Neuaufbau Balkendecke im Fachwerk-Dachboden




Guten Tag zusammen,

ich saniere zur Zeit ein Fachwerkhaus, das größtenteils Balkendecken aus Lehm-/Holzstaken hat. Im OG befinden sich zwei Zimmer. Ein kleineres ca. 4 x 2,5m und ein etwas größeres mit ca. 4 x 4m. In dem kleineren musste die Lehm-/Holzbalkendecke zum Dachboden entfernt und neue Balken eingebaut werden, weil ein Großteil der alten Balken durch eine uralten, nicht entdeckten Wasser-/Insektenschaden zerstört war.

Die Frage ist, wie jetzt die Decke neu aufgebaut werden soll. Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen. Die zuletzt diskutierte ist, oberhalb der neuen Balken Ausgleichshölzer sowie eine Schicht Holzfaserplatten oder eine Holzdecke aufzubringen, darüber ca. 20cm Hanffaserplatten als Dämmung und darauf OSB-Platten zur Herstellung einer begehbaren Fläche zu montieren. Bei der ganzen Konstruktion wäre es mir wichtig, dass die neuen Deckenbalken, ganz oder zumindest teilweise frei sichtbar bleiben, weil das Zimmer relativ niedrig ist. Der Dachboden soll bestenfalls als Lagerraum dienen und wird nicht isoliert/beheizt. Die Deckenbelastung spielt keine große Rolle. Die Decke an sich sollte aber relativ leicht sein.

Muss bei diesem Aufbau in der untersten Schicht eine Dampfsperrfolie eingebaut werden oder ist dieser Aufbau wie oben beschrieben grundsätzlich falsch? Reicht die Dämmung mit Hanffaserplatten oder muss da etwas anderes zum Einsatz kommen.

Generell stelle ich mir auch die Frage, ob in dem benachbarten größeren Zimmer ebenfalls die Balken freigelegt und oberhalb der Balken ein Neuaufbau erfolgen sollte, da dort die Decke ebenfalls unter 2m hoch ist. Der Aufbau in dem Zimmer ist ähnlich: Schlackenzement, Lehmgefache mit innen liegenden Wickelhölzern und eine unterste Schicht aus Strohgeflecht. Diese Decke ist sehr schwer und durchgebogen. Schon daher würde ich die Lehmgefache gerne herauszunehmen und durch etwas Leichteres ersetzen.

Vielen Dank für Eure Antworten im Voraus
Michael



Deckenbalken erneuern



Hätten die neuen Deckenbalken nicht höher eingesetzt werden können-
evt über den Fußpfetten, sofern vorhanden?
Neue Balken sollten oberseitig in einer Ebene verlegt werden,
sodass sich ein Höhenausgleich erübrigt hätte.

Zum Hitze- und Schallschutz sind schwere Materialien sinnvoll,
je nach Belastungsmöglichkeit kann auf die Balken zB
ein Rauspundboden verlegt werden,
darauf Rieselschutzfolie, Dampfbremse etc
darauf ca 5 cm trockener Sand
oder 40 mm dicke Betonplatten auf eine dünne Holzfaserplatte.
bei Sand eine diffusionsfähige Folie, Geotextil oä zur Materialtrennung
als Dämmung Zellulose offen aufblasen oder Hanf-, Holzfaserplatten etc.

Bei der durchhängenden Decke kann zB ein Holzüberzug zur Entlastung montiert werden, also ein Balken quer über der vorhandenen Balkenlage, der in etwa halbem Balkenabstand mit den unteren verbolzt wird.
Dämmung wieder von oben.

Notfalls alles erneuern wie beschrieben

Andreas Teich



Neuaufbau Balkendecke im Fachwerk-Dachboden



Hallo Herr Teich,

vielen Dank für die schnelle Antwort.

Leider konnten die Balken nicht so ohne Weiteres höher eingesetzt werden. Ich möchte sie auch nur ungern verstecken. Eine Frage noch: Warum ist es so wichtig, die Decke mit Sand o.Ä. zu beschweren, wenn der Raum darüber nur Stauraum ist. Besteht sonst die Gefahr, dass die Decke schwingt und Geräusche macht? Ich würde einen leichten, aber gut isolierenden Aufbau bevorzugen. Was das Material angeht habe ich jetzt schon die unterschiedlichsten Empfehlungen bekommen. Meine Hauptsorge ist, dass der Taupunkt irgendwo in die Decke wandert und es innen drin feucht wird. Die Räume darunter sind allerdings keine ausgesprochenen Nassräume.



Oberste Geschoßdecke sanieren



Wenn Hitze- und Schallschutz unnötig sind kann die Beschwerung entfallen.
Bliebe noch der Brandschutz, der durch die Lehmdecke erheblich verbessert wird.
Die Balken sollten bei meiner Variante nicht versteckt werden.

Wenn's nur um Wärmedämmung geht zB schwere Holzfaserplatten zwischen die Balken einfügen- die haben aufgrund des Gewichts einen ziemlich guten Hitze- und Schallschutz, ansonsten wie beschrieben.

Die Dämmung kann auch komplett oberhalb der Balken aufgebracht werden.
ZB zuerst Fermacellplatten, Sparschalung, dann Dämmplatten

Wenn die Decke dicht und nach oben diffusionsoffener und kapillaraktiv ist kann Feuchtigkeit nicht kondensieren-Dampfbremsen sind unnötig, Schaden aber auch nicht.

Wenn die Decke nicht begangen wird schwingt Sie auch nicht-
abgesehen von evt Schwerverkehr.

Andreas Teich



Antwort zu: Oberste Geschossdecke sanieren



Hallo Herr Teich,

vielen Dank für die Ratschläge. Schwerverkehr gibt es zum Glück nur gelegentlich. Die Decke sollte also kaum schwingen. Eine Frage noch: Gibt es hinsichtlich der Brandschutzvorschriften (BL Bayern) noch weitere Dinge beim Aufbau der Decke zu beachten (z.B. Brandschutzanstrich der Sichtbalken), wenn das Gebäude nur als Einfamilienhaus genutzt wird und der Dachboden kein Wohnraum ist?



oberste Geschoßdecke



Hallo Michael
Dein Gebäude fällt voraussichtlich in die Gebäudeklasse 1, damit entfallen wohl besondere Brandschutzanforderungen- ggf bei eurer Baubehörde oder auch bei der Gebäudeversicherung nachfragen, wenn wesentliche Konstruktionen geändert werden.
Brandschutzanstriche sind sicher nicht erforderlich

Andreas Teich