Horizontalsperre / Mauerwerk-Trockenlegung

19.08.2007



Liebe Fachkompetenz,

in diesem Forum habe ich jede Menge Beiträge zum Thema gefunden. In einigen Threads war auch klar zu erkennen, welche Fachkompetenzen gegen Unkompetenzen und plumpe Verkoofe kämpft...

Letztlich weiß ich gar nicht mehr, was zu tun ist.

Hier mal ein paar Eckdaten mit der anschließenden Bitte um Rat:

Haus ohne Unterkellerung, Bj. ca. 1870.
Gemauertes Fundament, ca. 40-50cm tief.
Feuchter Lehmboden, GW-Spiegel ca. 2-3m.
Mauerwerk aus Feldbrandsteinen.
Mauerwerk 3-seitig verputzt, mehrere Lagen Farbe, ursprünglich diffusionsdicht, eine Hausseite nicht verputzt.
Blasenbildung unter der Farbe, teilweise aufgelöster Putz in Bodennähe.
Ca. die Hälfte der Außenwände ist später von innen vorgemauert worden zwecks Dämmung, dort ist die Außenwand von innen also nicht zugänglich.
Ob und wo ggf. mit "modernen" Baustoffen ausgebessert oder angebaut wurde, ist dank des Putzes nicht erkennbar.

Das Haus wird bereits von uns bewohnt, muss also sukzessive bearbeitet werden.

Frage 1:
Wie zum Geier kriegen wir das Mauerwerk trocken? - Mechanisch kommt m.E. aus Statik-Gründen nicht in Frage.
Injektion gerne, muss aber beim ersten Anlauf dicht werden. Niederdruck und E-Osmose überzeugt mich nicht. Hochdruck mit therm. Austrocknung? Gibt es Szenarien, die Eigenleistung berücksichtigen - etwa das Bohren der Löcher?

Frage 2:
Macht eine Verbund-Dämmung von außen Sinn?
Die Empfehlung kam vom 'Energieberater vor Ort'

Frage 3:
Wenn keine Verbund-Dämmung: Was muss bei Freilegung des alten Mauerwerks / Neu-Verfugung beachtet werden? Oben oder unten anfangen?


Bin schwer gespannt auf euer Feedback

Gruß vom Niederrhein
Dirk





Hallo Dirk,

leider ein oft anzutreffendes und leidliches Problem......... Zunächst zu

Frage 1: Wie zum Geier kriegen wir das Mauerwerk trocken?
Leider hat sich immer wieder bei meinen BV´s gezeigt, dass sich ein langfristiger Erfolg nur durch „mechanische“ Eingriffe zu erzielen war. Auf alle Fälle aber einen Fachmann zu Rate ziehen! Das Geld ist schnell wieder eingespielt.
Feuchtigkeit zieht gewöhnlicherweise von allen Seiten in die alten Fundamente. Beispielsweise würde ein Abdichten einer Seite nicht wirklich zum Erfolg führen, wenn vom Innenraum Feuchtigkeit nachzieht etc. Das ist aber alles von Fall zu Fall verschieden.

Frage 2: Macht eine Verbund-Dämmung von außen Sinn?
Abgesehen vom Denkmalschützer, der gerade zusammengezuckt ist: Energetisch kann das schon sinnvoll sein, aber: siehe Frage 1 => erst wirklich trocken legen! Wohin soll die aufsteigende Feuchtigkeit gehen, wenn ich draußen dicht mache?
Dämmstärke, -materialien, Putze usw. stehen in Abhängigkeit zur bestehenden Wand und müssen auf Wärme-/Feuchtigkeitsdurchgang in betrachtet und berechnet werden.

Frage 3: Ist abhängig von beiden oberen: Wände trocken? Denkmalschützer sagt OK! Macht das Budget auch mit?

Ohne es gesehen zu haben ist das natürlich etwas im Dunkeln gestochert, hoffe aber geholfen zu haben.

Viele Grüße aus Wiesbaden,

Christoph



Horizontalsperren und Trockenlegungen sind nicht so einfach.



Ich stimme hier Herrn Kornmayer zu, eher mechanisch, weil man die Löcher auch nicht so einfach ohne "Erschütterung" ins Mauerwerk bringt.
Nun ob mit oder ohne Druck, hier denke ich machen die meisten einen Denkfehler, wenn man glaubt irgendeine Flüssigkeit in einer feuchten Wand in die Kapillaren einpressen zu können, so geht das nicht.
Eines der wichtigsten Gesetze der Physik, wo ein Körper ist kann kein zweiter sein.
Flüssigkeiten und seien sie noch so dünn, gelangen nur über die kapillaren Saugkräfte nach.
.
Das Einschlagen der Chromstahlplatten ist sicher kein Problem, wenn eine Fuge vorhanden ist.
Oder, was ich bei 40-50 cm Gründung des öfteren schon gemacht habe, gleich unter den Fundamenten eine Sperre.
Fragen Sie hierzu aber einen Statiker welche Abschnitte geöffnet und bearbeitet werden dürfen.
. Und weil es immer wieder auf`s Tablett kommt, es gibt kein "trocken"!



Übel an der Wurzel packen!



Danke erstmal an Christoph und Herrn Bromm.

Nachdem heute nochmal ein Architekt wg. einer anderen Sache bei uns war, neige ich dazu, die Horizontalsperre erstmal bleiben zu lassen und die Bodenfeuchte via Drainage vom Haus fernzuhalten. Dann werden wir sukzessive das Mauerwerk von Farbe und Bröselputz befreien und neu verfugen.
Das ist zwar aus energetischer Sicht nicht der Weisheit letztes Ding, aber aus einem alten Haus ist nunmal auch keine Hightech-Hütte zu machen, wenn die Millionen nicht so ganz locker sitzen...
Außerdem sind die Denkmalschützer und Kapillarverweigerer unter euch sicher auf meiner Seite.

Jetzt müssen wir uns allerdings mit veränderten Vorzeichen Gedanken um die Dämmung der noch zu schaffenden Räumlichkeiten im Obergeschoss machen.
Dazu werde ich mich nochmal hier durch das Forum arbeiten, aber in der näheren Zukunft sicher auch noch die eine oder andere Frage posten.

In diesem Sinne: Danke und Gruß
Dirk



Feuchte Wände trocken bekommen



Hallo Dirk,

Antwort 1: wenn aufsteigende Feuchtigkeit die Ursache ist hilft eine neue Sperrschicht - statisch ist eine mechanische unbedenklich. Antwort 2: eine Dämmung ist gut, macht jedoch erst Sinn wenn die Wand trocken ist.

Die Ursache muss erst festgestellt werden.

Welche der Maßnahmen genau erforderlich sind, kann man nur vor Ort entscheiden.

Mit freundlichen Grüssen

Andrea Cyba