Neue Lärchenschalung mit Öl behandeln?

16.01.2015



Hallo Forum ;)

wir haben an unserem Haus am gesamten Obergeschoss eine stehende Lärchenschalung gemacht.
Nun würde ich sie gerne behandeln und brauche eine Entscheidungshilfe von euch.

Ich habe keine Lust, die Fassade immer nachzuschleifen und ständig zu Streichen -ich habe ein großes Haus.

Nun zu meiner Frage: Da das Gerüst aber noch steht, denke ich über Holzöl nach.Z.B Pullex Holzöl. Kann ich die Fassade einmalig damit streichen,damit das Vergrauen hinauszögern und sie dann der Natur überlassen ohne dass sie dann so aussieht wie alte Lasur die abbröckelt?

Produktbeschreibung vom Adler Pullex Holzöl.:
Allgemeines Bindemittelreiches Holzöl für Holz im Außenbereich auf Basis modifizierter Öle mit sehr gutem Penetrationsvermögen und speziellen, hochwirksamen UV-Absorbern. Die Beschichtung ist durch einen bioziden Wirkstoff gegen Bläue- und Schimmelpilzbefall geschützt. Wirkstoff: 0,3 % IPBC (Iodpropinylbutylcarbamat) Aromatenfreie Testbenzine als Lösungsmittel


Was ich bereits weiß:
1. Kontruktiver Holzschutz sehr wichtig. (Wurde bei unserer Konstruktion auch beachtet
2. Lärchenholz bildet Pechausblühungen,vor allem an der Sonnenseite.
3. Lasuren: Einmal streichen, immer streichen.
4. Lärche muss nicht unbedingt behandelt werden. Es vergraut halt bzw. wird braum auf der Sonnseite



Lärchenschalung



an der Fassade braucht keinen Holzschutz bzw. Lasuranstrich.

Natürlich vergrauen lassen ist die beste und billigste Option.

Grüße, Gerhard



Lärchenfassadenbehandlung



Für die Haltbarkeit der Lärchenfassaden ist eine Oberflächenbehandlung ohne Bedeutung.
Gift gegen Holzschädlinge und Bläue ist gänzlich sinnlos und schadet eher dir und der Umwelt.
UV- Blocker in dem Mittel verzögern nur die Vergrauung, verhindern diese aber nur bei immer wieder erfolgender Nachbehandlung.

Wenn du die Farbe ändern willst entweder die Holzfarbe von Keim oder Schwedenrot oder eine reine Ölfarbe mit stärkerer Pigmentzugabe nehmen.
Wenn die Vergrauung gleichmäßiger/ schneller erfolgen soll einen vorvergrauenden Anstrich nehmen.
Ich verlege auch gerade unsere Holzfassade mit Lärchen Rift/Halbrift-Rhombusbrettern und werde die nicht behandeln.

Wenn ich später einmal Farbe haben möchte kann die immer noch auf die dann etwas raueren Bretter aufgetragen werden, was die Farbhaftung verbessert.
Andreas Teich



Zunächst:



Leinöllasuren müssen bei einer späteren Überarbeitung nicht geschliffen werden. Ein gründliches Abbürsten mit einem leicht basisch (Ammoniak, Soda...) eingestellem Wasser genügt vollauf.

Lärche hat tatsächlich (je nach Wuchsbedingungen) Ausblühungen von Lärchenharz. Deshalb sind deckende Anstriche wie von Herrn Teich vorgeschlagen eher fehl am Platz. Lasuren oder Ölanstriche kommen mit diesen Ausblühungen besser zurecht. Vor dem ersten Renovierungsanstrich können sie abgekratzt werden, weitere Ausblühungen treten dann kaum noch auf.

Der "Look" einer langsam vergrauenden Lärchenschalung ist etwas gewöhnungsbedürftig, da diese unter Dachüberständen stark verzögert eintritt. Eine solche vielfarbige Fläche liebt nicht jeder. Eine Sofortvergrauung könnte z.B. mit verdünnten Eisensalzen erreicht werden, einige Tage danach komplett leicht überkärchern.

Auf Lärche sind durch Eisennägel starke schwarze Eisenfahnen zu erwarten, des Gerbstoffes im Holz wegen - falls das Holz nicht geschützt wird.

