Sichtfachwerk mit Hinterlüftung stark dämmen

08.01.2011


Guten Abend ich möchte mein Fachwerkhaus 130 Jahre alt von innen dämmen um sein Erscheinungsbild nicht zu zerstören.
Nachdem ich mitlerweile gemerkt habe, dass dieses Vorhaben sehr komplex ist und eine gute Dämmung ohne Bauschäden scheinbar unmöglich hoffe ich nun auf konstruktive unterstützung. Vielen dank

Ausgangssituation:
Eichfacherk ausgemauert mit alten Steinen 1800kg/m^3
von innen Kalkzementputz auf den Gefachen und Lehmputz
auf den Balken und eine weitere Schicht Lehm.
Unterbetong im gesamten Haus mit Fundament entlang der Innenseite der Aussenwände.

Mein Plan ist es eine Hinterlüftete Fassade zu erstellen um Tauwasserprobleme zu Vermeiden.
Von Aussen nach innen:

Fachwerk 13cm
Kalkzementputz 2cm
Lehmputz 2cm
Starkbelüftete Luftschicht 5-10cm Zuluft unter der Schwelle
Abluft oberhalb des Deckendurchbruchs

Stahlbetongmatte senkrecht mit Nägeln an den Balken befestigt als Grundlage für die Dämmung

Fassadendämmplatte aus Steinwolle 16cm
Porotonwand 11cm
Lehmputz mit Wandheizung 4cm
U Wert 0,182

Hat jemand solch eine Konstruktion schon mal Verwendet
und Erfahrungen gesammelt? Was sollte ich noch beachten?
Ist ein Kondensatablauf in der Luftschicht nötig?
Was haltet ihr von meiner Idee?

Würde mich auf Anregungen freuen.



Wenn's was bringen soll



… lassen Sies wie's ist.
Machen Sie Ihre Heizung effizienter (Strahlung- anstatt Konvektion)

Ihr angedachter Aufbau kostet Ihnen sehr viel und ist hoch riskant auf die Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.

Den Kalkzementputz auf der Innenseite würde ich auch verzichten und lieber die Innenseiten der Aussenwände mit Kalkputz (www.solubel.de) behandeln.

Heizung würde ich mal bei sancal.de reinschauen.

… ihr Haus sollte doch bitte weitere 130 Jahre leben dürfen … ?

FK



Innendämmung Fachwerk



Meine Vermutung:
Natürlich hat so etwas halten zu Gnaden Dämliches noch nie jemand gemacht.
Ich will Sie damit nicht persönlich beleidigen, aber es ist nun mal so.
Immerhin machen Sie sich Gedanken über das Wie und fragen vorher, bevor Sie Ihre Ideen umsetzen.

Was ist daran falsch:
1. Die "Belüftung".
Sie stellt in dieser Form eine recht leistungsfähige Wandbefeuchtungsanlage dar, die überschüssiges Kondenswasser aus dem Innenbereich in Fachwerk und Dämmung pumpt.
Falls Sie diese Feuchteakkumulation vermeiden wollen, geht das nur mit gewaltigen Wärmemengen, um das Wasser im Innenraum zu belassen, also einer Art Hypokaust- Wandheizung. Damit wird Ihre Dämmung unsinnig.
Bei Innendämmungen gibt es zwei Prinzipien:
Entweder eine luftgefüllte Dämmlage (z.B. Mineralwolle) als Innendämmung, die aber mittels einer Dampfsperre vollkommen luftdicht zum Innenraum ausgeführt wird
oder eine hohlraumfreie Innendämmung aus einem gut dämmenden Vorsatzmaterial wie Mineralschaum, Kunststoffschaum, Weichholzfaser, Schilf, Dämmputz mit einem Putz als Luft- und Winddichtung.
Bei beiden Varianten gibt es in der Ausführung eine Menge was man falsch machen kann, selbst als Handwerker.

Ihre Variante hat die schlechten Eigenschaften beider Systeme.
Dann ist Innendämmung bei Sichtfachwerk grundsätzlich immer eine heikle Sache, da die Rücktrocknungseigenschaften der Fachwerkwand verschlechtert werden.

