Ziegelmauerwerk - bröselige Fugen

11.12.2012



Hallo Bauexperten,
meine Frage ist hier schon mehrfach aufgetaucht, aber die Antworten passten nicht genau, daher muss ich sie noch einmal stellen - Pardon!

Kurz gefasst lautet sie: Wie reinige ich meine Mauerfugen am besten? Was muss ich beachten, um das Gebäude nicht zu schädigen?

Ich möchte an einem ehemaligen Stall das Mauerwerk sanieren. Es ist eine 24er Wand, Ziegelmauerwerk, erbaut zwischen 1920 und 1945. Ob es Hartbrandziegel sind, kann ich nicht beurteilen, aber viele davon sind sehr bröselig und zeigen schon großen Substanzverlust, und zwar sowohl innen (durch Versalzung) als auch außen (durch Verwitterung). Und in den Fugen befindet sich zum Teil nur noch Staub.

Das Gbeäude ist auf dem beigefügten Bild zu sehen, leider nicht en detail, aber ich habe leider gerade kein besseres.

Nun:
Wie fange ich die Sanierung an? Zunächst müsste alles weg, was nicht mehr trägt, also die kaputten Steine und der lose Fugenmörtel. Ich würde gern einfach mit einem Luftstrahl reinigen - ist das realistisch? Wasser oder Sand könnten soviel Schaden anrichten. Ich frage mich, welchen Druck die Wand wohl aushält, und welches Gerät ich dafür nehmen soll. Und wahrscheinlich wäre es besser, die Decken vorher abzustützen?

Das wären so die Anfangsfragen. Es gäbe zwar noch mehr - zum richtigen Fugenmörtel, zum Thema Opferputz usw.; aber das hat noch Zeit.

Später möchte ich das Gebäude übrigens gern als Werkstatt, Heizungsraum und Lager nutzen, unterm (neu zu bauenden) Dach vielleicht sogar ein Gästezimmer einrichten.

Aber zunächst eben: Wie geh ich mit der bröselnden Wand um?
Vielen Dank vorab und herzliche Grüße!!





Ich kann Ihnen auf diesem Wege leider nicht helfen, aber vielleicht dieser Artikel:
http://igbauernhaus.de/fileadmin/pdf/hn/2012_03_ziegelmauerwerk.pdf

Bernd Kibies



danke



Super Artikel, danke!! Ich habe demnach eindeutig eine Wand aus hauptsächlich Schwachbrandziegeln, denn es zeigen sich an ca. 80 Prozent der Steine irgendwelche der beschriebenen Phänomene, von der "Krustenbildung" über das "Absanden" und "Abmehlen" sowie das "blätterteigartige" Zerfallen. Ich nehme an, der Giebel ist nicht bauzeitlich, und es wurde zunächst nur eingeschossig gebaut. Die Decken sind aus Beton, mit Stahlträgern - ich weiß gar nicht, wie die Wände das aushalten. Wäre es nicht eine Randbebauung, die ich so heute nicht mehr errichten dürfte, dann würde ich wohl abreißen...



diese



Schuppen sind typisch für eine Hinterhofbebauung, das OG könnte schon alt sein, nur war der Giebel ev. nur eine Bretterverschalung und später aufgemauert. Gewissheit bringt nur ein Blick in die Bauakte beim Bauamt, denn zu dieser Zeit wurde schon ausführlich geplant und genehmigt - typisch deutsch eben. Ebenso die Frage nach der Bauzeit.



Fugensanierung



bei dem beschriebenen Zustand würtde ich einen qualitativen und quantitativen Salztest durchführen lassen: Art und Menge des/der Salze(s) bestimmen lassen.

Dann können Sie mit fachkundiger Beratung entscheiden, ob Sie das Mauerwerk sanieren können, oder ob die Salzbelastung so groß ist, daß nur ein Austausch/Abriss der versalzten Partien lohnt.

Die Salze können nicht kaschiert werden. weder mit"Wunderputzen", noch mit "Zauberlösungen" oder bauchemisch-esoterischen Anstrichen. Salze sind eine massive Schädigung. Und bei einem Stall ist (mindestens) massiv mit Nitraten (Mauerwerkssalpeter) zu rechnen. Manchmal sogar aus gasförmigem Ammoniak, das in Salpetersäure umgewandelt wiorden ist, meterhoch in´s Mauerwerk oder den Dachstuhl hinein.

