Mir fällt die Decke auf den Kopf...

25.01.2021 David

Mir fällt die Decke auf den Kopf...

Hallo zusammen,

ich werde mich hier in Kürze gerne noch einmal etwas ausführlicher Vorstellen (und unsere Baustelle dann vielleicht auch gleich mit), im Moment benötige ich aber kurzfristige und pragmatische Lösungen und hoffe, dass mir jemand helfen kann.

Wir haben Mitte Dezember ein Haus gekauft und müssen bis Ende Februar dort einziehen... Im Wohnzimmer wollten wir nur Streichen und sind jetzt dabei, den kompletten Putz abzuschlagen usw. Tatsächlich wussten wir nicht, dass wir ein altes Fachwerkhaus gekauft haben.
Ich lese seit einigen Tagen hier im Forum und taste mich langsam an die Fachwerkhaus-Thematik ran, die mir noch ganz neu ist. Im gesamten Haus ist zigmal an- und umgebaut worden, inklusive größerer Veränderungen der Statik und leider auch irreparable Veränderungen (oder besser gesagt Zerstörungen) der alten Substanz.

Im Moment benötige ich dringend einen Rat, was die Decke im Wohnzimmer angeht. Es scheint, als dass sich ein ganzes Lehmfeld bewegt hat und etwas runtergerutscht ist. Da ich nicht möchte, dass meinen Kindern dass einmal auf den Kopf fällt, überlege ich, das Lehmfeld herunter zu nehmen, was denkt ihr?
Es sind Staken zwischen den Balken und ich denke, dass sich diese auf einer Seite aus der Nut gelöst haben oder sogar gebrochen sind.
Ich werde weiter Ursachenforschung betreiben und möchte irgendwann wieder Lehm in der Decke haben, das schaffe ich aber vor dem Einzugstermin nicht mehr. Was kann ich kurzfristig tun, damit wir einziehen können?

Besten Dank für jede Hilfe und abendliche Grüße,
David



Noch ein Foto


Noch ein Foto

An allen Feldern sind Spalten zwischen dem Lehm und dem Balken, aber das eine Feld (rechts) hängt deutlich tiefer



Risse im Gips?



Das scheint mir ein eher kleineres Problem bei dem Haus zu sein. Waren denn Risse im Gips vor dem Abschlagen? Wenn nicht, dann ist die Setzung nicht akut entstanden. Zur Not nagelt man ein paar Balken darunter und an der Wand und sucht die Ursache bei der nicht zu lange aufgeschobenen Sanierung.



Helm



Dann würde ich die Kids erst mal fern halten und ihnen einen Fahrradhelm/Bauhelm aufsetzen.
Mir sieht das aus wie eine Mausefalle, die jeden Moment einem auf den Kopf fallen kann - und dann ist auch ein Erwachsener eventuell tot.

Stütze mit Holzplatte drunter setzen und so sichern. Eventuell auch zwei oder drei.

Dann würde ich mal fühlen, ob du mit einer Fuchsschwanz oder Stichsäge zwischen diesem Balken und der Decke bzw. an der intakten Seite irgendeine systematische (z.B. alle 70 cm) Verbindung feststellen kannst. Eventuell ist die dort an zwei Stellen defekt und deswegen hängt die Decke.

Wenn die Decke trocken ist und keine Tiere dort das Holz zerlegt haben, könntest du dann die ganze Sache wieder richten und stabilisieren. Zum Richten bewährt sich ein Wagenheber mit Gerüststange und Gerüstfuß. Den Wagenheber auf eine Platte stellen und die Decke hochdrücken. Die Baustützen nachsetzen. Das Ganze reihum und Stück für Stück, bis die Decke wieder oben ist. Dann besorgst du dir Gewindestäbe ca. 10 mm Durchmesser und deckendick mit 10 cm Zuschlag. Mit Metallplatten oben und unten kann dann die Decke fixiert werden. Passende Löcher mit Spiralbohrer/Schlangenbohrer herstellen. Die Metallplatten (ca. 10x10 cm) können in den Lehm eingearbeitet werden, gegen Rost gesperrt werden und sind später nicht mehr zu sehen. Für diese Decke wirst du wohl 5 oder 6 solcher Anker brauchen. Falls du Querbalken getastet hast, kannst du das entsprechende Stück auch Freilegen und zusätzlich zu den Ankern an den Balken mit stabilen Winkeln und Ankernägeln anlaschen.

Das Ganze dauert ohne Verputzen einen Tag.

Gruß
Karl



Oder richtig



Ohne zu zerstören.
Mach den scheiß einfach raus.
Nichts wegschmeißen Lehm ist wiederverwendbar.
Schau dir Zeichnungen an Fehlboden !

Da kann möglich sein das nur eine Latte zerfressen wurde und die Lehmwickel
Dadurch nicht mehr halten können.
Neue latte alles wieder rein fertig.

Holzfaser platten rein fertig
Oder halt richtig machen das Gewicht fehlt sonst das sollte in Betracht gezogen werden.



Anker



Ich würde alles rausholen. Warum wird der Balken mit einem Metallanker gehalten?
Ist der Balken auf dem Bild noch tragfähig?



Danke für die Antworten,



und jeden Rat, werde mal versuchen eure Ideen mit meinen aktuellen Erkenntnissen zusammen zu bringen.

