Neuer Boden mit Unterlüftung - Haus hinterm Deich

31.03.2019



Hallo zusammen,
wir möchten ein Haus erwerben, Baujahr 1953 mit einer Grundfläche von 70m2. In zwei der Räume (zusammen 25m2) haben sich die Dielen nach oben gewölbt, weil die Balken darunter geschwollen sind und daher ist davon auszugehen, dass die darunterliegende Unterlüftung verstopft/defekt ist und man die kompletten Böden zumindest in den beiden betroffenen Zimmern akut entfernen und ersetzen muss. Nun die hier schon öfter diskutierte Frage: Alternative A) Die Böden gegen das Erdreich isolieren: alles raus, evtl. Kiesschicht um Auffüllen, Sauberkeitsschicht aus Betonestrich 0-4, Folie bis zur Endhöhe fertige Fußboden, Dämmung evtl. mit eingebauter Fußbodenheizung, Fließ- oder Trockenestrich, Laminat, fertig. Bedenken: Die Feuchtigkeit des Bodens ist darunter eingeschlossen und sucht sich bei drückendem Wasser den Weg nach oben durch die Außen- und Innenwände. Geld für eine Horizontalabdichtung ist nicht da. Daher die Alternative B): Es wie vorher zu machen und die Lager der alten Balken ersetzen durch Wasserbauklinker, dann wieder Balken und Dielung obendrauf. Bedenken: Ist dies kompatibel mit einer unterbelüfteten Dämmung unter der Dielung? Oder muss man auf diesen Komfort dann eben verzichten? Sicher hängt auch viel von der Feuchte des Bodens ab und ob man mit drückendem Wasser von unten rechnen muss. Wenn jemand Tips hat und/oder einen kompetenten Sachverständigen / Ingenieur aus der Region Wilstermarsch empfehlen kann, wäre super. Vielen Dank!



Liebevoll gehüteter Aberglauben:



"Die Feuchtigkeit des Bodens ist darunter eingeschlossen und sucht sich bei drückendem Wasser den Weg nach oben durch die Außen- und Innenwände. "

Das ist immer noch falsch, und es gibt auch kein physikalisches Prinzip, daß diese Vermutung nahelegt. Ein unterlüfteter Boden ist nicht nur zugig und ungedämmt - also richtig kalt. Er ist auch nur in den seltensten Fällen langlebig.

Also, wenn Ihr den Boden erneuern müsst, macht es richtig. Mit einer Unterlüftung könntet Ihr wasserziehende Wände ohnehin nicht "trockenlegen". Entweder, die Wände sind trocken. Dann bleiben sie das auch mit einem fachgerechtem gedämmtem Aufbau. Oder aber die Wände sind feucht. Ziehen sie Wasser, kann das nur mit grundlegenderen Maßnahmen verbessert werden.

Aber jetzt 'mal ganz grundsätzlich: Einen Bausachverständigen braucht Ihr nicht nur wegen der Dielung, sondern für eine gesamte Kaufberatung einschl. Bauschadensbegutachtung und Schätzung Sanierungskosten. Auch kleine Häuser können im Nachgang sehr sehr teuer werden.

Grüße

Thomas



Danke, Thomas



Vielen Dank, Thomas. Hatte auch schon die Ausführungen des Kollegen aus Aschersleben dazu gelesen. Eine schwere Kauf- oder Nichtkauf-)Entscheidung, denn momentan versperren viele kunstofffolieummantelte Paneele den klaren Blick auf die Wände und mehrere Lagen Teppichboden und Perser den genauen Blick auf alle Ecken des Dielenfußbodens. Ich würde es bevorzugen, den Fußboden zu dämmen und den anfälligen unterlüfteten Unterbau loszuwerden. Eine Sachverständigen ad-hoc bekommt man leider nicht (außer mir unseriös erscheinende Angebote von >2000EUR) und wie man weiß, machen die Makler ordentlich Druck und wollen am besten schon nach 3 Tagen, dass man den Kauf beim Notar beurkunden lässt. Hätten Sie nicht Lust, die Elbe von Dresden runterzufahren bis nach Schleswig-Holstein, dann könnten Sie das Haus für uns begutachten. Kleiner Scherz und sicher kaum praktikabel. Wir werden unser Kaufpreisangebot nochmal reduzieren und werden hoffen, dass der entstehende finanzielle Puffer, es erlauben wird, den Boden auf richtige Weise neu machen (oder machen zu lassen).



Wieviel könnte es kosten?



Hallo Thomas aus Dresden, ich würde gerne nochmal kurz nachhaken, kann man eine ungefähre Zahl nennen, wenn alles glatt läuft, was nach Entfernung des verrotteten Mists, so ein neuer Boden mit Kiesbett, Sauberkeitsschicht, Folie, XPS Dämmung etc. pro m2 ungefähr , wirklich nur ungefähr kosten könnte?



Hallo,



ich starte immer erst bei der Dielenverlegung. Insofern kann ich keinen brauchbaren Schätzpreis für den Unterbau liefern. Das alles ist im Übrigen kein Wunderwerk, haben viele hier schon selbst gemacht. Jedenfalls würde ich Euch raten, auch wieder Dielung zu verlegen. Das bedeutet in der Praxis, daß der Unterbau aus Leichbeton planeben abgezogen sein sollte. Darauf eine Sperrschicht, an den Wänden bis UK Dielung hochgezogen. Darauf könnte mit Holzweichfaserplatten und zwischenliegenden Lagerhölzern gedämmt werden. Mindestens 40mm, besser aber 75mm. Auf die Lagerhölzer Dielung schrauben.

Der vermulmte Jetzt-Zustand macht mich jedenfalls bedenklich. Keiner garantiert, daß da nicht schon der Hausschwamm fröhliche Urständ feiert. Gerade in diesem Zustand ist die Zustimmung des Verkäufers, punktuell in die Konstruktion schauen zu dürfen, und ein Sachverständiger sinnvoll. Je nach Aufgabenstellung und Objektwert können da 2000€ eine gute Investition sein. Besonders dann, wenn schon die Punkte der Sanierung grob skizziert werden.

Grüße

Thomas