Reparatur Sandstein Kalkmilch Kalkmörtel

28.07.2004



Hallo,

Im Prinzip habe ich die Lösung in diesem Forum gelesen. Es geht um die Reparatur von Sandstein (z.B. Fenstereinfassung/bank). Säubern, Kalkmilch auftragen mit Kalkmörtel reparieren (modellieren).
Eins von den Produkten war Solubel. Dummerweise werden auf der entsprechenden Seite nur große Mengen angeboten.

Lässt sich Kalkmörtel und Kalkmilch vielleicht selber "zubereiten" ?

MfG

Andreas



Man kann !!



Hallo Andreas,

und das ganze ist auch relativ einfach und sehr preisgünstig.

1. Schritt:
Man geht in einen vernünftigen Baustoffhandel und kauft Weißkalkhydrat. Gibt’s als 40 kg Sack und kostet ungefähr 6 – 8 EUR.

2. Schritt:
Man besorgt sich die entsprechende Menge Sand – Grubensand o.ä. Es gibt auch deutschen Normsand mit Größtkorn bis 2 mm. Gibt‘ ebenfalls im Baustoffhandel

3. Schritt:
Falls kein Motor-Mischer im Haus – einen Mischkübel kaufen. Am besten 80 Liter. Kostet 8 – 10 EUR

4. Schritt
Neuen Mut fassen und anfangen!

Kalkmilch ist streichfähig verdünnter Kalkbrei. Also Weißkalkhydrat mit Wasser anteigen. Die Suppe muß richtig wässrig sein. Soll das ganze als Farbanstrich dienen, kann zur Erhöhung der Wetterfestigkeit noch ca. 0,5 % Distelöl (ALDI) zugesetzt werden. Häufiger mischen, da sich die Suppe leicht trennt.

Kalkmörtel (MG I): 1 Teil Kalk und ca. 4 Teile Sand mit Wasser mischen (Volumenteile). Zur Erhöhung der Wetterfestigkeit kann noch etwas Trasskalk zugesetzt werden (bindet hydraulisch).

Reinheitsgebot: Bitte keinen Zement zusetzen. Ist leider in vielen Fertigmischungen enthalten und auch altgediente, aber modern-fehlgeleitete Maurer schwören immer noch auf die Extra-Schippe Zement

Verarbeitungsregel. Nicht bei warmen Wetter und oder praller Sonne verarbeiten. Kalk bindet karbonatisch und braucht zur CO2-Aufnahme Feuchtigkeit. Je länger der Kalk feucht bleibt, umso besser härtet er aus.

Und jetzt viel Erfolg – und falls gewünscht ein Getränk nach Reinheitsgebot. Aber nicht den Mörtel damit anrühren.

Gruß aus BS
Bernd



Merci beaucoup



Hallo Bernd,

Für diese sehr nützliche Antwort bedanke ich mich recht herzlich!

MfG

Andreas



Frage 2.Teil Abtönung



Hallo,

Weil mir so schön geholfen wurde kommt jetzt schon der nächste Teil des Fragekomplexes. Natürlich sollen die Fensterfassungen auch farblich von der Fassade abgesetzt werden(im Moment tendiere ich zu einem apricot oder gelblichen Farbton).
Ich nehme an das man dazu auch wieder eine spezielle Farbe braucht um den soeben erschaffenen Untergrund nicht zu zerstören. Wo bekommt man denn solche Erdpigmente (heißt doch so) her und gibt es auch so ein tolles Rezept für die Selbstherstellung solch einer Farbe?

MfG

Andreas



Jetzt wird’s bunt.



Hallo Andreas,

es gibt zwei Möglichkeiten, Farbe ins Spiel zu bringen:

1. den Mörtel abtönen. Jetzt ist man aber auf ewig auf den gewählten Farbton festgelegt. Geht im Prinzip mit allen kalkechten Pigmenten (s.a. 2.)
2. Das Werk anschließend streichen.

Hier bieten sich jetzt wiederum verschiedene Möglichkeiten:

a) Kalkfarbe mit Pigmenten herstellen. Da Kalk (gleichzeitig Bindemittel und Weiß-Pigment) jedoch nur max. 10% Fremdpigmente binden kann, ergibt diese Farbe jedoch nur Pastelltöne. Wetterfestigkeit läßt sich durch Zugabe von Distelöl oder Lerinöl verbessern.

b) Kalkkaseinfarbe. Der Magerquark erhöht die Aufnahmefähigkeit für Pigmente. Ist aber auch nur bedingt wetterfest. Auch hier Verbesserungen durch Zugabe von Öl und / oder Hühnerei.

