ich das am besten hinbekomme?
Über eure Hilfe würde ich mich sehr freuen
Grüße Gerlinde



Eiche...



sollte nicht gelaugt oder geseift werden - als stark gerbsäurehaltiges Holz wird es von basischen Produkten angegriffen. Diese Techniken sind vorrangig für harzhaltige Nadelhölzer gedacht.

Wachse (oder Ölwachse) verringern die Diffusionsfähigkeit des Holzes, weil die Wachsanteile die Poren schließen. Außerdem sind Wachse (aber auch häufig Ölwachse) anfälliger für (Wasser)Flecken. Wenn des größeren Glanzes wegen Wachs angewendet werden soll, dann nur nach mehrfachem Ölauftrag und unter Einhaltung der Trockenzeiten. Bei Ölwachsen habe ich auch zuweilen Trocknungsverzögerungen beobachtet.

Für das Ölen von Böden verwende ich ausschließlich Öle von Natural (Heißtechnik) oder Naturhaus (Kaltauftrag), weil diese ohne Erdölprodukte (Isoparaffine) auskommen. Bodenöle müssen immer mit einer Einscheibenmaschine eingeschliffen werden.

Pur solid- oder High solid - Öle besitzen einen besonders hohen Ölanteil und feuern oft besonders an, auf manchen Hölzern neigen Sie auch zur Fleckenbildung, für einen Erstauftrag sind sie nur bedingt geeignet.

Falls Sie keine Möglichkeit haben, mit einer Thermopadmaschine zu arbeiten, empfehle ich Ihnen Produkte von Naturhaus: 2x Auftrag Hartöl spezial (feuert wenig an, das Holz bleibt etwas heller), anschließend 1x Auftrag Hartöl HS. Ersteres gibt es auch als weißes Öl.

Für stärker beanspruchte Flächen rate ich von pigmentierten Ölen ab, weil dann ein recht hoher Pflegeaufwand erforderlich ist. Im Privatbereich, besonders wie in Ihrem Fall in weniger beanspruchten Räumen, hätte ich diesbezüglich aber keine Bedenken. Wichtig aber auch hier, um eine haltbare Fläche zu erzielen: Einschleifen!

Detailfragen: Nur zu!

Gutes Gelingen

Thomas



Vielen Dank



lieber Thomas für die präziesen Antworten die Sie mir gegeben haben. Ich bin nun ein großes Stück weiter gekommen.
Habe aber doch noch ein paar Fragen.

Wachsen! Die Hersteller die ich kenne schreiben alle, das durch wachsen der Boden strapazierfähiger wird als durch ölen (der Glanz interessiert mich nicht, eine matte Oberfläche ist mir lieber). Basiert diese Behauptung darauf, das eine Schutz-Schicht auf dem Holz gebildet wird? Sie geben vor 1 od. 2 x ölen, dann wachsen.

Weiß-pigmentiertes Öl! Wie funktioniert da der Auftrag auch 2xWeiß-pigmentiertes Öl + 1xAuftrag HS? Wie ist das bei dem Weiß-pigmentierten Öl beim auftragen, sieht man die Stellen, wo man evtl. 2x draufgekommen ist? Sind das dann nachher hellere Flecken?

Ich werde jetzt erst einmal überprüfen ob ich bei mir in der Gegend eine Thermopadmaschine ausleihen kann. Wie ist das Öl von Natural, werden die Dielen dunkler oder eher heller? Matt oder Glänzend?

Sie schreiben das Öl wird eingeschliffen. Ich dachte das sind so eine art Polierpads an der Maschine. Den Boden muß man dann also nicht zwischenschleifen nach dem 1. Ölauftrag? Ist beim einarbeiten des Öls auch eine bestimmte Richtung zu beachten wie beim normalen schleifen? Wie funktioniert das ganze denn auf Treppenstufen (diese sind ebenfalls aus Eiche, die ich mit dem selben Öl behandeln will wie der Boden)?