Abgesehen davon bleiben viel andere FRagen zu klären: Mauerwerksabdichtungen (Horizontalsperre), feuchtes Mauerwerk aus kapillar aufsteigender Feuchte. Wie sehen die Fundamente aus -wenn´s denn überhaupt welche gibt. usw.

Und nicht zuletzt: Was Sie planen ist ggf. eine Umnutzung (Wohnnutzung/Gästezimmer) und bauantragspflichtig.

Bevor Sie zur Tat schreiten, sollten Sie diese Fragen verbindlich geklärt haben.
Sonst verbauen Sie viel Zeit und Geld mit ungewissem Ausgang.





Hallo Ellen!

Komme aus der Nähe von Naumburg und hab n riesigen Haufen alte Ziegel im Reichsformat abzugeben. Auch Lehmziegel und Stampflehm. Kannst du dir bei Interesse kostenlos holen.

MfG Christian (0172 / 347 1999)



Ziegelmauerwerk - bröselige Fugen - akt. Stand



Vielen Dank.
Ich habe jetzt angefangen, die Fugen von Hand zu säubern. Es ist äußerst mühsam und zeitaufwendig, aber ich trau mich nicht mit irgendwelchen Strahlern da ran...



immer wieder die Frage …



… nach dem sinnvollen und nachhaltigen Gesamtkonzept …

Solche teils mühsamen Gedankengänge könenn sich über Kurz :-) oder lang bezahlt machen …

Gutes Gelingen

Florian Kurz



Gesamtkonzept, schön und gut ...



... aber deswegen kann man sich doch trotzdem auch mal mit Detailfragen auseinandersetzen, oder? Meine eigentliche Grundfrage hat mir hier jedenfalls noch niemand beantwortet. Ich doktere mit weniger als Halbwissen an meiner Wand herum und werkele vor mich hin. Ich möchte jetzt nicht eine Phalanx von Experten auffahren, die den Salzgehalt messen etc. - das käme mir vor, wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Der Stall ist schießlich nicht mein Hauptbauprojekt. Ich will ihn jetzt einfach nur stabilisieren, ehe mir die Wand zusammenrutscht.
Ich hatte gehofft, ich bekomme einen praktischen Tipp hier, von Leuten, die die Sache anders beurteilen, als unsere Handwerker vor Ort, die einfach Zementmörtel in sämtliche Löcher schmieren würden. Nun mache ich eben nach eigenem Ermessen, was mir sinnvoll erscheint. Sicher findet das der professionelle Bauplaner unvernünftig, kann ich verstehen. Hilft mir aber nicht.



In manchen Dingen...



... schreibst Du mir aus der Seele.

Die Zeiten, wo es hier noch praktisch brauchbare Tipps oder echten Erfahrungsaustausch von Selberbauern gab, sind scheinbar leider weitgehend vorbei. Von Seiten der ca. ein Dutzend Profis, die dieses Forum noch bestreiten, fast nur noch nebulöse Andeutungen nach allübergreifenden Gesamtkonzepten, Erwähnung rechtlicher Vorschriften und Verbote (selbst wenn diese im speziellen Fall völlig unzutreffend sind) und Rufe nach Fachleuten und Experten, sie man sich engagieren soll, damit diese sich das alles mal vor Ort anschauen oder noch besser eine Ingenieurstudie darüber erstellen.

Für Projekte der öffentlichen Hand (siehe vor allem dort die regelmäßigen nachträglichen Kostenexplosionen, obwohl dutzende von Profis dran beteiligt sind) oder ausgesuchter finanzstarker privater Bauherren mag das ja vielleicht noch angehen, aber für engagierte Laien, die trotzdem mit ganzem Einsatz ein Gebäude retten wollen und deren Mittel zwar nicht unerheblich, aber dennoch begrenzt sind, sind solche Hinweise meist kaum praktikabel.

Mein Tipp: Hier im Archiv lesen, auch mal bei der IGB 'reinschauen (dort ist zwar scheinbar nix los im Forum, aber wenn man konkrete Fragen stellt, gibt es oft sehr hilfreiche Antworten und nette Kontakte, meist jedoch nicht übers Forum, sondern per Mail oder Tel.) sich die einschlägigen Standardwerke ins Bücherregal stellen und da man vom Lesen nicht allein lernt, einfach mal anfangen.

