"Gebrauchtes" Fachwerkhaus wieder aufbauen

18.02.2004



Liebe Forumsgemeinde,

wir sind in Nordhessen auf der Suche nach einem neuen Zuhause - nur "neu" soll es eigentlich nicht sein.

Hier in der Fachwerkbörse und anderswo stößt man dann manchmal auf abgetragene Fachwerkhäuser oder -scheunen, deren Balken zum Wiederaufbau verkauft werden. Kann man daraus tatsächlich wieder ein Wohnhaus bauen, oder wird man gezwungen, heutige Standards zu verwenden?

Wenn all diese Vorschriften eingehalten werden müssen, kommt doch nur ein Neubau heraus, der alt aussieht. Und das ist etwas, was wir nicht möchten.

Vielen Dank für Eure Antworten.

Steffen



ich habe einen kopf, wie ein sieb *seufz*



der neueste internetwurm hat mich gestern/heute arbeitstechnisch schwer geschaedigt, aber darauf will ich doch noch antworten :)

ich bin mir sicher, dass es ein fachwerk.de-mitglied gibt, welches das gemacht hat, nur faellt mir dummerweise der mitgliedsname nicht ein :( und auch die homepage entzieht sich meinem geistigen auge. das betreffende haus zog sogar (wenn ich mich recht erinnere) von einem bundesland in ein anderes um.

von der mittlerweile persoenlichen Erfahrung her, sind denkmalpfleger (zumindest unser) z.b. eher froh, wenn durch ab- und fachgerechten wiederaufbau ein kulturdenkmal erhalten werden kann :)

wegen der daemmung ;) man kann fuer solche projekte z.b. die befreiung von der EnEv (diesen waermedaemmstandards)beantragen.

und wenn ihnen hier im forum nicht geholfen werden kann (was ich nun wirklich bezweifle), dann schauen sie doch mal bei der igbauernhaus.de nach kontaktadressen in ihrer naehe :)

ein beispiel fuer die "rettung" eines hauses bzw. einer Scheune durch abbau/umzug/neuaufbau finden sie z.b. hier http://www.lauenhagen.de/ unter bauernhaus, auch das war ein projekt der interessengemeinschaft

hier im forum gibt es einige spezialisierte architekten und handwerker, die sicher ausfuehrlicher antworten koennen, als ich und auch fachkundiger :)

es gruesst sie eine "wurmgestresste" fachwerkbegeisterte,
denkmalgeschuetzte
heide :)



Es geht



Hallo,
die Translozierung (so heißt das Ganze) geht tatsächlich. Im Gegensatz zum heute ach so modernen Neubau-Quatsch machen unsere alten Häuser einiges mit. Es wurde nachweislich schon vor Jahrhunderten transloziert. Oder nach einem Brand nur ein Giebel komplett erneuert. Oder weil man Geld loswerden wollte oder der alte Giebel aus der Mode war. So was wird am Siedlungs-Gummi-Haus Bj. 1986 schon schwierig... Wichtig ist dabei die Dokumentation - der Abbau sollte genauestens festgehalten sein, sonst findet man sich nicht mehr zurecht. Und - das "neue" Haus wird selten ein Baudenkmal werden! Also rechnen Sie nicht zwangsläufig mit den Steuervorteilen...
Gruß aus Oldenburg.



Es geht!



Hallo Steffen,

wir sind gerade dabei, ein solches Projekt durchzuführen. Bei den Vorbereitungen für den Abbau haben wir festgestellt, dass das Haus ca. 1750 schon einmal ab- und vergrössert wieder aufgebaut worden ist. Da unser Haus vorher ein unbewohntes Speicherhaus war und nicht unter Denkmalschutz, haben wir einiges verändern müssen. Genauere Beschreibung mit vielen Bildern und dem aktuellen Stand der Bauarbeiten findest Du auf unserer Homepage www.elmtec-gmbh.de/fachwerk oder über mein Profil.
Viele Grüße aus Dortmund
Elmar





hallo steffen,
das geht sicher, habe selbst schon haüser im "liegen" saniert und an einem anderen ort wieder aufgebaut. stellt sich nur die frage, was ist vorhanden? ein ort, für den man ein haus sucht? ein haus was an der falschen stelle steht oder "liegt" und man noch einen platz braucht oder vielleicht ein haus, auch gebraucht, welches stehen bleiben kann, an einem schönen ort? oder noch nichts von alledem? ob ein solches haus, wie auch immer, ein Denkmal ist, war oder eines wird (?!) sollt im einzelfall vorab mit dem landesamt f. Denkmalpflege geklärt werden. ...also: immer weiter fragen und schöne grüsse

