Fenster und Türen aus Meranti?!




Hallo,

ich habe mir von einem Schreinerbetrieb ein Angebot über ein Holzfenster und eine Nebeneingangstür erstellen lassen, drin steht: Meranti-Fenster, Meranti-Tür!?
Habe ich etwas verpasst? Ich hatte mir gemerkt: Meranti stammt überwiegend aus desaströser Forstwirtschaft, die Urwaldriesen werden überwiegend illegal in Indonesien und Malaysia gefällt. Meranti aus nachhaltiger Forstwirtschaft (z.B. FSC-zertifiziertes) ist kaum zu bekommen. Hat sich daran etwas verändert, oder?? Danke!



egal



wäre für mich persönlich, ob sich an der Situation etwas geändert hat, und wenn ja, kann ich das glauben? Ich würde in jedem Fall auf heimische Hölzer zurückgreifen - keine Nachfrage, kein Markt. Aber ich bin ja nur ein kleines Licht ...;-)

Beste Grüße



Ach, man muss vlt. gar keine Leuchte sein...



um Meranti NICHT zu kaufen; das kommt gar nicht in Frage! Selbst dann nicht, wenn mir jemand (mal angenommen) eine glaubwürdige Zertifizierung zeigen würde.

Ich frage deshalb, weil ich sehr erstaunt bin, dass mir das einfach so angeboten wird!? Da zweifle ich schon am Verstand - bescheidenerweise zuerst einmal an meinem, bevor der tranditionsreiche Meisterbetrieb mit Land-Liebe-Image eine passende und sehr deutliche Anwort auf sein Angebot erhält ;-)

Ist Tropenholz echt immer noch Status quo? Kann ja wohl nicht wahr sein...!



mehr anti : meranti



Das Maranti auf jeden Fall aus dem Regenwald stammt wird niemand bestreiten wollen .
Die ggfls vorhandene FSC - Banderole weist im Idealfall auf kontollierten Abbau und Beachtung sozialer Mindeststandards hin .
Die Crux ist aber , daß der allergrößte Teil des gehandelten Holzes aus illegalem Einschlag stammt und uU. nur mal durch ein FSC-Gebiet gefahren wurde !
Der (Handels- )Name Meranti umfaßt mehrere 100 verschiedene Spezies
Zudem läßt sich die Qualität der "meranti"-Hölzer nicht mehr eindeutig belegen , lediglich ein Mindestgewicht muß eingehalten werden , und selbst das klappt idR nicht .
s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Meranti
Alternativen : Eiche , nord. Kiefer , Lärche
holzige Grüße
Jürgen Kube
FensterEcke Brüggemann + Kube ZiMMEREi
www.fensterecke.de



Naja,



einerseits muß man die Biotöpelei vielleicht nicht übertreiben? Der Regenwald weicht Ölpalmenplantagen und Brandrodungen. DAS ist dauerhafte Zerstörung von natürlichen Lebensräumen. Das Fällen von Bäumen dagegen, auch wenn's nicht schonend erfolgt, kompensiert die Natur in ihrer Überfülle schnell - wenn man sie denn lässt.

Andererseits gibt es das "Dark red Meranti", das langsamer im Walde gewachsen ist, kaum. Statt dessen laufen unter "Meranti" meistens hellere und leichtere Qualitäten, die den Namen kaum verdienen, und, FSC oder nicht, eben auch aus schnellerwüchsigen Plantagen stammen. Mit Teak ist das ähnlich.

Wer also für die wenig nachvollziehbaren Zertifikate nur geringes Interesse zeigt, wird möglicherweise von der geringen Qualität mancher tropischer Plantagenhölzer überzeugt. Letztlich gibt es, zumindest im nichtdekorativen Bereich, für alle Bauaufgaben sehr gut geeignete einheimische Hölzer.

Die hier vorgetragene Empörung ist aber höchst scheinheilig: Unsere "Erste Welt" frisst traditionell die "Dritte Welt" kahl, produziert Hunger, Krieg und Krankheiten (anderswo), aber der Romantiker in uns besteht darauf, daß wenigstens der Regenwald heil bleibt. Dieses Pflaster ist aber viel zu klein und es klebt auch auf der falschen Stelle.

Grüße

Thomas



Einspruch Thomas



Diese Romantiker, wie Du sie nennst, machen sich auch in vielerlei anderer Sachen Gedanken.
Diese Leute(zu denen ich mich auch zähle)wissen, daß ihnen das Glück hierzulande vor die Füße fällt, während sich andere Leute buckeln müssen und immer noch nicht auf den grünen Zweig kommen.
Das st zutiefst ungerecht und schmerzt.
Das Thema erschließst sich nicht in Einzelheiten wie Tropenholzverwendung, sondern geht viel weiter.

