Muff im Haus, Keller feucht!

18.02.2004



Hallo!
Unser Problem ist folgendes:
Wir beziehen im April ein Fertighaus aus den 70er.
Eine Messung vor 5 Jahren hat ergeben, dass die
Formaldehydbelastung der Wohnräume zwar nicht überschritten
wird, jedoch nahe an dem Grenzwert herankommt.
Betritt man das Haus, kommt ein "Modergeruch" zuerst nur
in dem Flurbereich auf einem zu.
Bei genauem riechen dünsten aber auch die Wände aus
Pressspan muffig aus.
Feuchtigkeit in den oberen Mieträumen ist nicht zu erkennen
und auch nicht messbar.
Der Feuchte Keller ist komplett Geruchsneutral und wir durch
den Besitzer saniert.
Meine Frage:
Reicht es aus, eine "zweite Haut" in den Wohnbereich zu
setzen, - hier mit Wasserglas und Latexfarbe- für die Wände?
Oder gibt es Alternativen?
Danke schon jetzt
Heinz



Fertighaus 70er Jahre



Guten Tag,

die von Ihnen beschriebene Brachialmethode wird wahrscheinlich schon kurzfristig zu weiteren Schäden am Gebäude führen.
Ohne eine Gebäudezustandsbesichtigung selber vorgenommen zu haben, ist es unmöglich, Ihnen einen halbwegs fundierten Rat zu geben.
Sie schreiben auch nicht ob es sich um ein F-Haus Ost (aus einem Bauelementekombinat) oder West handelt. Da bestehen noch elementare Untrschiede.
Muß es denn so ein problembeladenes Haus sein ?



Re: Muff im Haus, Keller



Schönen Dank für Ihre Nachricht!
Leider sind wir privat sowie beruflich an diese
Immobilie gebunden. Wir gehen davon aus, dass es
sich bei dem Haus um ein Fertighaus aus dem Westen
handelt. Voll unterkellert, bis ca. 1 Meter über
Boden mit Mauerwerk, dann weiße ?? Platten.
Ein geschlagenes Loch im Innenbereich, keine
Außenmauer, wies auch keinerlei Gerüche auf.
Die von Ihnen beschriebene Brachialmethode mit Farbe
und Wasserglas soll in erster Linie verhindern, dass
die Ausdünstungen weiterhin existent sind und die Raumluft
belasten. Dass es eine nicht professionelle Lösung darstellt
ist uns bewusst.
Doch stellt sich die Frage, ob mit der Methode kurzfristig
Abhilfe geschaffen werden kann.
Mittel und langfristig sehen wir keine andere Alternative, als
eine komplette Sanierung vorzunehmen.
Gruß
Heinz



Lösung: Zimmerpflanzen



Hallo,

es gibt Zimmerpflanzen die bestimmte Luftschadstoffe aufnehmen.

Probiert es mal damit, es hat bei mir im Büro schon funktioniert.

Gruß Reinhold



Höchst problematisch



und gesundheitsgefährdend würde ich den Einzug in ein solches Haus bezeichnen. Von der Ferne einen Vorschlag zu machen ist äußerst riskant, da man nicht genau weiß, mit welchen Schadstoffen das Haus belastet ist. Von Latexfarben oder sonstigen Totalabdichtungen rate ich dringend ab, da damit nur Verschlimmbesserungen erzeugt werden. Ob eine reine Silikatfarbe auf Wasserglasbasis gegen die Ausdünstungen kurzfristig Abhilfe schaffen kann, kann ich nicht genau beurteilen. Das Problem dürfte die Größe der Moleküle sein. Silikatfarbe an sich ist diffusionsoffen, d.h. Wasserdampfmoleküle können durchtreten. Das hätte dahingehend den Vorteil, das eventuell vorhandene Feuchtigkeit entweichen kann und keinen weiteren Schaden anrichtet. Welche Molekülgrößen jedoch die austretenden Schadstoffe haben, d.h. also ob dieses Molküle so groß sind, daß sie nicht durch die Silikatfarbe durchtreten können vermag ich nicht zu sagen. Hier sollten Sie Ihrer Gesundheit zuliebe dringend ein auf Baubiologie spezialisiertes Labor mit einer Schadstoffanalyse und möglichen Sanierungsvorschlägen beauftragen. Diese Kosten sind im Vergleich zu einer ruinierten Gesundheit geradezu lächerlich und sollten nicht gescheut werden!!

