Oberste Geschossdecke dämmen

01.01.2022 Ovali

Oberste Geschossdecke dämmen

Hallo zusammen, ich wünsche allen ein gesundes neues Jahr.
An unserem Altbau aus 1914 möchten wir die oberste Geschossdecke von oben dämmen. Der Deckenaufbau ist von unten betrachtet folgendermaßen. Holztäferverkleidung die ich erhalten und nicht abbauen möchte, Sparren mit 180mm, Dachboden Belag aus Holzdielen. Die Dämmung erfolgt von oben, da ich die Holzdielen relativ leicht öffnen kann. Als Dämmaterial besitze ich schon Klemmfilz von Isover in 180mm Stärke. Der Dachboden selbst bleibt ungedämmt, also mit Sicht auf die Ziegel. Auf Anfrage an Zimmermänner und einem Energieberater wurde mir von einem zu einer Dampfbremse geraten, der andere meinte die wird nicht benötigt weil der Dachboden ja nicht komplett dicht durch den Holzdielenboden und deren Fugen wird, und somit keine Feuchteschäden zu erwarten sind. ch bin nun etwas ratlos. Der Zimmermann meinte ich solle eine Dampfbremse einlegen und über die Sparren Schlaufen, Da habe ich allerdings Bedenken das mir die Sparren dann feucht werden. Besser wäre es doch die Sparren oben offen zu lassen. Kann mir dazu bitte jemand helfen? Grüße



Oberste Geschossdecke dämmen



Die Feuchtespuren stammen von einem Marder der sehr wild auf dem Dachboden gehaust hat!!



Re: Oberste Geschossdecke dämmen



Hallo Reiner,

auch dir ein gutes neues Jahr!
Eine Dampfsperre unter die Dachsparren zu "hängen" wäre tatsächlich Quatsch. Wozu soll die dienen?
Wenn überhaupt könntest du eine dampfdurchlässige (= diffusionsoffene) Unterspannbahn einbauen um den Dachboden winddicht zu machen, damit kein Flugschnee, oder auch einfach nur "Dreck" und Staub, durch die Fugen der Dachziegel rein kommt.
Diese Folie müsstest du dann aber an der Traufe über die Fußpfette bis vor die Außenwand, in den Traufkasten verlegen, damit z. B. eingedrungener und anschließend getauter Schnee nicht in die Decke, bzw. auf die Mauerkrone der Außenwand tropft.

Grundsätzlich gilt, eine Dampfsperre, also eine wirklich dampfdichte Folie wird immer auf die warme, sprich Innenseite der Dämmung gebaut, nie auf die kalte Außenseite. Außen wird eine Dämmung nur winddicht gemacht, damit keine kalte Luft in die Dämmung rein weht und der Dämmeffekt dadurch verringert wird. Diese Winddichtung muss aber diffusionsoffen sein, damit gewährleistet ist, dass Feuchtigkeit (Kondensat) raus verdunsten kann.

Thema oberste Geschossdecke dämmen:
Natürlich kannst du den vorhandenen Isover-Klemmfilz dazu verwenden. Bedenke aber, dass leichte Dämmstoffe, wie z. B. Mineralwoll-Klemmfilz zwar gut gegen Kälte dämmt, aber weniger gut gegen die sommerliche Hitze und Lärm. Da sind "schwerere" Dämmstoffe, z. B. Isofloc oder Holzweichfaserplatten und-matten besser.
In deinem Fall würde ich die Fußbodenbretter alle ausbauen, die Deckenbalken auf 22 - 25 cm Höhe Aufdoppeln (6x6cm Kanthölzer drauf spaxen), eine Rieselschutzfolie in die leeren Gefache einlegen, die Gefache mit Isofloc bis OK Aufdoppelung füllen, eine diffusionsoffene Folie darüber legen (damit kein Dreck, Staub, aber auch "ungewollte Untermieter" durch die Fugen der Bodenbretter in die Dämmung kommen) und die Bodenbretter wieder einbauen.

Gruß,
KH



Oberste Geschossdecke dämmen


Oberste Geschossdecke dämmen

Hallo K.H. ,
ich hänge mal ne Skizze zum besseren Verständniss an, die Dampfbremse soll nicht unter die Sparren gehängt werden, sondern darüber geschlauft von den Gefachen kommend. Die Gefache dann mit dem Klemmfilz ausgefüllt werden. Es kommt ja von unten warme Raumluft die vermutlich durch die Holztäferverkleidung durch diffundiert. Ich habe nun Bedenken das die Feuchte im Sparren eingeschlossen wird und dort Probleme auftreten. Das Dach ist eigentlich Flugschnee dicht da die Deckung mit Biberschwänzen und einem darunterliegenden alten Schindeldach recht dicht ist. Oder benötige ich überhaupt keine Dampfbremse so wie es mir der Energieberater vorgeschlagen hat ? Das Haus steht übrigens im Schwarzwald auf ca. 1100 Höhenmetern
Grüße, Ovali



Richtig gedacht!



Ich glaube wir müssen zuerst mal Begriffe klarstellen:
"Sparren" sind die Balken auf denen die Dachlatten und -ziegel liegen. In einer Decke sind "Deckenbalken".
Deshalb habe ich in meinem Geschreibsel einmal von Sparren und einmal von Deckenbalken geschrieben.