Ich möchte meinem Schöpfer gegenübertreten und ehrlich sagen können:Ich war ein Mensch unter Menschen.

Gruß...j.



Scheinheilig...



BioTÖPELei, Romantik...

Was weißt Du über die Schreiberlinge, und wie viele Pflaster sie zu Kleben versuchen oder wieviele Wunden zu vermeiden, um ihren Fußabdruck möglichst klein zu halten? Der Raubbau an Planet, Menschen und Tieren - ja das hat Tradition - und es gibt gute Gründe diese Tradition nicht zu pflegen. Das ist für ein individuelles Sozialwesen und ein soziales Individuum sicher nicht immer einfach, zumals in einer Welt, die sich in ziemlich vielen Bereichen ziemlich krankhaft entwickelt hat, und uns im beschleunigten Wandel mit wachsender Komplexität konfrontiert. Auch menschliche Schwäche mag dann und wann eine Rolle spielen - und der Versuch, sich (in möglichst vielen Lebensbereichen) halbwegs verantwortlich zu verhalten, das halte ich ganz und gar nicht für romantisch. Vielleicht ist es eine (Erden-)bürgerpflicht?

Meines Wissens ist die Herkunft dieser Hölzer nicht zurückverfolgbar, ihr Bestand ist gefährdet, Raubbau weit verbreitet, ein Großteil stammt aus illegalem Einschlag und verdächtigen Quellen, der Rest aus desaströser Forstwirtschaft. Menschenrechtsverletzungen und die Gefährdung verschiedener Tierarten, z.B. der Orang-Utans, sind anhängig - UND das "begehrte" Material hat gleichzeitg keinerlei nennenswerten oder gar besonderen Mehrwert. Da halte ich Empörung durchaus für angebracht.
Das Argument, dass die Welt ja sowieso schlecht ist und voller Schweinereien halte ich gleichzeitig für brandgefährlich; zu schnell kann das zur Ausrede werden...

PS: Der Mann, der den Berg abgetragen hat, war der Selbe, der anfing, die kleinen Steine wegzuräumen.



Unsinn:



"Das Argument, dass die Welt ja sowieso schlecht ist und voller Schweinereien halte ich gleichzeitig für brandgefährlich; zu schnell kann das zur Ausrede werden... "

Sowas habe ich nicht geschrieben, Du verbrauchst da also sinnlos Worte für Windmühlenfechterei. Ich habe lediglich versucht, etwas zu differenzieren, da ich das heillose Entsetzen darüber, daß da, wo das Holz viel schneller wächst als hier, auch Holz gefällt und weiterverkauft wird, nicht verstehen kann.

Möglicherweise sollte ja auch, zumindest ganz am Rande und halbwegs wohlwollend gewürdigt werden, daß anderswo Menschen mit ihrer Arbeit Geld verdienen wollen. Ein reinblütiger Schreibtischöko, der in Kreuzberg ehrenamtlich selbstangelegte Froschbiotope in Hinterhöfen betreut, hat es natürlich einfach: Regenwald gut, Bäume fällen schlecht. Starten wir dann als nächstes ein zusätzliches Hilfsprojekt und fliegen altes Mehl dahin, wo die Leute kein Holz mehr fällen dürfen? Einerseits beutet die "Erste Welt" die "Dritte Welt" schamlos aus, zerstört gewachsene Strukturen (anderswo), schickt als "Entschuldigung" manchmal Hilfsgüter (oder Waffen). Andererseits sollen den Leuten dort dann noch unsere wohlstandsgewachsenen oberedlen Grundsätze übergestülpt werden? Das funktioniert nicht und es ist scheinheilig.

Da brennen im afrikanischen Nirgendwo Kinder unseren Elektronikschrott ab, um ein paar Metalldrähte daraus zu puhlen (wir haben uns ja dran gewöhnt, daß unser Müll beseitigt wird), wird von Kindern und Niedrigstlohnempfängern in Südostasien für nahezu nichts unser Textilbedarf zusammengenäht (es ist ja selbstverständlich, daß der andauernd gekaufte Fummel spottbillig ist).

In den allermeisten Dingen, die wir verbrauchen und benutzen, steckt Ausbeutung und Raubbau. Auch in deutscher Markenware.