Viel Erfolg



Re: Muff im Haus, Keller DANKE!!



Wir bedanken uns für alle Antworten bezüglich unseres Problems.
Zimmerpflanzen haben wir schon in der Vergangenheit ausgespäht,
und beabsichtigen auch, einen "Urwald" aufzubauen.
(Wenn gleich unseren Wissens nach Formaldehyd bei Feuchtigkeit aktiv wird)
Über Molekülgrößen jedoch haben wir nicht im Traum gedacht,
da können wir nur sagen: Alle Achtung!!!!
Wie gesagt:
Wir haben alle Beiträge ausgedruckt und werden sicherlich
auf einige Antworten zurückkommen.

Danke und Gruß an alle
Heinz



Re: Muff im Haus, Keller feucht!



Im Internet gibt es einige Artikel, die darüber berichten, daß Schafwolle ein großes Absorptionsvermögen bezüglich Formaldehyd hat. Einfach mal googeln.
Ich habe von einem Bausachverständigen bereits von Sanierungsmaßnahmen gehört, bei denen Gebäude durch Einbau von Schafwolledämmung saniert worden sein sollen.
Selbst Schafwollepressungen, die z.B. hinter Bildern aufgehängt werden sollen helfen.

Viel Erfolg



Absorptionsvermögen



Bevor es ans Spekulieren geht, ob dieser oder jener biologische Dämmstoff Schadstoffe absorbiert, sollte man sich darüber im klaren sein, daß es sich nur um eine Umlagerung handelt: Für eine wirksame Sanierung müßte der Filter dann schließlich entsorgt werden. Abgesehen vom Preis wäre mir Schafswolle dafür auch zu schade.
Mir fällt bei diesem Thema aber solide Rüstungstechnik made in Germany ein: Es gibt Tapeten mit eingelagerten Aktivkohlepartikeln, die man eine Weile hängen läßt und dann entsorgt. So können selbst Verseuchungen mit PCB, Pentachlorphenol, HCH, Formaldehyd etc. saniert werden. Das Rezept stammt aus der ABC-Abwehr und wird vertrieben von der Firma MHB-Filtertechnik in Erkrath.

Wenn das zu halbherzig erscheint, könnte man in einem chirurgischen Schnitt auch das Erdgeschoß entfernen und gegen Mauerwerk austauschen.

mit besten grüßen



Re: Absorptionsvermögen



Wenn auch mit leichtem Schmunzeln bezüglich der ABC Sache
und dem chirurgischen Schnitt, auch das Erdgeschoss zu
entfernen,
habe ich noch eine weitere Frage.
Wie ist die Halbwertzeit von solchen Stoffen?
Laut einem Laborbericht, Zitat:
"Aufgrund der kurzen biologischen Halbwertszeit
von Formaldehyd (ca. 1,5 min) wird das Abbauprodukt
Ameisensäure bestimmt. Die im Boden dagegen 160 Jahre".
Sind Wände gleichzusetzen mit "Boden"?
Irgendwann müssen sich doch solche Stoffe auch verflüchtigen!
Gruß
Heinz



Was ist wohl die Quelle?



