Denkmäler


Denkmäler

Liebe Community,

Im Sommer 2011 habe ich etwas über das ehem. Hospital in Zierenberg berichtet:

http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/168616$.cfm

Jetzt liegt ein Gutachten vor.

Hier einige Auszüge aus dem Gutachten:

Kommentierte dendrochronologische Datierung des ehemaligen Hospitals
Erstellt im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen,vertreten durch Herrn Dr. Wolf
 
Büro für bau historische Gutachten - Dr. Hans-Hermann Reck - Wiesbaden
im Juni 2011
 
"Das weit außerhalb der ummauerten Altstadt von Zierenberg im Tal der Warme gelegene ehemalige Hospital, ein ungewöhnlich großer, zweigeschossiger Massivbau, soll 1798/99 anstelle einer ehemaligen Branntweinbrennerei errichtet worden sein.
Andere Autoren sprechen nur von einer Umnutzung samt eingreifendem Umbau der Brennerei."----------------

"Die Inschrift mit der Jahreszahl 1593 auf der Rückseite des Gebäudes wurde beim letzten Neuverputz in den noch feuchten Putzmörtel eingeritzt und stammt aufgrund der Ziffernform eindeutig aus dem 20. Jahrhundert."
 
Also ein echter "Narrenstreich"(Robert G.)

" Die Umfassungsmauern, das Dachwerk mit den Fachwerkgiebeln und den beiden Zwerchhäusern sowie Teile der Innen - Konstruktion in beiden Vollgeschossen stammen hingegen, dem Ergebnis der dendrochronologischen Datierung zufolge, von einem einheitlichen Neubau im Jahr 1782.

Ältere Substanz konnte an keiner Stelle gefunden werden."

-------------"Der stattliche Bau wurde in einem Zuge zu Beginn der 1780er Jahre errichtet, vielleicht sogar innerhalb des Jahres 1782. Seine äußere Erscheinung hat sich bis heute so gut wie nicht verändert. Im Inneren war er bis auf die (Wohn-)Räume in den beiden östlichen Achsen nicht weiter unterteilt, sondern bildete eine fast 30 Meter lange, 11,5 Meter breite und rund fünf Meter hohe Halle, in welcher als Teile der Baukonstruktion nur die sieben Stützenpaare für die Längsunterzüge der Dachbalkenlage standen. Als Nutzung dieses ungewöhnlichen Gebäudes kommt eigentlich nur eine protoindustriell-gewerbliche in Frage. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten z. B. die großen Spinnereien und Webereien ähnlich dimensionierte und konstruierte Bauten. Einen zusätzlichen Hinweis auf eine gewerbliche Nutzung könnte ein bislang nicht erklärbarer Befund an der östlichen Schmalseite geben. Hier zeichnet sich unter den beiden südlichen Fensterachsen ein großer gemauerter Bogen ab, der heute weitgehend vom Außenniveau verdeckt wird. Denkbar ist, dass ein von der Warme abzweigender Werkgraben in das Gebäude geführt wurde, sei es zum Antrieb von Wasserrädern, sei es zur Gewinnung von Frischwasser oder zur Abführung
von Abwasser. Wie so vielen industriellen Neugründungen scheint dem Unternehmen kein Erfolg beschieden gewesen zu sein, so dass seine Baulichkeiten bereits knapp zwei Jahrzehnte später zur Einrichtung des Hospitals angekauft werden konnten."

------------"Als wahrscheinlicher, in seiner äußeren Erscheinung nahezu unveränderter und auch in seiner Rohbausubstanz kaum beeinträchtigter früher Industriebau aus dem Jahr 1782 kommt dem Gebäude ein hoher historischer Zeugniswert zu, der es zu einem Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung macht. Der Schutz des Gebäudes muss sowohl den auch künftig ungestörten äußeren Eindruck als auch die Erhaltung der gesamten bauzeitlichen Rohbausubstanz zum Ziel haben.

Schwieriger ist die Bewertung des Umbaus zum Hospital 1798/99: Zwar sind die hierfür erfolgten Umbauten von geringerer bautechnischer Qualität und durch die neuerliche Umformung zur Gaststätte in den 1980er Jahren vor allem im Erdgeschoss stark reduziert worden, aber doch
 
für die Sozialgeschichte nicht nur der Stadt, sondern auch der Region von erheblicher Bedeutung."

viele Grüße




 

 





In die Disse bin ich früher echt gerne gegangen! ;-)



Alter bestimmen



Hallo


Ich fürchte, daß dieses Haus den Weg vieler Denkmäler gehen wird:


-Leerstand
-Verfall
-Vandalismus
-warmer Abriss

(in dieser Reihenfolge)


Grund: zu groß, zu teuer, zu viele Auflagen, zu profilierungssüchtige Sachbearbeiter beim Denklmalamt, schlechte Lage.


Für solche Objekte ein Nutzungskonzept zu finden ist schon schwer, eine denkmalgerechte bezahlbare Sanierung durchzuführen eine fast nicht zu stemmende Aufgabe.


Solchen wenn auch schönen Klotz ans Bein zu binden können nur Stiftungen und (oder) Freaks, und davon gibts in Kombination bei der nur wenige...


Andreas