Neuer Dachstuhl bei massivem Schädlingsdruck

02.04.2019 KBrie



Guten Tag,

ich muss den Dachstuhl (Satteldach) erneuern. Ich kann alle Balken wie eine Zwiebel abtragen, immer neue Mehlschichten kommen zutage. Da der Dachstuhl statisch sowieso zu schwach für eine Neueindeckung und Dämmung ausgelegt ist, riet ein Statiker angesichts der von ihm bestätigten massiven Schäden von der Sanierung ab, da sie finanziell mindestens einem Neubau gleich käme.
Das Haus steht direkt am Rand eines Kiefernwaldes, der massiv vom Borkenkäfer befallen ist. Auch beim Nachbarn knabbern die Käfer weiter, obwohl der Dachstuhl vor wenigen Jahren saniert worden war.
Meine Befürchtung ist, dass auch in einem neuen Dachstuhl jedes erreichbare Stück Holz sofort wieder das Interesse hungriger Insektenpopulationen findet. Eigentlich sollte es ein Kaltdach werden.
Mein Vertrauen zu den örtlichen Handwerksbetrieben hat etwas gelitten, da diese zwar Hausbockbefall gesehen hatten, aber das Ausmaß nicht weiter beachteten("Nach der Neueindeckung machen Sie mal eine Thermobehandlung"). Daraufhin zog ich den Statiker hinzu.
Jetzt die Frage: Wenn ich mit dem Architekten wg. des Bauantrags rede, worauf soll ich unbedingt achten? Alternative ist (da die Erdgeschossfläche ausreichend ist), ein Flach- oder Pultdach (Optik ade).

Vielen Dank im Voraus und auch an die Verfasser der vielen Ratschläge, die mir bei anderen Themen sehr weitergeholfen haben



Alternative



Hi. Das klingt ja gar nicht nett.

Ein Pultdach würde ich jedenfalls nicht unbedingt empfehlen, da ich aktuell die Erfahrung mache, dass es ziemlich kompliziert wird, wenn man zum Beispiel mit Aufdachdämmung arbeiten will. Zudem kann es zum Teil sehr große Verwirrungen geben was die Dachbeläge angeht - da ist von der Industrie immer erstmal mehr möglich, als die Fachhandwerker schlussendlich wirklich empfehlen oder gar ausführen.... Ich hatte anfangs den Wunsch mit Titanzink zu decken (da ich dachte, dass ich bis zum Lebensende dann Ruhe habe und die Montage von Solarpaneelen sehr attraktiv zu lösen gewesen wäre) und bin über verschiedenste Varietäten zu Blechen dann bei einer stinknormalen Kunststoffbahn (oder EPDM, Angebot steht noch aus) gelandet.. Allen Versprecheungen der Industrie standen da extreme Schadensbilder gegenüber und gerade die Ursachen sind sehr spannend.... da sagt der eine Hersteller, laut Din brauchts nur 40mmm Hinterlüftung, redet man aber mit anderen Fachleuten, ist das dann wieder stark abhängig von der Beschattung, dem verwendeten Dämmstoff usw usf. Unter 60mm hätte ich sowieso nix gebaut und mittlerweile bot mir der Zimmermann von sich aus schon 100mm Hinterlüftung an, da sehr flache Dachneigung und eben in meinem Fall beschattet.

Pultdach ist zwar angeblich günstiger, aber nicht unbedingt die beste Lösung - kommt drauf an was man will.

Wichtiger wäre in deinem Fall wohl der Baustoff. Wenn bei deinem Nachbarn schon nach Sanierung munter weitergenagt wird, so würde ich an deiner Stelle darüber nachdenken ob ich überhaupt noch einen Dachstuhl aus Holz bauen will.

Noch (da noch nicht ganz genau erkundigt) bin ich sehr angetan von den Porenbetonlösungen. Die sind offensichtlich schnell verlegt, bringen eine gewisse Wärmedämmung schon mit und du hast Innen gleich eine spachtelfähige Oberfläche. An meinem Haus ist ein Dachstuhl völlig zerfressen und das Dach des TH schon teilweise eingestürzt. Da das System offensichtlich den Ringanker relativ unkompliziert gleich mitbringt (bei Flach- / Pultdächern) ist das für mich eine echte Alternative zum aufwendigen Neubau mit Holz und dem Risiko, dass Holzschädlinge (verschiedene Schwämme / Pilze etc) eventuell im Mauerwerk überleben und dann dem neuen Dachstuhl zusetzen.

Ich vergleiche das mit meinem Thema deshalb, weil ich an einer Stelle bereits gringfügigen Hausschwamm festgestellt habe und ich nicht wirklich Vertrauen zur Chemie habe - und eigentlich auch gar keine Chemie im Haus haben will. Daher suchte auch ich nach einer Variante ohne Holz. Ob da Porenbeton wirklich das Nonplusultra ist weiß ich nicht, aber ich fand das nicht uninteressant.

