Mehrfamilienhauses, Schilfrohrmatte, Fassadendämmung

02.01.2014 ABC


Geplant ist die Fassadendämmung eines Mehrfamilienhauses , -Baujahr 1967, Schimmelbefall in mehreren Zimmern, meistens Schlafzimmern,- mit einer Schilfrohrmatte, darauf Kalkputz und als Dämmung Hanfstopfwolle.
Ist dies sinnvoll?
Wer weiß von Fachhandwerker, die sich mit den Materialien auskennen? Raum Rheinland.



für



eine sinnvolle Antwort sind das zu wenig Angaben. Innen/Außen ?, Stärke der Dämmung - jetzige Wandstärke ......????



Wenn die Dämmung innen ist,



ists heikel!
Ralph Schneidewind



Ein Dämmkonzept



bezieht sich immer auf das gesamte Bauwerk: Kellerdecke/Boden gegen Erdreich, wärmeübertragende Außenwände, Fenster, oberste Geschossdecke oder/und Dachdämmung. Es schließt ebenfalls die Heizungsanlage mit ein.

Einzelne Bauteile, wie z.B. nur die Außenwand oder nur die Außenwände einer Wohnung können nicht isoliert betrachtet bzw. gedämmt werden, ohne Verlagerung der Problematik (kalte Außenwände, Unterschreitung der Taupunkttemperatur, Kondensatausfall, Schimmelbildung) auf die ungedämmten Bauteile.

Das Schimmelproblem in Schlafzimmern bei ungenügender Aussenwand-dämmung ist bekannt: relative hohe Luftfeuchtigkeit, wenig bis nicht beheizt, nicht oder zu wenig gelüftet.

Sie benötigen als erstes eine Gebäudeenergieberatung, die verschiedene Dämm- und Ausbauvarianten entwickelt und gegenüberstellt. Dazu gehört auch die BAuaufnahme des Bestandsgebäudes, da ohne Kenntnis der Baukonstruktion und der verwendeten BAustoffe kein Dämmkonzept entwickelt werden kann.

Wenn der von Ihnen beschriebene Dämmaufbau als Innendämmung gedacht gewesen ist, kann ich davon nur abraten: Schilfrohrmatten haben einen mittleren Dämmwert; sie sind zudem nicht kapillaraktiv wirksam und transportieren Kondensat von der kalten Innenseite der Außenwand nicht wieder zurück. Mit einer Feuchteanreicherung muß dort ggf. gerechnet werden, wenn der Wandbaustoff nicht ausreichend kapillar leitfähig ist.
Hanfstopfwolle ist kein Dämmmaterial für flächige Dämmungen, sondern nur für Fugen.

Ihr Problem wird eine sehr sparsam konstruierte Außenwand sein (24-36cm, Vollziegel, Kalksandstein, Gitterziegel, Bimshohlsteine)) mit einem bescheidenen Dämmwert (U= 1,2 bis 1,7 W/m2K, heute nach EnEv = 0,24 W/m2K). Ein Wärmedämmverbundsystem auf der Außenseite wäre hier angemessen. Die Innendämmung ist immer eine Notlösung für den Fall, das eine Außendämmung aus gestalterischen oder konstruktiven Gründen nicht angebracht werden soll.

Die Innendämmung ist gegenüber der Außendämmung bauphysikalisch auf 4-6cm beschränkt mit einem dementsprechend geringeren Dämmwert bei nicht unbedingt geringeren Kosten.

Suchen Sie sich für die Beratung einen Architekten/Bauingenieur,d er Ihnen die entsprechende Berechnungen liefern kann inkl. der Materialempfehlung, den konstruktiven Aufbauten und einer Kostenschätzung.

Der Handwerker kommt dann zur Ausführung auf die Baustelle. Er ist jedoch kein Planer, der Ihnen die komplette Sanierungsmaßnahme erstellen kann. Auch nicht , wenn er das -scheinbar- kostenlos verspricht ...

Bezieht sich Ihre Anfrage auf die komplette Gebäudedämmung oder nur auf die Dämmung einer Eigentums- oder Mietwohnung? Auf eine Innen- oder eine Aussendämmung?