Dann habe ich da noch ein anderes Baby. Wir haben auf unsere Bühne eine Galerie gemacht. Ca. 8qm, und diese mit Fichtedielen ausgelegt. Leider haben wir die Dielen etwas früh verlegt (bevor unser Haus und die Stirnwand mit erdfeuchtem Lehm verputzt wurde und die Fermacell-Platten an den Dachschrägen waren). Naja die Dielen sind doch stark in mitleidenschaft gezogen worden (verbogen und macken). Jetzt haben wir uns gedacht wir bürsten den Boden mit einer Kunststoffbürste und danach würden wir den Boden ölen. Da es nicht viel qm sind und viele Schrägen würde ich den Boden von Hand (via Pinsel) ölen. Habe mir dafür damals das Hartwachsöl Pur Solid von Kreidezeit geholt. Der Verkäufer hat zu mir gesagt ich bräuchte den Boden nur 1x ölen. Wie ich mich jetzt näher damit befaßt habe, kam mir nun der Gedanke ich mache das Öl heiß im Wasserbad. Macht das ganze Sinn? Muß nach dem Bürsten eigentlich nochmal ein feiner Zwischenschliff erfolgen?

Ich hoffe es waren nicht zuviele Fragen. Ich würde mich freuen wenn ich diese wieder so toll beantwortet bekäme.

Grüße Gerlinde



Hallo Gerlinde,



zu den Fragen:

"Wachsen! Die Hersteller die ich kenne schreiben alle, das durch wachsen der Boden strapazierfähiger wird als durch ölen (der Glanz interessiert mich nicht, eine matte Oberfläche ist mir lieber). Basiert diese Behauptung darauf, das eine Schutz-Schicht auf dem Holz gebildet wird? Sie geben vor 1 od. 2 x ölen, dann wachsen."

Wenn der Hersteller das behauptet, irrt er im besten Falle. Eine Oberfläche nur aus Wachs ist pflegeintensiv und fleckenanfällig - das Wachs liegt wie ein Lack im Wesentlichen auf der Fläche. Öl dringt ein, härtet diese durch chemischen Verbund mit Holzbestandteilen. Wachs ist allenfalls als dünne Schutzschicht für den Ölboden denkbar. Vielleicht ölen Sie erst und schauen, wie es Ihnen gefällt. Wachs kann man auch später (dann ggf. als Ölwachs) auftragen.

"Weiß-pigmentiertes Öl! Wie funktioniert da der Auftrag auch 2xWeiß-pigmentiertes Öl + 1xAuftrag HS? Wie ist das bei dem Weiß-pigmentierten Öl beim auftragen, sieht man die Stellen, wo man evtl. 2x draufgekommen ist? Sind das dann nachher hellere Flecken?"

Bei richtigem Auftrag gibt es keine helleren Flecken. Durch das Einschleifen verteilen sich die Pigmente und es verbleiben nur wenige auf der Fläche, sie sammeln sich (bei Eiche)in den Poren. Mit einer kleineren Probe könnten Sie auch erst mal eine Probefläche machen. Schichtaufbau wie von Ihnen vermutet.

"Wie ist das Öl von Natural, werden die Dielen dunkler oder eher heller? Matt oder Glänzend?"

Das Öl feuert die Eiche an, sie wird etwas dunkler. Das wird aber jede Eiche mit der Zeit, unabhängig vom Öl. Die Fläche wird seidenmatt, wie bei eigentlich allen Ölen ohne Harzanteile.

"Sie schreiben das Öl wird eingeschliffen. Ich dachte das sind so eine art Polierpads an der Maschine. Den Boden muß man dann also nicht zwischenschleifen nach dem 1. Ölauftrag? Ist beim einarbeiten des Öls auch eine bestimmte Richtung zu beachten wie beim normalen schleifen? Wie funktioniert das ganze denn auf Treppenstufen (diese sind ebenfalls aus Eiche, die ich mit dem selben Öl behandeln will wie der Boden)?"

Geschliffen wird mit feinen (weißen) Pads, kein Zwischenschliff nach dem ersten Auftrag. Da das Einarbeiten als Drehbewegung erfolgt, gibt es keine vorgeschriebene Richtung. Auf Treppen geht das Ganze mit einem runden Exzenterschleifer mit regelbarer Geschwindigkeit mit Tellergröße 150 (z.B. Festool), Schutzzwischenlage und Schleifvlies.

Es kann sinnvoll sein, nach dem Einbau mit der Einscheibenmaschine und 120er Schleifgitter einen feinen Überschliff durchzuführen.

Wichtig ist nach dem Ölen auch die Unterhaltspflege. Kein Meister Prop..., sondern ein Neutralreiniger mit Öl- und Wachsanteilen, z.B. Natural Intensivreiniger als Wischwasserzusatz.

