Altbau vor 1945, Sockel teilweise nass, trockenlegen, dann verputzen, dann WDVS

08.07.2010



Hallo, ich habe ein Haus, das ist ca. 100 Jahre alt. Das Haus hat die Abmessungen 11 x 9 m. Ein Teil davon ist unterkellert (4 x 4 m). Der Rest ist auf die Erde gebaut. Eine Feuchtigkeitssperre ist nicht eingebaut. Ab Bodenplattenhöhe ist gemauert mit Ziegel NF. Darunter ist teilweise Naturstein.
Draussen wurde früher einmal im Sockelbereich Ein Zementputz angebracht. Dieser hat das Mauerwerk dahinter abgesperrt und Feuchtigkeit kann nicht mehr ausdiffundieren. Der Sockelputz ist locker und wenn mann diesen runterschlägt ist das Mauerwerk feucht. Die Steine sind teilweise porös von den Salzen die sich durch die dauerhafte Feuchtigkeit gebildet haben.

Das Mauerwerk soll nun trockengelegt werden. Ich dachte dabei an abschnittsweise Unterfangung (1m) und dann Dachpappe einziehen und wieder zumachen. Oder das ganz mit der Säge schneiden und evtl. mit Bleche.

Wenn das Mauerwerk dann trockengelegt ist, soll der Bereich Sockel erstmal austrocknen.

Als Innenputz habe ich Kalkputz gedacht. Draussen soll ein VWS dran. Hab an Mineralwolle gedacht. Im Sockelbereich Naturstein kommt kein VWS, sondern nur Natursteinplatten (Haus ist gleich neben der Strasse). Im Sockelbereich Ziegel kommt VWS.
Die Fenster sollen im WDVS eingebaut werden.
Mauerstärke ca. 50- 60 cm.

Nun zu meinen Fragen:Was Soll ich aussen, nachdem der Zementputz weg ist und das Mauerwerk trocken ist, im Sockelbereich (Ziegel) für einen Putz auftragen?
Gehen die Salze die aus dem Mauerwerk austreten auch durch den WDVS durch und sind dann an der Oberfläche sichtbar?

Brauch ich, wenn ich 5 mal am Tag stosslüfte eine Lüftung?

Meine Feuchtemessung hat folgendes ergeben:
Sa. schönes Wetter, 54 %
So. Gewitter, 95 %
Mo. schwül 90% morgens, 80 % Mittag
Di. schönes Wetter morgen 68 %, Mittag 60 %

Um kompetente Auskunft würde ich mich freuen.

Gruss Russi



Trockenlegen



Die Hauptursachen des Feuchteeintrages sind anscheinend
a)die vorspringende Kante des Sockelmauerwerkes. Von der Fassade herablaufendes Wasser staut sich hier und kann ins Mauerwerk dringen, dazu kommen noch Spritzwasser und Treibschnee, der auf dem Absatz liegenbleibt.
b)Das Spritzwasser, das durch den defekten, diffusionsdichten aber nicht wasserdichten Sockelputz eindringt, tut sein Übriges.

Ich rate Ihnen, erst einmal ein funktionstüchtiges Sockelputzsystem einzubauen, die Kante wenigstens anzuschrägen und den defekten Putz oberhalb auszubessern.
Sehr gut möglich, das die Durchfeuchtung dann rapide abnimmt und der Einbau einer nachträglichen waagerechten Abdichtung überflüssig ist.
Nach Austrocknung können Sie über ein WDVS nachdenken.
Versprechen Sie sich aber von der energieeinsparenden Wirkung nicht allzuviel. Mehr wie 5-8% Einsparung von Heizenergie wird Ihnen die Dämmung der straßenseitigen Fassade nicht bringen.
Andererseits bietet sich ein WDVS an, da Sie ohnehin das Putzsystem der Fassade erneuern müssen. Dabei erledigt sich das Problem des Sockelvorsprunges von selber, wenn Sie die Dicke des WDVS dem Vorsprung anpassen.
Durchschlagen von Salzausblühungen durch das WDVS ist nicht zu befürchten.

Viele Grüße



Meine Antwort



geht anders (vorher Bärwurz bereitstellen, danke): Die Wand bleibt bei Ihren Fehlschlagmaßnahmen naß, da das Salz drinbleibt. Die Idee der aufsteigenden Feuchte ist auch hier wieder falsch, und das bekommen Sie in vielen Threads hier kostenlos erläutert. Oder hier: www.konrad-fischer-info.de/2aufstfe.htm

Die Idee des Energiesparens dank WDVS ist ebenfalls falsch. Sie bekommen das z.B. hier nähergebracht:

http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/146316$.cfm

Es wäre so toll, wenn die Neufrager erst mal die Altanworten durchstöbern würden, es war ja alles schon mindestens 1000 Mal dran. Was man da an Zeit und Geld auf allen Seiten sparen könnte ...

