Klinkerwand

25.04.2007


Ich habe eine Klinkerwand die ich vom Sand befreit habe und gerne als Sichtwand haben möchte. Die alten Fugen habe ich bereits bis zur Hälfte freigekratzt, weil sie teilweise rausgebröckelt sind. Nun habe ich das Problem, wie ich wieder verfugen soll?! Unser Maurer sagt TM 10 Trasszement; im Baustoffhandel Maxit 983 Werk-Trockenmöcrtel!?
Außerdem habe ich eine Sandsteinwand. Die Fugen oben bleiben drin. Nur die untersten 2 Reihen muüssen ausgebessert werden. Weiß jemand wie früher der Sandstein verfugt wurde? Die Fugen haben einen rosa Stich, also nehme ich an sie haben roten Sand genommen, aber was noch?



Klinkerwand



Hallo Sabine,
handelt es sich um Innen oder Außenflächen?
Wenn Außenflächen, wie ist die Wetterbelastung?
Liegt ein Teil im Spritzwasserbereich (0 - 30 cm über Gelände)?
Welchen Mörtelgruppen nach DIN 18550 entsprechen die o.g. Mörtel?
Bedeutet die 10 die Druckfestigkeit des Traßmörtels?

Viele Grüße
Georg Böttcher



keinen Zement oder Trass


Zementfugenalltag

bleiben Sie beim luftkalkputz
solubel würde ich nehmen

Trass oder zementäre Mörtel schauen dann so aus!

mfG

FK



Klinkerwand



Es ist eine Innenwand im Wohnzimmer. Auch kein Spritzwasser! Die einzige Feuchtigkeit, die evtl. aufsteigen könnte, ist die vom Erdreich. Dieser Raum ist nämlich nicht unterkellert!
Mit den Mörtelgruppen und Festigkeiten kenne ich mich leider nicht aus. Mir wurden nur die zwei verschiedenen vom Fachhandel empfohlen!



Klinkerwand



Liebe Sabine,
in diesem Fall reicht ein einfacher Luftkalkmörtel völlig zum Verfugen aus, die Wand wird weder mit Frost noch mit Feuchte, Salzen usw. belastet.
Ob die Steine Klinker sind, ist bei einer Innenwand unwahrscheinlich, es sei denn, es war einmal Außenwand (Anbau).

Zu den Mörtelsorten:
Mit Produktnahmen kann ich nichts anfangen, es sei denn, ich habe die Produktdatenblätter des Herstelles bzw. kenne das Material aus eigener Anschauung.
Deshalb gibt es DIN (18550 für Putzmörtel und 1053 für Maurermörtel) in der die Mörtel in 5 bzw. 3 Klassen eingeteilt sind. Die Gruppe 1 (P I, MG I)) sind Mörtel mit Kalk als Bindemittel, P Ia bedeutet z.B. das der Mörtel aus Luftkalk und Sand im Verhältnis (Raumteile RT) 1: 3 - 1: 4,5 besteht, zum Putzen geeignet ist und keinen Zement enthält. Diese Gruppeneinteilung steht normalerweise auf den Verpackungen.
Es ist (bis auf den Preis) völlig wurst, wie das Produkt heißt, wichtig sind seine Eigenschaften. Mit der Einteilung nach DIN 18550 (Putzmörtel) oder DIN 1053 (Mauermörtel) kenne ich 3 der wichtigsten Eigenschaften: die Zusammensetzung, die Festigkeit und die Wasserresistenz.
Der empfohlene Trassmörtel TM 10 (ich kenne wie gesagt weder den Hersteller noch die Eigenschaften noch die Klassifizierung nach DIN) hat vermutlich eine Festigkeit von 10 N /mm² das entspräche einem Mauermörtel MG III bzw. einem Putzmörtel PIII.
Solche Druckfestigkeiten sind im Innenbereich bei relativ weichen Steinen überflüssig und kontraproduktiv.
Zum Verfugen der Ziegelwand reicht ein normaler Luftkalkmörtel P I a völlig aus. Frag im Baumarkt nach einem solchen Mörtel für den Innenbereich! (sonst hast Du wasserhemmende Chemiezusätze im Putz, die Du nicht brauchst) oder misch ihn Dir selber aus 1 Teil Luftkalk oder Weißkalkhydrat ( gibt es auch im Baumarkt, der Sack kostet nur ein paar Euro) und 3 - 4 Teilen scharfem Sand 0-2 bzw. 0-4.

