Tragfähigkeit Ziegelmauerwerk mit sandigem Mörtel

29.08.2012 Höhlenbauer



Hallo liebe Fachwerker,

mein Haus ist ein norddeutscher Klinkerbau mit doppelschaligem Mauerwerk (beides Halbstein, Luftschicht 8cm)von 1932. Der Mörtel ist extrem sandig (kann sogar auf der Innenseite mit dem bloßen Finger herausgekratzt werden).

Die Fensterlaibungen wurden für eine Innendämmung mit Multipor 120 mm weit geöffnet, in den Spalt zwischen die Mauerschalen Ytongplatten eingeklebt, diese wegen der Maueranker allerdings nicht sehr weit eingeschoben.

Nun habe ich im Obergeschoß meine schönen, sehr teuren und sehr schweren (1 Fensterflügel wiegt 140kg) Fenster bekommen.

Die Fenster sind rundherum mit dübellosen Schrauben (250 lang, 15 stark) im Mauerwerk verschraubt worden. Teilweise wurde in die Vollbrandziegel geschraubt (die dann auch prompt gebrochen sind), teilweise in die Fugen.

Nach vier Wochen stelle ich fest, dass sich alle Schrauben im Mauerwerk gelockert haben.
Jetzt bin ich ziemlich verzweifelt, da ich mir nicht vorstellen kann, dass das Mauerwerk auf Dauer hält.

Was kann ich tun?
Die Fugen nach und nach auskratzen und neu vermörteln? Wie weit um den Fensterausschnitt herum?
Gibt es ein Injektionsverfahren, das den Mörtel in ganzer Tiefe verfestigt?
Muß ich mir um die gesamte Statik meines Hauses Sorgen machen? Der Bauingenieur meint zwar nicht ("die Häuser stehen doch auch noch nach 100 Jahren..."), allerdings haben die auch nicht solche Fenster.

Falls keiner Rat weiß, kann mir jemand einen Fachkundigen im Raum nördlich von Hamburg empfehlen, der mir hilft?

Ich bin wirklich für jeden Hinweis dankbar...



Wehret den Anfängen



Hallo

sandigen Mörtel mit Staubkalk (siehe solubel) verfestigen

Für einen Fenstereinbau und eine äusserst fragwürdige Innendämmung die Struktur eines Hauses zu demolieren - dazu gehört Mut und Leichtsinn, finde ich!

Dazu noch Schaumbetonplatten und eine waghalsige Befestigung der Fenster.

Ich würde mir gehörige Sorgen um das Haus machen, in dem viel zu viel mit m.E. fragwürdigen Planung gemacht wurde und sehr stark in das Gesamtsystem eingegriffen worden ist.

Letztendlich haben der Planer (Bauing) und die Handwerker (Fensterbauer) die Verantwortung für ihr Werk.

Hat keiner derer ihre Bedenken angemeldet?

Leichtsinn kommt vor dem Fall!

Mit dem Statement, dass die Häuser auch noch nach hundert Jahren stehen, mag der Recht haben, aber wenn die armen alten Häusern von Dilettanten und HauRuckHandwerkern zu Grunde gerichtet werden, dann leben sie nicht mehr lange!

Ohne es gesehen zu haben, würde ich mal Beweise sichern - evtl. durch einen GA ein Beweissicherungsverfahren einleiten. Schreiben Sie Gedächtnisnotizen auf, wie Sie beraten worden sind, was vorgefallen ist während und bei der Beratung und dem Installieren der Fenster.

Ihr Problem ist nicht der bröselige Mörtel!

Das ist mir klar!

Florian Kurz
www.slow-house.de



Ich kann ...



... Florian Kurz nur beipflichen.

Spätestens diejenigen, die die Fenster eingebaut haben, hätten Bedenken anmelden müssen!



Nach Rücksprache ...



... mit meinem Tischler des Vertrauens ist unter Berücksichtigung des Fenstergewichtes die beschriebene Art des Einbaus nicht geeignet. Seine erste Frage war, "haben die Brandschutz- oder Panzerglas eingebaut?" Als nächstes kam, "das kann so nicht halten".

Nach seiner Meinung wäre das Einsetzen einer umlaufenden Holzzarge sinnvoll, die die Lasten / Kräfte möglichst großflächig auf das Mauerwerk überträgt, und an der dann das Fester befestigt wird.
Ob dies aber im Nachhinein noch möglich ist, kann aus der Ferne nicht beurteilt werden. Hierzu wären weitere Informationen notwendig.
Falls die vorhandenen Fenster nicht kraftschlüssig montierbar sein sollten und eine Ersatzbeschaffung ansteht, wäre m. E. eine Fensterkonstruktion sinnvoll, die möglichst leicht ist. Hierzu würden sich Kastenfenster mit zumindest einer Isolierglasscheibenebene anbieten, bei der die äußeren Flügel nach außen aufschlagen sollten, um bei Winddruck besser abzudichten.

Wie ich an anderer Stelle bereits ausgeführt hatte:

---Forenreferenz-----------
"hauchdünne" Iso-Scheiben ... -
werden von der Fa. Glas Zange (http://www.glas-zange.de/index.htm) in Weiden produziert.

Nach den mir vorliegenden Informationen, werden derzeit zwei Typen angeboten:

2 Floatgläser 3 mm mit 4 mm Abstand; U-Wert 1,9, g-Wert 62 %

2 Floatgläser 3 mm mit 6 mm Abstand; U-Wert 1,5, g-Wert 63 %

Die Abstandhalter gibt es in Silber, Weiß oder Schwarz.

Bei der Bestellung müssen Einbau- / Lagehöhe unbedingt angegeben werden, da die Gasfüllung entsprechend des jeweiligen Außendruckes erfolgt.


In der in unserer direkten Nachbarschaft befindlichen Tischlerei (http://www.tischlerei-loch.de/), die inzwischen bundesweit historische Fenster aufarbeitet bzw. nach historischer Vorlage neu anfertigt und liefert, habe ich schon diverse Fenster mit den v. g. Scheiben im wahrsten Sinne bewundern können.
Bei den schwarz oder weiß gefärbten Abstandhaltern fällt es auf den ersten Blick nicht auf, dass in den Fenstern Iso-Scheiben sind. Auch lassen sich feinste Sprossen erhalten bzw. realisieren, die ansonsten nur bei Einfachgläsern verwendet werden können.
Bei Doppel- oder Kastenfenstern kann durchaus die äußere Ebene mit Einfachglas ausgerüstet werden bzw. bleiben.
Das, was wir "nebenan"" schon alles zu Gesicht bekommen haben, ist einfach eine Augenweide! mehr ...
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