Neu Fenster, welches Holz?




Hallo!
Wir wollen neue Fenster in unser Fachwerkhäuschen einsetzen lassen (kein Denkmalschutz) bzw. aus 2 Fenstern sollen Türen werden.
Wir haben 2 Angebote erfragt, beide Handwerker haben zu Meranti geraten. Einige Fenster in einem Anbau hatten wir schon vor Jahren so machen lassen, mir gefällt das glänzend lackierte allerdings gar nicht. Außerdem kommt Meranti ja aus denkbar schlechter "Forstwirtschaft".
Aber welche Alternativen gibt es? Kiefer soll sehr schlecht halten, und andere Holzsorten wurden gar nicht angeboten.
Ein weiterer Handwerker kommt demnächst.
Ich wäre sehr froh, wenn jemand mir weiterhelfen könnte (zumal meinem Mann die Meranti-Variante gefällt und ich schon schwere Überzeugungsarbeit leisten müßte, um ihn umzustimmen...;)

Vielen Dank & sonnige Grüße,
Johanna Römer



Fensterholz



Hallo Johanna
Ich dachte eigentlich Meranti wäre schön lange out und das will eh keiner mehr haben??
In meinem über 100 J alten Haus bei Bonn sind die Originalfenster aus Pitch-Pine (eine Kiefersorte) gebaut worden, die vom Holz her absolut einwandfrei sind.

Am Besten wäre Lärche zu nehmen, die immer schon für Außenbauteile verwendet wurde, auch für Wasserbau, Bootsstege, Mühlenbau, Dachschindeln etc.

Ich habe bei unserer Komplettsanierung in Österreich Massiv-Lärche -Fenster in Passivhausqualität genommen, die werden mindestens so lange halten wie jedes Merantifenster.

Wenn du Naturholzoptik haben willst würde ich die ölen, früher wurden die Fenster sehr häufig mit weißer Ölfarbe gestrichen- die techn mindestens gleichwertig mit heutigen Dickschichtlasuren sind aber viel leichter zu renovieren und diffusionsoffener.

Du kannst mir deine Fensterangebote mailen, ich kann dann mehr sagen
Meine Daten sind hier hinterlegt



Wenn … dann … 



Hallo

Lärchenholz ist meist zu harzig, wenn man die dann "streichen" will … 

An sonsten reicht meist engjährige Fichte oder Kiefer mit einem guten mehrlagigem Leinölanstrich (Ottosson)

Evtl ist es ratsam sich nach einem anderen Handwerker umzuhören … 

Man kann auch Eiche nehmen … man kann allerdings auch mit einem 360 PS SUV seine Kinder in den Kindergarten bringen … 

Beim Bauen ist die Verarbeitungsqualität maßgebend … nicht der Hochglanzprospekt der Hersteller … 

Gutes Gelingen!

Florian Kurz





Bei guter Konstruktion und regelmäßiger Pflege können alle u.g. Holzarten verwendet werden.
Sollte die Pflege aber einmal unterbleiben, sind aber resistente Holzarten wie Lärche oder auch Eiche deutlich besser (Eiche ist dann aber vom U-Wert her nachteilig)

Meranti haben deine Fensterbauer sicher empfohlen, weil die das leichter bekommen und die dabei keinen Wert auf die Holzauswahl legen müssen- bei Meranti sind auch Insektenfraßgänge erlaubt.

Ich hatte bei unseren neuen Lärchenfenstern keine Probleme wegen Harz o.a. bei der Oberflächenbehandlung- bei über 70qm Fensterfläche.

U-Werte lt Norm von verschiedenen Rahmenhölzern, was eher bei kleineren Fenstern einen Unterschied bewirken könnte- je besser die Rahmen überdämmt werden um so geringer die resultierenden Unterschiede:

0,11?W/mK: Tanne, Fichte, Sitkafichte und Pinie
0,13?W/mK: Lärche, Kiefer, leichtes Meranti, Douglasie
0,16?W/mK: Sapelli, Sipo Mahagoni, Rotes Meranti, Teak
0,18?W/mK: Eiche, Robinie, Gerutu, Weißeiche

Lärche kann auch längere Perioden ganz ohne Oberflächenbehandlung überstehen- daher meine Präferenz für Lärche.
Wenn es keine Denkmalschutzanforderungen gibt würde ich auch eine Stockabdeckung nehmen (kleines Aluabdeckprofil auf dem unteren waagerechten Flügelholz)

Du kannst noch Bilder vom Fensteranschluß mailen- es wäre wichtig,die Anschlüsse sorgfältig auszuführen, um keine Schäden zu bekommen und um normgerecht zu arbeiten.

