Altersbestimmung an Hand von konstruktiven Merkmalen.

06.01.2010



Hallo Fachwerker,

kann jemand an Hand von konstruktiven Merkmalen einen Zeitraum bestimmen in welchem unser Haus entstanden sein könnte?

1. liegender Dachstuhl, Krüppelwalm (Bild 1, Bild 2)
2. Fachwerk Westgiebel (Bild 3)
3. alte Zimmertüren (4 hochkant Füllungen) mit Schippenbändern und Einschlagkloben.
4. alte Hölzer (z.B. Türzargen) sind alle mit handgeschmiedeten Nägeln verbaut.
5. Es handelt sich um ein Lehmfachwerkhaus. Außenmauern EG ca. 90 cm stark, Feldsteinsockel bzw. um die Fenster Feldstein bis zur Zimmerdecke der Rest Lehm. OG 14er Fachwerk (Nadelholz), Westgiebel mit Sandstein, Feldstein ausgefacht, sonst Lehmsteine...
6. EG teils alte große Kreuzstockfenster 140 x 90
7. Deckenkonstruktion: jeweils 2 fast durchgehende Unterzüge 22 x 22 bis zu 8 Meter lang.
8. Außenmaß des Hauses (ohne einen späteren Anbau) 14 m x 8m
9. 3 Seitenhof, Haupthaus, gegenüber Lehmscheun, verbunden durch kleinen Schweinstall und Hoftor.
10. Umliegende Häuser, Pfarrhaus, Kirche.
11. Wurde als ehemaliges Küsterhaus verkauft, um 1900 als Schule genutzt
12. Ich vermute, dass das OG und das Dach als Speicher genutzt wurden, da man an der Südseite des Fachwerkes an einem Eckpfosten einen Wechsel im Ständerwerk hat der auf eine Türöffnung hindeutet, und die Decke zum Dachboden zeigt auch mehrere Wechsel (ehemalige Aufgänge?)
13. Haus steht in Klobikau, Bad Lauchstädt, (Saalekreis)

das sind jetzt mal ein paar Angaben die ich machen kann.... Ist es Möglich einen Enstehungszeitraum zu bestimmen?

Herzliche Grüße - Alexander Sorge



Nachtrag Bild 2



Nachtrag Bild 2



Nachtrag Bild 3



Nachtrag Bild 3 Giebel



Altersbestimmung



Zu einer seriösen Bestimmung des Baujahres zählen auf jeden Fall eine Inaugenscheinnahme vor Ort.
So kann ich nur raten: 2.Hälfte 18.Jhr. bis 1.Hälfte 19.Jhr.

Viele Grüße





Das sehe ich wie Herr Böttcher,

Erscheinungbild, Konstruktion und "reduzierte Formensprache" lassen aus der Ferne auf das ausgehende 18. Jhd. schließen.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Altersbestimmung



Hallo,

interessant wäre zu wissen, ob das Haus als Schule genutzt oder als Schule gebaut wurde. Typischerweise hat der "Schulmeister" in diesen Schulen auch noch gewohnt. Ein Studium der Quellen könnte Ihnen weiter helfen, als die Untersuchung der konstruktiven Merkmale. Da bleibts bei einem ziemlich langen Zeitraum.
Als Findorte kämen in Frage: Kartierung der Katasteruraufnahme (Katasteramt).
Kreis- oder Gemeindearchiv
Alte Ansichten des Ortskerns.

Was meint denn der Landeskonservator ?
Ach ja, Dendrochronologie und C 14 kann man auch noch machen.
Grüße vom Niederrhein



Hast



Du schon geprüft, ob es alte Bauakten gibt ?





Mir ha mal ein gescheiter studierter Herr erzählt, das Walmdächer auch französische Dächer genannt werden. Und von Napoleon als er Deutschland seinen Besuch abstattete und es teilweise besetzte ,diesen Baustil einführte und den deutschen gefiel diese Variante so das sie das kopierten .
In wie weit das richtig ist weis vieleicht einer unserer Architekten denn die müssten das ja in ihrer Ausbildung gelernt haben Gruß Ebby





Bei uns sind Walmdächer bereits auf mittelalterlichen Gebäuden zu finden. Das Mansarddach hingegen ist tatsächlich eine französische Erfindung, ist allerdings bei uns auch bereits vornapoleonisch reichlich im Barock (vornehml. 17. Jhd.) zu finden.

Ein Grund der Beliebtheit dieser Konstruktion in Frankreich liegt übrigens in der Art der Steuererhebung auf Vollgeschosse, was der Verbreitung der Dachform zutrug. Mit einem Mansarddach wurde ein steuerlich begünstigtes Dachgeschoss errichtet, das sogut wie keine/keine Schrägen aufwies.

Napoleon war da wohl eher unbeteiligt, die in den von ihm beeinflussten/besetzten Gebiete wurden jedoch nach französischen Vorbildern bebaut (z.B. Palatinat)

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Vielen



Dank für all die Hinweise, habe mich unterdessen einmal an die Pfarrei gewandt, an die Feuersoizität, an das Landeskatasteramt und Landesarchiv.... mal schauen, was ich so rausbekommen kann.

Noch eine Frage, ich hatte nicht beschrieben, das es im Haus ein rechteckiges Tonnengewälbe (Sandstein) gibt, mit einigen Ausbuchtungen im Treppenaufgang und im hinteren Teil des Gewölbes... hier noch ein Bild (leider hab ich grad kein Besseres)..... und die Frage:

Wurden solche Gewölbe in der Zeit Ende 18tes Jhd. Anfang 19tes üblicherweise noch gebaut?