Ich weiß inzwischen definitiv, dass es mit Lehm/Stroh umwickelte Staken sind (oberhalb und unterhalb der Staken mit Lehm/Stroh verputzt) und dass diese weder zerfressen noch Faul sind. Es scheint, dass die Staken auf der Balkenseite einfach aus der vorhandenen Nut rausgerutscht sind. An der Wandseite kann ich keine Veränderung zum ursprünglichen Auflager der Staken sehen, da scheint immer noch alles zu passen.
Das Lehmfeld ist in sich noch fest und eine Einheit und ich denke, dass es sich am Balken verkeilt hat.

Wahrscheinlich wurde in dem Raum eine Wand entfernt und die Last wird durch windschiefe Stahlträger in der Mitte des Raumes aufgefangen. Die Ankerplatten sind an allen vier Deckenbalken. Es wurden irgendwann einmal ordentliche Holzbalken quer zu den Deckenbalken verlegt und die Deckenbalken mit den sichtbaren Ankerplatten daran verschraubt. Ob das mit den Stahlträgern oder mit den teilweise etwas weichen Auflagern der Deckenbalken zu tun hat, kann ich nicht sagen. Generell gibt es keine Aufzeichnungen und Unterlagen zu irgendwelchen Sanierung- oder Umbaumaßnahmen.
Der Auflager des mittleren Deckenbalkens und der Balken, auf dem er aufliegt, sind durch, inzwischen weiß ich, dass das durch ein kaputtes Dachfenster gekommen ist. In Zusammenarbeit mit einem Zimmermann aus der Gegend werden wir die Deckenbalken mit neuen Sichtbalken zusätzlich stützen. Soviel zu den Balken.

Es sieht fast so aus, als ob der Anstand zwischen Deckenbalken und Wand größer geworden ist, da ich keine Beschädigung der Staken feststellen kann (jedenfalls soweit ich es überhaupt nachprüfen kann. Die Außenwand ist aber sich nicht bauchig, so richtig kann ich es nicht nachvollziehen.
Über dem Raum ist das Schlafzimmer (im Kniestock die erwähnten Querbalken, an den die Deckenbalken befestigt sind), ich kann also die Decke jetzt nicht einfach von oben rausreißen. Und, wenn ich es richtig verstehe, scheidet somit die Möglichkeit mit den Ankerplatten aus, habe ich das richtig verstanden?
Somit bleibt mir im Moment nur rausreißen und mit Platten verschließen, bis ich wieder in Ruhe an die Decke gehen kann und diese mit passenden Staken wieder instandsetzen...

oder...

ich stütze das Lehmfeld im Moment ab. Habe ich das richtig verstanden.

Der Gipser, der den Raum neu verputzt meinte, er hätte dabei keine Bauchschmerzen. Das Feld wäre so fest verkeilt, dass da nichts posieren kann. Außerdem würde er quasi ein neues Auflager für die Staken balkenseitig bauen, indem er einfach Holzlatten zwischen Lehmfeld und Balken schraubt, damit die Staken wieder etwas aufliegen können, bzw bei einem weiteren Rutschen auf den Latten zur Ruhe kommen. Was haltet ihr davon?

Besten Dank und viele Grüße,
David



Hallo David



In erster linie prüfen und dann handeln
Hast du eine sebelsäge
Nimm ein Stück der decke einfach mal raus.
So 2 Stück der ..... Lehmwickel.....
Dann zur Sicherheit foto oder Handwerker vor ort befragen

Nichts wegschmeißen ist wiederverwendbar.

Rausnehmen mit platten verschließen ist
Ok .....aber.... Dir fehlt gewicht.

Das Tritschall und Lärm von oben mindert.
Bilder vom 2 Spriße zur Sicherheit sind nicht verkehrt



Vielen Dank


Vielen Dank

für eure Antworten und Hilfe! Ich wollte mich nur melden und sagen, was ich schlussendlich gemacht habe, bzw noch machen werde.
Tatsächlich sind auf einer Länge von ca. 1,5 Metern die Staken aus der Balkennut gekommen. Wie, kann ich nicht sagen, irgendwas muss sich ja wohl bewegt haben, aber ich kann nicht sagen was. Da mir auch das Hochdrücken zu unsicher war, habe ich den Teil ganz rausgenommen.
Ich werde einen kleinen Fehlboden einsetzen um wieder etwas Gewicht nachlegen zu können. Auf dem Niveau der Unterseite der Lehmdecke werde ich Heraklithplatten mit Lehm einsetzen und einen Lehmfeinputz drauf machen.
Für mich im Moment die beste Lösung, ich zerstöre die Grundstruktur nicht und kann theoretisch irgendwann wieder Wickel einsetzen und brauche keine (berechtigte) Angst mehr haben, dass das Teil irgendwann runter kommt.

Herzlichen Dank und beste Grüße!



" Taschen" füllen



wahrscheinlich das alte Dielenauflager. Wirf den Spalt mit Zementmörtel aus und schlage ein paar passende Bruchstein- oder Klinkerstücke in den Mörtel, so schließt du den Spalt. Auf Deinem vorherigen Foto sehe ich hinten an der Wand einen Balkenstumpf ?
Dann kannst Du ja einen neuen Deckenbalken an die Wand auf den Stahlträger legen als neues Auflager für die Dielen.