Andreas Teich



Fensterholz



Moin,

von Fichte/Tanne und auch Kiefer würde ich eher abraten, da sie in der Gefährdungsklasse, also der Resistenz gegen Pilze recht schlecht darstehen. Lärche ist da schon etwas besser, doch dort kann es zu Beschichtungsproblemen, muss aber nicht, z.B. durch Harzgallen etc. kommen. Pitch-Pine aus Nordamerika gibt es in der Qualität vergangener Zeiten nicht mehr, da die Beständigkeit (Harzanreicherung) auf den Fällprozess der Bäume zurückzuführen ist, was heute nicht mehr gemacht wird.
Bei Meranti unterscheidet man zwei Kategorien, die sich auf das Gewicht beziehen. Es gibt leichtes Meranti und schweres Meranti, so in etwa. Also sollte man auf die schwerere variante zurückgreifen, da sie wesentlich beständiger ist.
Das beste einheimische Fensterholz bzgl. der Gefährdungsklasse ist und bleibt Eiche (Splintholzfrei). Rhobinie ist noch besser, neigt aber stark zu Spannungen, die sich in Verformungen äußern können.
Ob und wie lange Fenster halten hängt natürlich auch von der Verarbeitung und der Schlagregenbeanspruchung ab. So könnte man Fenster, die gar nicht von Regenwasser belastet werden sicherlich auch aus Fichte/Tanne bauen. Neue "Rosenheim-Fenster" haben immer den Schwachpunkt in den Stößen der Rahmen- und Flügelelemente, da die Stöße immer abgerundet werden (damit die Farbe gleichmäßige Schichtstärken erzeugt). Durch das arbeiten des Holzes entstehen hier im Laufe der Zeit Risse in der Beschichtung. Durch die höheren Hirnholzanteile ziehen die Fensterhölzer an den Stellen vermehrt Wasser und es kommt zu Schäden durch Moderfäulepilze etc. Dieses spricht wiederum führ Hölzer mit guten Gefährdungsklassen. Bei der Auswahl des Beschichtungssystems haben sich für historische Fenster Leinölfarben sehr bewährt (z.B. Leinöl-pro), doch wird dir das kein Mainstreamfensterbauer aufbringen. Gute, langlebige Beschichtungssysteme mit Kunststoffanteilen hat Sikkens, was ich selber in einem Langzeitversuch (15 Jahre frei bewittert) in Konkurrenz mit anderen Beschichtungssystemen erleben durfte.



Fensterauswahl



Und was soll die Fragestellerin nun machen?

Jeder sagt etwas anderes, empfohlene Anstrichsysteme auf Ölbasis sind nur bei relativ wenigen Herstellern zu bekommen,

Meranti will sie nicht- wird aber auch hier als am Besten empfohlen.

Bei halbwegs guter Pflege kann ich sicher sagen, hält ein Fenster mit heutiger Konstruktion sicher länger als es im Bau üblicherweise verbleibt.

Bei allen von mir ausgetauschten Fenstern war nur bei einem verschwindend geringen Prozentsatz verrottetes Holz die Begründung für einen Wechsel, sondern fast immer Wärme-, Schalldämmung,Fugendichtigkeit und Einbruchschutz.

Die Gläser werden auch immer deutlich besser und in 30-50 Jahren wird es wieder ganz andere Konstruktionen geben, die möglichweise ein Grund zum Austausch sein werden.