Zu Deiner Frage nach dem Sandstein:
Hier weiß ich immer noch nicht, ob innen oder außen, ich gehe aber mal davon aus, es ist außen und es ist ein Sockelmauerwerk aus Werkstein.
Auch hier würde eine Neuverfugung mit einem Luftkalkmörtel ausreichen, wenn sich die Spritzwasser- und Salzbelastung durch eine spritzwasserbrechende Schicht (z.B. Rollkies) vor der Wand in Grenzen hält. Bei Gefahr von Frostschäden würde ich (auch wenn F. Kurz jetzt in die Tastatur beißt)MG II oder II a verwenden, entweder als werkgemischten Saniermörtel oder selbstgemacht, also eine Mischung von 1,5 - 2 RT Luftkalk, 1 RT Zement (Portlandzement oder Portlandkalksteinzement) und 8 RT Sand 0-4.
Wichtig ist, das Mörtel verwendet wird, der nicht wasserhemmend oder wasserabweisend eingestellt ist, damit eindringendes Wasser aus den Fugen wieder ablaufen bzw. abtrocknen kann.

Die rosa Farbe des alten Fugenmaterials ist entweder eine nachträgliche Verfärbung durch den Sandstein oder kommt durch Zusatz von gemahlenem Ziegelmehl zum Kalk, ein früher angewandtes Mittel, um Kalkmörtel in Grenzen hydraulische Eigenschaften zu geben. Solche Mörtel gibt es auch heute noch von Spezailanbietern im Denkmalpflegebereich. Wenn Du auf eine denkmalgerechte Restaurierung der Fugen auch im Farbton bestehst, mußt Du zu einen Fachmann- aber nicht Deinen Maurer- gehen.


Viele Grüße

Georg Böttcher



Nein Herr Böttcher!



Ich werde nicht in die Tastatur beissen! Schmeckt nicht und bringt nichts!
Ihre Ausführungen sind immer ein Abbild des "Lehbuches für ..."!
Diese Zusammenstellungen von interessenspolitischen Verkaufsargumenten haben leider nichts mit einer langlebigen Ausbildung von Fugen, Putzen etc. zu tun, sondern dafür da, dass man das Zeug in ein paar Jahren wieder weg und neu dran macht!
Nach der verbreiteten Sitte: "Wir brauchen ja in ein paar Jahren wieder was zu tun"
Nein! Ich unterstelle Ihnen da nichts - äussere nur meine Meinung!

Ihr Satz: "Wichtig ist, das Mörtel verwendet wird, der nicht wasserhemmend oder wasserabweisend eingestellt ist, damit eindringendes Wasser aus den Fugen wieder ablaufen bzw. abtrocknen kann." gefällt mir und den unterstütze ich aus tiefstem Herzen ... warum Sie da aber zementäre oder trasshaltige Mörtel vorschlagen ist mir ein grosses Rätsel, denn gerade die halten Wasser zurück und können nur sperren und schädigen dadurch die darunter / dahinter liegende Mauer, etc....
Gerade die hydraulisch abbindenden Putze und Mörtel werden immer dichter mit der Zeit ... und die versprochenen Eigenschaften der Hersteller erledigen sich ...
Sie sehen doch Tag für Tag die Auswirkungen der Zementpampen und Zauberfarben ... Während Luftkalkputze nach über hundert Jahren einzelne Sschäden aufweisen, fallen die Hydraulpampen doch schon nach 2 Jahren ins Auge, dass man das Grausen bekommt ....

Ob nun die Fugen innen oder aussen sind tut nichts zur Sache, auch versalzte und patsch nasse Wände mach ich Ihnen mit einem LKP besser und nachhaltiger trocken und brauchbar als mit dan anderen Mitteln.

