nachträgliche Dämmung unter Bodenplatte - Schüttung statt Kies?

07.02.2020 Steffi1930



Hallo Ihr Lieben,

wir können mal wieder euren Rat gebrauchen.

Wir wollen unseren (trockenen) Halbkeller zur Wohn-, bzw. Bürozwecken ausbauen.
Das Haus hat Streifenfundamente, dazwischen ist auf sehr lehmigen Untergrund eine Bodenplatte gegossen, die mehrfach von den Vorbesitzern übergossen wurde um die Risse zu überbrücken.

Wir haben vor zwei Jahren in einem Raum (Lagerraum) die alte Bodenplatte entfernt. Der Boden wurde soweit es ging dafür ausgehoben, Kies (für Ausgleich und Drainage?) eingebracht und darauf eine neue Bodenplatte gegossen. Da kamen wir gerade so mit der Höhe hin.

Da die Raumhöhe es nicht hergibt können wir den Boden zu Gunsten einer Dämmung nicht erhöhen.
Gibt es eine Schüttung die man statt des Kies nehmen könnte? Oder ist der Gedanke völlig daneben?

Liebe Grüße und vielen Dank fürs lesen.



Bodenplatte Dämmung



Es gibt Glasschaum und andere Schüttungen, die aber einen erheblich schlechteren Dämmwert haben und hier keinen Sinn machen würden.
Statt Bodenfeuchte’ ist dadurch der Lastfall ‚aufstauendes Sickerwasser’ möglich mit höherer Wasserbelastung.

Wenn die Raumhöhe zu gering, Tieferlegen aber möglich ist würde ich direkt auf den Lehm einen ca 8 cm dicken Estrich aus WU-Estrichmörtel verlegen-
wobei die Wasserdichtigkeit sekundär ist- die wird oberhalb hergestellt.
Dem Estrich schadet Feuchtigkeit oder Nässe nicht.
.
Die Wände bis zur Oberkante der späteren Fußleisten mit Zementputz/hochhydraulischem Kalkputz glatt beiputzen.
Anschließend am Rand eine Hohlkehle herstellen.
Boden und Wände bis zur OK Fußleiste mit einer Feuchtigkeitssperre versehen,
Bitumenbahn mit Alueinlage, MB 2K o.ä. als rißüberbrückenden Dichtungsspachtel.

Dann kann abhängig von der Feuchtigkeit Holzboden auf KVH verlegt werden, Höhe mit untergelegten Gummigranulatstreifen nivellieren.
Alternativ Glasschaum- oder XPS-Platten als Dämmung Verlegen und darauf 40/60 KVH, dazwischen weitere Dämmung und geölte Holzdielen verlegen.

Oder feuchtebeständige Trockenestrichplatten (H2O o.ä.) verlegen, darauf Korkplatten, Parkett etc.
Luftfeuchtigkeit mit Hygrometer kontrollieren, max ca 65 % nicht länger übersteigen.
Bei Fragen ggf mail schreiben



Hallo Herr Teich - vielen Dank für Ihre Antwort, sie sind ja echt immer schnell!



Tiefer legen ist auch nicht (einfach) möglich. Wir konnten damals nur wenige cm entfernen, dann kommt eine extrem harte und unebene Bodenschicht, die man nicht einfach mal aushebt. Bevor wir da ran gehen, würden wir eher auf eine Dämmung verzichten.

Auf Konstruktionen mit Holz würden wir auch gerne verzichten. Wir hatten vor zwei Jahren durch Starkregen für kurze Zeit 40cm Wasser im Keller stehen. Wir hatten damals praktisch keinen Gebäudeschaden nur der Hausrat war dahin - Wir haben, bzw werden noch Vorkehrungen treffen dass uns das nicht nochmal passiert, aber auf Grund der Erfahrung würden wir ein massiven Bodenaufbau vorziehen.

Wenn ich mich richtig erinnere hat die Firma damals bei unserem Lagerraum, das Kies (entwässert in einen Pumpenschacht) auf ein Vlies aufgebracht, darauf kam eine Folie und dann die Betonplatte. Die Platte hat umlaufend Randdämmstreifen, ist also "schwimmend" der Boden wurde mit viel Fugenanteil gefliest. Bisher sieht alles super aus, keine Risse, Setzungen, oder Feuchtigkeit - eigentlich als Lagerraum viel zu schade.