Glückauf und Habe die Ehre!

Konrad Fischer

PS: Bei ausreichend stetiger Lüftung braucht man keine Lüftung. Bei der eher sinnlosen Stoßlüftung schon eher. Sie kann nämlich die Nutzfeuchte nicht genug abführen, die kondensiert dann bei entsprechend hoher rel. Luftfeuchte schon vor dem Stoßlüften in die Außenwand. Und kommt nur durch Reinheizen wieder raus, nicht durch weiteres Stoßlüften mit kalter Außenluft, die die Problembereiche noch mehr abkühlt.

Wenn man aber feuchtwarme Sommerluft in unterkühlte Räume (Keller!) reinlüftet, gibt es Kondensat an den kühlen Flächen. Dann hilft nur Heizen oder ein Kondensattrockner.



Und meine Antwort geht noch etwas anders.



Was die Sperre betrifft, ich glaube nicht das da auf dem Bruchsteinsockel keine drin ist.
Ich würde als erstes die unterkellerten, mit den nichtunterkellerten Bereichen vergleichen.
Möglicherweise sind die nichtunterkellerten Teile mehr betroffen, hier könnte über die (meist) innen liegende Erde Feuchtigkeit eingetragen werden.
Den Altputz komplett abhauen.
Die Dämmung sollten Sie, bei den Mauerstärken, schnell wieder verwerfen
Den Sockelvorsprung abblechen lassen (Vorsprünge beleben auch)
Sockel selbst mit Kalkputz verputzen, hier dem Übergang aus dem Erdreich besondere Beachtung schenken, so das der Verputz kein Wasser aus dem Erdreich aufnimmt. (ich weis KF :-( das gibt es nicht)
Kalkputz ist Innen wie außen eine (sehr)gute Wahl.

Grüße aus Schönebeck



Drei Antworten - Drei verschiedene Meinungen



Vielen Dank erstmal für die Antworten.
@ Herrn Fischer: ich habe mir Ihren link durchgelesen. Sehr interessant. Bin nur leider etwas verwirrt, da es alles widerlegt was ich bisher gelernt habe. Aber mann ist ja offen für Neues.
Da ich aber nun ein bischen überfordert bin, würde es mich interessieren, wie ich nun am besten rausfinden kann wo die Feuchte herkommt. Stallungen oder ähnliches sind nicht vorhanden. Von der Strassenseite kann Salz kommen, OK. Aber die Hinterseite ist auch feucht. Ich mach da noch ein Bild rein.
Ich werde den Bau jetzt erstmal drinnen komplett Entkernen und dann schauen wie es ausschaut. Draussen werde ich den Sockelputz runterschlagen.




Hinter der Mauer auf der Innenseite ist nicht feucht.



Sie werden es nicht glauben,



aber Tierhaltung muß nicht immer auf Ställe und Weiden beschränkt gewesen sein. Und Reitpferde wurden auch mal da angepflockt, wo heute der PKW parkt: Vor der Wand.





---“Hinter der Mauer auf der Innenseite ist nicht feucht.”--

OK,

dann sollten Sie ganz schnell den äußeren, Zementären und Wasserdampf sperrenden Putz abhauen.

Glauben Sie mir, das wirkt Wunder.

Grüße aus Schönebeck



Wieso keine Aussendämmung?



Wieso soll ich keine Aussendämmung anbringen? Verputzen muss ich ja sowieso. Der Ziegel hat eine schlechte Wärmeleitfähigkeit. Es geht mir mehr um die Behaglichkeit. Wenn draussen die Dämmung dran ist, hab ich doch die optimale Kombination. Schweres, dickes Mauerwerk (Wärmespeicherfähigkeit) und die Dämmung. Drinnen wurde schon mal Dämmung angebracht, weils es anscheinend im Winter reingefroren hat.

Ich hab jetzt noch ein Bild angehängt, wo ich gerade den Sockelputz runtergeschlagen habe. Auf der linken Seite ist der Pickel zu sehen. Bis auf diese Höhe war der Zementputz. Bis auf diese Höhe sind Steine und Fugen feucht. Darüber war der Altputz (Keine Zementputz) teilweise schon abgefallen und dort ist es trocken.