Um das alles zu ändern, braucht es Entwicklungshilfe, keine Verbote. Die Bauern in Afrika, denen die Elefanten die Felder täglich zertrampeln, halten überhaupt nichts vom generellen Jagdverbot. Elfenbeinhandwerker gar nichts vom Handelsverbot für Elfenbein. Das ist so einfach: Da macht der Westen Druck auf dieselben Regierungen, denen er auch Waffen liefert. Botschaft: "Schießt, wenn's denn sein muß, auf die Leute aus dem Stamm nebenan, aber lasst ja die süßen Elefanten in Ruhe. Dann bekommt Ihr etwas vom Geld des europ. Steuerzahlers weitergereicht, das auch gern in der Tasche des Häuptlings verschwinden kann. Wenn alles schiefgeht (und Rohstoffe vorhanden sind), marschieren wir auch 'mal ein und führen den Kampf gegen den Terror vor Ort". Bis dahin müssen die Bauern vor Ort damit klarkommen, daß der romantische Europäer die süßen Elefanten mehr mag, als hungernde Negerkinder.

Das ist z.T. übertrieben und polemisch geschrieben, aber ich habe diese spezielle Sorte Gutmensch, die mit jeweils einem Satz klären kann, was gut und was schlecht sei, wirklich pappesatt.

Insofern halte ich die verantwortungsvolle Nutzung tropischer Hölzer (die aus meiner Sicht auch nicht zwingend aus Plantagen kommen müssen - Monokulturen schaffen auch in Deutschland Probleme) für möglich und sinnvoll. Dazu zählt für mich aber nicht unbedingt ein Fenster aus Meranti oder ein Terrassenboden aus Bangkirai, wenn es dafür erstklassige oder gar bessere einheimische Alternativen gibt.

Dem Tischler würde ich also statt mit einem fundamentalen Protest, den er wohl kaum nachvollziehen will und wird, mit der Bitte um ein Alternativangebot in heimischen Nadelholz aufwarten, weil der Kunde eben Wert auf heimische Materialien legt. Gut verbaut, in Verbindung mit einer Öllasur und ab und an etwas gewartet, lebt das länger als die hier Mitlesenden.

Grüße

Thomas

P.S. Der Mann, der den Berg abzutragen versuchte, kam irgendwann nicht aus dem Urlaub zurück. Er hatte anderswo eine realistische Aufgabe gefunden. Die Ziegen, die auf dem Berg bis heute weiden, hielten den Mann eh für einen Spinner.

Gleichnisse sind zwar spätestens seit der Bibel beliebt und haben auch einen gewissen Unterhaltungswert. Sie sind aber in einer Argumentation immer fehl am Platze, weil beliebig auslegbar.



Kleine Schritte



Alles fängt mit dem ersten Schritt an.

@Anno1839: Was soll man seine Energie in sinnlosen Diskussionen mit Zynikern vergeuden?
Lass die Leute einen doch als naiven Tree-Hugger verspotten oder mit ihren Gegenbeispielen kommen, sie haben eben nicht kapiert, dass es nicht um Gutmenschen-Habitus geht, sondern wirklich darum, den ersten Schritt zurück dahin zu gehen, dass Nachhaltiglkeit keine Worthülse mehr ist, sondern irgendwann einheimische Äpfel wieder preisgünstiger als die aus Chile sind, einheimische oder skandinavische Hölzer zu mehr taugen, als schon im Jungzustand zu blütenweißem Toilettenpapier verarbeitet zu werden, dass biosprit-betriebene SUVs eben nicht BIO sind und staatliche Entwicklungshilfe anders aussehen kann, als "neue, spannende Märkte" im Auftrag der Lobbyisten (und zu fast 100% zum Nachteil der jeweiligen Bevölkerungsmehrheit dieser Länder) zu erschließen.

P.S.: Auch unser lokaler Fensterbauer, der uns ganz stolz seine Werkstatt zeigte und alle Arbeitsschritte erläuterte, verarbeitet fast ausschließlich Meranti, obwohl er auf der Biomasche reitet und sich im Untertitel seiner Firmenbezeichnung irgendwas mit NaturHolzFenster nennt. Von Lärche, Kiefer etc. hat er uns mit den üblichen Argumenten von wegen begrenzter Hanltbarkeit abgeraten. Als Alternative erwähnte er nur Eiche, aber das Holz müsse er erst bestellen, das dauert und es wäre erheblich teurer und wo das Eichenholz herkommt? Zertifikate?



