Feuchte Außenwände

24.07.2011



Hallöchen,
ich weiß, ich bin nicht die erste die sich danach erkundigt.
Mein Kernproblem sind die vielen unterschiedlichen Meinungen die mich bald zu dem Schluss kommen lassen: nix machen und ausziehen :(

Wie wohnen in einem Altbau (hier im Forum ist es wohl eher nicht alt, BJ ca. 1960). Das Haus hat leider nicht so viel Zuwendung bekommen wie es hätte sein müssen.

Im unteren Bereicht bestehen die Außenwände aus Bruchstein, darüber sind dann Ziegel. Verputzt wurde bis auf das Bodenniveau, darunter sind die Natursteine ungeschützt.
Eine Horizontalsperre ist, falls mal eine da war, nicht mehr zu erkennen. Eine Vertikalsperre existiert nicht.
Das übliche Problem also: aufsteigende Feuchtigkeit.
Über drückendes Grundwasser können wir nicht klagen allerdings liegt immer die Erde, dank unserer Witterung zumeist feucht, am Mauerwerk an.

Unter dem Haus befindet sich ziemlich mittig ein kleiner Gewölbekeller dessen Schächte man früher allerdings verschlossen hat.
Die Außenmauern stehen ca. 60cm tief im Erdreich.

Ein Vorschlag war bisher:
1. Stückchenweise das Mauerwerk freilegen
2. losen Putz runterholen
3. Abtrocknen lassen
4. Fugen neu verputzen
5. Einschalen und mit Sanierputz ausgießen
6. Bitumenschicht auf den Sanierputz aufbringen
7. Drainagerohr in ein Kiesbett Verlegen (von dort in eine vorhandene Zisterne ableiten)
8. mit den nächsten zwei Metern anfangen ;)
9. ähnliche Prozedur nur ohne Drainage von innen beginnen.

Macht das wirklich Sinn?
Wenn wir innen und außen derart abdichten, würde dann die Feuchtigkeit noch immer von unten ins Mauerwerk gelangen. Sicher wär das weniger aber auch die muss ja irgendwo hin und steigt entsprechend nach oben oder nicht?

Anbei noch etwas Bildmaterial und gleichzeitig möchte ich mich für die millionste Variante der Frage entschuldigen :(

Liebe Grüße
Anca



feuchte Mauern



Hallo Anca, da haben Sie wieder mal die üblichen "Waffen" des Heimwerkers gegen Feuchte Mauern aufgezählt.
Aufgraben, trocknen lassen, Sanierputz, Beton, Bitumen, Dränung. Da kommt so ein wenig das beliebte Motto durch:
Nehmen wir alles was wir kennen, irgendwas wird schon helfen.
Was mich zuallererst interessiert, was im Haus ist denn nun feucht und wie sieht das aus?
Das nächste wäre die Klärung der Frage, woher diese Feuchte stammt. Nach meiner Erfahrung ist bei diesem Baualter kapillare Feuchte kein Thema, eher Spritzwasser, defekte Dachentwässerungen, Kondenswassereintrag...
Ob eine waagerechte Abdichtung vorhanden ist (davon sollten Sie ausgehen) und wie sie aussieht, wäre auf jeden Fall erst einmal zu klären.
Danach kann man darüber nachdenken a) ob und b) was man unternehmen sollte.

Viele Grüße





Um denjenigen der Ihnen diese "sanierungstips" gegeben hat sollten Sie einen ganz großenBogen machen.

Ihr Haus und Ihr Geldbeutel wird es Ihnen danken.

Grüße
Oliver Struve



ok...



Bogen machen ist notiert ;)

Zu der Feuchtigkeit im Haus:
An den "freien Wänden" sind es immer so rund 20cm am unteren Ende der Wand (gemessen zur Fußbodenhöhe), siehe Foto:





Auch da wo andere bereits vor uns versucht haben neu zu Verputzen sieht es nicht besser aus:





So sind die Wände außen verputzt:





Von innen ist diese Wand gefliest bzw. mit (mir fällt das Fachwort nicht ein :() diesen für die ehemalige DDR üblichen Platten (Kunststoff, Wasserundurchlässig) deckenhoch verkleidet





Drückendes Grundwasser schließen wir eigentlich aus. Unweit des Hauses ist diese Zisterne. Vom oberen Ende bis zur Wasseroberfläche sind es, auch nach starken Regenfällen, immer rund 4,5m.

Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass das große Problem eben die feuchte bzw. nasse Erde am blanken Mauerwerk ist.
Nach so starken Regenfällen wie in den letzten Tagen ist es erfahrungsgemäß sehr viel schlimmer als in längeren Trockenperioden, daher suchten wir immer nach etwas um die Erde vom Mauerwerk zu trennen (deswegen leuchtete die Bitumenschicht sogar mir als Frau ein)

Die Dachentwässerung... die unten ankommenden Fallrohre hören kurz vor dem Boden auf und das Wasser wird über den granitgepflasterten Hof abgeleitet, so zumindest die Theorie. In der Praxis sieht es etwas anders aus (Regenwasser sammelt sich gern in dem nicht gepflasterten Stück auf dem letzten Bild). Dass das geändert werden muss ist uns klar, die Frage ist, was können wir noch tun?





Hallo Ance,

die 60 Jahre gingen nun nicht grade als Wirtschaftswunderjahre in die Geschichte ein.
Jedenfalls nicht auf dem Bau, es ging da noch vornehmlich um Wiederaufbau, und schon überhaupt nicht im Osten.
Von daher ist bei derartigen Bauwerken nicht immer alles logisch, es wurde nicht das verbaut was man brauchte sondern das was da war.

Warum die Ihnen empfohlenen Sanierungsvorschläge aus Sanierputz, KMB und Dränage so haarsträubenden sind können Sie hier unter den jeweiligen Links nachlesen.:

http://bau-st.eu/pages/leistungen/bauwerksabdichtung.php

Wie groß ist denn der Unterschied zwischen innerem Fußboden und äußerem Gelände?

Grüße
Oliver Struve





Hallo Herr Struve,
die Tatsache "es wird verbaut was da ist" haben wir bereits mehrfach feststellen dürfen. So befanden sich zwischen den Ziegeln schon mal ein paar Schlackesteine und dergleichen.

An das ursprüngliche Haus wurde später angebaut (die "Nahtstelle" ist auf dem ersten Bild ganz gut zu sehen). Im Erdgeschoss gibt es insgesamt 8 Räume aber es gibt keine einzige Übereinstimmung in der Bodenhöhe, wir laufen also immer mehr oder weniger hohe Treppchen.

Im Wohnzimmer (das Bild mit der schimmelnden Tapete) ist der Boden am höchsten. Hier haben wir einen Holzfußboden auf den im Nachgang mal irgendwann MDF-Platten geschraubt wurden weil die Dielung nicht mehr in Ordnung war.

Der Fußboden des Esszimmers (wo schon mal neu verputzt wurde) ist ebenfalls ein Holzfußboden der allerdings mächtig federt. Ich lernte durch Gespräche mit Nachbarn etwas über den Aufbau: Balken mit Dachpappe umwickelt wurden in den Sand gelegt. Ich kannte das bis dato so nicht.

Alle anderen Böden sind gegossen (weisen aber zum Teil Risse auf).

Der Unterschied zwischen Außen- und Innenboden-Niveau ist also unterschiedlich und schwankt schätzungsweise zwischen 5 und 25 cm vielleicht.

Nochmal zum Thema Horizontalsperre:
Auf unserem Grundstück steht eine alte Garage, z. T. in Holzbauweise, eine Wand ist gemauert.
Als Sperre wurde hier schlicht eine Bahn Dachpappe auf den gemauerten Fundamentstreifen gelegt, die Holzbalken darübergelegt. Die Dachpappe hört auf wo die Wand gemauert ist.
Diese Frage geht also an Herrn Böttcher der weiter oben erwähnte ich solle davon ausgehen dass eine Horizontalsperre vorhanden ist: Was lässt Sie so sicher sein? In welcher Höhe wäre die denn Erfahrungsgemäß? Ich frage damit wir mal gezielt danach suchen können.
Vermuten würde ich sie zwischen Naturstein und Ziegel allerdings ist das ringsrum auch nicht eine Höhe :(

Hier musste eben alles immer nur funktionieren, irgendwie...