Selbst bei alten Gemäuern wie Mühlen und Wasserschlössern setzte man auf LKP und wenn diese Bauten nicht in den letzten Jahrzehnten falsch saniert wurden, wären die Schäden nicht vorhanden .... wie überall!

mfG

FK



Vielen Dank



Die Sandsteinwand ist auch eine Innenwand im selben Zimmer wie die Klinkerwand(Ziegelwand). Werd´s diesmal auf jeden Fall richtig machen und auf jeden Fall Luftkalkmörtel nehmen!
In diesem Zimmer muß noch die Decke abgehängt werden.
Farmacellplatten oder Lehmbauplatten? Kann mir jemand einen Tipp geben?
Das anderen zwei gemauerten Wände werden mit Kalkputz verputzt.
Viele Grüße
Sabine



Klinkerwand



Lieber Herr Kurz,
das ich jetzt Feuer von Ihnen kriege, war mir klar.
Auch ich kenne viele Bauten, die seit hunderten, sogar tausenden von Jahren stehen, gerade weil sie mit "zementären Pampen" gebaut worden sind. Ich erinnere an das Pantheon in Rom, ein monolithischer Betonbau aus mehreren Leicht- und Schwerbetonen, die Cloca Maxima in Rom, Hafenanlagen, viele Schlösser und Burgen, Wasserbauanlagen usw...
Ich glaube, das früher viele Baumeister gerne Zemente oder hydraulische Kalke verwendet hätten, wenn sie denn verfügbar waren.
Der Trasszement der Eifel war im Mittelalter begehrtes Handelgut, um das Duodezfürsten der Gegend ständig Händel hatten; die Holländer als Wasserbaunation zahlten gut dafür.
Die Entwicklung der französischen Festungsbaukunst ist eng verbunden mit der Entwicklung von hydraulischen Mörteln,
Frankreichs Kontinentalsperre führte zur Entwicklung der modernen Portlandzemente. Das geschah nicht, um Häuser mit "zementären Pampen" zu verschandeln, sondern um Ingenieubauwerke zu errichten, ohne die unsere moderne Gesellschaft nicht möglich wäre.
Man sollte also nicht den Werkstoff verdammen, sondern die, die ihn ohne nachzudenken einsetzen. Das trifft übrigens nicht nur auf Zement zu. Die Gefahr besteht immer, wenn ein Material oder eine Bauweise zum Modetrend wird, unsere Dörfer und Städte sind voll davon. Spaltklinker als Sockelverkleidungen,die unsäglichen Fenster- und Türgewände der 70-ger aus Betonriemchen, die Plasteverkleidungen im Klinkerlook der 90-ger, die Vertäfelungswut deutscher Haubesitzer der 80-ger.
Das Foto zeigt übrigens einen Teil der Burgruine Arnstein im Vorharz, zu sehen ist hydraulischer Mörtel mit gestoßener Schlacke als hydraulischer Zusatz und Stützkörnung.
Zement sollte dort verwendet werden, wo er hingehört, und das ist da, wo höhere Druckfestigkeiten und hydraulische Eigenschaften erforderlich sind. Das trifft übrigens auch auf Luftkalk zu, der auch nicht überall eingesetzt werden kann, sondern dort, wo seine Vorteile zum tragen kommen. Ich gebe Ihnen recht, das in den letzen hundert Jahren Zement ohne nachzudenken als Allheilmittel überall eingesetzt wurde nach dem Motto: viel hilft viel.
Ich gebe Ihnen auch recht, das er in der Sanierung dort nicht hineingehört, wo er vorher nicht drin war.
Mein Hinweis bezog sich deshalb auch auf einen eng begrenzten Einsatzzweck, nähmlich ständig feuchtebeaufschlagte Fugen, die durch Frost- Tau- Wechsel belastet sind. Dort brauche ich einen frostsicheren Mörtel mit Druckfestigkeiten, die Eisdruck abkönnen, also über 8 N/mm². Das geht am einfachsten mit einem hydraulischen Zusatz, also etwas Zement, aber unter Beachtung der Porösität. Wenn ich einen reinen, bindemittelreiche Zementmörtel mit hohem Feinkornanteil und vielleicht noch Dichtmittelzusatz verwende, entstehen natürlich Schäden. Es kommt immer auf die Dosis und den Verwendungszweck an.
Ich bin mir sicher, das man frostsicheren Mörtel auch mit Luftkalk herstellen kann, dann aber bitte vom Fachmann (siehe meinen letzten Satz)und nicht in Eigenleistung, auf die sich die Frage bezieht.

In diesem Sinne einen schönen Abend

Georg Böttcher