--”Der Ziegel hat eine schlechte Wärmeleitfähigkeit”--


Wenn dem so währ, dann würde die Wärmedämmung ja noch überflüssiger.


Grüße aus Schönebeck





Sorry, Ziegel hat schlechte Wärmedämmung, und gute Leitfähigkeit. Schreibfehler.

Also eine Sperrbahn ist nicht eingebaut.



Herr Fischer



hat recht!
Wenn Sie die eingelagerten Salze aus dem Mauerwerk entfernen, werden Sie mit der Entfeuchtung des Mauerwerkes schon ein ganzes Stück weiterkommen.
Dann können Sie immer noch über ein WDVS nachdenken.



Ja, ja,



sich von der aufsteigenden Feuchte zu verabschieden, ist bestimmt genauso schwer, wie von der Wahnidee WDVS.

Und Aufklärung nutzt gegen einen gesunden Glauben bestimmt nix.

Immer wieder schwer, dies sich einzugestehen.

Konrad Fischer
Gegenwänderenner





Also ich habe wie gesagt, heute morgen ein Stück vom Aussenputz im Sockelberich abgeschlagen. Der Putz war in dem Bereich sehr feucht. Heute nachmittag hat den ganzen Tag die Sonne hingebrannt und es schaut nun schon viel besser aus.
Drinnen hab ich den Putz auch abgeschlagen. Ca. 50 cm im EG sind mit Zementputz. Dann kommt möglicherweise Kalkputz, da er sehr weich ist und schon auf Druck nachgibt. Dort ist der Putz schon ein bischen feucht. Muss aber auch sagen, das das Haus jetzt 5 Jahre nicht bewohnt war. Ausserdem sind mehrere Schichten Farbe und Tapete drüber.

Angenommen ich bringe jetzt die Aussenmauer mit Lüften und Putzabschlagen innen und aussen trocken. Die Salze sind dann noch drin. Schädigen diese bei einer ausgetrockenen Mauer die Steine immer noch? Bzw. treten diese durch Ausblühungen dann noch aus, und werden am Neuputz sichtbar?



Natürlich schädigen die Salze,



denn die wandern dann in den Frischmörtel rein. Nennt sich dann Opferputz.





OK, die Salze wandern dann in den Frischmörtel, den sogenannten Opferputz. Das kann zum Beispiel Kalkputz sein.
So viel ich jetzt verstanden habe, kommt es zur Freisetzung von Salzen nur dann, wenn der Mörtel im Mauerwerk feucht ist, korrekt?
Angenommen ich schaffe es das Mauerwerk trocken zu bringen. Dann bringe ich einen Opferputz (z.B. Kalkputz) auf. Dann gehen die bereits gelösten Salze in den Opferputz über. Da ich aber das Mauerwerk trocken habe, setzen sich keine neuen Salze mehr frei und der ich habe für die nächsten 20 Jahre meine Ruhe?



Nicht ganz,



denn wenn Sie einen erneuten Salzeintrag in Ihr Mauerwerk nicht unterbinden, werden Sie Immer wieder neue Salze darin haben.
Das bedeutet also: die vorhandenen Salze raus aus dem vorhandenen Mauerwerk und Neueintrag verhindern. Dann wären Sie auf einem guten Weg, Ihr Mauerwerk trocken zu bekommen und trocken zu halten.





Neueintrag kann aber nur kommen durch z.B. Streusalz, Fäkalien, Hausschlachtung, und was noch?

Wenn ich nun das Mauerwerk durch lüften und Putzabschlagen nicht trocken bekomme. Kann ich dann mit einer Wandheizung Abhilfe schaffen? Sprich auf Heizkörper verzichten in den Wohnräumen und lieber Wandheizung. Quasi 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen. Raumwärme und Mauerwerkstrocknung?

Wenn sich bestimmte Salze im Mauermörtel schon bei niedriger Luftfeuchte lösen, dann ist die Feuchte an der Mauer quasi das gelöste salz, oder?



Herkunft von Mauersalzen



schauen Sie doch mal hier:
http://www.baufachinformation.de/denkmalpflege.jsp?md=1988017124981



Wasser und Salz, Gott erhalt`s!



Was wird denn das hier für ein Sinnfreies gemurkse?

Ich sehe auf keinem Ihrer Fotos auch nur den Ansatz von Salzausblühungen.
Das müssten wir aber grade jetzt, es trocknet ja ab, und sie würden beim auskristallisieren sichtbar.

Grüße aus Schönebeck


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Wasser und Salz, Gott erhalt`s …die Zweite



Und so sieht es aus wenn Salze in Lösung sind.


Grüße aus Schönebeck


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