Fassade streichen

28.07.2008



Hallo Zusammen,

Anfang des Jahres haben wir ein Haus Baujahr 1950 gekauft. Es ist teilweise aus Bruchsteinen, teilweise aus Bims zweischalig gemauert und komplett verputzt.

Der Putz ist grob. Körnung der Steinchen bis 7mm schätze ich.

Nun möchte ich das Haus mit einem neuen Anstrich beglücken.

Zum jetzigen Zustand des Anstrichs:

Wahrscheinlich ca. 1970 gestrichen (zu diesem Zeitpunkt wurden hier einige Renovierungsarbeiten durchgeführt).

Westseite und Nordseite stark mit Algen bewachsen. West- und Nordseite sind auch die Seiten, die mit Bruchsteinen gemauert sind. Außerdem: Viele hohe Bäume (Linde etc.) auf diesen Seiten. Die Westseite ist gleichzeitig Wetterseite. Hier sieht man an einigen Stellen schon den Putz, vor allem im Giebelbereich.

Um herauszufinden worum es sich beim jetzigen Anstrich handelt, habe ich ein paar Tropfen 10%ige Salzsäure aufgebracht. Es schäumt nicht. Im Keller schäumt es schon - da sind die Wände gekalkt. Dann habe ich es mal mit einem Heizluftföhn versucht und dran gerochen. Es riecht auch nicht wie verbranntes Plastik. Was könnte das für eine Farbe sein?

Das Haus hat kaum Dachüberstand.

Welches Vorgehen würdet Ihr mir empfehlen? Ich möchte das gerne alles selbst machen.

Viele Grüße,
Jörg



Dispersionsfarbe auf der Nordseite?



Ich habe soeben einen weiteren Test gemacht: Etwas Farbe (so ca. eine Messerspitze) von der Nordseite abgekratzt und auf ein Stückchen Aluminiumfolie gelegt. Von unten mit dem Feuerzeug heiß gemacht bis die Folie rot glühte. Im ganzen Raum hier stinkt es nach verbranntem Plastik.

Anschließend habe ich den Test ohne Farbbrösel in einem geruchsmäßig neutralem Raum gemacht - keine Geruchsreaktion wahrnehmbar :-)

Ich tippe bei der Nordseite mal auf Dispersionsfarbe.

Bezüglich Testverfahren mit dem Heißluftföhn (siehe oben): Da war die Farbe noch an der Wand und wurde wahrscheinlich nicht heiß genug.



ich tippe auf eine Acrylfarbe. Diese waren in den 70igern



ganz groß in Mode. Wurden toll beworben mit "atmungsaktiv", "diffusionsoffen" Wegen leichter Verarbeitung fanden Acrylfarben sehr schnell guten Anklang bei "Fachhandwerkern" und in den Baumärkten. Mit sowas wurden z.B. viele Fachwerkhäuser in der hessischen Fachwerkstadt Alsfeld "kaputtsaniert".



Alte Farbe beseitigt. Jetzt Kalk-Kasein.



Acrylfarbe oder irgendeine andere Kunststoffdispersion ist es jedenfalls.

Ich habe letzte Woche mit einem Berater einer sehr bekannten Firma gesprochen, die Silikatfarben herstellt. Er riet mir dazu, die Wand mit dem Hochdruckreiniger abzustrahlen, so dass die losen Farbpartikel zu Boden gehen und dann mit einer Dispersionssilikatfarbe mit zwei Anstrichen wieder aufzubauen.

Irgendwie gefiel mir der Gedanke nicht, die meiste Kunststoffarbe drauf zu lassen und dann mit einer teuren Farbe zu überkleben.

Also habe ich die Nordwand komplett abgestrahlt. Komplett heißt so ca. 98-99%, also bis auf ein paar Farbkleckse auf grobkörnigen Steinchen im Putz wo die alte Farbe hartnäckig sitzen bleibt.

Nun habe ich eine verptutzte Wand vor mir.

Was mir schon aufgefallen ist: Die nassen Stellen sind sehr schnell getrocknet. Die Wand macht insgesamt einen richtig befreiten Eindruck. Feuchtigkeit wird aber auch sehr schnell aufgenommen.

Unser Nachbar ist Maurer und konnte mir sagen wie der Putz hergestellt wurde: Es handelt sich um einen Kalk-Zement Putz mit ziemlich grober Körnung. Dieser wurde in den 50er Jahren hier in der Gegend bei 80% der Häuser angeworfen.

Die Schlagregenbelastung auf der Nordseite ist übrigens in einem überschaubaren Rahmen. Ich spiele mit dem Gedanken eine Kalk-Kasein-Farbe aufzubringen. Vor dem Streichen möchte ich mit einer Kalkmilch den Putz etwas kräftigen.

Nächste Woche gehts weiter.