Terracotta verlegen

10.08.2009



Guten Abend,
lese nun schon seit geraumer Zeit hier im Forum mit und jetzt hab ich doch mal zwei Fragen auf die ich nicht die richtige Antwort gefunden habe.

Ich habe einige m2 Terracotta geschenkt bekommen die ich mir gerne in den Flur legen würde den ich neu mache. Der von dem ich die Platten habe meinte ich soll normalen Flex-Mittelbettkleber und Flexfuge breit nehmen. Hab jetzt schon eine ganze weile gegoogelt und hab da nichts wirklich eindeutiges gefunden. Die einen sagen Natursteinkleber, die anderen Flexkleber. Ich hab mal zwei Verkäufer für Cotto angefragt, die nehmen auch Flexkleber.

Ich frag deshalb weil, ich leider ziemlich aufs Geld achten muss. Und Flexkleber hätte ich noch in ausreichender Menge, ebenson Flex-Fugenbreit.

Der Untergrund ist neuer aber 12 Wochen getrockneter und ebener Estrich.

Und dann wäre da noch die Frage mit dem verfugen.
Gleiches Problem. Die einen sagen unbedingt mit einer Fughilfe behandeln, die andern sagen auf gar keinen Fall, weil das Zeug kriegt man nicht mehr weg. ich möchte den Boden später Ölen oder wachsen.

Ihr seit meine letzte Hoffnung. Wär toll, wenn ich auch als begabte Hobbyhandwerkerin den ein oder andern Tip bekommen könnte.

Besten Dank an alle
Sabine



ein kurzer überblick



über die möglichkeiten:
www.terracottahandel.de/verlegung.htm -
aufbauhöhe der verschiedenen möglichkeiten beachten (wegen türanschlag usw.)!
bei mir wurde cotto auf bodenheizung in Mörtelbett verlegt, also traditionell. der cotto wurde nicht behandelt vor der verfugung; wenn man sauber arbeitet, ist das auch nicht nötig. fugen können auch ausgegossen werden. rechtzeitig nachwischen, später evtl. absäuern. ich habe Hartwachsöl zum einlassen verwendet, kein fleckschutz. der boden wird im lauf der jahre immer schöner, auch -oder gerade- wegen der gebrauchsspuren.
die üblichen Hersteller von naturfarben bieten alles für die Oberflächenbehandlung an: auro, livos, biofa etc.etc.
viel freude mit diesem wunderbaren material!
gruß, carmen
p.s. wie dick sind denn die platten?





Wir haben auch Terracoota-Platten verlegt (20 x 20 cm); insgesamt etwa 40 m2.
Beim Verlegen Ware zuerst auslegen und mit Richtschnur arbeiten, weil die Platten nie ganz genau masshaltig sind.
Auf bestossene Kanten achten und solche Platten für Zuschnitte verwenden; dieser Schaden fällt nach dem Verfugen erst richtig auf.
Beim Verfugen sauber arbeiten und immer gleich die Platten säubern, da man Fugmörtelflecken auf den Platten kaum mehr entfernen kann. Da die Platten unglasiert sind, dürfte das bei allen Mörteln ein Problem sein.
Ein Profi wird mich hier jetzt wohl auslachen, aber am Schluss habe ich mir eine Blechhilfe aus ein paar Kupferblechabfällen zusammengelötet, um den Mörtel gut in die Fuge zu bekommen.
Ach ja, benutze Knieschoner, es lohnt sich.



wow



so schnelle antworten nach so kurzer Zeit. Hätte ich gar nicht gedacht. Danke schon mal.

Also ich fasse mal zusammen was ich rausgelesen habe.
Fughilfe etc. brauchts nicht wenn man sauber arbeitet.

Man braucht auch kein spezielles Terracotta-Öl, sondern kann ein Hartöl von den bekannten Naturfarbenherstellern verwenden.

Verlegung im Mörtelbett kommt aufgrund der max. Aufbauhöhe nicht in Frage. Ich habe insg. 3cm Platz. 2cm haben die Platten. Ich dachte jetzt an eine 12er Zahnkelle und wollte im Buttering-Floating-Verfahren arbeiten. Also erst mit der Kelle ca. 10mm glatt aufziehen, dann durchkämmen, auf der Rückseite ebenfalls aufkämmen, knirsch ansetzen, reinlegen und an die endgültige Position schieben. So zumindest hab ich mir das ausgedacht. Fliesen hab ich schön öfters selber verlegt.

Die Fragen die noch offen sind. Hat schon jemand Erfahrung mit handelsüblichem Flex-Mittelbettkleber und Flex-Fugenbreit gemacht?

Ich hab gelesen, dass die Italiener den Cotto bis zwei cm nicht mit Flex oder Nasschneider schneiden, sondern ganz normal mit Fliesenschneider und brechen. Zumindest am Rand, wo dann über der Bruchstelle die Sockelleisten sitzen sollen müsste das doch OK sein, oder.