Fassadendämmung mit Schilfrohr, Kalkputz u. evt. Hanfplatten



Geplant ist bei dem Mehrfamiliehaus von 1967 die Fassadendämmung von außen. Das Gebäude besteht aus 40er Mauerwerk, Kalksandstein, teilweise über den Fensterstürzen und in den Ecken Betonplatten, ich weiß nicht warum, geringer bis keiner Dämmung, teilweise grauer, bröckeliger Stein, Abschluß nach außen wurde mit Klinkerriemchen gemacht. Auf der Vorderseite befinden sich Loggien und Balkone, (an den Ecken zur Balkontür hin befindet sich ebenfalls häufig Schimmel, ebenso in den Fensterlaibungen dorthin) eine Marmorverkleidung, vorgehängt, teilweise bereits nachträglich eine Dämmung mit Eternit-Schieferplatten, Flachdach.
Im Winter Schimmelbefall in den Kinder- und Schlafzimmern zur Rückseite. Hohe Luftfeuchtigkeit. Es wird auch Wäsche in den Räumen getrocknet, teilweise zumindest. Rückseitig ist das Erdgeschoss hochparterrig gebaut. Meine Frage: Kann ich durch eine Dämmmaßnahme mit Kalkputz, Schilfrohr und evt. Hanf die Feuchtigkeit heraushalten? Ist meine Dämmvorstellung realistisch? Ist eine Dämmung sinnvoll, obwohl der Energieausweis und die Heizkostenrechnungen einen durchschnittlichen bis geringen Verbrauch darstellen?



Wäschetrockner



Ein guter Wäschetrockner und etwas mehr Heizung / Lüftung durch die Bewohner wäre billiger...

Fassadendämmung muss normalerweise ENEV einhalten, und mit Schilfrohr + Hanf kann man das wohl gleich vergessen. Bei dieser nicht historischen Bauweise würde ich bei modernen WDVS bleiben.



Das Nutzerverhalten ...



spielt natürlich eine große Rolle. Hoher Feuchteeintrag (Wäschetrocknen), nicht ausreichendes Lüftungsverhalten etc.

Um die Schimmelproblematik zu lösen, muß die Oberflächentemepratur der Innenseite der Wand über dem sog. Taupunkt liegen, an dem die warmfeuchte Raumluft dort auskondensiert. der Taupunkt ist abhängig von der Innenraumtemperatur und der rel. Luftfeuchte (rLF). Bei 21°C/50% rLF liegt er bei 10,2°C, bei 21°C/70% rLF bei 15,3°C und bei 80% rLF (Wäschetrocknen, geringes lüften, kaum Heizung) bei 17,4°C.

Bei einer ungedämmten Aussenwand nach Ihren Angaben beträgt die Oberflächentemperatur auf der Innenseite 17°C, bei eine moderaten Außentemperatur nachts von 0°C bis -2°C. Da ist Tauwasserausfall rein rechnerisch schon wahrscheinlich.

Alles weitere steht in meiner ersten Antwort. Eine Fassadenaußendämmung mit den genannten Materialien stellt kein zugelassenes Wärmedämmverbundsystem dar.

Die Auswahl eines Dämmsystems mit den zugehörigen MAterialien unter Einbeziehung aller wärmeübertragenden Außenbauteile nach den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEv) kann nur eine Gebäudeenergieberatung mit den zugehörigen Berechnungen liefern.

Ein Energieausweis nach Verbrauch besagt so gut wie nichts. Ein aussagekräftiger Ausweis nach Bedarf hat die genannten Vorüberlegungen zur Voraussetzung: Gebäudanalyse, Bauaufnahme, Ermitlung der verwendeten Baustoffe + der Wärmebrücken.



Fassadendämmung bei Schimmel



Auf das Verhalten der Mieter habe ich kaum Einfluss. Wäschetrockner sind ihnen zu teuer, wie gesagt, Sozialwohnungen. Fehler von seiten der Mieter werden rigoros bestritten und die Gerichte sind mieterfreundlich. Ich verliere einen Prozess nach dem anderen und die Mieter drohen mit Minderung iher bereits kleinen Miete.
Mehr Lüften macht wohl keinen Sinn, da viel die Fenster gekippt wird und die Fenster, Neueinbau in den 80er Jahren, undicht sind.
Würde es mehr Sinn machen, neue Fenster einzubauen und die Klinkerriemchen mit einem Wärmeputz zu versehen?



Vorbeugung



Einen oder mehrere Wäschetrockner ins Haus stellen ist billiger als Schimmelschäden, ganz abgesehen von Rechtsanwälten. In jeder Wohnung ein Thermometer / Hygrometer installieren könnte sich auch lohnen.



Nein ...



Wärmedämmputz hat nur einen halb so guten Dämmwert wie ein WDVS.

Neue Fenster in einer ungedämmten Aussenwand sind bauphysikalisch stark schadensträchtig und vergrößern das Problem.