@ de Meineweg



Es zeichnet Sie ja nun wirklich aus, daß sie sich im bewussten Missverstehen meiner Postings perfektioniert haben. Dafür gebührt Ihnen mein Respekt. Zum Zyniker kann selbst das mich also nicht machen. Soweit ich das, was ich geschrieben habe, verstehe, geht es da um verantwortungsvollen Umgang und komplexe Betrachtung statt Verbote oder moralische Keulen. Bestimmte Charaktere lieben freilich einfache Regeln, ich weiß...

Bedeutet tree-hugging für Sie, sich an irgendwelche Bäume anzuketten? In Dresden haben das mal ein paar junge Menschen an einer Buche gemacht, und die Aufmerksamkeit sichtbar genossen. Wenn Sie sowas am Amazonas oder in Birma vorhaben, packe ich gerne eine Brottasche für Sie.

Grüße

Thomas



repräsentativ?



Ob man sich bei eher allgemein gehaltenen Äußerungen immer gleich persönlich angesprochen fühlen sollte?

Sicherlich gibt es Berührungspunkte oder Stichworte, aber genau so trifft es auch auf ein Querlesen durch die Medien und erst recht beim "den Leuten aufs Maul schauen" zu. Leider auch und nicht gerade selten, auf Handwerker.

Jeder bekanntgewordene Lebensmittelskandal in Zusammenhang mit Bio ist bestimmten Leuten ein weiterer willkommener Grund, niemals im Bioladen einzukaufen, der marginale Aufpreis für Fair-Trade-Lebensmittel gilt den meisten als nicht tragbar und Orgamnisationen wie NABU gelten als Investitionsbremser, geleitet von linken Ökospinnern, die nicht einsehen wollen, dass die Flughafenerweiterung oder der neue Autobahnabschnitt wichtiger sind als irgendwelche ökologisch wertvollen Feuchtgebiete mit seltenen Arten und klimaausgleichender Funktion. Das Heer der Baumdienstler mäht für den bezahlenden Kunden jede Hecke, die der Landwirtschaft oder Industrie im Weg steht, weg, für die notwendigen Genehmigungen sorgen die Seilschaften in der Politik…
… usw.
Man wird also im Grunde von zwei Seiten angegriffen: Einerseits weil man ein Gutmensch ist, anderseits weil man den Gutmenschen nur heuchelt, bur dass das Prinzip der doppelten verneinung hier leider nicht greift.



Na,



Ihre Probleme möchte ich nicht mit in's Wochenende schleppen.

Ein schönes WE wünscht gleichwohl

Thomas



Heimische Hölzer



Ich halte die Zukunft der guten alten Stieleiche für mittelerweile gefährdeter ,als die Zukunft von Meranti und co.
Ich glaube das Hauptproblem der ersten Welt ist deren unglaubliche Komplexheit,es ist für die meisten doch völlig unmöglich geworden nachzuvollziehen wo und unter welchen Bedingungen die kleinsten Dinge des täglichen Bedarfs hergestellt werden.
Über vieles muss ich mich persönlich auch nicht informieren,weil ich mir den Sch... gar nicht erst kaufen muss.
Ich muss auch nicht quer durch die Medien lesen um mir eine Gutmensch Meinung zu bilden,der Regenwald wird abgeholzt ,was kann ich tun ,keine Merantifenster kaufen oder?
@de Meinweg du hast ein großes Wissen von dem was in der Welt so falsch läuft...wenn ich früher so genannten Baumfrevel,nicht fachgerechte Baumpflege gesehen,habe war mein erster Gedanke immer,Was für Idioten!
Ich habe nie die Gründe hinterfragt warum so gehandelt wurde,heute weiß ich das es oft mals einfach mangelndes Wissen ist ,die wenigsten machen das aus der Absicht heraus dem Baum zuschaden.
Es ist einfach zu urteilen,sich auf die gute Seite zu stellen und zu sagen ihr seid schlecht.
Dein Baumdienstbeispiel ,die machen das nicht aus Spass und Dollerei,beschneid doch mal zehn Jahre lang entlang der Autobahn keine Gehölze und Bäume.....ich war übrigends noch in keinem Land wo es eine derartig aufwändige Bepflanzung von Autobahnen gibt,die können da auch nicht fünfmal im Jahr die Heckenscherenkollonen durch schicken,deshalb wird das Rumms einmal mit dem Kettenschlägel erledigt,weil das alles bezahlbar bleiben muss.
Ja, da läuft viel falsch!Aber immer nur alles anprangern und einmal im Monat zur Nabuortsgruppe gehen verändert die Welt bestimmt nicht .
Ich sehe diese ganzen Bioskandale mit äusserster Belustigung,gemessen an den zu bebauenden Gartenflächen in Deutschland,blöd das man Rasen nicht essen kann.