Ich lese mal durch den Link, vielen Dank dafür ;)

Liebe Grüße





Wie gesagt würde ich hier nicht von einer klassischen Bauweise ausgehen.
Normalerweise liegen Horizontalsperren im Mauerwerk entweder oberhalb des äußeren Gelände, oberhalb des Sockel oder unterhalb der EG Geschossdecke.
Normalerweise sind diese Sperren auch nicht zu übersehen.

So wie es bei Ihnen aussieht dürften Sie um den Einbau einer Horizontalsperre nicht umhin kommen.
Über die äußere Vertikalabdichtung im erdberührten Bereich erreichen Sie zwar dass das Wasser von dort nicht mehr in die Wand gelangt, was ist aber mit der Innen- und Unterseite der Wand, hier wird Wasser weiter kapillar in die Wand transportiert.

Was bei Ihnen genau gemacht werden sollte oder müsste kann man natürlich nur vor Ort klären, ich denke Sie sind gut beraten gleich einen neuen Fußbodenaufbau nebst Abdichtung mit einzuplanen.

Grüße
Oliver Struve





Hallo Herr Struve,
der bereits am Anfang erwähnte Tippgeber riet zur gleichen Maßnahme im Innenbereich (Ausschachten, Verschalen, Ausgießen, Bitumenschicht).
Die Holzfußböden müssen eh erneuert werden, zum Teil federn sie wie ein Trampolin, im Wohnzimmer wirkt ein Kachelofen ein wenig als würde er kippen?!
Die gegossenen Fußböden weisen zum Teil Risse auf und könnten auch nicht unbeachtet bleiben.

Horizontalsperre einbringen... hm... Ein Energieberater erklärte uns mal:
Injektionsverfahren: Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen...
Aufschneiden, Bleche einsetzen: geht nicht da keine durchgehene bzw. gleichmäßig hohe Fuge vorhanden ist (mal hören die Natursteine höher und mal tiefer auf)
Bleche einschlagen: würde den Wänden wegen der Erschütterung nicht guttun...

Wie bekommen wir denn da was zwischen?





Nun, wenn Sie das Mauerwerk auch vertikal von innen abdichten bleibt eben immer noch die offene Horizontale Fläche unter der Wand.
Da würde ich mal meinen, das wenn Sie die unsinnige Vertikalabdichtung der Fundamente (mehr iss es ja nicht) weglassen, und anstelle dessen eine ordentliche Horizontalsperre in etwa äußerer Geländehöhe einbringen lassen, dürften Sie dafür nicht zwangsläufig mehr Geld ausgeben müssen.

Ob Kosten im Verhältnis zum Nutzen stehen sollten Sie sich nicht von einem (Energie)Berater sagen lassen, Sie tragen die Kosten und nur Sie nutzen doch das Objekt.

Keine Ahnung was der Berater für kostengünstige Alternativen hat, kann ja eigentlich nur ein Leben in einer Feuchten Bude oder deren Abriss sein,

Grüße
Oliver Struve

P.S. Auf meiner WEB- Seite finden Sie auch was über Injektionsverfahren.



Hilfreiche Beratung...



