Nasser Sandsteinkeller - welche Massnahmen

04.02.2012



Hallo zusammen,

wir haben ein altes Haus BJ 1936 gekauft. Der Keller ist ein Sandsteinkeller - die Innenwände sind verputzt und gestrichen und er ist nicht feucht sondern nass! (Feuchtemessgerät reicht nicht aus). Es blühen an jeder Ecke Salze aus - auf Augenhöhe wurde anscheinend als Horizontalsperre Dachpappe eingebaut, sodass die Feuchtigkeit noch nicht in den Wohnbereich gezogen ist. WIr wissen, dass der Keller nie ein Wohnkeller wird, überlegen aber trotzdem, wie wir die Feuchtigkeit verringern können. Der Boden hat kein Fundament - einfach Backsteine auf Erde. Auch die Innenwände sind feucht. Wir haben jetzt schon angefangen, innen überall den Putz abzuschlagen, damit der Stein Luft bekommt. Nun die Frage: Aussen aufbuddeln und abdichten? Wenn ja, wie? Bitumen, nur Schotter, Drainage??? Noppenfolie mit Flies? Leider haben wir schon sehr viel unterschiedliche Meinungen gehört - unser jetziger Architekt (es kommt noch ein Anbau dran) rät zu Bitumenabdichtung. Ich persönlich sehe das "zuschmieren" eher kritisch. Hat jemand Tipps bzw. Erfahungen? Oberhalb des Sandsteinsockels soll das Haus auch Wärmegedämmt werden (Ziegelmauerwerk). Wie siehts mit Kellerdeckendämmung aus, wenn der Sockel aussen nicht gedämmt wird - Wärmebrücke?!

Danke und Gruß
Nicole





Steht denn auch Wasser im Keller?



nasser sandsteinkeller-welche massnahmen



nein-wasser steht nicht im keller-bodensteine sind feucht, aber es gibt ja auch kein fundament.



Bevor Sie jetzt



irgendwelche Massnahmen starten, sollten Sie erstmal die Usache finden. Welche Ursachen in Frage kommen kann man nur vor Ort festellen, z.B. Veränderung des Grundwasserspiegels, Belüftung des Kellers etc.
Erst wenn die Ursache klar ist, kann man eine dementsprechende Massnahme beginnen.

Grüsse



Ohne...



jetzt Ihr Problem aus der Ferne endfällig lösen zu können, hier das, was wir mit meinem Sandstein / Bruchsteinkeller gemacht haben:

Außenwand freilegen, Reinigen, Putz erneuern, Bitumenkaltkleber / Abdichtung mit angesetzten Platten Styrodur 50mm, Noppenbahn, Drainage mit Entwässerung. Innen Kalkputz neu.

Boden: Unterbeton, Bitumenkaltkleber, Styrodur 50mm, Estrich, dampfoffene Kunstharzbeschichtung

Der dämmtechnische Aufwand erklärt sich aus der Nutzung der Räume als beheizte Werkstatträume.

Eine horizontale Sperre im Bereich Kellerdecke gab es nie, im Bereich Kellerfußboden haben wir sie aus Kostengründen nicht hergestellt.

Ergebnis: Luftfeuchten dauerhaft um 50-55%, im Winter auch mal etwas weniger.

Auf die Dämmaßnahmen können Sie sicher verzichten, eine Absperrung der Außenwände und des Kellerfußbodens ist aber sinnvoll, die richtige Lüftung ergänzt die Baumaßnahmen. Haben Sie die Heizung im Keller geplant? Damit wäre ein gewisser Luftwechsel ja schon gegeben.

Mit all dem wird der Keller nicht staubtrocken, aber das war ja auch nicht Ihr Ziel. Der Feuchteeintrag über das Fundament in die Wände sollte bei hinreichender Lüftung und normalem Baugrund nicht problematisch sein.

Grüße

Thomas



Die Nässe ..