Ein Bild zur Vielfalt ,das ist mein Weg Verantwortung zu Leben,hier dürfen alle nebeneinander wachsen.

Grüße Martin



Schade



Bild hochladen geht grad nicht..



Bitte nicht...



... vergessen, dass es in der Tat nur eine Welt gibt...

Sebastian



Auch wenn…



… für alles, was in der Welt schief läuft, von den Verantwortlichen oder von denen, die es vielleicht gar nicht so genau wissen wollen, immer gleich eine Begründung geliefert wird, warum das alles genau so und nicht anders sein muss, bin ich der Meinung, dass man trotzdem nicht müde werden sollte, darauf hinzuweisen, auch wenn einem dann der übliche Shitstorm entgegenweht. Andernfalls könnte es nachher, wenn alle Welt klüger geworden ist, ja wieder heißen "davon haben wir nichts gewusst!".

Wir sitzen in unserer NABU-Gruppe übrigens nicht nur herum und prangern ständig (!) alles (!) an, sondern kümmern uns u.a. um den Erhalt unserer Kulturlandschaft, indem wir Kopfweiden beschneiden, verschlammte Gewässer wieder reanimieren und neue Hecken anlegen. Natürlich auch in Zusammenarbeit mit Firmen, allein ist das alles nicht zu schaffen. Klar gibt es dazu öffentliches Geld, aber hier ist man der Meinung, dass sich Investitionen in Tourismus und Erholung lohnen. Angesichts des Millionendeals zu Lasten der Steuerzahler, den "Straßen NRW" bezüglich der Bepflanzung bzw. dessen Kahlschlags gemacht hat, ist es übrigens blanker Zynismus, von "für uns alle bezahlbar" zu reden. Von dem noch bekloppteren Deal mit dem österreichischen Sägewerksbesitzer oder von Millionenprojekten wie der "Parkautobahn A42" ganz zu schweigen. Das hätte man alles deutlich preisgünstiger und besser haben können, aber dann hätten nicht diejenigen dran verdient, die jetzt dran verdient haben, denn es liegt nicht an begrenzten Budgets, sondern an der Art, wie öffentliche Belange heutzutage vermarktet werden.

Apropos Fortbestand der Deutschen Eiche: Wenn man sieht, dass in neugebauten Düsseldorfer Schicki-Etagen, verbunden mit viel Nachhaltigkeitsgeschwurbel, Stampflehm und Eichenboden auch hinter Glas- und Stahlfronten mit einer Halbwertszeit von z.T. unter 25 Jahren bis zum Abriss, immer öfter Einzug finden, wundert mich das nicht. Glaub' kaum, dass die Akkord-Abrissfirmen noch die Zeit haben, verwertbare Baumaterialien zu sortieren. Geld ist zumindest da genug vorhanden, wird beim nächsten Neubau das Öko-Baumaterial halt aus Neuseeland eingeflogen, Hauptsache Bürgermeister, Ministerpräsident und internationaler Star-Architekt können vor den Kameras wieder schön shake-hands machen…

P.S.: Immer gleich alles persönlich zu nehmen und entsprechend zurückzuschießen, tötet jeden Diskurs. Was macht Ihr, wenn Ihr die Zeitung lest oder die Nachrichten hört? Fühlt Ihr euch da auch immer gleich angegriffen, wenn etwas erwähnt wird, was euch nicht gefällt?



Aha:



"Immer gleich alles persönlich zu nehmen und entsprechend zurückzuschießen, tötet jeden Diskurs."

Wer so sensibel ist, sollte nicht gleichzeitig stänkern ("Was soll man seine Energie in sinnlosen Diskussionen mit Zynikern vergeuden?" - Das war ganz klar auf den vorhergehenden Beitrag von mir gemüntzt).

Und wenn Kriegsvokabular (zurückschießen) herangezerrt wird, weil eine gegenteilige Meinung formuliert wurde, so ist das erstens unpassend und zweitens dem Diskurs nicht dienlich.

Grüße

Thomas



Lieber Thomas,



wenn Du mit Deinen Argumenten gehört werden möchtest, wäre es vlt. zuträglich, Formulierungen wie "Scheinheilig", "Romatiker" oder "Du verbrauchst da sinnlos Worte für Windmühlenfechterei" einfach zu vermeiden. Das nur als Tipp.