Immer wieder wundern mich Platte Pauschalisierungen: "Lärchenschalung...braucht keinen Holzschutz". Die Fassade braucht gar nichts mehr, der Baum ist eh tot.

"Für die Haltbarkeit der Lärchenfassaden ist eine Oberflächenbehandlung ohne Bedeutung."

Tatsächlich? Die Beweisführung dazu würde mich interessieren.

Eine nicht dampfsperrende Oberflächenbehandlung auf Leinölbasis wirkt, so Pigmente eingebunden sind, als UV-Schutz und damit dem Abbau der Holzbestandteile entgegen. In jedem Falle reduziert sie die Wasseraufnahme, ohne dessen Abgabe zu verhindern. Damit reduziert sie Quellen, Schwinden, Formveränderungen wie Schüsseln, Runden, Werfen und Reissen.

Ein Bläueschutz ist auf Lärche einerseits sinnlos, auch wenn das einschlägige Normen so vorsehen. Es sollte nur Kern verbaut werden und der bläut nicht. Andererseits reduziert der Bläueschutz auch das Algenwachstum, was auf der Wetterseite ggf. von Interesse sein könnte. In keinem Falle sollte er wasserbasiert sein, das passt gar nicht zu einer (lösemittelbasierten oder puren) Ölbehandlung.

Von einer Silikat/Wasserbasierten Holzfarbe, auch wenn sie aus dem von mir hochgeschätztem Hause KEIM kommt, erwarte ich nicht allzu viel. Das segelt mehr auf der überzogenen "Anti-Lösemittel-Welle", als daß die Welt danach gerufen hätte. Und ein klassisches Schwedenrot (das ist auf Malta wohl nicht so gebräuchlich), wird auf sägerauhe Bretter aufgetragen.

Grüße

Thomas



Oberflächenbehandlung der Lärchenfassaden



retriever@
Eigentlich hast du ja schon alles gesagt, was in den Antworten auch bestätigt wurde ( außer Thomas, der fast immer gegen alles etwas hat- und das auch bei anderen)

Bei deinem Öl kann es sich auch um Alkydharze Handel, die auch modifizierte Öle sind.

Bei ölbasierten Anstrichen wird nicht das Holz sondern die Farbe abgebaut, die daher regelmäßig zu erneuern ist.
Die Holzabbaugeschwindigkeit beträgt etwa 0,1 mm je Jahr, natürlich abhängig von der Exposition.T
Das heißt in 50 Jahren 5 mm.
Auch in Österreich und auch in Tieflagen gibt's weit über 100 jährige Dach- und Fassadenverkleidungen die (fast)immer ohne jede Oberflächenbehandlung ausgeführt werden- Holzschindeln DÜRFEN KEINE solche erhalten.

Gerade aus dem Grund, weil eine verzögerte Abtrocknung mehr Schäden anrichtet als der Schutz vor Feuchtigkeit oder Ligninabbau nützen würde.

Wie ich geschrieben hatte sollten bei einer farbigen Behandlung der Fassade die Bretter rauh sein, um eine bessere Haftung zu gewährleisten.

Wenn das bei dir nicht so ist würde ich sie auch nicht behandeln.

UV-Blocker funktionieren nur wenn die Oberfläche ständig auf Schäden untersucht und gewartet wird -was bei hohen Fassaden kaum möglich ist.

Es gibt von der Holzforschung Austria und Info-Dienst-Holz und div anderen Stellen gute Infos dazu, die auch auf praktischen Untersuchungen beruhen.
Zur Eignung der Keim-Holzfarbe würde ich deren Techniker befragen, die dir kaum eine ungeeignete Farbe empfehlen würden.

Ich habe über 250 qm Lärchen Fassaden und Terrassenbretter bei mir, wobei Harzgallen u.a.Harzstellen sehr selten sind und ggf abgekratzt werden können.

Wenn du deine Farbe nehmen willst, laß dir eine mind. 5 jährige Garantie geben- was die aber ohne teuren Wartungsvertrag nicht machen werden.

Ich bin die kommende Woche bei der Baumesse in München und werde versuchen auch zu diesem Thema Infos zu bekommen.

Mach doch Bilder deiner Fassade

Andreas Teich



Manche...



ziehen jetzt los, um Erkenntnisse zu sammeln. Vielleicht hilft es ja.