Grundsätzlich zur Innendämmung sei noch zu bemerken, das die Entscheidungsvorbereitung darüber einem Fachmann im Rahmen einer Sanierungskonzeption, also einer ganzheitlichen Betrachtung aller Aspekte Ihres Gebäudes überlassen werden sollte.
Dann wird sich zeigen, ob eine Innendämmung überhaupt erforderlich bzw. lohnend ist und wie sie dann ausgeführt wird.

2. Die Bauteildicke
Haben Sie einmal nachgerechnet wie dick Ihre vorgesetzten Schichten wären?
Ich habs: mindestens 38 cm!
Wie dann Ihre Fensterlaibungen aussehen und die Zimmergrößen können Sie sich selber ausmalen.

3. Die Gründung
Wollen Sie Ihre Porotonwand auf die Dielung mauern?
Ein Fundament sollten Sie dafür auch noch einplanen.

Viele Grüße



Warum einen solchen Aufwand betreiben?



Als erstes sollten sie sich gedanken über eine effiziente Heizungsanlage machen und den Wandaufbau so lassen wie er ist

Und wenn sie eine Wandheizung in Lehmputz in Erwägung ziehen, dann verwenden Sie als Putzträger Schilfrohrmatten und betten die Wandheizung darin ein.


Grüsse Thomas



Nachtrag



Vielen Dank für das starke Interesse.
Mein Plan war es nicht die Wand von innen zu belüften.
Die Wand wollte ich auf ein Fundament stellen wie am Anfang erwähnt 40*60 Maße nicht sollte doch für eine Wand mit 600 kg/m^3 ausreichen.
Ich befürchte das mir auch kein Fachmann empfehlen wird auf eine Wärmedämmung zu verzichten.
Denn soviel Holz zu hacken schaff ich zeitlich im Jahr wohl nicht 100m^2 Wohnfleche.
Als Heizung dachte ich an eine Solar unterstützte Holzvergaserheizung, Wandheizng ,Fußbodenheizung.
Damit braucht meine Heizanlage nur eine geringe Vorlauf Temperatur die mit der Solaranlage sehr gut harmoniert.
Ich hoffe in der Übergangszeit komplett mit der Sonne zu
heizen deshalb muss ich hald dämmen.
bedanke mich soweit Sven-Antonius



Innendämmung Fachwerk



Noch ein kleiner Hinweis, um Sie endlich dazu zu bringen, ganzheitlich zu denken:
Die Wärmeverluste infolge der Außenwände betragen ca. 25% der Gesamtwärmeverluste.
Wenn Sie den Wärmedurchgang auf die Hälfte durch Dämmung begrenzen (dafür muß man konstruktiv schon Einiges tun) sparen Sie etwa 12% Heizenergie.

Viele Grüße



Wichtiges zuerst



Hallo,

Eines muss Ihnen klar sein, diese von Ihnen angedachte Maßnahme ist ein gravierender Eingriff in die Bauphysik Ihres Hauses.
Sie haben einen guten bestehenden Wandaufbau, warum wollen Sie diesen ändern, zumal eine solche Konstruktion nur Schwierigkeiten mit sich bringt.
In Ihrem Fall liegen die Schwerpunkte nicht an der Wand sondern viel wichtiger noch im Bereich oberster Geschossdecke, Dach und Fenster. Genauso gilt es bestehende Wärmebrücken gezielt auszuschalten.
Investieren Sie in Ihre Anlagentechnik, sprich Heizung, das ist wesentlich effektiver als Geld in eine Maßnahme zu stecken, bei der nicht nur der Bauschaden Vorprogrammiert ist, sondern sich auch in keinster Weise rechnet.

Machen Sie zuerst das was wirklich etwas bringt und vor allem auch viel wichtiger ist.

Grüsse Thomas



Mein Tipp:



Reisst ab, baut ein Passivhaus und steckt das Fachwerk in den Holzvergaser. Das wird wahrscheinlich billiger und hier habt dann was bewohnbares ;-)).
MfG
dasMaurer





Ts, ts,

hier geht es ja wohl um ein Kulturdenkmal. Also nix mit reinstecken in Holzvergaser. Holzklasse IV dürfen Sie schon aus Umweltschutzgründen nicht privat verfeuern.
Ich schlage eine moderate Innendämmung + Wandheizung vor.
Das reicht zum Bewohnen. Holzvergaserheizung, solarunterstützt ist in Ordnung, auch wenn die Solarunterstützung nur in den Übergangsjahreszeiten funktioniert.
Innendämmung : Weichfaserplatten, z.B. Gutex Thermoroom.