.. wird sehr wahrscheinlich von der hohen Salzkonzentration in den Sandsteinwänden herrühren. Da das Salz hygroskopisch ist, zieht es immer wieder die Luftfeuchtigkeit an. Dazu kommt die Feuchtebelastung aus der kondensierenden Bodenfeuchtigkeit und einer meistens unzureichenden Lüftung des Kellers.

Eine Durchfeuchtung auf Grund drückenden Wassers von außen ist nicht unbedingt gegeben. Sie können außen 1/2 tief an einer Stelle das Errdreich aufgraben und die Feuchtigkeitsbelastung der Wand außen messen. Ist sie geringer als die Belastung innen, ist diese Schadensursache
schon mal unwahrscheinlich.

"Aufsteigende Mauerwerksfeuchte" gibt´s bauphysikalisch nur in beschränktem Maße (kapillare Steighöhe)und keinesfalls meterhoch. Ursache sind hier feuchte- und salzhaltige Putze.

In Ihrem Falle sollte der alte Putz entfernt werden -wie schon geschehen-, die Fugen des MAuerwerks 3-5 cm tief ausgekratzt und nach längerem Abtrocknen der Wände ein Sanierputz nach WTA-Richtlinien aufgetragen werden.

Aussen- und Innenabdichtungen sind mit Vorsicht zu konzipieren. Eingesperrte Feuchtigkeit verschwindet nicht einfach, sondern kommt an der nächsten passenden Stelle wieder hervor. Dann meistens extrem höher als vorher. So werden auch höher gelegene Mauerwerksteile durchfeuchtet und einbindende Decken. Also Abdichtungen erst einmal zurückstellen.

Das Einbringen von MAuerwerkssperren unterhalb der (Beton-?)decke über dem KG ist sinnvoll, bei Sandsteinmauerwerk ohne durchgehende Fugen aber so gut wie nicht machbar. Dann kann auch gleich ein Mauerwerkstausch von 2-3 Lagen gemacht werden.

Der Sockelbereich muss überdämmt und mindestens 50cm unterhalb der einbindenden Betondecke nach unten geführt werden, sonst gibt´s eine Wärmebrücke. Ggf. muss die Kellerdeckendämmung als "Schürze" auch im gleichen Maße an den Kellerwänden nach unten geführt werden, um die Wärmebrücke in der Rauminnenkante zwischen Wand und Decke zu entschärfen. Ist aber beim nassen Sandsteinmauerwerk erst einmal zu unterlassen.

Wenn der Keller nicht über ausreichende natürliche Lüftungsmöglichkeiten zur Querlüftung verfügt, können Sie auch über eine einfach mechanische Lüftung (WC-Lüfter) nachdenken. Das regelmäßige und ausreichende Lüften (nicht im Sommer!!!) ist hier sehr wichtig.

Wenn Sie einen Architekten beauftragt haben, müsste er Ihnen diese Punkte doch ausreichend detailieren können ?



Aber:



" Also Abdichtungen erst einmal zurückstellen."

Wie soll das praktisch funktionieren? Fugen sanieren, Sanierputz und dann zurückstellen bis wann? Die Außenwand des Kellers liegt frei und wartet?

Solange die Wand nach innen abtrocknen kann, sollte einer äußeren vertikalen Abdichtung doch nichts im Wege stehen?

Grüße

Thomas



Wenn geplant ist ...



... außen aufzugraben, kann man auch eine Abdichtung mit einplanen. Keine Frage. Wenn´s nicht beabsichtigt ist, ist eine solche Maßnahme, sofern sie überhaupt an allen Seiten machbar ist, ein enormer Kostenfaktor, der wirklich gut überlegt sein will.

Wenn kein äüßerer Wasserangriff nachgewiesen werden kann und auch kein "Wohnkeller" geplant ist, sind solche massiven Eingriffe überflüssig. Dann reichen auch die beschriebenen, inneren Maßnahmen.