Dem zweiten Teil Iher Frage wende ich mich später zu, die Familie will auf den Weihnachtsmarkt. Und der Dresdener Mittelalter-Weihnachsmarkt im Stallhof des Residenzschlosses ist eine wirkliche Attraktion.

Advents-Grüße

Thomas



Zum Zweiten...



Hartwachsöl muß nicht zwingend eingeschliffen werden. Auf einer kleineren Fläche könnte das aber mit einer Rotex von Festool o.ä. Gerät gut gehen und erhöht die Stabilität der Oberfläche. Einen zweiten Auftrag würde ich in Betracht ziehen. Das Erwärmen (im Wasserbad!)ist für eine höhere Eindringtiefe immer gut. Nicht vergessen, die Uberstände zu verteilen und später abzunehmen.

Wenn das Holz durch den Bau angegriffen wurde, ist ein feiner Überschliff (120 oder 100+120) sicher besser als das Bürsten. Auf kleinen Flächen geht auch das mit einer Rotex, das nimmt auch noch einige Unebenheiten weg.

Gutes Gelingen


wünscht

Thomas



Unterschied Öl- und Ol/Wachsoberflächen



Den Ausführungen über ölen und schleifen ist von meiner Seite nichts hinzuzufügen.
Zu den Produkten:
OSMO "Hartwachsöl" ist ein leicht zu verarbeitendes Produkt, daß nicht 100 % "Öko" ist , aber eine sehr bewährte Oberfläche mit gutem Ruf.

Auro hat ausgesprochene "Naturprodukte" und baut seine Oberflächen meist in mehreren Komponenten auf - nach Wunsch und Vorliebe. Ich habe mit Hartwachsöl-Imprägniergrund gute Erfahrung im strapazierten Küchenbereich mit Eiche.

Zum Holz: Die Eiche dunkelt mit fast allen Öl und Öl/Wahs Oberflächen zum nahezu gleichen Farbton - einzig der Zeitraum ist verschieden.

----- Meine Hauptergänzung -----
Die Pflege. Richtig ist : Bitte nicht irgendwelche Pflegeprodukte aus Schlecker und Co. Sondern genau das Produkt das zum System gehört!

Öl Oberflächen werden "Seifenartigen" Pflegemitteln gewischt und geben dem Boden über Fette und Öl einen feinen Schutzfilm der den täglichen Schmutz auffängt. Wenn die Dosierung nicht stimmt, dann werden die Böden leicht grau und sind nur mit einer Grundreinigung(alte Seienanteile entfernen) wieder frisch (nachölen und mit Seife die Erstpflege wiederholen). Je nach Nutzung wird das Nachölen 1x jährlich empfohlen von den Herstellern. Wenn die Grundreinigung den Grauschleier nicht entfernt hilft nur noch schleifen.

Öl/Wachs Oberflächen sind gegen Flecken durch Feuchtigkeit nach meiner Erfahrung empfindlicher aber etwas Träger was das "auslaugen" der Oberfläche betrifft. Will heissen: bis die Öl/Wachs Oberfläche nur noch mit schleifen renovierbar ist, hat man den Boden schon lange vernachlässigt.
Aber es gilt gleichermaßen regelmäßig mit dem richtigen Mittel pflegen.

Salopp sage ich: wenn Sie gerne nah am HOLZ laufen und Ihren Boden mit Öl und dieser Oberfläche verwöhnen - lieben - dann ölen Sie!

Wenn Sie nicht ganz so viel Gefühl in den Boden investieren möchten und eine simple Oberfläche suchen dann ÖL/WACHS. Aber schon 2 Arbeitsgänge..

Gruß Markus Oliver



Ein kleiner Nachtrag



@ Markus Oliver

"bis die Öl/Wachs Oberfläche nur noch mit schleifen renovierbar ist"

Nach meiner Erfahrung sind alle Öl-, Wachs- bzw. Ölwachsoberflächen regenerierbar, d.h. müssen nicht geschliffen werden. Das Wachs kann man mit Schleifpads und geeigneten Mitteln abnehmen. Das Öl, so es denn keine Harz-/ Lackanteile hat, ist ohnehin nur im Holz.