Wenn ich diese Spitzen überlesen, kann ich Deine Argumente nachvollziehen; zumindest teilweise. Das Konzept einer mit Entwicklungshilfe (und Waffenlieferungen) kompensierten Ausbeutung ist absurd; ich denke, da wirst Du bei NABU und "Biotöpeln" Zustimmung ernten. Was Du beschreibst, z.B. bzgl. der trampelden Elefanten und der Elfenbeihandwerker, ist das Konzept der "berechtigten Interessen". Es ist nachvollziehbar, aber es hat ein großes Problem. Ein Beispiel: Die Menschen im Wendland wollen keinen Atommüll, was ich für ein berechtigtest Interesse halte (wer anderer Meinung ist, darf gerne seinen Keller als Endlager feilbieten). Staat und Souverän haben ebenso ein berechtigtes Interesse, nämlich die freiheitliche demokratische Grundordnung aufrecht zu erhalten. Zwar lassen sich die Methoden der Protestler und das Vorgehen der Pozilei kritisieren, aber im Grunde wird eine ausgewoge Betrachtung zu der Erkenntnis führen, das beide Seiten ein berechtigtes Interesse haben. Beide Anliegen sind legitim, sie sind zugleich konträr und nicht vereinbar. Mit Ethik und Argumenten allein lässt sich ein solcher Interessenkonflikt nicht auflösen. Beide Gruppen haben aus ihrer Sicht recht, und beide Seiten können das schlüssig argumentieren. Was helfen kann, ist eine systemische Betrachtung: Weder die Polizei noch die Protestler sind das Problem, beide Gruppen sind "Symtomträger", die gesund reagieren und zwar auf ein krankes Umfeld. Ändern wir das Umfeld, sprich steigen wir aus der Atomkraft aus, kommen beide Seiten zur Ruhe: Die einen können ihr Zuhause für die zukünftigen Generationen sichern, und die anderen brauchen keinen zivilen Widerstand mehr bekämpfen und erhalten die geliebte Ordung zurück.

Was Du m.E. zurecht kritisierst, ist das herumdoktern an Symtomen. Das hat ungefähr soviel Sinn, wie einem Atomkraftgegner zu erklären, wie wichtig die demokratische Grundordnung ist (was er längst weiß) oder den Polizeibeamten zu erläutern, warum man den Atommüll nicht "im Keller" haben möchte (wissen die vermutlich auch).

Die Crux ist, und da kommen wir auch zum Punkt in Sachen Umweltschutz: ich als Einzelner kann nur sehr bedingt Einfluss auf die Rahmenbedingungen (das kranke Umfeld) nehmen. Ich kann den Atomausstieg nicht beschließen; ich kann aber (inzwischen) andern Strom beziehen und bin damit, so ich nicht Betrügern aufsitze, mit meinen Hintern von diesem Markt. Das ist, m.E. das schärfste Schwert, das ich habe: mein Konsumverhalten. Sich hier "richtig" zu verhalten, dass ist verdammt schwierig und sicher gelingt es nicht immer. Das heißt aber nicht, dass es sich nicht lohnt, es immer wieder zu versuchen.

Kommen wir zurück zur Sache und zu einem Punkt, in dem ich gerne Romantiker bin: Ich habe die romatische Vorstellung, dass ein Schreinermeister, neben allen berechtigten Gewinnabsichten, im Idealfall sein Material liebt und dass er noch vor vielen anderen ein Interesse daran hat, dass es ihm nicht ausgeht und das es denjenigen, denen er seine Handwerkskunst mit Herz und Hand weitergibt, ebenfalls erhalten bleibt (Ähnliches gilt für den Elfenbeinhandwerker).

In meinem konkreten Fall geht es um ein Fenster und eine Terassentür an wind- und wettergeschützem Ort. Was spricht aus fachlicher Sicht für Meranti? Was spricht gegen das günstigere Kiefernholz? Mit Blick darauf, dass ich der Kunde, also Laie bin und er der beratende Fachmann: Kann er es sich zur Aufgabe machen, mir zu sagen, dass ich für einen geringen Aufpreis Lärchenholz statt Metanti bekommen kann? Was spricht dafür, Meranti alternativlos anzubieten?

Letzlich hat das bis dahin wenig mit Umweltschutz zu tun. Es ist auch aus anderen Gründen schlicht dumm, gleich ob man sich nun mehr als Verkäufer oder eher als Berater versteht: wenn sich bei einem Kunden die ökologischen Baustoffe türmen, sollte man ihm kein Tropenholz anbietet, es sei denn, man hat wirklich verdammt gute Argumente dafür.