Es kommen sicherlich noch bessere Beiträge zu dem Thema, ich bin an der Stelle genauso Laie, wollte aber eben auf die Probleme hinweisen mit denen ich gerade zu kämpfen habe, da sehr ähnlich.

Viel Erfolg !



Panik?



Frag mal bei einem Fachmann nach.
Ich glaube eigentlich nicht, dass der Borkenkäfer in Totholz reingeht? Eher in geschwächte Bäume.
Auch in meiner Gegend (Österreich) gibt es Probleme mit dem Borkenkäfer in Fichtenbeständen, jedoch nicht an Bauwerken.
Bei einem Holzhaus ist es aber durchaus üblich, dass der Holzwurm vom alten in das neue Holz geht, wenn Bauteile ausgetauscht werden. Wenn du mit dem Hausbock Probleme hast, musst du das sicher klären.
Aber nur weil der Dachstuhl ein wenig mit Holzwurm befallen ist, bekommt er noch nicht gleich Statikprobleme. Ist bei älteren Gebäuden eher die Regel, als die Ausnahme.



Der Borkenkäfer,



der seine Zähne in technisch getrocknetes Bauholz schlägt, muss erst noch erfunden werden. Allein schon die Bezeichnung ist ein dezenter Hinweis, auch wenn der Borkenkäfer ein eher umgänglicher Begriff für diverse Schädlinge wie den Kupferstecher oder den Buchdrucker ist, die beide ihr Schädlingswerk in stehende Fichten verrichten oder in gefällten Fichten, die nicht entrindet wurden.
Momentan findet man immer mal wieder ältere Fraßspuren in KVH oder Brettschichtholz, weil derzeit durch den extremen Schädlingsbefall sehr viel sog. Käferholz bei den Sägewerken landet. Das ist kein Grund, in Panik zu verfallen. Der Käfer, der Ihre verbauten Sparren pulverisiert, hat mit dem Borkenkäfer nix zu tun.

Die Skepsis einiger Mitmenschen gegenüber Pultdächern kann ich v.a aus optischen Gesichtspunkten verstehen - mir persönlich gefällt ein Steildach auch besser.
Denoch gibt es so einige Gesichtspunkte, die für ein Pultdach sprechen und bei geeigneter Dacheindeckungswahl gibt es da keinerlei Probleme.
Berücksichtigen muß man allerdings die statische Komponente - flach geneigte Pultdächer haben immer einer deutlich höhere Schneelast als z.B. 35 Grad geneigte Dächer.
Völlig neu ist mir, daß ein Pultdach bei einer Aufdachdämmung Probleme machen sollte - es sei denn, man berücksichtigt z.B. keine ausreichende Hinterlüftung. Ansonsten ist ein Pultdach, eine entsprechende Verankerung der Pfetten in einem Ringanker vorausgesetzt, eine ziemlich simple Geschichte.



Pultdach



Ob das eine optisch besser gefällt als das andere hängt bei mir persönlich vom gesamten Bauwerk ab, ich bin also weder Fan von der einen oder von der anderen Dachform.

Pultdächer sind sicherlich (zumindest angeblich) eine günstige Alternative zu Satteldächern und halten bei richtiger Konstruktion sicherlich genau so lange und gut wie andere Dachformen.

Mein Hinweis zu den Pultdächern kam aus folgendem Grund:

Ich habe eine alte Villa mit mehreren Nebengebäuden gekauft, die allesamt sehr flach geneigte Pultdächer haben. Da die örtlichen Gegebenheiten eine Innendämmung nicht hergeben (und ich auch kein Fan davon bin) will ich auf zwei Nebengebäuden (Hinterhaus + Werkhalle) die Dächer mit einer Aufdachdämmung versehen.

Ringsum stehen große alte Eichen und ein großer Ahorn - die trotz Baumpflege gerne mal einen Ast abwerfen können und aus diesem Grund wollte ich ursprünglich ein Blechdach auf den beiden Gebäuden decken lassen. JEDER Dachdecker hat mir davon dringend abgeraten, und das obwohl zumindest das Werkhallendach ca.8° Dachneigung hat. Laut den Herstellern von Titanzink soll man das zwar auch bei 3° Dachneigung einsetzen können, aber da gab es keinen Dachdecker der das machen wollte - alle sprachen von erheblichen Problemen mit Titanzink und großen Schadensfällen - auch wenn mit Hinterlüftung gebaut wurde. Zeitweise war auch Ughinox ein Thema, aber da gabs dann wieder andere unlösbare Probleme...

Jetzt der Knackpunkt: Laut Rheinzink ist laut Din mittlerweile die vorgeschriebene Hinterlüftung 40mm - früher sprach man mal von 60mm. Meine Holzgutachterin sagt, es sei abhängig von Dachneigung UND auch der Beschattung. Der Zimmermann sagte mir, er habe neulich erst eine weiterbildung gemacht und die würden nun alle wieder zurückrudern und eher 80mm Hinterlüftung empfehlen - er empfahl mir jetzt 100mm Hinterlüftung n meinem speziellen Fall.

