Mineralputz auf Lehmputz?

13.04.2018 Fächermann



Hallo liebe Fachwerk-, Kalk- und Lehmfreunde,

mal eine kurze Frage: Ich habe Interesse an einem Lehmhaus, Baujahr 1901, Stampflehm. Außen befindet sich aus DDR Zeiten ein Mineralputz dran. Schränkt dieser die Eigenschaften des Lehms ein? Kann mir nur schwer vorstellen, dass der "luftig" genug ist, bin aber kein Experte. Lehm hinter Holzverschalung kann ich nachvollziehen, aber einen ziemlich festen Putz auf Lehm aufzutragen - ich weiß nicht ... wie sind da eure Erfahrungen?

Gruß und besten Dank
MSH Fächer



Kalkzement auf Lehm



Es geht hier ja in erster Linie um den Wetterschutz durch einen wasserfesten Verputz. Ich habe schon mehrere Stamflehm- und Fachwerkhäuser südlich von Leipzig besichtig wo solche Putze seit 1955 in guten Erhaltungszustand waren. Selbst die Sockelzone bis auf wenig Kleinigkeiten in Ordnung.



Vielen Dank für die Antwort



Schränkt es denn die positiven Wirkungen des Lehms ein? Ich dachte bisher, dass für optimale Effekte ein guter Übergang zur Außenluft bestehen sollte und keine "harte" Grenze.



Es gibt keine "harte Zone"



Der mineralische Putz, ich gehe einmal von einem Kalkzementputz aus, ist diffusionsfähig genug. Da wird nichts eingeschränkt. Wetterschutz ist in dem Fall auch wichtiger.



Oberflächenspannung?



Und kann es zu Spannungen an der Lehmoberfläche kommen: Mineralputz = hart, Lehm = weicher; und der Lehm muss den schweren Mineralputz tragen ...



Alter der Fassade



Wie alt ist das Haus, wie alt ist der Putz der Fassade? Gibt es Schäden?

Wenn bis jetzt keine Schäden sind, warum sollen plötzlich welche auftreten? Ich glaube das die alten DDR Putze nicht so hart waren, wie die heutigen Fertigmischungen.

Habe auch das hier gefunden:
http://www.ib-rauch.de/okbau/lehmbau2.html



Alter unbekannt



Wann genau die Fassade gemacht wurde und was zuvor dran war, weiß niemand. Der Makler geht davon aus, dass es in den 1960er und 1970ern gemacht wurde, weil Anfang der 1960er Jahre und Anfang der 1970er Jahre das Haus umgebaut wurde.

Vermutlich, das wieß ich noch nicht, da ich noch nicht vor Ort war, sind im Innenbereich Trockenwände verbaut worden. Ansonsten meinte der Makler, dass die Wände eine Dicke von 60 cm hätten. Das ist schon Luxus im Vergleich zu unserem aktuellen Fachwerkhaus mit einer Wanddicke von knapp 20 cm.

Besagtes Haus hat Baujahr 1901.



Außenputz



Unterschätzt die Leute nicht die so etwas gebaut haben.
In Lehmwellerwänden wurden Leisten aus Ziegelbruchstücken o.ä. mit eingestampft, die Oberfläche wurde vor dem Verputz mit dem Hammer gelocht usw. um einen sicheren Verbund mit dem Außenputz zu schaffen. So ein Verputz steht viele Jahrzehnte wenn er nicht beschädigt wird. Falls aber Regenwasser hinterlaufen kann wird der Verbund relativ schnell zerstört- etwas das auch bei anderen Außenputzen und Sockelbekleidungen passiert.



Danke



Und solche Schäden kann man dann im Außenbereich erkennen? Ich nehme an, der Verkleidungsputz bekommt dann Risse oder fällt schollenweise ab!?

Ich dachte nur, dass die Fähigkeiten des Lehms eingeschränkt werden, wenn davor ein Mineralputz ist. Ich kenne es bisher halt nur so, dass man auf Lehm Kalk aufträgt oder eine Verschalung macht mit Schindeln oder Holz, damit der Lehm genug Luft bekommt.



Außenputz



Das
ist die Ursache des Schadens:
Eine Aufstockung, Schlagregen konnte so am oberen Ende der Putzfläche hinter den Putz gelangen.



