Fachwerk - eher was für Millionäre?

24.04.2003



Schönen guten Tag zusammen. Ich hatte eigentlich vor, demnächst ein Fachwerkhaus zu kaufen, doch, nachdem ich in dieses Forum hier geschaut habe, bin ich etwas geschockt. Es sieht so aus, als ob Fachwerkhäuser (früher für eher arme Leute) heutzutage eher was für Millionäre sind!
Denn es ist ja nicht so, daß Schwellbalken erst seit 30 Jahren von Würmern und Fäule befallen werden! Nein, schon in den vergangenen Jahrhunderten mußten manchmal gewisse Balken ausgetauscht werden! Man darf nicht vergessen, daß früher alle Hölzer unbehandelt waren! Holzwürmer konnten nicht bekämpft werden. Auch Dachpappe gegen aufsteigende Feuchtigkeit gab es nicht, so daß die Schwellbalken direkt auf einer immer feuchten Grundmauer lagen! Der Grund, warum die Fachwerkhäuser bis heute überlebt haben, ist der, das früher ein Schwellbalkenaustausch so gut wie nichts gekostet hat. Die Nachbarn und Familienangehörigen halfen mit und bekamen dafür ein paar Flaschen Wein, eine Kiste Äpfel und ein Dankeschön! Und wie ist es heute? Ohne Bauunternehmen läuft heute nichts mehr und die Arbeitszeit ist für die meisten Fachwerkhausbesitzer unbezahlbar geworden! Was früher mit ein paar Kisten Äpfel bezahlt wurde kostet heute über 20000 Euro. Die meisten Fachwerkhausbewohner haben weder das Wissen noch die Möglichkeiten, verfaulte Balken auszutauschen! So haben sich die Zeiten geändert. Da ich mich nicht zu den Millionären zähle, werde ich wohl besser ein Steinhaus kaufen!



RE: Für Millionäre



Hi,

der Auffassungbin ich jetzt nicht. Ich bin selber keine Millionär und mit 26 Jahren auch Spartechnisch wohl unterste Stufe (naja, in der Jugend gibt man Geld leichter aus) und bin auch gerade dabei, mir ein FW-Haus zu sanieren.
Wenn man sich umsieht und Kontakte knüpft gerade zu anderen Leute die alte Häuser haben oder auch eben sanieren kann man viel Geld sparen. So habe ich für den Tausch einer Schwelle (7 Meter Eichenbalken), die Reparatur einiger Ständer sowie das Einsetzen zweier Riegel 1600 Euro bezahlt. Und da ist Arbeitszeit, Arbeitsholz, Material etc. schon alles mit drinnen.
Man kann (wenn man sich traut und etwas geschickte Hände hat) auch sehr viel an so einem Haus selber machen und so gewaltig Kosten sparen. Natürlich muss man sich Zeit lassen und darf nichts übers Knie brechen. Jedenfalls bereue ich auf keinen Fall den Kauf des Häuschens und fühle mich jetzt schon sehr wohl in den "krummen" Wänden.

Mfg

Markus (der noch sehr sehr viel vor sich hat)



für millionäre?



Hallo Herr Schneider,
ihre Ansicht ist ebenso richtig wie verkehrt - das liegt aber auch an der Verschiebung der wertmaßstäbe. In der tat stellt heute ein fachwerkhaus aufgrund seiner nahezu unbegrenzten Lebensdauer (verglichen etwa mit Beton o.ä.) und seiner ökologischen Qualitäten einen enormen Wert dar, der aber alles andere als überdimensional ist - denkt man etwa daran, welche werte die meschen vor 200, 300 Jahren besaßen. Da war ja fast nur das Haus. Im Vergleich ist heute das Fachwerkhaus nicht zu teuer, sondern die modernen Baumethoden sind viel zu billig: Die Fachwerkbauer wären nie auf die Idee gekommen, Bausteine oder Sand über hunderte von Kilometern zu transportieren. Man hat eben das genommen, was vor der Haustür lag und wuchs. Diese altmodische Art wird zum Glück wieder modern - hoffentlich auch in anderen Bereichen. Denn für die Kiste weitgereiste Äpfel aus Spanien oder die Flasche Wein aus Südafrika zahle ich ja heute auch nur ein paar Cent, während die Äpfel vom Bauern um die Ecke oder der Schoppen vom Nachbarwinzer eher was "für Millionäre" sind ... es ist halt eine Frage der wertmaßstäbe. Für mich steht fest: Mit einem Fachwerkhaus schafft man langfristige Werte, und der vertretbare Mehraufwand (der wirklich gar nicht so enorm sein muss, siehe Körber) erweist sich aus dieser perspektive als Spareffekt. Schaun Sie doch nur, wie viel Geld man heute in die Sanierung von Häusern aus den 60er oder 70er Jahren stecken muss - da ist so eine Fachwerkburg doch fast ein Schnäppchen! Also: Das richtige Haus suchen, eifrig das Forum studieren, gründlich planen, viele Leute fragen und keine Angst vor dreckigen Händen - dann wird's auch ohne die Million. Garantiert.
Grüße aus Unterfranken, Günter Flegel, Wagenhausen (Fachwerkhof von 1703/1707/1798/1848)



Sehe ich da einen Häussler?