Sie verstehen: "Kanonen + Spatzen"



Ja und Nein



Der Keller ist ja nass, und falls er das (auch) von außen ist, reicht ja schon die Erdfeuchte aus, immer weiter Salze nach innen zu bringen, über deren Auswirkungen wir uns ja einig sind. Sind Salze in der Wand eines Kellers, werden sie wohl fast immer von außen gekommen sein, wenn Tierhaltung ausgeschlossen werden kann.

Wenn freilich erstmal nur innen richtig saniert wird und gut gelüftet wird, ist das eine sinnvolle Herangehensweis, die Maßnahmen an der Außenseite bei Erfordernis nicht ausschließt.

Grüße

Thomas



nasser sandsteinkeller-welche massnahmen



erst einmal vielen vielen dank fuer die antworten-ich hoffe dass auch meine jetzt mal zu lesen ist-irgendwie wirds nicht gespeichert.
also:an einer seite wird eh aufgegraben-daher dachten wir gleich alles zu machen.wenn auch echt kostenfaktor-keine frage :-(!
aber jetzt: gibt es bei abdichtung von sandstein dinge die schadlich sein koennen oder kann man ihn abdichten wie jeden anderen stein.
nicole



Schädlich wäre...



...in jedem fall das beidseitige dichte Einpacken, egal womit.

Ich hoffe doch, Ihr lasst diesen Part bei einem Fachbetrieb?

Grüße

Thomas



So weit so gut



hört sich alles nicht schlecht an, muss ich zu geben.
Aber H. Pickartz warum wollen Sie den Teufel mit dem Belzebub austreiben? Eigentlich sollten Sie als renomierter Architekt wissen, dass Sanierputz ein sehr teurer Opferputz ist.
Und nach 3-5 Jahren vllt. etwas länger, fällt der ganze Schmotter wieder ab, weil dat alles nit mehr hält, vor allem dann wenn Salz mit im Spiel ist.
Nach 4 Jahren nun, darf ich meinen Keller komplett neu sanieren. Auch mir wurde für meinen Sandsteinkeller eine ähnliche Vorgehensweise vorgeschlagen und nun? darf ich den Putz entfernen und wieder neu verputzen. Der einzige Vorteil an der ganzen Sache ist, dass die versalzung fast weg ist, leider der Putz auch und wenn ich dran denke, dass mich der Sack ca. 22.- Eur gekostet hat und pro m² ein Sack benötigt wurde, kommt eine nette Summe zusammen.

Ich will hier keinem zu nahe treten, aber solche Fälle wie die von nicole, können nur vor Ort geklärt werden und nicht mittels Ferndiagnose.


Grüsse vom Sanieropfer



Mauersalze



Da kann ich mich der Meinung und der Erfahrung meines Vorredners (SANIERPUTZOPFER) nur anschließen.
Welche Maßnahmen Sie auch ergreifen, ein dauerhaft Salzfreies Mauerwerk sollte die Vorraussetzung sein. Oftmals reicht das dann schon aus!
mfG A.Hoppe



Wenn das Salz...



...aber nun im Stein wäre? Wie soll ein "salzfreies" Mauerwerk hergestellt werden, außer mit einem Putz oder einer anderen Opferschicht (von den elektroosmotischen Schwindlern 'mal abgesehen)?

Ich bin zuwenig Putzfachmann und würde vermutlich zu einem reinen Kalkputz im Innenbereich greifen, der als Opferputz sicher auch mindestens genausolange hält und billiger ist - möchte aber darauf hinweisen, daß hier keiner weiß, ob überhaupt Salze im Spiel sind.

Eine guten Wochenstart ohne Schattenboxereien

Thomas



Herr Böhme hat vollkommen Recht,



keiner hier kennt die genauen Gegebenheiten, eine dementsperchende Maßnahme kann Schlussendlich nur nach Begutachtung von einer Fachfirma vor Ort entschieden werden.

Die Ansätze mit Lehmkompressen und Luftkalkmörtel als Opferputz sind auf alle Fälle gut Ansätze, was aber definitiv zum Einsatz kommt hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab.

Grüsse Thomas