Erst einmal: wer hat die Messung vor Jahren wie gemacht?
Wurden Temperatur und Luftfeuchtigkeit festgehalten (Formaldehydgehalt der Raumluft ist davon abhängig)? Wie wurde gemessen (Raumluftkollektor mit Pumpe oder nur Biochek F von Dräger oder gar über Hausstaub ???) Wurden auch alle Materialien untersucht (die man evtl. austauschen kann)? Wurde noch eine neue Untersuchung durchgeführt?
Formaldehyd hat zwar keine ewige Halbwertszeit, kann sich aber langsam über Jahre aus dem Material lösen. Und jeder Mensch ist unterschiedlich empfindlich.
Offizielle Grenzwerte sind außerdem meist zu hoch uns gelten für den Arbeitsplatz, an dem man sich max. 8 Stunden aufhält, für Hausfrauen/-männer, Heimarbeiter und Kinder,die ja wohl wesentlich länger (fast Tag und Nacht) im Haus sind, gibts keinen Grenzwert. Ganz nebenbei: besonders viel Formaldehyd findet man in Raucherhaushalten, da kann dann auch der Bauträger nix für.
Und: Formaldehyd riecht eher scharf als moderig, da ist dann doch noch Feuchtigkeit im Spiel (was die Formaldehydproblematik natürlich verstärken kann...)



Muff



Guten Morgen,

kein Karnevalsscherz, obwohl heute der höchste rheinische Feiertag ist:
Die Entfernung des Erdgeschosses hat sich bei Fertighäusern, deren Konstruktionsprinzip auf der Holztafelbauweise beruht, deren Keller und Dachstuhl aber ganz brauchbar sind, als Möglichkeit erwiesen, eine solide Konstruktion für das Erdgeschoß zu erlangen.
Die Aktivkohletapeten sind eine sehr wirksame Methode, der Schadstoffbeseitigung. Diese werden an die Aktivkohle gebunden und beim nächsten Tapetenwechsel in gebundener Form entsorgt. Details, also wofür besser, wofür schlechter geeignet, kann Ihnen nur der Hersteller geben. Das ist auch für mich eine eher exotische Aufgabe.



Muff im Haus



Hallo!
Ich persönlich würde vom Kauf eines solchen Hauses abraten, bzw. tatsächlich den Plattenteil abreissen. Für Formaldehyd gibt es einen Richtwert, der rechtlich wie ein Grenzwert behandelt wird, der liegt bei 0,1 ppm bzw. 120 µg/qm. Der muffige Geruch ist ein häufiges Problem bei Fertighäusern. Es wird angenommen, daß dafür der Stoff Trichlor- bzw. Tetrachloranisol verantwortlich ist. Möglicherweise kommen die Verbindungen aus mikrobieller Umsetzung von Pentacholphenol aus der Ständerkonstruktion oder den Pressspanplatten. Die Sanierung von Fertighäusern ist möglich, aber teilweise sehr aufwendig.
Ich würde Ihnen dringen raten, die Beratung von Fachleuten in Anspruch zu nehmen
Mit freundlichen Grüßen
Dipl-Ing. B.Wagner Ingenieurbüro Gesundheit + Umwelt



Ein erneutes Hallo von unserer Seite!



Danke nochmals und ein erneutes Hallo von unserer Seite!
Wir sind zur Zeit mit der Renovierung des Hauses beschäftigt.
Alle Zimmer wurden komplett unter der Decke mit
Folie versehen, ebenso der "Geruchsträchtige" Flur,
danach mit Rigips versehen und feingespachtelt, die
Wand (Decken) Fugen wurden mit Acryl abgedichtet.
Trotz mehrerer Außenwände der Zimmer, wird kein
Modergeruch mehr wahr genommen.
Lediglich der Flur mit den meisten Innenwänden,
dünstet trotz gleicher Behandlung weiterhin muffig aus.
Wir haben sehr genau Ihre Kommentare hier in dem Forum
gelesen und einen Baufachmann zu Rate gezogen.
Dieser wiederum ist der Meinung, dass die Dämmung der
Außenwände wegen mangelnder Belüftung über die Jahre hin
verrottet sei.
Als kurz - mittelfristige Lösung wurde uns empfohlen, Lüftungsriemchen
In die Außenfassade einzubringen, damit der Muff ausdünsten kann.
Nur: Warum mufft der Flur trotz nur einer kleinen Außenwand???

