Schafwoll/Hanfdämmung

12.11.2007



Hallo Ihr Wissenden,
wollen unser Zwischenboden wärmeisolieren. Durch Zufall haben wir einen Hersteller (ecoba) entdeckt der einen Stopf bzw Einblasdämmstoff aus Schafwoll und Hanffasern vertreibt. Der Vorteil für uns ist zum einen, das er 30% Feuchtigkeit bei 100%iger Formbeständigkeit aufnehmen kann und zum anderen Duft bzw Schadstoffe aus der Umluft einschließt und nicht wieder abgibt. Unsere räumlichen Begebenheiten: unteren Räume sind zum einen Farblager (Firma) kaum beheizt und zum anderen Küche; oberen Räume Kinderzimmer und Schlafraum. Nun unsere Fragen: Kennt jemand diesen Dämmstoff und hat diesen schon verbaut und welche Erfahrung damit gemacht??? Ist dieser Dämmstoff von einem anderen Hersteller auch als Matten erhältlich? und zu guter letzt, ist dieser förderfähig?
Gruß von Berit aus Putzkau



Mitin als Mottenschutzmittel schützt vielleicht vor Mottenfraß - aber nicht vor Motten



Ecoba schreibt zu seinem Produkt Schafwoll-Hanffaser-Gemisch ECOLAN EDH 50:
“Zum dauerhaften Schutz vor Insekten und Schimmelpilzen wird der biologisch unbedenkliche Zusatz Mitin eingewaschen“


Auszug aus:
http://www.oekocontrol.com/state/AE:search_word.mitin/AC:-1.410108184.html
"Zunehmend wird dafür an Stelle des nicht nur für die Motten sehr schädlichen Permethrin das Mittel Mitin FF verwendet. Im baubiologischen Bereich wird Mitin FF von der Organisation Natureplus und der Zeitschrift ÖkoTest Stand 2006 z.B. für Dämmstoffe aus Wolle empfohlen (weil es notwendig ist und das eindeutig kleinere Übel darstellt), dort kommt es aber auch nicht zu einem direkten Kontakt. Bei Teppich, Decke oder Polster können durch den Abrieb im Gebrauch Stäube, denen Mitin FF anhaftet, durch Einatmen in den Magen gelangen. Eine eindeutige Aussage, ob das Mittel dabei Schaden anrichtet, kann und will aber derzeit niemand treffen."

Mitin schützt also vor Mottenfraß - ob das biologisch unbedenklich ist würde ich nicht unterschreiben - eher sehr in Frage stellen.

Das Problem liegt aber ganz wo anders - und da habe ich auch erst mit Erfahrung lernen müssen:

Selbst wenn die Motten die Schafwollfasern nicht auffressen - Das Mittel verhindert n i c h t , dass Motten durch die Schafwolle angelockt werden. Motten werden kommen (vielleicht auch Teppichkäfer ?!) - sie sterben vielleicht (hoffentlich) in dem Wolle/Zellulose-Gemisch und liegen da dann tot - überleben aber im Wollteppich, im Kleiderschrank, ... nun, vielleicht kann man dort ja dann auch Mitin verteilen...

Deshalb würde ich heute tierische Stoffe für den Bau ablehnen - auch wenn ich jetzt hier u.U. heftig Gegenwind bekomme...

Grüße aus Frangn,



Schafwolle als Dämmung



Auch ich halte von Schafwolle als Dämmung nicht viel.
Mag sein, das die Wolle jetzt mottensicher imprägniert wurde, ob sie frei von Permethrin und anderen Pestiziden ist, hängt von der Herkunft ab.
Neben nicht für die Textilindustrie verwendbarer Schurwolle und Reißwolle aus Alttextilien kann auch billige Sterblingswolle und Haut- oder Fellwolle von geschlachteten Tieren eingesetzt werden. Wenn diese Produkte aus 3.-Weltländern kommen, kann die Wolle mit Pestiziden verseucht sein.
Um die Schafe vor Parasiten zu schützen, verwenden Schafzüchter mindestens 2 mal im Jahr Tauchbäder, die mit Pestiziden wie Diazinin, Propenthampos, Bromophos, Permethrin, Cyperpermethrin usw. versetzt sind.
So können pro Tauchbad bis zu 1 g Pestizide pro Schaf in der Wolle verbleiben und lagern sich in der Wolle an.
(Quelle: Ökologisches Baustoff- Lexikon, Gerd Zwiener)

Viele Grüße
Georg Böttcher



Der Gegenwind...



...kommt ja vielleicht im nächsten Beitrag.

Ich rate ebenfalls ab. Einfach 'mal unter "Motten" die Suchfunktion im Forum benutzen. Zusätzlich gebe ich zu bedenken, daß die Wirkung ja auch nachlassen könnte... Leckerlies gehören m.E. nicht zwischen die Balken, auch chemisch behandelt nicht. Ein guter Bekannter kämpft seit Jahren mit einem massiven Befall - als Zwischenwanddämmung, wo er nicht mehr 'ran kommt.

Daß dieser Dämmstoff in Größenordnungen Luftschadstoffe binden kann, bezweifle ich. Für Lehm ist das hingegen bekannt. Und ein gutes Feuchteregulationsverhalten ist auch bei Lehm oder Holzweichfaser gegeben.

Da Ihr nach Matten fragt, müßt Ihr nicht einblasen. Wie ist denn jetzt der Deckenaufbau im Detail?

Letztlich ist die Förderfähigkeit auch kein wichtiges Kriterium. Wenn ich z.B. 50% mehr zahle als bei bei einer anderen guten Dämmung, aber stattliche 20% Förderung bekomme, bleibt es beim Minus.

Grüße

Thomas