Deshalb der Gedanke die anderen Räume auch so (nur mit Dämmschüttung statt Kies) machen zu lassen - aber sie meinen das macht keinen Sinn?!
Sie schreiben "Statt Bodenfeuchte’ ist dadurch der Lastfall ‚aufstauendes Sickerwasser’ möglich mit höherer Wasserbelastung." Das verstehe ich nicht ganz, bitte entschuldigen sie deshalb die Nachfrage.
Sie meinen damit Wasser das nicht schnell genug ins Grundwasser versickert? Das ist definitiv ein Problem bei unserem lehmigen Boden. Wir haben daher in zwei Räumen 80cm tiefe Schächte mit einer Pumpe, die bei steigenden Wasserspiegel das Wasser wegpumpen. Das kommt nur selten bei tagelangem Regen vor, meist sind die Schächte trocken. (Den beiden Pumpen haben wir es auch zu verdanken dass beim Strakregen nur 40cm Wasser im Keller standen und nicht 1,2m)



Bodenaufbau bei feuchtem Keller



Bei direkt an der Bodenplatte oder auch Wänden anliegendem undurchlässigem Lehmboden wirkt nur Bodenfeuchtigkeit auf diese ein.
Wenn nun Schotter o.ä. Material verwendet wird befindet sich in diesen Bereichen freies Wasser, welches nun einen (hydrostatischen) Wasser-Druck auf Boden bzw. Wand ausübt- also eine höhere Belastung als nur Erdfeuchtigkeit darstellt.

Bei freiem Wasser könnte der Boden aufschwimmen.

Sofern die Pumpen zuverlässig funktionieren entsteht kein Schaden- leider versagt Technik gelegentlich.

Wenn ein Geotechniker/ Baugrundgutachter eure örtlichen Verhältnisse kennt würde ich nachfragen, auch Grundwasserstand etc erfragen.

Mit einem Abbruchhammer läßt sich auch harter Boden gut abtragen-
für mehr Raumhöhe und bessere Dämmung würde ich lieber einige Tage arbeiten-
bei einem Halbkeller läßt sich der Abraum gut beseitigen und bei Streifenfundamenten sollte das Tieferlegen auch techn. Kein Problem darstellen.
ggf Förderband für den Transport des Aushubs ausleihen.

Wenn Wasser nicht ausgeschlossen werden kann würde ich wasserbeständige Dämmplatten hohlraumfrei mit dem Untergrund verkleben, (auch mit MB-2K möglich) darauf wasserbeständigen Trockenestrichboden, Abdichtung und Fliesen verlegen.

Bei Wassereintritt muß das Wasser nur abgesaugt, mit Naßsauger nachgetrocknet und ausgewischt werden- du hast dann quasi ein unregelmäßig befülltes Schwimmbecken im Keller.



Hallo Herr Teich,



vielen Dank, das klingt doch alles sehr sinnvoll - ich werde das mal mit meinem Mann und der ausführenden Firma besprechen.



nachträgliche Dämmung unter Bodenplatte



Hallo,

ja, Schüttung schwimmt gut. Dafür muss man sie festhalten, und das geht am einfachsten durch Gewicht.
Eine 8 cm-Platte aus Estrichbeton C 30/37 leistet das nicht. 8 cm sind auch nicht wasserundurchlässig. Wenn Sie Wissen aus erster Hand brauchen: Betonkalender 2018, ca. 174,00 € .

Grüße vom dauerfeuchten Niederrhein
Dietmar Beckmann



Einfacher...



und auch hinreichend dämmend wäre ein Leichtbeton auf Geovlies und (flachem) Kiesplanum. Darauf eine Schweißbahn. Der Aufbau ist einfach und schwimmt Ihnen nicht davon (wenn dessen Dichte oberhalb 1g/cm³ liegt).

Grüße

Thomas



Hallo Herr Böhme, danke für Ihre Antwort



Ich werde mal die ausführende Firma Fragen, ob sie auch Leichtbeton machen kann und den Energieberater ob er mit Leichtbeton einverstanden ist.

Warum wird die Schweißbahn benötigt? Darauf müsste ein Estrich der dann befliest werden kann?
Der Leichtbeton kann nicht direkt befliest werden?



Eine Schweißbahn...



...sperrt gegen kapillares Wasser und Wasserdampf. Sagen Sie nicht, gerade bei IHNEN sei es SO trocken... es ist erdfeucht, wie überall.

Es gibt auch Sperrgründe, die gestrichen werden. Ob diese für Ihr Vorhaben einsetzbar sind, und welche Anforderungen sie an den Untergrund stellen, kann ich nicht einschätzen. Eine wie auch immer geartete Sperrschicht sollten Sie jedenfalls vorsehen.