Ah



Also wäre das größte Problem, dass hinter den Verschalungsputz Wasser gelangt, dort nicht entweichen kann und so der Lehm zerbröselt?



Innenseite der Wände?



Wenn de Mineralputz außen nicht so sehr problematisch ist. Wie sieht es mit der Innenseite der Wände aus? Die aktuellen Eigentümer haben alles mit Trockenbau verkleidet. Schränkt das die Wirkungen des Lehms ein?



"Innendämmung"



Das wird so eine "Innendämmung" aus Styropor und Gipskarton sein, die vielerorts kurz nach dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes, angebracht wurde.

Das Problem dürfte hier neben dem aufdringlich zweckmäßigen Erscheinungsbild auch darin liegen, dass die Konstruktion unabsichtlich "hinterlüftet" wird. Da muss man sich nur mal eine Steckdose an der Aussenwand anschauen und wird meist üppigen, offenen Hohlraum vorfinden. Im günstigen Fall bleibt alles ohne Schäden.



Frage



Welche Schäden bewirkt solch ein Aufbau einer Wandinnenseite? Und wo liegen die Ursachen?



Kondensatausfall



im schlimmsten Fall schimmelt es hinter den Gipskartonplatten. Hier wäre es jetzt angebracht über die Eigenschaften von GK Platten zu den positiven Eigenschaften von Lehm zu sprechen.



Rigips



In unserem aktuellen Haus haben die Vorbesitzer von innen mit Styropor gedämmt und irgendwelche "Karton" Platten davor angebracht. Gegammelt ist dahinter zum Glück gar nichts. Haben natürlich alles rückgebaut.

Wie käme denn so ein Schaden durch Hinterlüftung zustande bzw. was haben diese Gipsplatten genauer damit zu tun?



Gegen EPS als Innendämmung



ist grundsätzlich nichts zu sagen. Es sei man hat prinizipiell etwas gegen EPS und hält wichtige Regeln bei der Innendämmung nicht ein. Das Fraunhofer Institut hat da genug Untersuchungen zu angestellt.

Zum Thema Hinterlüftung seien die Stichworte "unkontrollierte Lüftung und Energieverluste" genug sagend. Trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden das sich Feuchtenester im Zwischenraum von GK zu massiver Wand bilden.

Ich würde die GK Platten rückbauen und mit gescheitem Material die Wände neu aufbauen. Für Lehm bin ich aber kein Fachmann ...



Haus besichtigt



Heute habe ich das Haus besichtigt und ich würde mich über weitere Anregungen und Hinweise von euch freuen. Ich gebe mal stichpunktartig wieder, was mir aufgefallen ist:

- Die Außenwände sind Stampflehm, ca. 60 cm dick
- Innenwände sind Fachwerk mit Lehmziegeln
- der MIneralputz an der Fassde hat Risse. Ist das dramatisch, weil so Feuchtigkeit reinkann und den Lehm auflösen kann?
- Im Nebengelass, auch Stampflehm, hat man in DDR Zeiten so eine Art Gipsputz aufgetragen. Der sieht ziemlich schmierig aus. Ist das schädlich für die Substanz?
- Das Dach vom Wohnhaus ist gedämmt. Man hat die Ziegel und darunter Mineralwolle und dann irgendwelche Folen angebracht. Unterspannbahn sieht anders aus. Ist ein gedämmtes Dach für die Balken schädlich? Ich dachte, es muss immer zugig sein, damit alles gut ablüften kann. Dämmung ist da ja eher "stopfend", oder?
- Im OG ist viel Trockenbau. Dahinter konnte ich nun leider nicht gucken. Es roch jedenfalls nirgendwo schimmlig und Feuchte Stellen sah ich auch nicht. Ich würde das langfristig nach für nach abbauen.
- Decken sind auch mit irgendwelchen komischen Dingen zugeklebt, die wie Laminat wirken; oder auch Styropormuster.
- Fußboden sind Platten verlegt. Die sind geschraubt. Dielung kann also ggf. noch drunter sein.

Es gibt einen Anbau. Aus welchen Baumaterialen der ist, keine Ahnung. Der wurde von außen gedämmt. Vermutlich mit Styropor.

Denkt ihr, die Risse im Fassadenputz sind mittelfristig nicht gut, wegen meiner Vorstellung, dass dort Feuchtigkeit eindringen kann und nirgends wieder rauskommen kann?