... sieht anders aus. Ich wüsste nach diesen Beiträgen nicht, wie ich mit Ihrem Problem verfahren sollte.
Grundsätzlich haben Sie zwei Möglichkeiten; offenes oder geschlossenes System. Offen sind alle Maßnahmen, um das Wasser abzuführen, bevor es an Ihr Haus kommt und um Feuchtigkeit in den Mauern und Fussböden zu verringern.
Geschlossen wären Abdichtungen, Absperrungen und Sanierputze, die Feuchtigkeit abhalten bzw. aufhalten.
Sich aufhebende oder unwirksame Massnahmen sollten Sie also von vornherein ausschliessen.
Das war jetzt keine Definition sondern lediglich eine Beschreibung für Laien.
Herr Böttcher wäre schon der richtige Spezialist für dieses Problem, allerdings müssen Sie ihm die richtige Fragen stellen. Die grundsätzliche Entscheidung treffen Sie vorher.
Es ist wirklich wichtig, dass Sie sich im klaren sind, wie das Umgebungsniveau um Ihr Haus aussieht und welcher Grad von Bodenversiegelung vorliegt. Von versiegelten Flächen läuft das Wasser schnell ab und wird von unversiegelten Flächen aufgenommen, z.B. Erde bis ans Fundament ist sicherlich ein Wassereintrag. Vesiegelte Flächen decken aber den Untergrund ab und trocknen kaum aus, so dass die Bodenfeuchtigkeit ebenfalls hoch ist.
Bei geringem Dachüberstand haben Sie so regelmässig eine Durchfeuchtung des Sockelbereiches. Stellen Sie also fest, wie der Regenwasserverlauf um Ihr Haus ist.
Vermeiden Sie das Heranführen feuchten Untergrunds bis an das Fundament. Führen Sie Regenwasser restlos ab. Verputzen Sie Ziegelmauerwerk nicht mit abdichtenden Putzen (sondern mit Kalkputz und Kalkanstrich), dagegen können Sie Natursteinfundamente durchaus mit Zementmörtel verfugen.
Entfernen Sie alte Betonplatten im Haus und besichtigen Sie alle Fussbodenbalken, besonders unter Abdeckschichten. Schotter-, Schaumglas- und Keramikschüttungen sind brauchbare, isolierende Unterschichten für Trockenestrich und ähnliche Aufbauten. Dazu ist im Forum eine Menge vorhanden. Weitere Feinheiten können Sie später ausführen.
Denn eines benötigen Sie in jedem Fall: Zeit. Die Wände müssen erst austrocknen, Hast ist hier nicht angebracht. Noch ein Tip: Tapeten an Aussenwänden sind nicht empfehlenswert, da sie die Atmung behindern, Anbauwände und Riesenschränke ebenso. Laminat und Plastikfussbodenleisten, PVC-Beläge und Plastikfolien sollten von vornherein entfernt werden. Film und Buch dazu: "Plastic Planet". Viel Erfolg!
Alles Gute





Und was war hier jetzt hilfreich beratend?





Hallöchen,
nochmal lieben Dank für die Antworten und die Geduld. Ich sehe schon, einfach mal "verpacken" geht eben doch nicht.

Kann mir jemand einen Fachmann aus der Gegend um Bautzen/Sachsen empfehlen?

Liebe Grüße



Fachmann



Lehmbau,Naturbau & Naturbaustoffehandel Selle
Maurermeister T. Selle Sachsen
Am Wasserturm 1A
01616 Strehla
Tel.: 03526491717 o. mobil 01772345029 / 01772345028
Fax : 03526498771 oder über Skype naturbaustoff
eMail: naturbau-selle@freenet.de



Auf die Gefahr hin,



das jetzt gleich alle auf mich einkloppen.
Nach meinem Dafürhalten, sagen die eingesetzten Bilder, das es keine bzw. keine noch funktionierende Horizontalsperre gibt.
(Nicht unüblich bei der Ortslage und dem Baujahr, war halt nix passendes zu Hand)
Ich habe in bislng 3 ähnlich gelagerten Fällen beste Erfahrungen mit dem Drymat-System gemacht.
Im Vergleich zu mechanischen Lösungen preiswerter und einfacher, man muss sich aber klar sein, das das Problem nicht in einem halben Jahr gelöst ist.
Einfach mal googeln nach Drymat.
Achja, und ich bin kein Verteter o. ä.

Gruß Dirk



Wieder mal



:-)