In das ganze Thema spielen noch sehr sehr viele Faktoren ein die ich jetzt nicht alle aufzählen will, alles in allem war es aber ein langer Prozess bis für mich klar wurde, wie mein Dach vernünftigerweise gemacht werden sollte.

Warnen wollte ich jedenfalls nicht vor dem Pultdach generell oder dem Pultdach mit Aufdachdämmung als Einzelfall. Beides kann sehr gut und dauerhaft funktionieren, aber auf die richtige Konstruktion kommt es eben an und nach meiner Erfahrung muss man einfach gut abwägen zwischen den Versprechungen der Herstellerfirmen und den Erfahrungen der Verarbeiter. Oder man hat einen Planer, der sich mit dem Thema richtig gut auskennt - und die Zahl der Schadensfälle an Pultdächern wegen unzureichender Hinterlüftung sind in den letzten Jahren scheinbar sehr gestiegen.

Es gibt natürlich noch die Variante ganz ohne Hinterlüftung, allerdings ist das wohl die am wenigsten Fehler-verzeihende Konstruktion und sowas stand in meinem Fall ohnehin nie zur Diskussion. Das macht die Sanierung zwar teurer, da man ja eine zweite Dachebene bauen muss (man braucht also doppelte Schalung usw) hat für mich aber neben der Hinterlüftung weitere erhebliche Vorteile.

Satteldächer mit einer steileren Neigung sind da aus meiner Sicht erheblich einfacher zu handhaben, brauchen nicht so große Lüftungsquerschnitte und haben den großen Vorteil, dass es da sehr viel mehr Auswahl an Dacheindeckungen gibt - und ein Ziegeldach oder ein geschiefertes Dach sind mir sympathischer als Dachpappe /EPDM / Kunststoffbahnen. Auch Titanzink / Edelstahl kann seine Stärken bei einer steileren Dachneigung erheblich besser ausspielen.

Dass Pultdächer günstiger sind, wage ich mittlerweile zu bezweifeln. Zumindest in meinem Fall ist es so, dass die Sanierung (also nicht mal der komplette Neubau) erheblich teurer ist als von der Größe her vergleichbarer nagelneuer Dachstuhl als Satteldach. Früher war das sicherlich so, aber sobald eine Dämmung mit ins Spiel kommt, dreht sich das wahrscheinlich ins Gegenteil um.

Wie gesagt, meine Dächer sind sehr flach geneigt (unter 5° und knapp 8°) und da sicherlich schon ein Spezialfall.


Zurück zum Thema Schädlingsbefall:

In meiner Villa ist das sehr kurios. Durch das mittige Treppenhaus ergibt es sich, dass es zwei Dachstühle gibt, der eine wurde in den 20er Jahren abenteuerlichst umgebaut (siehe Bild) um den Kniestock zu erhöhen. Dieser Dachstuhl ist völlig zerfressen und muss ohnehin komplett getauscht werden, der andere Dachstuhl ist aber noch völlig intakt und dort gibt es nur geringfügigst Befall. Woran kann das liegen? Tür und Tor stehen / standen offen und 20 Jahre Leerstand gaben genug Gelegenheit für Schädlinge aller Art. auf beiden Seiten zu wirken - offensichtlich wurde aber nur die eine Seite bevorzugt?
Die Gutachterin fand keine Hinweise auf die Verwendung von Holzschutzmitteln, also gehe ich davon aus, dass auch keine verwendet wurden. Was sind also die entscheidenden Faktoren warum das eine Holz extrem befallen wird, das andere aber nicht? Holzart scheint in beiden Fällen Fichte zu sein.



Klima



Hallo,

ich bin zwar kein Schädlingsexperte, aber 2 Denkanstöße:

* Es ist gut möglich, dass der Holzwurm gar nicht mehr aktiv ist
* Wie gerne der Holzwurm wo reingeht, ist auch eine Sache des Klimas. Bei feuchterer Umgebung ist auch der Holzwurm aktiver, eventuell spielt die unterschiedliche Nutzung der Räume unter dem Dach eine Rolle.



Danke für die Antworten



Die Antworten lehren mich, dass ich präzise auf meine Fragestellung achten muss, denn ich habe interessante Hinweise auf Fragen erhalten, die ich so nicht gestellt zu haben meinte, trotzdem aber sehr nützlich sind, da sie damit verbundene Themen berühren. Insbesondere Dank an das Mitglied, der sehr ausführlich seine Erfahrungen mit dem Pultdach dargelegt hat.
Eigentlich hatte ich eher Hinweise wie „ keine unverkleideten Balken im Dachstuhl“ o.ä. Erwartet. Mal sehen, was der Architekt sagt