Gruß
Heinz



Sehr bedenklich



würde ich diese "Sanierungsmaßnahme" einschätzen. Es sieht mir sehr danach aus, das vorhandene Mängel versteckt wurden. Das führt aber häufig schon nach kurzer Zeit (meist nach Ablauf einer Gewährleistungsfrist) zu noch schlimmeren Schäden. Feuchtigkeit hinter Folie und Acryl zu verstecken ist in meinen Augen schon fast kriminell. Sie sollten wirklich einen Baubiologen zur Schadstoffbelastung in Ihrem Haus befragen. Eventuell kann Ihnen auch ein Bausachverständiger z.B. von der IHK oder der Handwerkskammer weiterhelfen. Es gibt leider einige Baufirmen, die derartige Schäden nicht richtig einschätzen.

Viel Erfolg



Re: Sehr bedenklich



Hallo!
Die Feuchtigkeit bezieht sich nur auf den Kellerbereich.
In den Wohnräumen, die auf die geschilderte Art
"Saniert" wurden, sind nicht von Feuchtigkeit befallen.
Von daher kann hier nicht von "Feuchtigkeit hinter Folie und Acryl zu verstecken ist in
meinen Augen schon fast kriminell" gesprochen werden. Gruß Heinz



mal was ganz anderes



Hallo wir hatten einänliches Problem,
unser Haus ist zwar ein Massiv gemauertes Haus aber
es roch auch Muffig und Modrig im Flur.
biss wir dahintergestiegen sind das der Muffgeruch aus dem Bad
bei hochgeklappten Toilettensitz und offenen Abflussrohren kam.
Ohne Witz seit wir den Toilettendeckel runterklappen und die Abflüsse an den Becken schließen ist der Muffgeruch verschwunden. Wenn dann endlich das Bad Renoviert wird sind wir sicher den Muffgeruch los.

Vielleicht könnte das auch bei Ihnen Helfen.

Gruß tom



Gerüche im Fertighaus



Wir gehen hier von zwei unterschiedlichen Belastungen aus -
Formaldehyd, welches auch noch nach 30 Jahre emittiert und nachweisbar zu gesundheitlichen Schäden führen kann - allerdings nicht direkt über den Geruch wahrgenommen wird ..
und Tetrachloranisol als Zerfallsprodukt der damals verwendeten Holzschutzmittel PCP und welches als modriger Geruch so nach und nach das ganze Haus überzieht - für beide Belastungen kann mit unterschiedlichen Produkten eine Sanierung nachhaltig durchgeführt werden - Hinweise dazu im Internet unter
http://www.spritzendorfer.de/content/sanierung/kairatin-anw/K_anwendung.htm
bundesweit gibt es dazu bereits Verarbeiter mit entsprechenden positiven Erfahrungen.



neckermann fertighaus 1978



hallo heinz,
ich ahbe alle artikel mit grossem interesse gelesen. hat sich denn bez. dem muff jetzt was getan? in unserem haus aus 1978 müffelt es nähmlich aus, was man selbst jedoch im laufe der jahre nicht mehr wahrnimmt. ich habe jetzt halt bloss bedenken in sachen unserer kinder. haben sie eine umfassende analyse vornehmen lassen? welcher hersteller ist denn ihr haus?
viele fragen, ich weiss, aber vielleicht finden sie ja kurz zeit für eine antwort.
lieben dank im voraus,
rosi



Neckermannhaus



hallo rosi,
wir haben folgendes gemacht:
Die Außenwände waren im unteren Bereich mit Teerpappe abgedichtet, um somit dem Ungeziefer keinen Einlass zu gewähren.
Diese wurde entfernt und mit feinem Gitter, so wie ein Sieb, ersetzt.
Im oberen Bereich haben wir Lüftungsriemchen eingebaut.
Somit war eine Luftzirkulation erst möglich.
Im Innenbereich haben wir alle Wände mit Latexfarbe gestrichen.
Das Ergebnis kann sich "riechen" lassen:
Das Haus dünstet stark nach außen aus und die "Muffbelastung" im Haus ist um gut 85 % reduziert.
Große Wirkung für wenig Geld.
Hoffe, geholfen zu haben und bedanke mich nochmals für alle User, die sich hier verewigt haben.
VG Heinz