Die Regenerierbarkeit endet erst dann, wenn stärkerer mechanischer Abtrag des Holzes stattgefunden hat. Industriell hergestellte "Öl" - Oberflächen auf Fertigparkett etc. sind meist nicht regenerierbar, da sie häufig lediglich matte, teilweise offenporige Lackoberflächen sind.

Grüße

Thomas



schleifen oder nicht



@Thomas

Klar, daß eigentlich der Boden "nie" mehr geschliffen werden muss - aber ich kenne jetzt doch einige Kunden, die nach 4- 6 Jahren dem Boden in Öl oder Öl-Wachs nicht genug Aufmerksamkeit zukommen ließen und nun ist der Eindruck -GRAU - im Detail oft mit Schmutzeintrag (mechanisch) bis ins Holz .
Hier kann man erst den Abtrag der Seifen bzw. Wachsschicht versuchen aber oft wird doch geschliffen. Das spart beim renovieren auch mal die Zeit des trocknens bevor man wieder die neue Oberfläche aufträgt.

Jedenfalls ging es mir um die Unterschied im pflegen und der nötigen Aufmerksamkeit bei den beiden Oberflächen.

Nur dann gilt : "Nie" mehr schleifen und lange Spaß am Boden haben.

Gruß Markus Oliver



Besonders wichtig...



@ Markus Oliver

...ist, neben der richtigen Pflege (und da stimme ich Deinen Hinweisen natürlich zu), dem Erstauftrag des Öles größte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Nur beim ersten Auftrag kann das Öl wirklich tief in das Holz eindringen, alle folgenden Aktivitäten nähren mehr die Oberfläche (so unverzichtbar sie auch sind).

Dazu steht, neben der Möglichkeit, erwärmtes Öl mit der Einscheibenmaschine einzuarbeiten, das Thermopadverfahren (oben kurz erwähnt) zur Verfügung. Dabei werden Treibteller und Pad der Maschine mit bis zu 80 Grad heißer Luft erwärmt. Man kann hier die dickeren Pur solid Öle verwenden und damit mehr Öl in's Holz bringen und gleichzeitig eine hohe Eindringtiefe erreichen, ohne nennenswerte Lösemittelbelastung. Das wäre dann die beste Basis für eine langlebige Oberfläche.

AAABER: Viele Fertigparketthersteller erteilen keine Zulassung für dieses Verfahren auf ihren verleimten Parketten. Ich hatte noch keine negativen Erfahrungen damit, aber massives Parkett / Dielung ist ohnehin vorzuziehen.

Beim Abtrag der Wachsschichten schreibst Du von Trockenzeiten - ich vermute also, daß Du wässrige Mittel benutzt. Davon bin ich ganz weg, weil es eine ziemliche Quälerei ist, das Holz aufquellt und teilweise oberflächlich auffasert. Ich probiere da ganz gern vor Ort einige Sachen auf der Basis von Citrusöl aus (gutes C. stinkt nicht) und habe damit bisher immer gute Ergebnisse erzielt.

Grüße

Thomas



Thema trocknen



ich dachte an die Trocknung der Grundreinigung als Zwischenschritt.

Gruß Markus



Welche Polierpads zum Einschleifen von Natural Parkettöl auf TReppe?



Hallo,

hier ist immer die Rede von "feinen weißen Pads" für die Festool Rotex zum einschleifen von (bei mir) Natrual Parkettöl auf einer Treppe. Was genau sind das für Pads??? Ich finde auf der Festool Seite unzählige Artikel die weiß sind und zum Polieren, habe aber leider keine Ahnung was zum ölen der Treppe genommen werden muß:-(
Bei Festool gibt es Poliertuch, Polierfilz hart und weich, Polierschwamm schwarz und weiß und gelb, glatt und genoppt. Ich blick nicht durch.
Kann mir bitte jemand helfen. Vielleicht kann mir jemand die Festool Bezeichnung sagen.
Ist es außerdem richtig daß ich dann auch den Festool Polierteller PT-STF D150 FX-RO150 benötige? Und muß zwischen den Teller und das "Polierpad" noch dieses Lamfell?Für eine Antwort wäre ich euch sehr dankbar, jetzt hab ich die TReppe mit so viel Mühe abgeschliffen, da will ich beim Ölen nicht verderben. Vielen Dank, auch für die ganzen Beiträge von euch die mir bis hierher sehr geholfen haben.