Ein wesentlicher Aspekt des Holzschutzes durch Leinöl ist dessen imprägnierende Wirkung. Das hat der Herr Teich 'mal gerade vergessen, weil's nicht passte. Lebenszeitverkürzende Aspekte reduzieren sich aber nicht nur auf den Abbau durch UV-Strahlung. Auf das reduzierte Quellen, Schwinden, Formveränderungen wie Schüsseln, Runden, Werfen und Reissen geht er nicht ein, weil es nicht widerlegbar ist. Schindeln sind auch nicht mit einer Schalung vergleichbar. Haupsache dabeisein, er sieht das wie bei Olymia.

Von alkydharzhaltigen Produkten hatte ich auch nichts geschrieben, meine Empfehlung beschränkt sich auf Naturfarbenhersteller wie Livos, Naturhaus, Natural, was denn hier einmal wieder betont sei.

Grüße

Thomas

"würde ich deren Techniker befragen, die dir kaum eine ungeeignete Farbe empfehlen würden"

Der Spruch könnte von Bernd Blauauge stammen, Glückwunsch! Hinweis: Jeder Hersteller will vor allem Eines: Verkaufen!



Danke für



eure Inputs!

Schwedenrot oder andere farbige Anstriche kommen bei uns nicht in Frage.

Leider ist die Auswahl an kompetenten Farben- und Baustoffhändeler in der Umgebung eher beschränkt. Jeder will verkaufen und wie auch hier hat jeder seine eigene Meinung dazu (was hier auch vollkommen okay ist)
Der eine schwört auf Lasuren, der nächste sieht das Ganze von der ökologischen Seite und lässt es unbehandelt, der nächste würde einen ölhaltigen Astrich nehmen, der nächste hat lieber vollkommen deckende Anstriche, der nächste sagt, das einzig wahre wären Putzträgerplatten und ein schöner Dekorputz, der nächste sagt: nimm doch Alucobondplatten, da brauchst du dein Leben lang garnichts mehr machen,.. :)

ICH mag Lärchenholz welches eher natürlich aussieht und möchte die Haltbarkeit verlängern, aber ohne jährlicher Umrundung meines Hauses mit Gerüst und Anstrich.
Im Moment tendiere ich eher zu ölhaltigen Anstrichen.

Es handelt sich bei uns um eine stehende gehobelte Lärchenschalung in 18 mm Stärke (die ganzen Sägewerke welche ich in unserer Region besucht habe, bieten nur diese Stärke an)
Das ganze ist hinterlüftet. Lufteintritt oben größer als unten -> Kamineffekt, Vogelschutzgitter, Sichtbare Schrauben aus Edelstahl, Unterkante als Tropfkante ausgebildet (schräg abgeschnitten), usw ....
Ein Foto von einem Teil der Schalung seht ihr auch.

Wenn jemand noch Meinungen, Inputs und besonders Erfahrugen hat die mir bei der Entscheidung weiterhelfen, bitte posten!

Danke!



Lärchenfassade vergrauen lassen



Wenn Du die Fassade vergrauen lassen willst und mit der sehr verzögernden Vergrauung (wenn überhaupt) im Bereich des Dachübestandes leben kannst, dann brauchst Du jetzt nichts unternehmen.

Das modifizierte Öl mit Bioziden und UV-schützenden Pigmentzugaben halte ich eher für kontraproduktiv. Das alkydharzhaltige Öl wird zwar das Quell- und Schwindverhalten reduzieren (was bei 18er Brettchen hilfreich wäre), aber irgendwann ist das im bewitterten Bereich verschlissen - wobei geölte Oberflächen ohne Pigmente dann bei Lärche eher schwärzlicher wirken als silbergrau.
Aber im geschützten Bereich wirst Du dann sehr lange keine Vergrauung erfahren - wegen den Bioziden und ein wenig wegen dem "UV-Schutz" im Öl.

Mögliche Alternative (Vorsicht, ich verkaufe): Eine Naturharzöllasur ohne Biozide mit grauer Einfärbung. Auch diese wird im bewitterten Bereich mit der Zeit verschleißen und die natürliche Vergrauung findet statt. Im geschützten Bereich bleibt die graue Lasur aber erhalten, was die Optik etwas angleicht. Die Ölharzlasur - bei Natural nennt sie sich einfach Holzlasur - schützt die Brettchen auch vor zu starkem Quell- und Schwindverhalten.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de