Neues Fachwerkhaus - Gut oder schlecht?

18.03.2018 Herr LaJaEmLu



Hi hallo an alle - Ich hab ja schon in einem anderen Thread geschrieben, dass wir ein Haus bauen wollen. Wir haben uns in neue Fachwerkhäuser verliebt.
Da das Thema Fachwerkhaus neu für uns ist, lese ich natürlich viel im Internet bzw. auch hier im Forum darüber.
Ich hab jetzt allerdings auch schon bemerkt das viele Leute nichts von den "neuen" Fachwerkhäusern halten. Das verunsicherte uns jetzt natürlich sehr... Warum, da bin ich leider noch nicht ganz dahinter gekommen.

Vielleicht kann sich ja der ein oder andere zu diesem Thema melden - vielen Dank :-)



Das ist ja fast...



wie die Frage, ob die Russen nun gut oder schlecht sind...

Selbstverständlich kann man ein neues Fachwerkhaus bauen und sich darin wohlfühlen. Es ist alles nur eine Frage des Geldes. Die Fachwerkbauweise ist teuer, und die (insbesondere energetischen) Bauvorschriften machen es noch teuerer.

Mir persönlich wäre es zu aufregend, zu teuer und zu zeitaufwändig. Gewerke und Techniken, die nicht wirklich zusammen passen, sind miteinander abzustimmen. Ich würde mir ein Haus in Holztafelbauweise errichten lassen (z.B. NurHolz Fa. Rombach) und das Fachwerk davorbauen, als statisch funktionslose Zierde. Riesenvorteil des Ganzen, auch wenn's auch nicht gerade billig wird: Der Rohbau steht in einer Woche, es kann sofort mit dem Ausbau begonnen werden und die Ausbauarbeiten im Holztafelbau sind sehr selbermacherfreundlich. Zudem: Einige Wand/Deckenflächen sind schon bezugsfertig, wenn der Rohbau steht. Lasieren im Farbton, den die liebe Gattin festgelegt hat - und einziehen. Ganz unabhängig davon können die Zimmerleute das Fachwerk davorsetzen, wann's zeitlich und finanziell passt.

Grüße

Thomas



Bitte genauer erläutern...



Hallo Thomas, ja das Thema mit den Russen ist auch noch nicht geklärt :-)

Folgender Satz von Dir:
"Gewerke und Techniken, die nicht wirklich zusammen passen, sind miteinander abzustimmen"

Kannst Du bitte das geschriebene besser erläutern? Was passt wie und vor allem warum nicht zusammen?



Fachwerkhaus



Ich finde Autos aus den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts auch faszinierend, Kunstwerke in Form und handwerklicher Ausführung. So etwas zu erhalten und es zu nutzen ist auch eine kulturelle Aufgabe.
Ich kann mir aber nicht vorstellen das jemand solche Autos im Detail nachbaut um damit täglich zur Arbeit zu fahren.
Man muß Kompromisse eingehen zwischen Materialien und Bauarten die nicht so einfach zusammenpassen.
Beispiel:
Das Bad. Früher gab es in Fachwerkhäusern keine Bäder und Duschen im Obergeschoss, es gab keine zentrale Heizung, nur ein paar Einzelfeuerstellen, keine Elektroinstallation... Der einzige warme Raum war die Küche.
Eine Fachwerkwand ist konstruktionsbedingt nicht winddicht und der Instandhaltungsaufwand liegt weit über dem einer massiven Ziegelwand.
Bei beiden Beispielen kommt eine Chimäre heraus, ein modernes Auto mit historischer Karosse oder ein Haus das von außen wie ein Fachwerkhaus aussieht innen aber mit modernen Materialien und Technik gebaut und ausgestattet ist.



Danke Georg



"Bei beiden Beispielen kommt eine Chimäre heraus, ein modernes Auto mit historischer Karosse oder ein Haus das von außen wie ein Fachwerkhaus aussieht innen aber mit modernen Materialien und Technik gebaut und ausgestattet ist"

Ja das ist mir klar... Ich würde auch in keinem alten "schlecht" isolierten Fachwerkhaus wohnen wollen. Wir wollen natürlich in einem neuen Haus wohnen. Am besten mit Fußbodenheizung und Co.
Es soll halt von außen ein Fachwerk zu sehen sein.
Es wird ja auch hinter der ausgemauerten Fachwerkwand nochmal eine Wand eingezogen (Natürlich mit Hinterlüftung)
Es sind ja eigentlich 2 Häuser in einem :-)

Meine Frage ist einfach, spricht was gegen den Wandaufbau? Wird das Fachwerk und die ausmauerung innen (wo man nicht mehr hinsieht) auch wirklich immer trocken? Kann´s Probleme mit Feuchtigkeit oder ähnlichem geben?
Was für Wartungsarbeiten stehen an usw...



Nun,



Georg hat da schon viel geschrieben. Die Problemstellen gibt es und der geneigte Betrachter sieht sie auch beim historischen Fachwerk.

Spinnt man die Idee der "Chimäre" weiter, Retro-Autos sind immerhin auch ein kleiner, aber stabiler Markt, dann (z.B.)würde auf die NurHolz - Wand das Fachwerk und die Dämmung (z.B. Heraklitplatte beputzt) folgen. Vielleicht in 16cm Stärke? Jedenfalls ohne Hinterlüftung. Diese ist beim hohlraumfreien Bauen mit diesen Materialien nicht hilfreich.

Jedenfalls wäre der Aufbau damit problemlos winddicht herzustellen, völlig ohne Innenputz möglich, exzellent feuchteregulierend (so daß ich auf ein vollflächiges Lüftungssystem verzichten würde) und dank der Holzwände auch in Sachen Wärme sehr angenehm, da Holzwände nie wirklich kalt sind.