Wenn (andere) Kunden sich bewußt für Tropenholz entscheiden, kann man m.E. vlt. nachsehen haben; der Tischler möchte (über-)leben. Kunden keinerlei Alternativen zu nennen (ganz so als gäbe es keine), insgesammt ökologische Gesichtspunkte völlig außer acht zu lassen und, wie im Beispiel, auch noch entgegen fachlicher Argument, das geht m.E. schon in Richtung Fahrlässigkeit. Ich persönlich habe da jedenfalls ein anderes Verständnis von Beratung, Berufsehre und Berufsethik.

Inhaltlich möchte ich zum guten Schluss noch nachliefern, dass es im Grunde erst einmal keine Rolle spielt, wie korrekt oder desaströs Meranti oder Lärche nun "angebaut" wird. Meranti bietet nach meiner laienhaften Recherche für den gedachten Zweck keinerlei Vorteile; schon gar keine, die den Transport rechtfertigen. Selbst wenn sowohl Merati als auch heimisches Holz "perfekt" erzeugt würden, bleiben die Argument der Regionalität einschlägig. Wer sich damit befasst, warum es sinnvoll scheint, nicht unnötig Sachen durch die Welt zu schippern, und wird vielleicht sogar feststellen, dass regionaler Konsum tatsächlich eines der Dinge ist, mit denen der Einzelne aktiv etwas tun kann, auch für die sgn. "Dritte Welt".



@ Anno 1839



Zunächst: Ich werde ja gehört, und dank bewusst gesetzter Überspitzungen auch beachtet. Ich bin nicht am allgemeinen Beifall interessiert, falls Du das meinst mit "gehört werden".

Im übrigen erklärst Du mir das, was ich selbst schon geschrieben habe.

Und: Wenn der Kunde einfach eine "Tür" anfragt, dann bietet der Handwerker halt an, was ihm in den Sinn kommt. Möglicherweise hat er einfach noch ein paar Kanteln Meranti von einem anderen Auftrag liegen? Oder die letzte Lärche, die er verbaut hat, harzte einfach kräftig nach? In's Blaue hinein bietet kein Handwerker einen bunten Blumenstrauß von Holzarten an, wozu auch? Ich zum Beispiel verlege Dielen, raumlang und individuell. Fragt der Kunde einen Eichenboden an, biete ich ihm exakt diesen an, und nichts anderes. Das Verhältnis von Büroarbeit und Handwerk stimmt sowieso selten. Kalkuliere ich sauber jede Holzart einzeln durch, verplempere ich meine Zeit (Weil ich ja im Optimalfall EINEN Holzboden verkaufe und nicht von jeder Holzart einen. Mache ich Fantasiepreise aus dem Bauch, greift sich der Kunde bestimmt an den Kopf.

Letztlich bestimmt immer auch die Qualität der Frage die der Antwort. Also beispielsweise mit folgendem Text: "Holzart: Alpenlärche, feinjährig, astfrei, FSC-Zertifiziert, wintergeschlagen, Vortrocknung 2 Jahre im Stapel"

Aber vielleicht manifestiert sich das Entsetzen ja dann anhand des Preises.

Für Meranti spricht (gute Holzqualität vorausgesetzt) die homogene Struktur des Materials. Also: kein Splint, keine Äste, kein Ausharzen, keine Bläue, gute Resitenz - aus technischer und optischer Sicht wohlgemerkt. Jeder Handwerker hat schon Situationen hinter sich, wo natürliche Holzmerkmale bei einer technisch einwandfreien Arbeit als Reklamationsgrund herbeigezerrt werden (Geiz ist geil!) Bei Meranti gibt es aber kaum derartige Angriffspunkte. Das war jetzt wohlgemerkt kein Plädoyer für den massiven Tropenholzeinsatz. Es ist aber nunmal so, das Endkunden in anderen Kategorien denken, als Handwerker. Insofern gibt es schon rationale Gründe, Meranti zu verwenden. Meine Fenster sind im übrigen aus Eiche...

noch ein Trugschluss:

"dass regionaler Konsum tatsächlich eines der Dinge ist, mit denen der Einzelne aktiv etwas tun kann, auch für die sgn. "Dritte Welt"."

"Etwas Tun" ist ja wohl eine der unkonkretesten Aktivitätsbeschreibungen, die denkbar ist. Für oder gegen wen oder was, völlig egal, hauptsache Aktivität?

Es ist eine etwas eigentümliche Fördermöglichkeit, Produkte der "3.Welt" NICHT zu kaufen. Also nur noch Mehlsäcke auf der Einbahnstraße? Wollen wirklich alle dreimalsoteure Konsumgüter 100% Made in Germany? Die allermeiste Elektronik z.b. hätte, wenn sie denn Augen hätte, mit Sicherheit Mandelaugen.