Grundsätzlich kann für a) und b) das normale Weißkalkhydrat verwendet werden. Besser ist es jedoch, für Anstriche Sumpfkalk zu verwenden. Notfalls den Weißkalk selbst einige Tage oder Wochen einsumpfen.

c) Silikatfarben (Wasserglas)

Pigmente gibt es in den meisten Geschäften, die auch Naturfarben führen. Am besten einmal auf die Seite www.auro.de gehen und dort den Händlernachweis bemühen.

Zur Übersicht über Pigmente und als Direktbestellung: www.kremer-pigmente.de. Dort stehen auch einige Basisrezepte.

Das erst einmal auf die Schnelle.

Gruß aus BS

Bernd



Nochmals vielen Dank



Hallo Bernd,

Nochmals vielen Dank für die schnellen und kompetenten Infos! (Ich glaube ich werde mich als Community Mitglied anmelden).

Zum Hintergrund wofür ich diese Infos brauche. Ich habe zwei Häuser gekauft (Baujahr ca. 1840 und 1900).
Das um 1900 gebaute weist leider eine bescheidene Bausubstanz auf (Bruchstein/Holzständerbauweise). Man rät mir zum Abriss. Solange es meinen finaziellen Rahmen nicht sprengt möchte ich es aber lieber erhalten.

MfG

Andreas



Herzlichen Glückwunsch ...



... zu der Entscheidung und Herzlich Willkommen in der Community.

Wenn's länger mit der Anmeldung dauern sollte - kannst mir ja mal Deine Kontaktdaten mailen (s. Profil).

Gruß aus BS

Bernd



Kalkmilch mit Distelöl?



Hallo Bernd,

vielen Dank für Deine Rezepte! Eine Frage habe ich noch zum Öl im Kalkputz: Warum soll es gerade Distelöl sein? Hat das spezielle Eigenschaften? Geht auch Raps- oder Sonnenblume?

Viele Grüße,
Dirk.



Hier wird geschmiert !



Hallo Dirk,

im Prinzip können zur Verbesserung der Wetterfestigkeit eines Kalkputzes/-mörtels alle Öle verwendet werden, die auftrocknen (Auto-Oxydation mit dem Sauerstoff). Bekannt sind mir biher: Leinöl, Sonnenblumenöl, Mohnöl, Walnussöl, Holzöl (Tungöl), Ricinenöl (entwässertes Rizinusöl). Rapsöl ist mir in diesem Zusammenhang noch nicht begegnet – ich weiß aber im Moment auch wenig oder garnichts über dieses Öl – bis auf die Tatsache, daß daraus Bio-Diesel hergestellt wird. Nur jedes Öl hat seine besonderen Macken und ich würde auch immer auf den Preis achten.

Du weißt sicherlich, was das Distelöl bei ALDI oder dergl. kostet – ich schätze im Moment mal ca. EUR 1,50. Bei den Naturfarbenherstellern heißt das Disteöl aber Saflor-Öl und für diesen schönen Namen bezahlst Du dann ca. EUR 6 oder 7 für die gleiche Menge.

Leinöl ist schon wieder teurer und hat den Nachteil, das es leicht vergilbt. Im preiswerten Bereich liegt dann noch SB-Öl, das aber ebenfalls leicht vergilbt.

Alle anderen scheiden meines Erachtens für Mörtel / Putz aus Preis-Gründen aus.
Habe gerade mal schnell bei Kreidezeit in der Preisliste nachgeschaut – EUR 11,20 / Liter. Tungöl liegt bei EUR 19,--.

Die eingesetzte Menge ist dann immer wieder eine Gradwanderung. Einerseits wird durch den Ölzusatz die Wetterfestigkeit verbessert, andererseits wird aber dadurch auch die Diffusionsfähigkeit des Putzes, bzw. eines Kalkanstrichs beeinträchtigt. Einige Autoren nennen ein Zuschlag von max 2 %. Ich plädiere für ca. 1 %. Vielleicht gibt es hier im Forum aber auch noch andere Meinungen / Erfahrungen.

Gruß und frohes Gelingen

Bernd



Go for Distel!



Vielen Dank Bernd. Ich hatte nur gerade mal beim Aldi um die Ecke geschaut, aber kein Distelöl gefunden. Aber wird schon noch, erst muß ich ja auch noch das Fachwerk reparieren :-)
Sonnenblumenöl ist jedenfalls im Cent-Bereich...

Jedenfalls vielen Dank für die Tipps!
Dirk.

PS: Weißkalkhydrat bei meinem Baustoffhandel 30Kg = 3,75€.



Zeit für Ölwechsel !!!



Hallo Dirk,

überlege gerade, ob man sich nicht spaßeshalber doch ein Gefach mit Walnuss-Öl gönnen sollte ;-))

Hab gerade mal einen Küchencheck gemacht - Liter kostet ca. EUR 36,-. Würde bei einem Inhalt von 0,25 Liter aber wahrscheinlich der Hausfrau doch auffallen.

Gruß aus BS

Bernd