Kann ein angemessenes Lüftungsverhalten der Mieter nicht vorausgesetzt werden, muß eine Lüftungsanlage eingebaut werden. Zu einer Gebäudedämmung gehört heute der Nachweis eines Lüftungskonzepts.





Das Aufstellen eines Münzwäschetrockners im Keller ist veileicht keine schlechte Idee, wobei eventuell es für die Mieter einfach bequemer ist, in der Wohnung zu trocknen. Dennoch meine ich, kann die hohe Luftfeuchtigkeit doch nicht nur vom Wäschtrocknen kommen. In allen Häusern wird viel Wäsche getrocknet in Räumen, Dampf gebügelt etc.
Mehrfach wurde den Mietern erzählt, dass regelmäßig gelüftet werden muss (stoss gelüftet). Selbst die Gerichtsgutachterin hat festgestellt in einem Fall, dass zu wenig geheizt würde, dennoch hatte diese Mieterin im nächsten Jahr noch weniger Heizkosten produziert. Die Bewohner behalten ihr Mietverhalten bei.
Ich weiß nicht, ob ich durch eine moderne Dämmung diese Feuchtigkeit in den Griff bekomme., sprich ob die Probleme nach mehreren tausend Euro Investition nicht noch immer bestehen.

Warum ist es bauphysikalisch bedenklich, neue Fenster ohne Dämmung einzubringen? Die Holzfenster, Baujahr 1967, wurden durch Kunststofffenster, isolierverglast, in den achtziger Jahren ja bereits einmal getauscht. Nur leider sind diese undicht.



Neue Fenster



Wenn die neuen Fenster einen besseren Dämmwert (U-Wert) haben als die Außenwand, ist diese der kältere Bauteil. Die Raumluftfeuchte kondensiert dann bevorzugt dort.

Undichte Fenster begünstigen ungeplante Konvektion warmfeuchter Luft, die an der nächsten Stelle der Taupnuktunterschreitung wieder auskondensiert. Bei dauergekippten Fenstern im Winter kann das dann bereits die Fensterlaibung sein.



Fazit ...



... nach einem Plan und einem Lüftungskonzept also moderne Wärmedämmung mit Steinwolle oder Styopor aufbringen und die Fenster tauschen?

...oder weniger Geld investieren und nur einen Wärmeputz mit neuen Fenstern aufbringen, dämmt immerhin für kleineres Geld auch etwas.

...oder es beim Schimmel belassen und Wäschetrockner und Feuchtigkeitsmesser aufhängen und gegebenenfalls die Miete mindern lassen?
Die dritte Alternative könnte insgesamt die billigere sein. Kann ein Mauerwerk allerdings auf Dauer Schaden nehmen, wenn jeden Winter Schimmel auftritt?



Wärmedämmung



Ein bisschen WDVS geht nicht. Sie müssen dann den Anforderungen der EnEv mit allen Begleiterscheinungen wie ein Lüftungskonzept etc. gerecht werden und einen U-Wert für die Außenwand von 0,24 W/m2K erreichen. Ausnahmen davon sind nur bei historischen oder denkmalgeschützten Altbauten vorgesehen.

Ausnahmen gibt´s allerdings bei rechnerisch nachgewiesener Unwirtschaftlichkeit der Dämmmaßnahme. Voraussetzung dafür ist eine Gebäudeenergieberatung nach BAFA-Standard.

Schimmel schadet nicht dem Mauerwerk (sofern sich kein Hausschwamm einnistet), wohl aber den Bewohnern. Eine mögliche Folge der giftigen Ausdünstungen sind Atemwegsbeschwerden. Über die Luft eingeatmete Pilzsporen können allergische Reaktionen auslösen. Weitere Symptome sind Kopfschmerzen, Schnupfen, Schlafstörungen, brennende Augen und Husten.

Fazit: richtig sanieren oder nichts machen. Teillösungen sind nicht sinnvoll.



vielleicht



ist es billiger, allen Mietern ein Hygromether mit Speicherfunktion in die Wohnung zu hängen und klare Lüftungsanweisung (Bestandteil des Mietvertrages ?)zu geben. Wenn es dann zu Klagen kommt, kann man zumindest die Werte belegen: http://www.testo.de/produkte/datenlogger-datenmonitoring-system/datenlogger/temperatur-und-feuchtelogger.jsp?gclid=CN384I-74rsCFcJd3godhVgA5Q
Die Fenster würde ich so lassen - die Heizenergie geht ja nicht zu Deinen Lasten. Sicher sind Balkonplatten und dergleichen gute Wärmebrücken, neuere Bauweisen vermeiden dies durch thermische Trennung.




Fassadendämmung-Webinar Auszug


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