*öhm*. Die Schreibart ist ja ziemlich identisch... nun ja, der Schwellenaustausch hat bei uns sehr viel Geld gekostet, das ist richtig (heh, Markus, wo hast Du denn Deinen spottbilligen Zimmermann aufgegabelt???). Vielleicht haben Sie ja gute Freunde und Bekannte, die Ihnen helfen, dann sparen Sie sich auch einiges an Geld. Ich bin froh um unser Haus, denn man kann sehr viel in Eigenleistung machen (Ärmel hochkrempeln und los). Habe ich vor 4 Wochen noch meinem Vater gesagt, ich verputze meine Innenwände selber mit Lehm - und er fast einen Herzinfarkt bekommen hat "das wird doch nicht richtig glatt..." - war er am Wochenende richtig begeistert. Man muss sich nur trauen, das ist alles. Und den Kopf nicht in den Lehm *ähm* Sand stecken :-). Wir haben uns entschieden, lieber die etwas teureren Baumaterialien (geölte Echtholzdielen anstatt Parkett, Lehmputz für die Wände anstatt Tapeten, Schilfrohr anstatt Gipskarton usw.) zu kaufen und die Sache dann selber zu machen. Das macht wirklich Spaß und man merkt erst, was in einem steckt. Wenn ich dagegen bedenke, ich hätte ein 40 Jahre altes Haus gekauft, müsste Leitungen rausmachen und wieder neu installieren, Schlitze klopfen usw., da ist mir Lehmschmeissen allemal lieber. Sicherlich ist ein Fachwerkhaus etwas, das ständig gepflegt werden muss. Es ist kein Billighaus, aber auch nicht teurer als ein neues. Aber dafür viiiiiiiel schöner. Grüße Annette



RE: Seh ich da Häusler



Hi Anette, ja...der Zimmermann...der istuns halt so zugelaufen!! *fg*
Ne, unser Lehmbaulieferant hatte kürzlich in seinem eigenen Fachwerkhaus was zu machen und da bin ich über Ihn an den Zimmermann gekommen. Der hat auch selber nen alten Bauernhof, und da er sehr umgänglich ist hat er uns gleich ma nen guten Preis gemacht. Das einzige....da er allein arbeitet musste halt immer einer helfen. Also ich oder mein Vater. Aber war klasse, hat Spass gemacht und ich hab einiges dazugelernt.
Bin nur am überlegen ob ich den Link zu Ihm veröffentlichen soll?

Mfg
Markus



Zimmermann



Hallo Markus,
ich würde den Link schon veröffentlichen, denn es ist ja sowieso jeder froh drum, einen Zimmermann zu haben, der Erfahrung mit Fachwerkhäsuern hat. Da gibt es auch andere... Unsere waren immer zu dritt. Vermutlich war deshalb auch der Preis 6 mal so hoch... Oder es war bei uns mehr zu machen. Er ist allerdings der einzige Handwerker, der bis jetzt bei uns war, den man wirklich empfehlen kann und der supernett und sehr hilfsbereit ist. Es gibt wirklich wenige, die sich mit Fachwerk und Lehm auskennen, das ist wirklich verwunderlich. Na ja, wenn ich mal arbeitslos werde, dann helfe ich Euch allen beim Gefachausmauern und beim Dämmen. Mein Freund sagt, ich sei die beste verPUTZFRAU und jeder soll sich eine halten ... ;-) *grins*. Grüße Annette



Re: Zimmermann



Ja, die meisten Zimmermänner wollen halt nur noch mit Zollstock und gerade gesägten Balken arbeiten. Improvisieren ist da ein Fremdwort. Also ich kann nur sagen, Supernett und gleich das Du angeboten bekommen. So muss das sein auf der Baustelle. Auch seine Einstellung....alles erhalten was man erhalten kann. Find ich klasse!!!
OK, ich ruf Ihn heute mal an und frag ob ich den Link rausgeben kann. Er ist zwar nur hier in der Umgebung tätig....aber wenn ich dadurch jemanden helfen kann, dann gerne!!

Markus :-)




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