Grüße

Thomas



bereits gepostete Antwort...



...zu ihrer zurückliegenden Frage "Fachwerkhaus-Neubau":

Wir sind gerade selbst in einem imposanten Eichenfachwerkhaus-neubau als Lehmbaufachbetrieb involviert, welches die Firma Mühlenhaus erstellt und auch mit dem Bauherren selbst in Planung gebracht hat. Diese Fachfirma bzw. Zimmerei kann ich ihnen hier empfehlen. http://www.muehlenhaus.de/index.php?kat_id=111&id=67 Desweiteren sollte man präzise schauen, welche Ausbaukonzepte die einzelnen Fachwerkhausunternehmen anbieten und ausführen. Viele Haben ihren Teufel im Detail und auch in der unterschiedlichsten Materialvielfalt. Kunststoffe und auch hohe Fragen der Winddichtigkeiten etc., sollte da präzise geprüft und auch hinterfragt werden. In unserem benannten Fall bzw. Projekt, sind enorm viele Details nachgesessert und auch auf winddichte Innenschalen aus Lehmbaustoffen gesetzt worden. Die Zimmerei war offen für diese Veränderungen und haben ein hohes Maß an Interesse daran gezeigt, ohne gleich zu murren und auf ihre täglichen Konzepte zu pochen. Ein zusätzlich integrierter Baubiologe seitens des Bauherren wurde akzeptiert und dieser erarbeite gerade solche funktionale Bereichedetails und überwachte deren Ausführungen. ...

Damit ergeben sich halt auch die im Anfang dieser Diskussion erbrachten Äußerungen hinsichtlich Technik und Moderne und halt eben Fachwerkbau in eine intensivere Betrachtung und hohe Kompetenz an Planer, Ausführende und mal weg von den ganzen Simulationsprogrammen, die nur mit den ganzen Industrielobbybaustoffen zu funktionieren scheinen!
Totaler Trugschluss und Fehlinformation!

Trotzdem bleiben wir bei der Auffassung, dass es nicht unmöglich ist, ein modernes Fachwerkhaus in heutiger Zeit sich bauen zu lassen, obwohl es doch schon eine Budget-Frage mit ist.



Also wir



fühlen uns in unserem Fachwerkhaus sehr wohl. 1999 haben wir es neu errichtet und mit der Einliegerwohnung ist es seit dem ein behagliches Heim für die Großeltern und uns. Für die Wohngesundheit sorgen die Baustoffe Ziegel und Holz. Mit der traditionellen Bauweise des Hauses wohnen wir modern und zeitgemäß.
Wichtig ist sicher der kluge Umgang mit den Baustoffen und dieser zeigt sich vor allem bei der Fachwerkkonstruktion.
Alles in allem fühlen wir uns sehr wohl in unserem Fachwerkhaus und freuen uns darüber, dass wir auch bei der Entstehung unseres Nachbarhauses mitwirken durften, wodurch wir nun in einem Fachwerkensemble wohnen dürfen.
Nur Mut bei Ihrem Projekt und schöne Grüße aus dem sonnigen Kremmen.
Ingolf Christianus



Noch leicht skeptisch...



Super vielen Dank für die Antwort! Welcher Hersteller hat euer Haus gebaut?
Wo ich immer Bedenken hab ist die hinterlüftete Außenwand. Kann es in dem 4 cm breiten Hohlraum zu Problemen kommen? Außen und innen sieht man an die Wand - aber in die Hinterlüftung kann man nimmer sehen :-( Das macht mir als Laie ein wenig Bauchweh... (begründet?!, was sagen die Profis?)

Am besten gefällt mir gerade die Fa. Elling. Kann vielleicht der ein oder andere zu der Firma was sagen?
Ich hab mein Anliegen bzw. mein Bauvorhaben an verschiedene Firmen geschrieben. Aber so richtig ernst nimmt mich eigentlich nur diese Firma :-) Ist auch die einzige Firma die es schaffte mich persönlich anzurufen :-) Wiederum andere schaffen es nicht mal auf die 2 Mail zu antworten - traurig sowas!!!



Woher...



...nimmst Du die Gewissheit, daß Du eine Hinterlüftung brauchst? Das kann ein Kompromiss in der Sanierung sein; im Neubau ist die Hinterlüftung aus meiner Sicht nicht angebracht.

Zu Deiner "Traurigkeit": Alle Firmen (zumindest alle guten) werden Ihre Auftragsbücher voll haben. Wenn Ihnen nun eine Anfrage hereinkommt, die vage, kompliziert oder in sich nicht stimmig ist, verschwindet die schnell 'mal im Rundordner. Auch als potenzieller Bauherr sollte man sich positiv darstellen. Die Zeiten des "Der Kunde ist König" sind auf dem Bau derzeit vorbei, die Verhandlungen finden auf Augenhöhe statt - und das ist gut so.

Also kommt man mit einer Baufirma um so besser zu Stuhle, um so konkreter und nachvollziehbarer das Ansinnen (und dessen Finanzierung) dargestellt wird. Interesse an der Arbeit der Firma schadet nicht. Das Besichtigen von Referenzobjekten hilft zu verstehen, wie die bauen wollen - und wie nicht. Du willst kein Haus von der Stange...

Grüße

Thomas



Unser



Haus haben die Mannen der Firma Landhausbau Glinstedt gerichtet.
Einige Beispiele kannst Du Dir unter www.landhausbauten.de anschauen.
Schöne Grüße aus dem sonnigen Kremmen
Ingolf