Neuer und ungewöhnlicher Fussbodenaufbau




Werte Fachleute, wir beschäftigen uns mit einer neuen Art des Bauens, und wollen die Möglichkeiten und Techniken unserer Vorväter mit neuen Materialien kombinieren. Zum Bauwerk: das 'EinBaumHaus', ein Holzständerwerk mit vorgesetzter Strohwand und weitem Dachüberstand, steht in Hanglage, und berührt an der Hinterseite mit der Traufe fast den Boden. Eine doppelte Drainage verhindert Oberflächenwasser. Die 10 Rundholzsäulen stehen mit T-Trägern auf einem Streifenfundament aus Beton, dessen Oberkante in der Bauplatzgleiche liegt. Nun wollen wir auf 26 cm verdichteten Glasschaumschotter einen 5 cm Lehmschlag aufbringen, der den in einer Lehmschlämme verlegten Stöckelboden trägt. Dabei soll der Lehmschlag die Funktion einer Feuchtesperre übernehmen. Nun habe ich nach Recherchen bedenken, dass der Lehmschlag austrocknet, brüchig wird, und in den GSS einrieselt. Vielleicht bin ich zu vorsichtig, denn die Konstruktion wurde mir vom Lehmbauer vorgeschlagen und mit einem Bauphysik-Professor besprochen. Was meint ihr dazu? Vielen Dank



Lehmestrich



Ihre Vermutung ist richtig; diese Materialkombination wird nicht funktionieren. Sie ergibt auch keinen Sinn.
Schon die 5 cm einzubauen und dabei die erforderliche Verdichtung zu erreichen wird nicht funktionieren. Lehmestriche benötigen eine Aufbauhöhe von mindestens 20 cm und wurden (heute sind sie nicht mehr gängig) in mehreren Lagen mit hohem manuellen Aufwand eingebaut. Um zu funktionieren benötigen sie einen gewissen Feuchtegehalt.
Statt Lehm verwenden Sie lieber einen erdfeucht einzubauenden Zementestrich. Damit liegen Sie an antiken bzw. klassischen römischen Vorbildern recht nahe.
Wie es weitergeht kann ich Ihnen sagen wenn ich weiß was ein "Stöckelboden" ist.
Dann klingeln bei mir immer die Alarmglocken wenn ich was von Drainage lese. Können Sie den Zweck und die Ausführung dieses Bauteiles näher beschreiben?



Einbaumhaus



Hallo Wolfgang

Stöckelboden= Hirnholzplaster, wenn ich richtig liege, wobei ich nicht weiß, ob damit alle Varianten gemeint sind oder nur die rustikaleren aus kurzen Rundholzstücken

Hab von deinem Projekt hier (in Kärnten-Österreich) schon öfters gelesen, klingt interessant,( wobei seltsamerweise hier im Forum nicht alle sehr experimentierfreudig sind) und sieht tatsächlich eher nach Hobbit-Lehm-Bastel-Häuschen wie eher in Amerika zu erwarten wäre als nach normaler Behausung aus.
Schön ist's aber gerade deswegen und bautechnisch bei richtiger Bauweise sicher funktionabel.
Bauphysikprofessoren sind nur seltener praktisch bewandert
(einer von der FH-Spittal?da kenne ic einige)
- für solche Fragen wäre Gernot Minke vielleicht geeigneter, der div Bodenaufbauten beschrieben hat.

Warum sollte der Glasschaumschotter bei der Stärke aber noch eine Feuchtigkeitssperre benötigen? Und wie soll das Holzpflaster dareingelegt bzw damit verankert werden? Bei Holzpflaster werden natürlich Punktlasten übertragen, die zum Losrütteln der Holzstücke führen könnten und dann auch Dichtigkeit gegen Wasser von innen ein Problem werden könnten.
Zur Abdichtung wäre Ton sicher besser geeignet aber logistisch schwieriger.
Lehm würde ich mit Fasern stabilisieren, ggf ein Hanfgewebe einlegen.

Je nach Holzqualität würde ich die Zwischenräume auch mit Lehm bzw Lehm-Sand-Gemisch ausfüllen, damit sich nichts verschieben kann- dann sollte auch nichts wegbröckeln.

Oder nur partiell ein Holzplaster Verlegen und die restliche Bodenfläche ggf in vergüteter Stampflehmausführung oder mit Dielenbelag nehmen.

Es wäre die Frage wie das genutzt würde, welche Anforderungen bestehen, welche Materialien zur Verfügung stehen etc.

Wie ist die Bedachung?
Hast du als Fundament noch etwas anderes als das erwähnte Betonstreifenfundament vorgesehen? Das fände ich etwas unlogisch bei so einer Bauweise.
Du kannst mich auch gerne kontaktieren- Daten sind hinterlegt-
Ich bin nicht so weit entfernt
Andreas Teich
Läßt sich ein solches Haus irgendwo ansehen?