"Ich habe nun Bedenken das die Feuchte im Sparren eingeschlossen wird und dort Probleme auftreten."
Deine Überlegungen sind richtig und deine Bedenken sind berechtigt, denn die Oberfläche der Deckenbalken sind direkt unter der Bodendielung "im Kalten". Es kann sich also an diesen Stellen unter eine dampfdichten Folie Kondensat bilden, das nur nach innen wieder raus verdunsten kann.
Du müsstest entweder eine "feuchtevariable" Folie ( z. B. die pro clima INTELLO, o. ä.) verwenden, oder eine dampfdichte Folie an den Seiten der Balken nur etwas hoch ziehen und verkleben, das Holz zur kalten Seite hin aber frei/offen lassen.
Trotzdem solltest du auch diese Dämmung von oben WINDdicht (nicht luftdicht) "einpacken", damit keine Kaltluft rein ziehen kann! Denn so dicht wird wohl auch dein Dach nicht sein, dass im DG kein Luftzug ist...vor allem bei 1100 m üNN... und die alten Bodendielen, mit mehr oder weniger breiten Fugen, sinds sowieso nicht.

Gruß,
KH



Oberste Geschossdecke dämmen



Hallo, danke für Deine Sparren und Balkenaufklärung. Bin leider nicht vom Fach. Wenn ich also eine intelligente Dampfbremse verwende funktioniert das mit den "eingepackten" Deckenbalken ohne das die mir durchfeuchten. Bekomme ich die Winddichtheit auch ohne eine Aufdoppelung des Bodens hin? Der Dachboden ist in der Tat sehr zugig. Habe ich da große Wärmedämmverluste wenn ich das so belasse?
Beste Grüße



Was die Aufdopplung...



... der Deckenbalken, sprich die Dicke der Dämmung angeht, kannst du mal mit dem U-Wert-Rechner unter https://www.ubakus.de/u-wert-rechner/ "spielen". Der zeigt dir ziemlich genau wie hoch die Verluste bei unterschiedlichen Dicken sind.
Ansonsten hat eine Aufdopplung nichts mit der Winddichtigkeit der Dämmung zu tun. Der Wind bläst in eine faserige/lose Dämmung immer rein, egal wie dick sie ist. (im Gegensatz zu z. B. Styropor, usw.)
Stell dir einen Wollpullover vor. Ohne Windjacke drüber kann der noch so dick sein, wenns bläst friert man immer, mit winddichter Jacke hält er warm, auch wenn er nur recht dünn ist. Genau so verhält es sich mit der Winddichtung einer Gebäudedämmung.
Ich finde halt, dass man so, wenn es die Raumhöhe zulässt, am einfachsten (Heiz-)Energie einsparen kann, bevor man nachher in (teure) Hitec investiert. Kannst ja mal "fiktiv" die Kosteneinsparung ausrechnen und gegenrechnen was ein paar Meter Kanthölzer und das Mehr an Dämmmaterial kostet: https://www.ubakus.de/berechnung/waermebedarf/

Gruß,
KH



Vorsicht Anschlussdetails



Guten Tag,
für Ihr Anliegen gibt es gute Lösungen, aber es ist nicht so simpel wie es erstmal erscheint, wenn kein Wissen oder Grundverständnis über Aufbauten von Außenbauteile mit hohem Dämmquerschnitten vorhanden ist. Außerdem können hier nur allgemeine Empfehlungen für die Flächen gegeben werden, mit Hinweisen darauf, dass gerade Anschlussdetails ein hohes Schadenspotenzial haben.
Meine Empfehlung wäre es sich eine Fachkraft zu engagieren, die Ihnen nach Besichtigung ein Konzept und eine Anleitung erarbeiten kann, auf das Sie die Arbeiten dann selbst ausführen können. Das kostet Geld, ist es aber wohl wert.

Hier dennoch mein Vorschlag für die Fläche:
1. Einbau Luftdichtigkeitsebene hier: proclima DASATOP. Einbau in Schlaufen über die Deckenbalken hinweg
2. Aufdopplung Balkenquerschnitt mit z.B. 60x80 mm Fichte
3. Einbringen Dämmstoff
4. Montage z.B. Rauspund als Bodenbelag. Wenn der Boden gut verlegt ist würde mir dies als "Winddichtigkeit" reichen, wer mehr will kann selbstverständlich eine eigene Bahn dazu einbauen.

Selbstverständlich gibt es auch andere Varianten, vielleicht gäbe es nach einer Besichtigung sogar gute bauliche Gründe von meinem hier gemachten Vorschlag abzusehen...

Problematische Stellen sind z.B.:
- Die Bereiche vor dem letzten Balken zwischen den Sparren. (Überhaupt haben die Deckenbalken eine seltsame Richtung...) Wenn mit einer Luftdichtigkeitsebene gearbeitet wird erhöht sich der Dampfdruck an den Stellen, an denen es Leckagen oder eben keinen brauchbaren Anschluss gibt. Außerdem muss dieser Bereich mit gedämmt werden um ein Kondensatproblem auf der Rauminnenseite in diesem Bereich zu verhindern.

-Durchdringungen von Schornsteinen Lüftungsrohren und co.

Dieser Beitrag ist nicht als Anleitung, sondern als Erklärung für den Standpunkt dass es gut wäre sich ein Konzept erstellen zu lassen gemeint.
Ich hoffe dass der Beitrag somit hilfreich ist.