christian bernard



FachwerkAltbau



Moin ,
das ist sogar auf lange Sicht gesehen die regel , das Fachwerk "zweitverwendet" wird . Haben selber einige Bauvorhaben ausgeführt , kleinere oder auch größere FW an anderem Platz wie gehabt oder auch verändert wieder aufzustellen . Auch 2in1 oder gar 4in1 sind nicht unüblich .
Bei den angebotenen Fws ist immer fachliche Inaugenscheinnahme notwendig , am besten vorm Abbau - Vollständigkeit , Zustand , Eignung (!!).
Gruss Jürgen Kube
z.B. dieses Häuschen wartet auf ein neues Plätzchen ..



Dankeschön bis jetzt.



Vielen Dank für die Antworten, hier wird schnell geholfen!

Ich weiß jetzt, dass es geht, Fachwerkhäuser mitzunehmen und wiederzubeleben. Ich habe Beispiele im Internet gesehen (danke Heide, danke Elmar). Ich weiß, dass es Enev-Ausnahmen geben kann. Das macht Mut.

Daher jetzt meine Frage an die Experten mit Erfahrung auf dem Gebiet. Ist es bezahlbar, ein entkerntes, gutes Fachwerkhaus umsiedeln, mit natürlichen Baustoffen (Lehm usw.) ausbauen bis es wieder bewohnbar ist. Kein Luxus, nur angemessener Standard. Halt keine Plastikfester, sondern Holz mit Sprossen. Kein PVC, sondern Holzböden.

Nur ganz grob, was kostet so etwas. Ich weiß, dass das schwierig ist, aber möchte es wirklich nur ungefähr wissen.

Danke für die Antworten.



Gefragt sind Eigenleistungen



Hallo Steffen,
Wenn das Fachwerk selber nicht zu teuer und gut saniert ist, kostet das ganze in etwa soviel wie ein "normales" Haus. Viele Handwerker möchten aber nicht mit Materialien wie Lehm arbeiten. Die Preise in der Ausschreibung sagen dann eindeutig: "Lass mich mit dem Scheiss in Ruhe!".
Mit Lehm arbeiten ist aber einfach zu erlernen und für Leien gut geeignet und je höher die Eigenleistungen um so günstiger das Haus. Es erfordert allerdings genügend Zeit und eine gute Planung.
Schöner Wochenende
Elmar



Bezahlbar ..



.. ist ja fast alles ;-))..
Tatsächlich müssen die Kosten für Wiederaufgebautes nicht viel höher liegen als beim (vergleichbaren) Neubauhäusle . Schwierig kann sein , das FW in ein übliches Baugebiet zu kriegen , wg vorgeschrieben Traufhöhen und Baumaterialien und sonstiger Regelungswut . Andererseits : "draußen" also im Aussenbereich zu bauen wird in diesem unserem Land auch nicht gern gesehen . Da ist des Öfteren viel Text an den richtigen Stellen abzuliefern !
Ein Vorteil , ein bestehendes Haus zu sanieren ist häufig das Volumen und die Grundstücksgrösse , das liesse sich in Neu so nicht mehr vergleichbar bezahlen .



nach Gesetz Neubau



Guten Tag,
wenn eine Translozierung vorgenommen wird, handelt es sich ersteinmal um einen Neubau (Auch wenn Bauteile wiederverwendet werden). D. h. alle Neubauvorgaben müssen befriedigt werden. Über Abweichnugen und Befreiungen lässt sich wirklich einiges zB. auch beim Wärmeschutz lösen. Ist aber aufwendig und eine Klärung im Einzelfall, wobei man nachweisen muss, dass man versucht den Vorschriftszielen nahezukommen. Es ist vom Denkmalbegriff her ausgeschlossen, dass ein tranzlozierte Haus noch Denkmalwert hat. Ich habe jedoch schon einmal davon gehört dass es soetwas in Mecklemburg Vorpommern gegebne hat. Nach Denkmalgesetz ist es eigentlich unmöglich. Selbst Gebäude in Museumsdörfern sind zwar einmuseales Kulturgut, aber nicht in die Denkmallisten eingetragen.
mfG. Ulrich Arnold