Ein heutiges gut konstruiertes und montiertes weißes Fenster- egal womit gestrichen, wird sicher 5-10 Jahre ohne Nachstreichen überleben und danach allenfalls die unteren Rahmenteile streichen.
In dunklen Farbtönen lasierte Fenster müssen sicher wesentlich häufiger nachbehandelt werden- sollten aber auch dauerhaft bis zur technischen Überalterung halten.

Wichtig ist der richtige Einbau und Beachtung der Anschlußfugenabdichtung.

Andreas Teich



Erstmal dankeschön...



...an alle, die sich die Mühe gemacht haben, mir zu antworten!
Stimmt schon, so richtig schlauer bin ich jetzt nicht;)
Die Fenster sollen schon lange halten, möglichst auch ohne einen neuen Anstrich alle paar Jahre. Aber Tropenholz...und dann diese furchtbare Lackierung!!!Grr, ich sehe es ja ein, wir wollen die eierlegende Wollmilchsau. Aber die Fenster geben dem Haus ja schon einen gewissen Charakter, und das von jeder Seite und von innen und außen. Ich fürchte, eine richtige Alternative kann ich meinem Mann nicht anbieten. Aber der nächste Fenstermann, den wir fragen wollen, wurde von meiner Schwiegermama empfohlen und wohnt selbst in einem Fachwerkhaus, da setze ich Hoffnung rein!

Nochmals vielen Dank,
Johanna Römer



Fenster...



wählt man nicht nach K-Werten. Sonst wäre Balsa wohl das verbreiteste Fensterholz...

Meranti: Der Ruhm des Meranti verblasst genau wie die Partien, die angeboten werden. "Dark red Meranti", eine hervorragende Qualität und ihren Preis wert, ist kaum noch erhältlich. Mittlerweile sind die Hölzer ferkelfarben oder noch heller, und von minderer Resistenz. Ich würde davon die Finger lassen.

Kiefernsplint, der reichlich mitverbaut wird, ist anfälliger als Fichtenholz. Eine feinjährige (sibirische oder europäische) Lärche hingegen ist recht resistent und das empfehlenswerteste unter den heimischen Nadelhölzern. Von hoher Qualität ist das Holz der (europäischen!) Eiche.

Die Holzart ist aber nicht ganz so wichtig. Vielmehr wird die Haltbarkeit eines Fensters ganz wesentlich von Konstruktion und Einbau (konstruktiver Holzschutz) und Oberflächenbehandlung bestimmt.

"Lärche kann auch längere Perioden ganz ohne Oberflächenbehandlung überstehen"

Nee, Herr Teich. Ein maßhaltiges Bauteil ist keine Brettverschalung. Ihre Aussage ist falsch.

"empfohlene Anstrichsysteme auf Ölbasis sind nur bei relativ wenigen Herstellern zu bekommen"

wofür genau oder wogegen soll das ein Argument sein? Livos, Kreidezeit, Naturhaus, Natural etc. gibt es zwar nicht beim Bäcker, aber in vielen Naturfarbenläden und überall über das Internet.

"Ein heutiges gut konstruiertes und montiertes weißes Fenster- egal womit gestrichen, wird sicher 5-10 Jahre ohne Nachstreichen überleben und danach allenfalls die unteren Rahmenteile streichen."

Mit "sollte", "müsste" und "könnte" kennt sich der Herr aus. Wenn Sie sich nicht auf einen "Gottvater der Mutmaßungen" verlassen wollen, schauen Sie sich doch 'mal konventionelle Neufenster der Umgebung an. Falls Sie das sehen, was ich auch sehe: Mit modernen Kunstharzlacken behandelte Fenster nehmen oft von der Eckverbindung her Schaden. Der Lach versprödet schnell und löst sich (manchmal schon nach einem Jahr) von der Ecke her ab. Wasser dringt unter die dampfdichte Schicht und beschleunigt den Prozess. Nur mit Nachpinseln ist da nichts getan.

Ich rate zu schichtbildenden Ölfarben / Lasuren obiger Hersteller. Leinölprodukte verspröden nicht, und sind deshalb viel einfacher in der Wartung. Außerdem imprägnieren sie die Oberfläche (das können Wasserlacke kaum) und sind in begrenztem Male dampfoffen (das sind Wasserlacke nach meiner Erfahrung nicht, egal, was auf dem Gebinde steht).