Grüße

Thomas



Wasserbeständiger Bodenaufbau



Wenn wie bisher Wasser im Haus stehen kann ist ein absolut wasserbeständiger Bodenaufbau inkl wasserfester Dämmung am sinnvollsten und schadensresistentesten.

Dämmbeton und andere feuchteempfindliche Dämmungen müßten
ober- und unterhalb 100 % ig abgedichtet werden, um sich nicht vollzusaugen und um dabei nicht an Dämmwirkung zu verlieren.

Zumindest bei feuchteempfindlichen Konstruktionen zuerst untersuchen woher Wasser eindringen kann und diese Öffnungen abdichten.

Glasschaumplatten sind umweltfreundlicher als EPS-basierter Dämmbeton.
Perlite oder andere mineralische Zuschlagsstoffe sind in der Hinsicht besser.



nachträgliche Dämmung unter Bodenplatte



Hallo,

bisher haben Sie doch alles richtig gemacht, nämlich den Wasserspiegel mit Sümpfungen gesenkt.
Ich verstehe nicht, warum Sie jetzt, wo Sie genau um den Lastfall "zeitweise aufstauendes Wasser"
wissen, mit Dichtungen kommen, die diesem Lastfall nicht gewachsen sind. Kein einziger der hier gemachten Vorschläge entspricht der alten DIn 18195-4 und der neuen Normenreihe DIN 18533(2017).
Wenn Sie den Lastfall "aufstauendes Wasser" wirklich beherrschen wollen, brauchen Sie eine wasserdruckhaltende Dichtung, bei der Wände und Bodenplatte dicht verbunden sind.
Aus Kostengründen würde ich darauf verzichten und mich an den Gedanken gewöhnen, einen naturfeuchten Keller zu haben.

Freundliche Grüße vom dauerfeuchten Niederrhein

Dietmar Beckmann



Es soll...



...ein Wohn/Arbeitsraum werden. Nasser Naturkeller ist also keine Option. Natürlich wird mit meinem Vorschlag der Keller nicht überschwemmungssicher. Das war ja auch nicht die Fragestellung.

Perlite sei besser? Herrlich, wenn das weisse Gekrümel dann herumschwimmt. Glasschaumplatten? Die treiben gleichfalls auf, wenn sie nicht mit einem sehr solidem Unterbeton verklebt werden.

Natürlich ist nach einem Wassereinbruch der Leichtbeton (wie jeder andere Beton auch) nass. Der Leichbeton trocknet aber schadfrei zurück. Ob da nun EPS oder aber Blähton als Zuschlag zum Einsatz kommt, ist zweitrangig.

Ich hatte die Fragestellung nicht so verstanden, als ob da ständig landunter ist - da wäre die angedachte Nutzung nur unter weitaus höheren Aufwendungen möglich.

Grüße

Thomas



Wasserfester Bodenaufbau



Natürlich sollte geklärt werden woher das Wasser kommt welches den Keller ab und an flutet.
Wenn der gesamt Bodenaufbau wie beschrieben wasserdicht und- beständig ist
kann das Wasser ja wie im Schwimmbad auf dem Boden stehen
(Wände natürlich auch von innen abdichten) und
nach Absaugen und trockenwischen ist alles wieder verwendbar und trocken-
wie die Dusche nach dem Duschen.



nicht regelmäßig Wasser im Keller



Also wir haben keines Falls regelmäßig Wasser im Keller stehen.
Wir hatten vor 2 Jahren extremen Starkregen und alle Straßen standen hier 30cm unter Wasser, in der Gegend sind alle Keller vollgelaufen - Wir waren ungünstigerweise auch noch im Urlaub.
Und davor hatten wir ein Problem mit der Grundleitung und deshalb auch Wasser im Keller. Und davor hatte der Junior an der Wasserabperrung gedreht und so den Keller geflutet.
Wir hoffen, dass wir jetzt damit durch sind, aber jedes Jahr was Neues...

Mit Wasser von unten haben wir meiner Meinung nach kein Problem. Die Pumpenschächte sind in der Regel trocken und wenn bei extremen Wetter mal Wasser zu sehen ist, wird es abgepumpt. Da es nicht nur eine Pumpe ist, sondern 4, sollte auch ein Ausfall einer einzelnen Pumpe kein Problem sein.

Im Keller soll ein Büro und evtl. ein Gästezimmer eingerichtet werden. Also die Ansprüche sind da vielleicht nicht ganz so hoch, wie an ein Wohnzimmer - Aber ein Naturkeller sollte es dann doch nicht sein.