Bierfarbe




Warum Bierfarbe - aufgetragen auf Möbel? Für gute Möbel
wurde schon damals ausgesuchtes Holz verwendet - sprich astfreies Holz. Dies eignete sich darüber hinaus auch für
Schnitzereien am Möbel - und für Intarsien. Holz mit vorhandenen Astlöchern galt damals als minderwertig - als zweite Wahl. Möbel, hergestellt aus astfreiem Holz waren damals schon teuer und der sogenannten höheren Gesellschaft vorbehalten. Dennoch wurde der sogenannte Abfall - also Holz mit Astlöchern - zu Möbeln verarbeitet. Diese
astbefallenen Hölzer wurden mit Bierfarbe kaschiert, bzw. mit langhaarigen Pinseln eine astfreie Maserung aufgetragen, also immitert. Solche Möbel, Schränke usw., galten damals als Arme-Leute-Möbel.



Da ist was...



...falsch verstanden worden:

Gesellschaftlicher Stand dokumentierte sich nicht in Aslöchern, und auch astfreies Holz konnte sich unter sog. "Bierlasuren" verstecken.

Vielmehr dienten Bierlasuren, die oft sehr kunstvoll ausgeführt wurden, der Imitation teuerer Möbel, meist furniert in Nussbaum, Palisander Kirschbaum usw. Oft wird die Lasurmalerei in Rahmen und Füllung ausgeführt und imitiert mittels einer Vielzahl spezieller Pinsel und Techniken perfekt die Maserung eines Edelholzes.

Die "Bier"lasur ist eine Kunsttechnik und findet sich als solche zuweilen auch bei Hofe, oft auch in adligen und gutbürgerlichen Hausständen.

In der Vielzahl natürlich auch in einfachen Hausständen. Das war aber auch keine "Abfallverwertung". Solche Möbel werden heute ja ganz gern abgelaugt und holzsichtig gelassen. Obwohl diese Möbel dafür nicht gedacht waren, ist das Ergebnis meist sehenswert.

Grüße

Thomas



Abfall ???



Also diese Aussagen die implizieren "Holz mit Ästen ist Abfall" lassen mich kopfschüttelnd zurück.
Nur gut das Bäume ohne Äste für die sogenannte höhere Gesellschaft heute auch noch nicht wachsen. Noch besser, dass es in allen Einkommensklassen Leute gibt, die lebhafte und auch astige Hölzer durchaus zu schätzen wissen.
Für alle anderen bleiben Plaste und Elaste ,,,


Sorry für OT aber ich habe den Sinn und die Frage des TE sowieso nicht verstanden.



Führt man...



...den Gedanken weiter, findet man gerade manche Äste als hochdekorativ und sehr begehrt:

Pyramidenmahagoni und Nussmaser gehören zu den kostbarsten Furnierhölzern für edle Möbel und sind doch nix als Ast in sonderbar-einzigartiger Verwachsung pur.

Und diese Furnierbilder werden gern mit "Bier"-Lasuren (die oft gar kein Bier enthielten) imitiert. Sogar mineralische Strukturen wie Marmor wurden nachgeahmt. Wer gern durch Schloßmuseen geht, findet Beispiele für solche gar nicht ärmlichen und höchst kunstfertigen Gestaltungen.

Grüße

Thomas



Bierlasur minderwertig ?



Der eingangs gestellten These kann ich auch nicht folgen. Ein Ast-"Loch" ist freilich immer ein Mangel im Brett. Aber die Imitation davon kann eben auch "Kunst" sein. Es sind - wie oben von Euch schon geschrieben - ganz eigenständige Gestaltungstechniken. Da gibt es weniger gute und ebenso wertvolle interessante Beispiele. Besonders in der 2. Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jh. war dies Mode. Und früher lernte das jeder Dekorationsmaler.
Die Bierlasuren wurden bis zur Perfektion entwickelt, um edlere Hölzer und Holzarten nachzuahmen oder einer Gesamtausstattung eine einheitliches Wirkung und Ausstrahlung zu geben. Freilich verbirgt sich darunter oftmals "nur" Fichte oder Kiefer.
Aber davon mache ich keine Wertigkeit abhängig.



Mir



ist letztens in einem höchst noblen Haus in Wien solche Malerei begegnet. Die Umrahmungen der Wohnungstüren waren von außen höchst kunstvoll auf Stein getrimmt!

In besseren Wohnhäusern in Wien waren die Wohnungstüren durchwegs lasiert (meistens Eiche), nicht selten auch die Zimmertüren und Fenster. Vor etwa 1900 wurde aber häufig auch Lärche schlicht mit sehr dunkel gefärbtem Schellack überzogen, sieht aus heutiger Sicht auch sehr edel aus.

Heute ist diese Lasur eine nahezu ausgestorbene Kunst, in letzter Zeit sind mir ein paar abartig schlechte Exemplare untergekommen! Und selbst die besten aktuellen Ausführungen (z.B. in der Bahnstation Hernals) sehen nur wie leidlich gutes Holzimitat aus und nicht wie manche aus der Zeit der Jahrhundertwende täuschend echt.