Vermutlich wird Ihr Tischler solche Farben nicht Verarbeiten wöllen. Dann Streichen Sie selbst. Der Geruch ist angenehm.

Grüße

Thomas



Fensterauswahl



Hallo Johanna
Es gibt Firmen, die auch Fenster aus Lärche in geölt anbieten.

Lärche ist, neben Eiche, ggf Robinie, von praktisch allen Fachleuten als das dauerhafteste einheimische Fensterholz anerkannt und technisch absolut unproblematisch.

Lärche kann bei allen üblichen, dem Wetter ausgesetzten Bauteilen wie Fassadenverkleidungen, Terrassenbelägen, Holzbauten völlig ohne Oberflächenbehandlung bleiben bei gleicher Lebensdauer wie mit einer solchen.

Es muß aber auch zu den bestehenden passen, wobei die Farbtöne fast beliebig frei wählbar sind- nur sehr dunkle Farbtöne auf Südseiten sind immer ungünstig- dies aber völlig unabhängig von der Holzsorte und auch bei Plastikfenstern.

Übliche Grundsätze bei Konstruktion und Holzauswahl sind natürlich immer einzuhalten.
Bei öffentlichen Gebäuden war/ist in vielen Bereichen Meranti als Tropenholz nicht zulässig.

Außer Preis und einfacherer Holzauswahl gibts technisch keine Überlegenheit von Meranti gegenüber einheimischen Holzsorten.

Auf jeden Fall ist Lärche optisch erheblich attraktiver als Meranti und paßt als einheimisches Holz sicher besser zu älteren Gebäuden.

Einfach ein Stück Lärche und ein Stück Meranti in die Hand nehmen und vergleichen (und auch daran riechen...)

Thomas@
Mein Beitrag hat sich überschnitten
Hersteller und Naturfarben meinte natürlich Fensterhersteller, die Naturfarben anwenden. Naturfarbenhersteller gibt's natürlich massenhaft.

Zur Haltbarkeit von unbehandelten Lärchefenster:
Es entspricht nicht der Norm- klar- das Holz übersteht es aber völlig schadlos und ein gut gebautes Fenster ebenfalls.
Das ist eben der Unterschied zwischen Norm und Wirklichkeit.

Unsere über 70 qm Fensterflächen aus Lärche wurden nur grundiert geliefert und sind jetzt gut 2 Jahre ohne Oberflächenbehandlung an allen Hausseiten dem Wetter ausgesetzt mit einem Rücksprung zur Fassade von 6 cm. Es gibt keinerlei Verzug trotz schwerer 3 fach-Verglasung mit Maßen von 120 x 220 cm und nur eine minimale Farbänderung.
Andere haben solche Fenster noch länger ohne Oberflächenbehandlung.
An meinem Altbau waren die Fenster mind 30 Jahre ( bei weißem Anstrich) absolut nicht gewartet worden und trotzdem vom Holz her gut.

Ich werde auch meine Fenster selber streichen- für Laien ist dies aber bei erstmaliger Behandlung ein ziemlicher Aufwand, da dies vor Montage erfolgen sollte und eigentlich zumindest vom Blendrahmen die Beschläge demontiert werden sollten.Die Glasfälze sind eh nicht mehr zugänglich.

Die Nachbehandlung ist dann kein Problem mehr.
Wenn irgendwie machbar, also Erstbehandlung im Werk und Nachbehandlung dann selber machen.

Andreas Teich



Unsinn:



"Lärche kann bei allen üblichen, dem Wetter ausgesetzten Bauteilen wie Fassadenverkleidungen, Terrassenbelägen, Holzbauten völlig ohne Oberflächenbehandlung bleiben bei gleicher Lebensdauer wie mit einer solchen."

Auch ein Fenster gehört zu den "üblichen, dem Wetter ausgesetzten Bauteilen" und es muß geschützt werden.

Wer genau mitliest, merkt schnell, wer hier nur als Zitronenfalter herumfantasiert. Kein Fachbetrieb baut unbehandelte Fenster mit Gewährleistung ein.

Grüße

Thomas