Gefache aus Mineralwolle

28.09.2003



Hallo Allerseits!
Ich renoviere ein ca. 300 Jahre altes Fachwerkhaus. Die Gefache die irgendwann erneuert und mit Bimsstein ausgemauert worden sind habe ich durch einen Mineralwolle-Spanplatten-Gipskarton Aufbau mit Gipsputz ersetzt. Die Eichenbalken sind innen sichtbar. Als Aussenaufbau ist eine hinterlüftete Mineralwolledämmung (14 cm-WLG 035) mit einer Lärchenholz Boden-Deckelschalung vorgesehen. Eine Dampfbremse/sperre ist nicht vorgesehen da ich einen Feuchteaustausch in jeder Richtung gewährleistet haben möchte. Ist an dieser Konstruktion irgendetwas auszusetzen? Wird dadurch das 300 Jahre alte Holz in irgeneiner Weise beschädigt? Sind die verwendeten Sanplatten auch eine Art Dampfsperre oder nur eine Dampfbremse?





Hallo, wer hat Ihnen diese Fachwerk-Füllung vorgeschlagen? Glückwunsch. Mineralwolle + Spanplatte + Gipskarton vereinen auf kleinstem Raum alles, was man nicht machen soll. Ich habe am Wochenende erst wieder eine bislang unentdeckte Mineralwolle-Füllung aus einer Zwischendecke inmeinem Fachwerkhaus entfernt. Nach den Zeitungen, die als Stopfmaterial da drin waren, war diese Super-Dämmung ungefähr 15 Jahre alt und völlig verklumpt, verdreckt und stellenweise verschmimmelt, ebenso die Lemdecken, die damit in Berührung gekommen sind, und auch die Eichenbalken, die sonst in meinem 200 Jahre alten Haus tipptopp sind, fingen schon an zu gammeln. Schöne Überraschung, ich hatte gedacht, sämtlichen Mist schon entfernt zu haben. Also: Mineralwolle macht dicht, lässt weder Luft noch Dampf durch uind wird garantiert feucht, sei es von außen oder von innen, es sei denn, sie holen christo und lassen Ihr Haus in luftdichte Folie schweißen. Und Feuchte mineralwolle dämmt noch schlechter als Luft zwischen den Balken. Und sie lässt das Holz weggammeln, schneller als sie schauen können. Da gibts nur eins: Raus damit! Hier im Forum gibt es genug Vorschläge für vernünftige, durchlässige und nicht zu teure Wandaufbauten.
gf



Gefache



Hallo Herr Flegel!
Nachdem ich den ersten Schrecken, den Sie mir durch Ihre Antwort im Forum von Fachwerk.de eingejagt haben,
überstanden hatte, habe ich mich auf die Suche nach einem Artikel über Feuchtigkeitslehre gemacht.
Aufgetrieben habe ich ein "Skript Bauphysik 1&2 Feuchtelehre 2001". In Diesem Skript sind folgende Angaben gemacht:
Wasserdampfdiffusionswiderstand µ von:
Gipskartonplatte 8
Spanplatte 20
Holz aller Art 40
mineralische und pflanzl. Faserdämmstoffe 1 (man beachte die Gleichstellung)

Zum Vergleich:
Bitumendachbahnen 10000-80000
Polyethylenfolien Dicke > 0,1mm 100000

Somit sind die von mir verwendeten Bauteile alles andere als Wasserdampfdiffusionssperren!!

Noch was: Dämmmaterialien dürfen keine Luft durchlassen sonst sind es keine Dämmmaterialien. Logisch - oder?
Nur in einem haben Sie recht: Nasse Dämmmaterialien dämmen nicht mehr.





Lieber Herr Krämer, ich wollte Ihnen keinen Schrecken einjagen, sondern habe mich zu Ihrer Frage aus meiner Erfahrung nach der Besichtigung von etwa zwei Dutzend sanierter Fachwerkhäuser und aus der Renovierung meines Hauses geäußert. Wenn Sie sich mit der Therie von Dampfdiffusionswiderstand oder Wärmedurchgangswert oder anderen schönen Sachen beschäftigen wollen, finden Sie im Internet ein weites Feld - und viele Weisheiten. Sicher ist, dass diese theoretischen Werte in der Praxis nie erreicht werden, weil es immer auf die konkrete Einbausituation ankommt. Dass Dämmung keine Luft durchlassen soll ist mir allerdings neu. Dann würde ja eine Rolle Alufolie als Dämmung reichen. Es gibt derartig gedämmte Häuser, die dann mit kontrollierter Zwangsbelüftung arbeiten - dann sollten Sie aber nicht unbedingt ein 300 Jahre altes Haus renovieren, sondern sich ein neues Passivhaus bauen.
Weiter viel Glück mit Ihrem Vorhaben!
gf



Wandaufbau



Sehr geehrter Herr Krämer, ich habe an ihrem Wandaufbau nichts auszusetzen. Ein Haus das schön warm und trocken eingepackt ist, dessen Dämmung auch noch hinterlüftet ist, ist doch durch nichts zu übertreffen. Die Lärchenschalung wird so länger halten als jeder Bewohner, das Holz der tragenden Fachwerkkonstruktion ist sicher vor Tauwasser und Ihre Heizkostenrechnung wird es Ihnen danken. Die Spanplatten bewirken (my= 8) so gut wie gar nichts in bauphysikalischer Hinsicht.
Die Materialien mögen n icht jedermanns Sache sein, aber der reinen Physik ist das egal.





Hallo nochmal und sorry: Ein Lese- und Denkfehler meinerseits, denn wenn ich Fachwerk höre, denke ich immer an sichtbare Balken ... Da Sie Ihr Fachwerkhaus von außen mit einer eigenständigen Fassade verkleiden, stellt sich das Problem mit der Auskleidung der alten Innenwände nicht so vordringlich. Die hinterlüftete Außenfassade hält das Haus, wie H. Beckmanmn schreibt, warm und trocken. Trotzdem juckt's mir in den Fingern, wenn ich an MiWo denke ...
Geschmackssache.
Nix für ungut
Günter Flegel