Viel Erfolg



Es beginnt sich zu entwickeln



Danke für die Anregungen, dass die Geschossdecke was den Wärmeverlust angeht nicht zu vernachlässigen ist.
Ich wollte sie ja auch dämmen.
Das Haus ist im moment nicht bewohnt also nur Baustelle.
Ich habe mich was die Frage angeht nur auf die Aussenwand beschränkt damit die Diskusion nicht in zu viele Richtungen
geht. Es muss natürlich das ganze Haus gedämmt werden, nur ist die Aussenwand der Teil der mir die meisten Sorgen bereitet. (kann sich ja noch ändern)

Wenn ich mit Holzwollplatten dämme hohlraumlos mit Lehm
verklebt und überputzt wie stark darf die Platte dann sein?
Der Preis ist ja leider auch nicht zu unterschätzen.
Gibt es denn keine anderen Möglichkeiten?
Wie kann es dann sein, dass Heute noch Fachwerkhäuser gebaut werden dürfen? Die können doch auch nicht nur 20 Jahre halten sollen.
Mit freundlichem Gruß
Sven



Gesamtkonzept



Da der Gesamtwärmeverlust an der Außenwand ca. 25% beträgt ist die Außenwand nicht an erster Stelle.

In ihrem Fall wäre ein Gesamtkonzept sinnvoll. Eine Bestandsaufnahme des gesamten Bauwerks.
Anhand dieser Bestandsaufnahme kann ein vernünftiges gesamt Konzept erarbeitet werden, das ihnen aufzeigt, welche Schritte und Maßnahmen am wichtigsten sind.
Gut ist ein solches Konzept für eine Kostenkontrolle.

Altbau und Neubau kann man nicht 1:1 vergleichen, im Altbau haben wir vorgegebene bauliche Gegebenheiten, die im Neubau nicht vorhanden sind. Ein Neubau kann dementsprechend richtig geplant werden, was im Altbau nicht möglich ist.


Grüsse Thomas



Die



angedachten Massnahmen sind einfach als Overkill anzusehen, sowohl, was die Kosten, den Arbeitsaufwand und enorme Risiken für Schäden am Bauwerk darstellt. Wärmedämmung stellt einen gravierenden Eingriff in die Bauphysik des Gebäudes dar. Hier ist als erstes ein Gesamtkonzept nötig, um ein insgesamt funktionierendes System zu schaffen. Und man sollte sich schleunigst von dem grassierenden "Dämmwahn" verabschieden und sich auf physikalische Realität besinnen. Und Energieeinsparung lässt sich nicht nur durch den Einsatz von Dämmstoff erreichen, da spielt zum Beispiel auch die Wärmespeicherfähigkeit schwerer Bauteile eine Rolle.
Und bei Dämmstoff sind die ersten cm die wirkungsvollsten, mit zunehmender Stärke nimmt die Wirkung rapide ab und kostet mehr Geld, als in vernünftiger Zeit eingespart werden kann. Mit 6cm Holzweichfaser und Wandheizung in Lehmputz ist schon mal was gescheites erreicht.
Holt euch einen Fachplaner und erstellt ein vernünftiges Gesamtkonzept, es gibt ausser der Dämmung noch andere Aspekte im Fachwerkhaus.
MfG
dasMaurer



Hilfe



Dann muss ich wohl noch etwas weiter aushohlen.
Das Haus kam seltsamer weise zu mir habs mir nicht ausgesucht.
Das Haus war bewohnt und es schien mit wenig Aufwand fertig gestellt werden zu können. ha ha wusste es nicht besser, leider sonst hätte ich garnicht angefangen.

Anfangssituation:

Wohnzimmer: vorgemauerte Gasbetongwand, Gipsputz, Laminat Estrich 4-15cm dick, Styropor 4cm Unterbetong 10-20 cm direkt auf Sand

Flur: Estrich 5cm Styropor 2cm

Küche:Gipsplatten Glaswolle keine Dampfbremse Zementfliesen blau weiß direkt auf Sand gemauert ca 3cm Mörtel Boden war sehr dynamisch ca 5cm Höhenunterschied

Schlafzimmer unterkellert:Gipsplatten Glaswolle keine Dampfbremse Dielenfußboden Lehmdecke vollig vererdet durch nassen Keller roch nicht besonders lecker

Bad: 5cm Estrich 4cm styropor

Keller: Boden ausgelegt mit alten Mauersteinen
Heizung: Nachtspeicheröfen
Das alles wurde mitlerweile entfernt!