Lehm-Estrich



Lieber Herr Böttcher, eine Drainage besteht aus teilperforierten Rohren. Der Schlauheit halber sind die Löcher oben angeordnet. Natürlich wissen sie, was eine Drainage ist, nur verstehe ich ihre Frage nicht. Oberflächenwasser wird von der ersten, am Hang und unter der dortigen Traufe liegenden D. abgeführt, eine zweite, die unter der leichten Strohwand läuft, nimmt etwaiges drückendes Hangwasser auf.
Der Tipp mit dem Zementestrich war ganz gut, eine Alternativlösung war, den Lehm mit drei Prozent Zement oder einer noch zu eruierenden Menge Kalk zu binden und damit einen 'Erdbeton' zu erstellen, der sich im Fall der Kompostierung in einigen Jahren auflösen würde.

Andreas, vielen Dank für deinen Input.
Der Stöckelboden besteht aus in 5 cm - Scheiben geschnittenen Lärchenbalken aus alten Stegen (ich muss dazu sagen, dass nur einwandfreie und nicht imprägnierte Teile genommen werden..) vom Weissensee. Regionalität ist eine wichtige Zutat beim Konzept. Und die Bauteile sollten auch eine Geschichte erzählen können.
Prof. Kautsch ist von der TU Graz, lässt eine Studienarbeit in Bauphysik erstellen. Die FH Spittal ist mit einer Arbeit f. Baumanagement und einer Bachelor-Arbeit über das doppelte Hebelstabwerk mit im Boot.
Der Lehmboden soll weniger die Feuchtigkeit als Insekten wie Ameisen von der Untermiete ausschließen.
Wasser von innen? Der Stöckelboden wird nicht nass gewischt.In die Zwischenräume wird ein Gemisch aus Sand und Sägespänen eingekehrt.
Betonfundament ist die Kompromisslösung für den vorsichtigen Bauherrn. Ich mag es auch nicht, es ist aber minimal bemessen.
Komm doch gerne in die alte Weissenseer - Halle in Oberdorf, wir sind jeden Tag dort!



Einbaumhaus



Nun, eine Dränung besteht nicht nur aus teilperforierten Rohren mit schlauerweise oben angeordneten Löchern. Eine Dränung ist ein Bauteil das geplant und bemessen werden muß wenn es denn funktionieren soll. Zur Dränung gehören nicht nur Rohre als Liniendrän sondern eine Reihe weiterer Bauteile wie Filterpackungen, Spülschächte, ein Übergabeschacht usw.
Ob das besonders schlau war die Öffnungen nach oben zu legen sei mal dahingestellt.
Ob das besonders schlau war überhaupt so eine Art Dränung zu verbauen ebenfalls.
Ich kenne die örtliche Situation nicht, aber einen Hangfuß anzuschneiden und da erst mal das Wasser einzuleiten kann auch mächtig schiefgehen. In dem Graben wo das Rohr liegt wird praktisch immer Wasser bis zur Höhe der ersten, schlauerweise oben angeordneten Öffnungen stehen.
Zum Hirnholzboden:
Eigentlich wurden solche Böden bei schwer belasteten Werkstätten und als Industrieböden eingesetzt, sie sind nämlich sehr widerstandsfähig gegen Punktbelastungen und federn etwas. So etwas gab es in Schmieden, Schlossereien, Toreinfarten usw. Wenn mal ein Gußteil runterflog war es nicht gleich kaputt und die eisenbeschlagenen Räder eines Pferdefuhrwerkes machten nicht den infernalischen Lärm wie auf Kopfsteinpflaster.
Man kann sie natürlich auch im Wohnraum einsetzen, das ist mehr eine Frage der Mode.
Üblich war bzw. ist die Verlegung auf einer Betonunterlage mit Abstandhaltern in Heißbitumenverguß.
Die Verlegung mit Abstandhaltern und mit Sand ausgekehrten Fugen mag für eine Tordurchfahrt gängig sein, aber in einem Wohnraum habe ich so meine Zweifel ob ausgesandete Fugen da passend sind.
Zum rein Praktischen:
Eine Verlegung auf einem Lehmbett und in einer Lehmschlämme die dann eine ebene und nicht wellige Oberfläche ergibt halte ich für nicht machbar.
Zur Feuchtesperre aus Lehm:
Eine Sperre wird das nicht. Man kann mit Ton Abdichtungen bauen, allerdings nur gegen flüssiges Wasser und dann im dm- bis Meterbereich.
Eine Sperre bedeutet auch Abdichtung gegen gasförmige Feuchte, das funktioniert erst recht nicht.
Der Fußboden wird zwar nicht nass, hat dann aber eine Gleichgewichtsfeuchte die höher sein wird als mit regelrechter Abdichtung.
Der Sinn eine Sperre gegen Insekten zu sein erschließt sich mir nicht. Ameisen graben auch in Lehm wenns drauf ankommt. Außerdem sind sie nicht scharf aufs Holz sondern eher auf das was in der Küche rumsteht.