Zur Zeit ist das Wetter wieder milder, da geht doch was (zumindest zum Testen).
Als Mörtel sollte natürlich nur das Ursprungsmaterial verwendet werden, also höchstwahrscheinlich ein Kalkmörtel.
Natürlich muss alles Bröselige raus, also auch Mauersteinfragmente, die nicht mehr tragen.

Zur Statik, also Abstützen etc. kann ich nix sagen, bin nur Amateur, zur Salzproblematik gibt es viel im Web zu lesen, da würde ich mich nicht verrückt machen lassen.

Gefühlt (ohne Gewähr) würde ich einen moderaten!!! Wasserstrahl der Druckluft vorziehen, denn Wasser löst evtl. noch loses Material, welches sich durch Druckluft nur verdichten würde.

Mag sein, dass den Profis jetzt wieder die Haare zu Berge stehen, aber auf diese Weise habe ich auch bei mir einzelne marode Mauerabschnitte ganz gut wieder hinbekommen und habe vor allem keine Angst, dass mir die Zementstücke samt herausgesprengten Backsteinbröckchen nach dem ersten Frost wieder entgegenfallen.



praktisch und brauchbar



… wer definiert denn das?

Der Laie oder der Fachmann …?

Ich hab mal ne Frage:
Gehen Sie eigentlich zum Zahnarzt oder checken Sie das erst im Netz ab und machen es dann selber …?

Was wollen denn Sie für Antworten, wenn Ihnen die des ortsansässigen Handwerkers auch nicht recht ist?

Der gibt nämlich SEIN Patentrezept ab!
Das kann - muss aber nicht gut gehen …

Wenn ich Ihnen mein "Patentrezept" sage: abkehren, Staubkalk (nicht Sumpfkalklösung) drüber und die Fugen mit Luftkalkmörtel Ausfugen oder was evtl noch besser wäre die ganze Fassade mehrlagig Verputzen … kann es auch gut oder schlecht gehen, weil man nicht weiss wie viel Salz in den Mauern und oder fugen drin ist …

Wollen Sie ne Lösung - die man sich auch als Bauherr ERARBEITEN muss - oder ein Patentrezept nach dem Motto:
schnell - unkompliziert - billig und umsonst …

Schon alleine Ihre simple Frage besteht aus mehreren Fragezeichen, die Sie während des Schreibens schon bemerken - andere Leute sehen und lesen da noch viel mehr heraus … aber das wollen Sie ja anscheinend alle nicht …

und dann kommt noch dazu dass dann ein anderer der bösen "Übertreiber" an Ingenieuren noch ne andere Meinung hat …

ist schon gemein das Leben im WWW

ALLE sind gegen einen …

… es ist schon sehr schwierig …

Florian Kurz



Mauerwerk verfugen



Liebe Ellen,
stellen Sie sich vor in einem fiktiven Gartenforum stellt jemand eine Frage: Wie kann ich den Ast absägen auf dem ich immer sitze, soll ich von oben oder von unten anfangen zu sägen und welche Säge empfielt Ihr mir?
Wenn sich dann ein paar Experten melden und vorsichtig andeuten das man sich vorher erst mal Gedanken machen sollte, wo der Ast hinfällt, ob dabei was kaputt gehen kann, das es für einen selber gefährlich werden könnte und das man ohne genaue Kenntnis des Baumes, der Schnittstelle und der Umgebung ohnehin nichts Konkretes sagen kann sollte man das nicht mit einem "Gut und schön, aber was ist nun mit dem sägen..." abtun.
Wir könnten es uns in vielen Fragen einfach machen, 1 Zeile als Antwort, das wars.
Was nützt Ihnen ein schön ausgefugter Schuppen wenn andere tragende Bauteile so marode sind das sich die Sanierung nicht mehr lohnt? Wäre doch besser so was vorher zu wissen oder?
Wir sind es nun mal gewöhnt, ganzheitlich an die Lösung von Aufgaben heranzugehen. Wir sind es gewohnt dabei Probleme zu sehen bzw. zu erkennen von denen Sie noch nie was gehört haben. Deshalb muß man sie trotzdem in Betracht ziehen. Hier in diesem Forum können Sie davon profitieren.

