Granitsteinmauer als Sichtmauerwerk zweckmäßig ?

10.12.2006



Hallo,

ich habe ein Gebäude mit dem Bj. 1820 erworben. Die Wände bestehen aus 90 bis 130 cm dicken Granitsteinmauern und die Gewölbe wurden mit Ziegeln erstellt. Nun möchte ich die Aussenmauern sowie einen Gewölberaum sanieren. Dazu beabsichtige ich, die Aussenmauern von den noch teilweise vorhandenen Putzflächen zu befreien und dies innen auch im Gewölbebereich durchzuführen. Gerne würde ich diese Flächen als Sichtmauerwerk übernehmen. Gibt es Gründe die dagegen sprechen ? Muß eine Granitmauer im Aussenbereich vollflächig mit Putz versehen werden ? Wenn ich diese Mauer- und Gewölbeflächen als Sichtflächen übernehmen kann, welche Rezeptur eignet sich am besten dazu die entstehenden Steinfugen auszufüllen.
Ich Danke im voraus für etwaige Tips und Hilfestellung.



Granitsteinmauer



Ob die Mauer steinsichtig belassen werden kann oder nicht, hängt von der Art des Mauerwerks ab. Eine mehrschalige Wand aus Bruchstein, wie die genannte Dicke vermuten lässt, sollte verputzt werden. Eine nach den Regeln der Handwerkskunst aufgeführte steinsichtige Werksteinwand kann so bleiben. In der Regel ist das Sockelmauerwerk als steinsichtiges Werksteinmauerwerk erstellt, die Wand darüber als mehrschaliges Bruchsteinmauerwerk.

Viele Grüße

Georg Böttcher



Granitsteinmauer



Hallo zurück Daniel.
Ein Sichtmauerwerk bei Granitsteinmauern sieht natürlich, wenn es richtig gemacht wird,immer gut aus.Um ein gleichmäßiges Fugenbild zu erhalten, sollte man bei der Herstellung des Mörtels sehr genau arbeiten.Um dabei keine bösen Überraschungen zu erleben,würde ich Luftkalk von Solubel empfehlen der als Fertigkalk in Säcken angeboten wird.Dieser Luftkalk wird dem Mauerwerk angepasst,entsprechend Korngröße und Zusammensetzung.Natürlich muß das Mauerwerk auch eine Verfugung optisch zulassen.



Das Mauerwerk



Hallo Daniel,

vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.
Das Aussehen eines Mauerwerks ist von den regional vorkommenden und gebräuchlichen Baumaterialien abhängig.
Die technische Ausführung ihrerseits bestimmt im hohem Masse das Aussehen der daraufliegenden Verputzoberfläche, (der Einschichtputz dominierte) sofern nicht ein mehrschichtiger Putz planierend aufgetragen wird.
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Die als mittelalterlich bezeichneten Mauer- und Putztechniken gehen auf die Handwerktradition der Antike zurück.
Bis ins 13. Jahrhundert sind die Mauern normalerweise in präzisen Lagen geschichtet, was durch eine sorgfältige Auswahl der Steingrößen erreicht wurde. Es wurde streng darauf geachtet das die Stossfugen der unteren Lageschicht durch die Steine der oberen gedeckt waren.(Bei Ziegelmauerwerk selbstverständlich, wurde aber auch bei Bruch- und Flusssteinmauerwerk praktiziert).
Mit Beginn des 13. Jahrhunderts nahm die Qualität der Mauerwerke stetig ab (zwischen starken Eckverbänden findet man oft nur mehr nachlässig gestapelte Steine.
Das 19. Jahrhundert strebt wieder vermehrt nach präzisen Mauerwerken und kopiert sämtliche überlieferten Arten, aber so übergenau, dass die Kopie im Vergleich mit dem Original schablonenhaft wirkt. Es mutet an, als hätten die Handwerker des 19. Jahrhunderts alle vorangegangenen Techniken in Griff bekommen wollen.
Es entstehen Fassaden als Sichtmauerwerk aus zugerichteten Quadern oder Ziegeln.

M.Klepac



DANKE



vielen Dank für eure Ausführungen und Hinweise.
Ich habe zur Zeit kein Foto der Wandflächen parat und möchte die Gegebenheiten daher kurz beschreiben. Die Granitsteine (quaderförmige 80 bis 100 cm lang, ca. 30 cm hoch) sind nur an den Hausecken im Versatz gearbeitet. In der Fläche sind normale Granitsteine (also keine in Form gearbeitete) so angeordnet das "normal" breite Fugen entstehen und ein harmonisches Gesamtbild besteht. Parziell wurden dazu jedoch auch kleine Granitsteine manchmal sogar nur schmale Ziegelsteine verwandt.
Sollte es sich bei der Wand um mehrschaliges Bruchsteinmauerwerk handeln, so ist ein überputzen wohl nur deshalb notwendig um zu gewährleisten, dass auch die kleinsten Fugenräume geschlossen sind ? Wenn nun die Verfugung der Wand so durchgeführt wird, dass der Fugenmörtel tatsächlich raumfüllend eingebracht wird und die Fuge sauber und glatt mit den Steinflanken abschließen, sollte dies aus handwerklicher Sicht in Ordnung sein oder besteht dann eine Gefahr für das Mauerwerk ?
Welche Materialien / Mischungsverhältnisse neben dem Luftkalk sollten noch Verwendung finden ?
Ist es sinnvoll fertige Mischungen der Fa. Solubel zu verwenden ?
Ich hoffe, dass ich niemanden mit meinem Anliegen nerve und Danke nochmal für eure Mithilfe.



Granit verfault nicht so schnell!



Hallo Daniel

Haben Sie keine Angst, wenn ein paar Wassertopfen ins Mauerwerk gelangt!
Der Luftkalkmörtel der da drinnen ist kann das sicher gut vertragen!

Sie fragen:Welche Materialien / Mischungsverhältnisse neben dem Luftkalk sollten noch Verwendung finden ?
Ist es sinnvoll fertige Mischungen der Fa. Solubel zu verwenden ?


In den unteren Bereichen (Sockel aussen) würde ich den SP 50 hernehmen für die Fugen. die Korngrösse hängt von den Fugengrössen ab - aber da dürfte ein 0-4er passen (Wenn die Fugen dünner sind evtl einen 0-2 er)

Für alle "trockneren" Bereiche langt dann der LKM (Luftkalkmörtel) von denen.

Und wenn Sie ganz sicher gehen wollen und den alten Mörtel wieder haben wollen der schon drinnen ist, dann rufen Sie bei denen an und besprechen eine Besichigung oder sie schicken ein Putzmuster hin (schlechtere Variante) und sie bekommen dann einen nachgebauten Originalmörtel. Kostet zwar etwas - aber die Qualität ist dan passend zum Gesamtmauerwerk.

In beiden Fällen sind Sie da wirklich gut beraten!

gutes Gelingen

FK