Mit Muschelkalk verfugen

05.11.2019 Muschelkalk



Hallo und Moin!

Als Hobbyhandwerker aus Leidenschaft -aber ohne handwerkliche Ausbildung- habe ich an die Profis unter Euch ein bis drei Fragen.

Ich besitze im hohen Norden an der Nordseeküste ein 108 Jahre altes Stadthaus. Die Fugen des Hauses sind teilweise stark sanierungsbedürftig.In 70iger und 80iger Jahren des letzten Jahrhunderts waren -wie anderswo auch zu dieser Zeit- Pfuscher am Werk! Die Fugen wurden mit Zement ausgebessert, entsprechende Schäden sind bereits eingetreten (Steinabplatzungen). Ursprünglich dürfte Kalkmörtel zum Einsatz gekommen sein. Bei den Steinen handelt es sich um extrem saugfähige rote Ziegelsteine.

Ich habe nun die Fugen in Handarbeit -ohne technisches Gerät- mind. 1,5 cm ausgekratzt und wollte nun mit Muschelkalk neu verfugen. Da die Ziegel wie bereits erwähnt sehr saugstark sind habe ich die Fassade mit einem Gartenschlauch vorgenässt. Nach kurzer Abtrocknung dann probehalber mit Bremer Muschelkalk von Marbos verfugt.

Das Problem ist nun, dass der Fugmörtel nicht abbindet und nicht hart wird, sondern mit dem Finger aus der Fuge gekratzt werden kann. Bei einem zweiten Versuch habe ich die Wand klatschnass gemacht und es erneut versucht.....Das gleiche Ergebnis: Keine Festigkeit des Mörtels!

Woran liegt das? Was mache ich falsch?

Kann es sein, dass der Muschelkalk zu alt ist? Ich habe den Sack probehalber schon vor 5 Jahren gekauft. Er wurde aber trocken im Haus gelagert und ist nicht verklumpt. Entweichen vielleicht im Laufe der Zeit Stoffe aus dem Kalkmörtel, die eine Verfestigung verhindern? Wie lange kann man Muschelkalk verwenden?

Es wäre schön, wenn mir jemand den entscheidenden Tipp geben könnte, damit ich mein Projekt abschließen kann!

Grüße von der Nordseeküste!



...



.............und nach welcher Zeit ist der Muschelkalk normalerweise fest bzw. wann endfest?



Haltbarkeit



gewähleistet der Hersteller für 12 Monate, bei trockener Lagerung, die vorliegend nunmehr deutlich überschritten sind.

Ich kenne das Material selber nicht, aber den Herstellerangaben nach, erhärtet die Bindemittelmatrix durch puzzolanische Reaktion, sowie durch Aufnahme von Kohlendioxid. Diese Prozesse benötigen eine gewisse Zeit. Allerdings sollte es bei reaktiven Mörteln, doch recht zügig ein Ansteifen der Mörtelmasse gegeben sein. So das nach einem Tag ein entfernen der Mörtelmasse mit den Händen schwerlich möglich ist.

Zum anderen sollte geprüft werden ob die gegenwärtige Witterung und Jahreszeit mit Frostgefahr Verfugungsarbeiten an exponierten Fassadenteilen zuträglich sind.



Re



Erstmal danke für deine Antwort, Mario!

Selbst nach 3 Wochen sandet die Fuge noch ab! Habe schon vermutet, dass die stark saugenden Ziegel dem Mörtel das Wasser entziehen. Darum habe ich Tage vorher bereits die Wand immer wieder gewässert. Aber trotzdem bröckelt der Mörtel nach Abbindung aus der Fuge! Auch habe ich es bereits im Sommer bei trockener warmer Witterung versucht.
Eigentlich sollte doch das jetzige Wetter optimal sein, oder?! Noch kein Frost, hohe Luftfeuchte und kein Sonnenschein, nämlich graues nebeliges Wetter........

Welche Konsistenz sollte der Muschelkalk beim Verfugen denn haben? Erdfeucht und bröckelig wie Fugmörtel mit Zement oder doch eher nasser?



Konsistenz,



erdfeucht bis leicht plastisch.

Wenn es nach drei Wochen bröckelt, ist der Mörtel nicht richtig abgebunden. Das würde ich aber nicht unbedingt auf den schnellen Wasserentzug zurückführen. Mit überschwänglichen Wassereinsatz wäre ich an der Fassade zurückhaltend, damit kein Kalkschleier auf den Ziegeln angelegt wird.

Vorliegend wird dem überlagerten Mörtel die Bindekraft fehlen.

Zur ungestörten Aushärtung sollte der Mörtel mehrere Wochen frostfrei stehen.



Weitere Experten in Sachen Kalkmörtel hier?



Danke, Mario!

Hat jemand anderes noch Ideen bzw. kann mir den entscheidenden Tipp geben?!



12 Monate haltbar



Sack vor 5 Jahren gekauft, also geschätzt ca. 6 Jahre alt = 72 Monate. Was genau verstehst du nicht daran?



Verarbeitungsfehler



Ich gehe davon aus das es hier zu Abbindestörungen im Mörtel gekommen ist.
Normalerweise dauert es Wochen bis so ein Kalkmörtel entsprechend abgebunden ist.
Pro Tag ca 1 mm . Bei deinen Stein handelt es sich zu 100% um einen Kohlebrandziegel.
Diese müssen auch nach einbringen des Mörtels entsprechend feucht gehalten werden.



Ein sehr interssanter



Hinweis! Ob es sich um tatsächlich Kohlebrandziegel handelt kann ich allerdings nicht sagen. Es sind orange-rote Ziegelsteine, die -wie gesagt- sehr weich sind und das Wasser wie ein Schwamm aufnehmen.
Wurden diese Kohlebrandziegel vor 100 Jahren vorwiegend hier bei uns an der Nordseeküste verarbeitet oder warum bis Du dir da so sich?!



Also



möglicherweise doch nicht überlagert?!