Der Transport von chinesischen Granitprodukten nach Europa per Schiff lohnt sich z.B. deshalb, weil einfach Ballast für den ganzen leichten Elektronikkram gebraucht wird, der aus der selben Ecke kommt. Gleiches gilt tatsächlich für Holz. Auch hier gilt also: Ein Generalverriß trifft kaum einmal den Kern der Sache.

Ganzheitliche Grüße

Thomas



Etwas tun...



... bezieht sich sicher nicht auf (blinden) Aktionismus, sondern auf den Versuch oder das Bemühen, sich den eigenen Möglichkeiten entsprechend verantwortlich zu verhalten - und ja, dazu gehört erst einmal, sich darüber klar zu werden was "verantwortlich" überhaupt bedeutet und enthält. Dass dieses Unterfangen alles andere als einfach ist, habe ich hinreichend dargestellt.

Letztlich ist selbstverständlich jede Verallgemeinerung gefährlich (selbst diese). In der Tat führt z.B. das bevorzugte Verspeisen von (regionalen) Hähnchenkeulen und -brüsten dazu, dass die Reste nach Afrika geschickt werden, so billig, dass die Bauern ihre (regionalen) Hühnen nicht mehr los werden. Ja, das ist nicht im Sinne des Erfinders; dehalb Hähnchen aus Afrika bestellen? Naja, ich weiß es ja nicht, ich esse kein Fleisch.

Deine Haltung zur Beratung kann ich nicht teilen, wohl aber das Argument der Büroarbeit. Der Mann war hier, die Frage und auch der Hinweis auf mögliche Nachteile (Harz...) hätte in wenigen Sätzen geklärt werden können. Der Büroaufwand entsteht jetzt: Ich habe ein neues Angebote angefordert, also sitzt er wieder daran und im Büro.

Zwei Dinge stoßen mir auf:

1. Deine Argumentation, dass Granit oder Holz als Ballast für die Elektronik gebraucht würde, ist wirklich sehr dicht an der Argumentation "Die Welt ist ja sowieso schon schlecht" (die ich Dir im Übrigen bislang nicht unterstellt habe). Im Übrigen halte ich den Transport von Elektronik aus Niedriglohnländern in der Tat nicht für ganz so unterstützenswert, wie den Erhalt unserer Lebensgrundlage, z.B. die "Lunge" der Erde.

2. BITTE ließ mal, was ich als TE eigentlich gefragt habe. Ich zitiere:

"Habe ich etwas verpasst? Ich hatte mir gemerkt: Meranti [ist inakzeptabel]. Hat sich daran etwas verändert, oder??"

Das habe ich anschließend genauer erläutert: "Ich frage deshalb, weil ich sehr erstaunt bin [...]!? Da zweifle ich schon am Verstand - bescheidenerweise zuerst einmal an meinem, ..."

Mit anderen Worten: Ich fragte OB Meranti-Holz noch immer inakzeptabel ist (wie ich es u.a. in der Schule gelernt habe), oder OB neuere Überlegungen, Entwicklungen, Argumente, die ich vlt. nicht kenne, einen Kauf heutzutage evtl. legitimieren. Nein, dass ist m.E. nicht undifferenziert, nicht unreflektiert, nicht tölpfelhaft und schon gar kein "Gerneralverriß".

Jetzt in Deinem letzten Beitrag sehe ich, dass Du doch tatsächlich etwas zu sagen hast, zum eigentlichen Thema. Und auch noch etwas, das ich sogar interessant finde, weil es zu meiner Frage passt.

Ja, mit bestimmten Begriffen kann man Aufmerksamkeit erhaschen, wenn man das möchte. Wofür gibt es dabei Aufmerksamkeit? In welche Richtig lenkt das die Disskussion? Und: bringt das den TE und Fragesteller weiter? Ich erhoffe mir hier im Forum Antworten, möglichst zu meiner Frage. Das mag romantisch sein; Du musst diesen Wunsch nicht erfüllen, es steht Dir frei, meinen oder jeden andern Thread für Deine Zwecke nutzen, wenn Du willst auch "ohne Rücksicht auf Verluste" - Da fällt mir ein: Ist das nicht genau die Haltung, die Umweltschützer Umweltzerstörern immer vorwerfen?



Wir sind...



...weit vom Thema und wir wiederholen uns.

Ich schließe meine Aktivität in diesem thread damit, daß wir unbedingt die Allerbesten sind, ein jeder auf seine Weise.

Grüße

Thomas