Fachwerk (innen) dämmen oder nicht -> welche Heizung

26.03.2012 Lehmmatscher


Hallo zusammen,

nachdem ich mich nun ausführlich im Forum umgesehen habe bin ich durch die gelesenen Posts und Antworten nun mehr verwirrt als aufgeklärt und muss nun meine Frage doch selbst stellen.
Wir haben ein Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert geerbt und möchten dieses sehr gerne bewohnen. Eine genaue Angabe der Jahreszahlen ist nicht möglich es gibt auf den einzelnen Baumaterialien unterschiedliche Jahreszahlen, angefangen von 1708 bis hin zu 1786. Aber nun zum eigentlichen Thema.
Das EG ist aus Sandsteinen mit einer Wandstärke von 50cm. In dieser Etage wollten wir keinerlei Dämmung anbringen, einfach aus der Angst heraus, dass wir, bedingt durch die Wandstärke, Schimmelprobleme bekommen würden.
Das OG und auch das DG bereiten uns Kopfzerbrechen. Die Wand im OG ist nur so dick wie das Fachwerk. Die Balken sind ca. 120-140mm im Quadrat (alles Eiche).
Die Gefache sind mit Bruchsteinen ausgemauert. Innen und Außen ist ein Lehmputz darauf, wobei dieser auf beiden Seiten schon teilweise abgefallen ist. Bedingt durch die Wandstärke haben wir Angst vor den Heizkosten, wobei wir noch nicht wissen welche Art von Heizung wir verwenden wollen. Die Fenster im kompletten Haus wurden vor 5 Jahren gegen dünne Iso-Fenster ausgetauscht, die uns jetzt noch mehr Kopfzerbrechen bereiten, da diese, vor allem in altertümlichen Bauten, offenbar nicht zur Schimmelvermeidung beitragen.
Der Dachstuhl wurde ebenfalls im Jahr 2008 komplett erneuert, da er morsch war. In diesem Zuge wurde das komplette Dach neu eingedeckt und mit 25mm Holzfaserplatten "isoliert".
Wir leben hier in Unterfranken wo der Winter schon teilweise Temperaturen von -20 bis -25 Grad bringen kann, wenn es darauf ankommt.
Eventuell wichtig: Das Gebäude steht als Einzelobjekt unter Denkmalschutz.
Nun unsere Frage:
1. Welche Isolierung bzw. welche Maßnahmen in welchem Stockwerk?
2. Welche Heizung in welchem Stockwerk?

Zusatz: Im EG steht ein Kachelofen, der eigentlich erhalten werden soll.
Im OG wollten wir auch einen zentralen Kachelofen, eventuell wassergeführt um eine Wandheizung in den einzelnen Zimmern mit zu versorgen.
Wir haben ein eigenes Waldstück und auch die nötigen Geräte und Maschinen, so dass Holz schon seit mehreren Generationen zum bevorzugten Heizmaterial gehört.



Fachwerkdämmung



Hallo Christian,

wenn ich Dich richtig verstehe, wurden auf dem Dach lediglich sog. DWD-Platten als regensicheres Unterdach aufgebracht, also keine Isolierung.

Wird denn der Dachboden Dachboden ausgebaut oder später nur als Speicher genutzt?
Bei Nutzung als Speicher würde sich eine Dämmung der obersten Geschoßdecke anbieten, ansonsten eine Zwischensparrendämmung.

An den FW-Wänden würde ich innen mit Grünlingen vormauern und entsprechend auch mit Lehm verputzen.( s. Antworten weiter unten: forum 186766)
Da ich nur Zimmermann bin, wird es sicher noch andere Lösungsvorschläge zu diesem Thema geben.

VG Gerhard



altes Haus - neue Fragen



Hallo

als Erstes: Grünlinge gehören auf den Müll oder in den Brennofen!

Ich würde ein Gesamtkonzept und kein Bauforen-Stückwerk empfehlen.

Keine Dämmung verwenden sondern andere Massnahmen anwenden um "gut" zu bauen: Die Masse machts!

Als Heizung würde ich Ihnen eine Temperierung nach Großeschmidt empfehlen. Dazu auf meiner Seite unter I3 ein pdf.

Verwenden Sie Kalk, Lehm, Holz.

Kachelöfen sind gut - je schwerer desto besser.

Denken Sie an Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und ein schlüssiges Konzept mit einer standhaften Planung.

FK



Wo



ensteht Schimmel?

An kalten Wandflächen an denen warme Luft vorbeistreicht, abkühlt und die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit nicht mehr halten kann. So kann Schimmel enstehen.