Das gesamte Haus wurde aus gegraben um Platz für die Bodendämmung zu schaffen min 10cm jacodur wegen Fußbodenheizung. Keller habe ich ausgegraben so dass man gerade stehen kann An den Aussenwänden entlang einen Fundamentsockel 40*60 gegossen und den Gesamten Unterbetong
erstellt. Der Rohbau sollte also geschafft sein.
Es wird also kaum einen Unterschid machen wo ich anfange.
Ich dachte von unten nach oben von vorn nach hinten.
Boden und Decke scheinen mir im Vergleich zur Aussenwand unproblematisch da ja Aussendämmung, unterm Estrich bzw. über der Decke.
Deshalb jetzt erstmal die Wände dann Estrich dann Decke.
Fenster sind ca6 Jahre alt.
Es ist halt noch etwas zu tun.
Und eigendlich wollte ich möglichst gut dämmen und das bei allen Bauteilen. Deshalb wäre ich für Konstruktive Unterstützung sehr dankbar. Ein gewisses Gesamtkonzept steht also, so gut dämmen wie möglich, Niedertemperaturheizung, 90% Eigenleistung, und das Haus solls auch noch Überleben, ich hoffe ich auch.

einen schönen Tag noch
Sven





Hallo,

ich schlage vor, dass einfach mal ein paar Bilder ins profil einstellen, dass man die situation mal sieht.

hier müssen wir erstmal Ordnung schaffen, ansonsten droht Chaos.


Grüsse Thomas



Innendämmung Fachwerk



Hallo Sven,
ich will Sie ja nicht schockieren, aber das klingt alles sehr konfus und planlos, spätestens wenn ich von "Haus ausgraben" und "Fundamentsockel gießen" lese.
Sie sollten sich unbedingt Rat bei einem erfahrenen Bauingenieur oder Planer in Ihrer Gegend holen.
Das ist genau das Problem, ein fehlendes Konzept.
Vorher sollten Sie nicht weiterwursteln (entschuldigen Sie den Ausdruck, aber ich glaube er trifft das Problem).

Viele Grüße



Auaweia,



da droht kein Chaos, das ist schon in vollem Gange ;-)).
MfG
dasMaurer



lieber sven-antonius,



bitte verzeihen sie, wenn auch ich das planlose Chaos bemäkele, ich schreibe jedoch besonders wegen ihrer Bemerkung "Keller ausgraben"...ich hoffe sehr für sie, dass sie da nicht schon an die Fundamentenden gekommen sind! Keller ausgraben ist lebensgefährlich, auch wenn sie quasi sofort wieder etwas einfüllen. Wenn das ein Architekt oder gar ein Statiker zu Gesicht bekommt, dann ist schluß mit Lustig!! Da können sie ihre Dämmprobleme ganz weit nach hinten schieben... Bitte holen sie sich umgehend fachmännischen Rat für die Kelleraktion und ich drück ihnen die Daumen, dass das gut geht!
Beste Grüße
laiendruide





Ich werde nicht müde an dieser Stelle immer wieder anzumerken dass wir mit Innenwanddämmung aus Zellulose beste Erfahrung gemacht haben. Wenn dann Wandheizung mit Lehmputz aufgebracht wird hat man eine Putzstärke in der sich so einiges befestigen läßt.



Plan Veränderung



Es scheint also ein schlechter Gedanke gewesen zu sein.
Da durch die Aussenwand wohl 25% der Wärme abgegebenwerden,
sollte ich also versuchen das Fachwerk nicht kaputt zu dämmen.
Ein U Wert von 0.5 difusionsoffen und kapilar aktiv ist also mein Ziel. Kann ich eine Innenschahle aus Poroton setze und den Zwischenraum mit Leichtlehm verfüllen?
Vielen Dank für die anregenden und niederschmetternden Einwände der letzten Frage. War wohl nicht der Weg.
mfg Sven