Nischen unter den Fenstern

03.07.2005


und das warum, wieso, weshalb?
ich habe meine studentenzeit zum großen teil in unsanierten altbauten verbracht, schon damals trieb es mich um und auch beim derzeitigen haus frage ich mich das. was sollen diese nischen? sparsamkeit? bei berliner hinterhäusern nachvollziehbar, aber in der derzeitigen hütte nicht. so ärmlich ist sie nicht gebaut, als dass man annehmen könnte, dass ein paar reihen Ziegel in den Ruin geführt hätten.
also: warum, wieso, weshalb?



Nischen



Häufig waren in diesen Nischen Einbauschränke untergebracht.



ja,



das kenne ich aus den berliner küchen, da hatte es immer einen Schrank mit außenlüftung unterm fenster. aber flächendeckend in jedem raum? glaub ich irgendwie nicht. die hätten sich als praktische element dann ja genauso erhalten müssen, wie die küchenschränke, die häufig noch vorhanden waren.



...ein eher praktisches Detail?!



Hallo Frau Ingenkamp,

möchte meinen Senf hier auch dazugeben: meiner Meinung nach ist dies ein eher praktisches Detail, entstanden in der Gründerzeit. Durch die Nieschen ist es möglich, direkt ans Fenster herantreten zu können. Die danebenliegenden stärkeren Mauerwerke sind Stützmauerwerke, 'Säulen', die eine statische Funktion haben. Einen rein bauphysikalischen Hintergund haben die stärken Stützmauerwerke zu diesen Zeiten nicht gehabt. Sonst hätte man sicher auch die Nieschen anders ausgeführt. In den damaligen Zeiten war es eben auch standesgemäß, nicht nur mit der prunkvollen Hütte zu prahlen, sondern auch sein Geschmeide am Fenster zu zeigen... Die Geschichte der Einbauschränke ist ebenso aus einem praktischen Detail entsprungen: in den eher ärmeren Arbeitersiedlungen der Industriealisierung (wie eben auch in den den Hinterhofhäusern von Berlin oder Leipzig), wo man jeden Zentimeter der Wohnung ausgenutzt hat. Noch früher entstanden ist der eigentliche Einbauschrank in eher ländlichen Regionen, wo der Schrank zum Beispiel auch als Wärmequelle diente (Rückwand zur offenen Feuerstelle der Küche; Beispiel: Bauernhaus im Hohen Venn)...

mit Grüßen aus Limburg

Uwe Berghammer



Nischen unter den Fenstern



Dachog. Auch mein Senf noch dazu. Diese Nischen unter den Fenstern, zumeist in den unteren Etagen von Mehrfamilienhäusern der Gründerzeitbauten. Die damals geltenden Bestimmungen über die Herstellung von mehrgeschossigen Mietshäusern verlangten ein standsicheres Mauerwerk. Man konnte die Standfestigkeit solche Bauten auch statisch durchrechnen und nachweisen. Ein statischer Nachweis erübrigte sich jedoch, wenn bestimmte Mauerstärken in bestimmter Qualität ausgeführt wurden. Die auf den Fundamenten aufgesetzten Kellerwände waren zumeist 2 1/2- Stein stark, etwa 61 bis 62 cm. Die anschließenden Erdgeschoßmauern ebenso oder, je nach folgender Geschoßzahl einen halben Stein dünner so etwa 48 cm. Nachfolgende Geschoßwände verschlankten sich entsprechend. Für die Wöhnräume waren ja nun auch Fenster in den Außenmauern erforderlich. Die über den Fenstern anstehenden Lasten wurden mittels Stürzen, gemauert oder Eisenträger, abgefangen und auf die Fensterpfeiler oder -gewände übertragen und auf die tiefer folgende Geschoßwand weitergeleitet. Auch heute noch. So ging oder geht es dann weiter, bis die Lasten das Fundament erreicht haben. Das Fenster selbst leitet ja keine Lasten weiter, auch das unter den Fenster anstehende Mauerwerk ist ohne Belastung. Hier setzten die Maurer dann nur das konstruktiv notwendige Mauerwerk, zumeist 1-Stein dick. Dieses Mauerwerk diente der Befestigung der Fenster, der Aufnahme von Lateibrettern und Solbänken. Naja und die Frauen konnten dann so auch besser aus dem Fenster gucken. Mfg ut de ole Mark.



Genau richtig, Herr Kurze,



und auch in älteren Bauwerken, für die noch kein Nachweis nötig war im baurechtlichen Sinn, als sparsame Bauweise immer gepflegt. Sogar Haustrennwände wurden in Pfeiler-Nischen-Mauerwerk gefügt als Sparmauerwerk, die Nische überwölbt mit einem Bogenmauerwerk. Wir finden das auch in mittelalterlichen Häusern.




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