Ich würde im Ergeschoß einen Kalkdämmputz einsetzen. Dieser hat einen sehr hohen ph Wert, gute Sorptionswerte und hebt die Oberflächentemperatur an.

Im Bereich Fachwerk haben sich leichte Innedämmungen aus Weichholzfaserplatten bewährt. In diesen Aufbau läßt sich kostengünstig eine Wandheizung integrieren.

Wenn im EG ein Dämmputz eingesetzt wird ist die Wandheizung für mich die ertse Wahl.

Grüße aus Koblenz



Lehmschalung im OG



Bei dieser Beschreibung würde sich auch eine verlorene Lehmschalung im OG anbieten.

Leichtlehm

Die genannte Gefahr von "Bauforen-Stückwerk" nicht verachten. Für das alte Haus wäre es schade, wenn Ihr Euch von einem Punkt zum anderen durchhangelt und am Schluss ein Sachzwang in den nächsten führt.

Allein schon wegen dem Denkmalschutz werdet Ihr sicherlich einen erfahrenen Berater für ein Konzept in Anspruch nehmen.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



kein "Bauforen-Stückwerk" geplant -> wie gehe ich es an



Vielen Dank schon mal für die Beträge.
Wir hatten nicht vor ein Stückwerk zu beginnen, da ich als Handwerker sehr wohl weiß, dass ein Fehler am Anfang sich durch das ganze Projekt ziehen wird und unter Umständen erst Jahre später die ganzen Auswirkungen zeigen wird.

Vielleicht habe ich meinen Post auch nicht richtig formuliert.

Also die Eckdaten des Hauses sind bekannt.
Wir möchten das Haus so herrichten, dass wir es drinnen wohlig warm haben und dabei aber nicht Unsummen an Heizkosten durch die Wand heizen. Dass ich ein altes Haus nicht auf den Stand eines Niedrigstenergiehauses bekomme ist mir auch klar. Das wollen wir gar nicht, denn ich persönlich halte gar nichts von diesem Isolierwahn.
Ich möchte halt nur vermeiden, dass meine Frau oder die Kinder später frieren, da Zugluft oder ähnliches es ungemütlich machen. Genausowenig möchte ich unnötig hohe Heizkosten haben.
Da wir bereits leidvolle Erfahrungen mit Schimmel gemacht haben ist die oberste Priorität diesen von vorne herein auszuschließen.
Für uns wäre jetzt zunächstmal die richtige Vorgehensweise interessant.
Wir hatten geplant zunächst einmal eine Bestandsanalyse zu machen. Danach müsste ein möglicher Grundriß erstellt werden, der später auch bewohnbar ist. Anschließend müsste das Konzept für die Dämmung und Heizung erstellt werden und dann das Ganze währnd der Umsetzung betreut werden, da wir alle Arbeiten selbst machen möchten.

1. Wie finde ich den passenden und vor allem guten Experten?
2. Wann und in welcher Form ist der Denkmalschutz einzubeziehen?
3. Kann mir jemand von seinen Erfahrungen mit Hanfmatten, Lehmisolierputz oder auch anderen Möglichkeiten berichten?
4. Kann mir jemand von seinen Erfahrungen mit Heizsystemen wir zum Beispiel der Temperierung nach Großeschmidt berichten?

Wenn ich Antworten auf die Fragen 1 und 2 bekomme wäre ich schon mal soweit, dass ich anfangen könnte...

Vielen Dank schon mal...

Grüße
Christian





Hallo Christian,

zu 1. Schaut hier im Forum, fragt einmal beim Denkmalamt nach Architekten, mit denen die gute Erfahrungen gemacht haben, fragt bei der IGB. Ansonsten auch gelbe Seiten und dann die Referenzobjekte auf der Homepage ansehen bzw. sich Referenzen schicken lassen. Falls ihr ein Haus kennt, das für euch gut saniert aussieht, könntet ihr auch fragen, wer das betreut hat.

zu 2. Da ihr geerbt habt und die letzte Sanierung noch nicht allzu lange her ist kennt ihr ja vermutlich den zuständigen Denkmalpfleger bzw. habt erzählt bekommen, wie die Zusammenarbeit lief. Ich würde die möglichst früh ins Boot holen. Das ist zum einen Gut für die positive Grundstimmung und ihr wisst auch frühzeitig, was für Auflagen auf euch zukommen. Allerdings solltet ihr schon zumindest grobe Vorstellungen haben, was ihr vorhabt. Ich war beispielsweise schon vor dem Kauf mit denen im Haus, weil ich abklären wollte, ob meine beabsichtigten Sanierungen und Umbauten OK sind.

Gruß,
Tina