Viele Grüße





@ DeMeinweg
Sorry, aber das Gejammer nervt mich jetzt auch. Aber bitte nicht persönlich nehmen!
Ich habe doch schon Hinweise gegeben, sollte ich den IGB-Artikel besser abschreiben und in stundenlanger Arbeit in eigene Worte fassen? Na toll! Ich bekomme immer wieder E-Mails mit konkreter Fragestellung aufgrund meiner Fachwerk.de-Mitarbeit. Das mache ich hier nicht publik. Da berate ich, wenn ich nicht rausfahren muß, auch kostenlos. Jammern tue ich darüber nicht! Das ist doch okay, warum dann dieser pauschalisierende Affront?
Außerdem sich selbst zu allem äußeren und jede Aussage immer mit Floskeln absichern („…kann ich nix sagen, bin nur Amateur…“, „Gefühlt (ohne Gewähr), würde ich…“ usw.), passt natürlich zum Gesamtbeitrag.
Aufgrund der vorliegenden Infos und dem Foto kann und möchte ich keine weiterführenden Empfehlungen geben. Ich habe dafür schlichtweg auch keine Zeit.
Ein Internetforum kann das im Übrigen auch nicht leisten.
Vielmehr kann es nur Anregungen geben, wer wirklich sein Handeln darauf ausrichtet, dem ist auch nicht mehr zu helfen.
Aber deswegen sieht unser Land ja auch so aus, dieses völlig konzeptlose Herumwurschteln hat seit Jahrzehnten tiefe Narben hinterlassen.


Bernd Kibies



Kritik ...



... als Gejammer oder Geheule abzutun, scheint wohl so eine neue Mode zu sein, die Neuauflage von "Geh' doch nach drüben!"? Wenn es danach geht, könnte man "Das Gejammer nervt mich!" wiederum als Gejammer bezeichnen bzw. abtun, kommt auf diese Weise also nicht weiter.

@Bernd Kiebies: Sie waren mit meiner Kritik gar nicht gemeint, den Artikel aus dem Holznagel fand ich sehr lehr- und hilfreich.

@Florian Kurz: Das Beispiel mit dem Zahnarzt finde ich nur bedingt passend. Bei vielen Wehwehchen kann man sich den Gang zum Arzt wirklich sparen, wenn man sich ein bisschen mit der Materie befasst und ein paar alte Hausmittel parat hat und anzuwenden weiß. Ferner schien mir dir Fragestellerin nicht nach "schnell - unkompliziert - billig und umsonst" gefragt zu haben, sie wollte es sich nach meiner Auffassung grundsätzlich schon selber erarbeiten, wäre aber diesbezüglich über ein paar Tipps dankbar gewesen.

Die Tendenz, von professioneller Seite auch in Detailfragen immer nur die ganz, ganz große Maßnahme anzuwenden, also z.B. bei einem defekten Elektronikbauteil gleich die ganze Hauptplatine oder besser den PC oder Fernseher auszutauschen, bei einer defekten Zylinderkopfdichteung am Auto einen finalen irreparablen Motorschaden (wegen der evtl. Haarrisse) zu diagnostiziere oder eben bei Mauerschäden an einem alten Schuppen von einem Ingenieurbüro ein umfangreiches Baugutachten erstellen zu lassen, dessen Kosten für den Bauherrn womöglich weit höher liegen, als die olle Wand an den Schadstellen einfach neu aufzumauern, zumal wenn jemand kostenlos Ziegel anbietet.





Ich bedauere den üblen Ton, der hier zeitweilig aufkam. In diesem Forum habe ich schon viel aufgenommen - handwerkliche Tipps ebenso wie Grundsätzliches - und viele neue Handlungsmöglichkeiten und manchen neuen Gedanken ins Repertoire meiner Bauüberlegungen aufgenommen. Den Experten, die hier echte und vernünftige Antworten zu geben versuchen, kann man nur sehr herzlich danken.

Ich glaube allerdings, dass meine Eingangsfrage weder eine nach einer billigen Pauschallösung war, noch mein zweiter Einwurf ein pauschaler Affront. Es war eine Bitte um praktische Tipps.

Diese zu geben, das ist immer ein Risiko in einer so kritischen Gemeinschaft; wer sie ausspricht, macht sich angreifbar. Bitte lassen Sie sich dennoch nicht davon abschrecken, auch mal konkrete Hinweise zu geben (notfalls ergänzt um Zweifel und mögliche Alternativen). Oft sind sie eben genau das, was der/die Fragende sucht.