A pro Pos Hartöl. Macht man das hier auch, dass man erst mal eine Schicht Halböl (50%Hartöl/50%Terpentin o. Orangenöl) aufbringt, einziehen/trocknen lässt und dann noch einen Auftrag unverdünnt?

Und macht man das vor oder nach dem Verfugen?

Besten Dank schon mal wieder
Sabine



hallo sabine,



10 mm für den Kleber sind schon ein bißchen knapp, die platten sind nicht immer ganz genau gleich stark; vorher mal sortieren, auch wegen den oft unterschiedlichen größen. bei der plattenstärke von 2 cm ist es sicherer, mit dem naßschneider oder der flex zu schneiden.
ein gummihammer ist hilfreich beim ausrichten.
es gibt spezielle cotto-kleber, und man bekommt bei herstellern von ölen/wachsen auch immer für cottoböden geeignete produkte zum einlassen (auch für die spätere pflege).
eine "imprägnierung" vor dem verfugen ist nicht nötig, sofern man sorgfältig arbeitet. platten immer sofort abwischen.
@ jens paulsen: da gibt es nix zu lachen, auch nicht für die "profis". ich habe in italien mehrfach beobachtet, wie die wirklich routinierten experten dort cotto mit dem zurechtgeschnittenen ausgießer einer plastikgießkanne sauber+schnell verfugt haben....
gruß, carmen
den tip mit den knieschonern ernst nehmen, leider gibt´s noch keine rückenschoner...!
p.s. die Behandlung mit halböl und weiteren aufträgen bis zum standöl bezieht sich in der regel auf holz. cotto-oberflächen können verschieden behandelt werden: öl, öl/wachs, wachs, Seife für die pflege.



Hallo carmen,



danke für den Tipp, dann muss ich mir die platten mal angucken wie maßhaltig die sind. Alles was über Gesamtaufbau von insg. 3cm geht wird problematisch wgegen der vorgegebenen Anschlüsse.

Speziellen Cottokleber gibts bestimmt ganz toll. Allerdings kann ich mir das leider nicht leisten und würd deshalb auf den noch vorhandenen Flexkleber zurückgreifen der von der Plattenverlegung im Garten noch über ist.

Aber mal dumm frag. Ist das dann spezielles fugenmaterial? Mein Flexfugenbreit hat so die Konsistenz von majo. Ich überleg grad ob sich das "giesen" lässt. das vielleicht schon, aber von selbst verläuft das doch nicht in die Waagrechte. Also müsste ich doch die Fugenoberfläche irgendwie nivellieren / grade kriegen und dabei verschmierts doch wieder was auf die Oberfläche. Oder stell ich mir das grad falsch vor?

Stellt Auro, Livos denn spezielle Pflegeöle für Steinböden her? Ich kenn dir nur als Hartöl für meine Holzböden.

Liebe Grüße
Sabine



keine angst



beim verfugen, hier ein paar bilder als beispiel:
www.lugato.de/katalog/dbdl/FB.pdf -
die masse sollte schon relativ dünnflüssig sein, keine allzu feste mayo-konsistenz! sie muß in die fugen laufen, nicht hineingepreßt werden. die fugen sollten sauber sein (keine kleberreste).
unbedingt (mehrmals) nachwischen, sobald die Fugenmasse ein bißchen anzieht.
hinterher kann man notfalls absäuern, wie gesagt.
falls das zu riskant erscheint, eine möglichkeit wird beschrieben in (eingeben bei google):
Imprägnierung. www.fachwerk.de/wissen/fliesen-cotto-87210.html -
wie soll der boden behandelt werden? öl oder öl/wachs, oder nur wachs? danach richten sich auch die einzelnen arbeitsschritte (evtl. Grundierung usw.). produkte gibt es genug, auf Zusammensetzung achten (seriöse Anbieter veröffentlichen eine volldeklaration der inhaltsstoffe!).
auf die chemische keule im hinblick auf flecken kann man verzichten, cotto ist charakterstark und verkraftet das!
gruß, carmen
auro bietet ein "klinker-öl" an, livos ein öl mit wachsanteil, "keraCott", leinos ein hartöl usw.; es gibt aber noch viele andere hersteller.



Als erstes



den Verband festlegen, dann eine gerade Linie in den Raum legen und davon regelmässig rechtwinklige Linien ziehen. Masse kann man aus einer trocken ausgelegten Fläche nehmen. Die Fugen nicht zu schmal wählen. Aufgrund der Ungenauigkeit der Platten kann nur nach "Auge" verlegt werden, damit der Belag insgesamt gerade verläuft, sind die Hilfslinien erforderlich. Flexkleber ist bei Fussbodenheizung erforderlich und geeignet. Kleber mit Zahnkelle aufziehen und dann buttern, das heisst, die Platte ebenfalls mit Kleber bestreichen, ebenfalls mit Zahnkelle. Dann beim verlegen der Platte mit "den Fingern gucken" und die Dickenunterschiede mit Druck ausgleichen. Beim Ausfugen funktioniert nur die traditionelle Methode: Fugenmörtel mit Gummispachtel einarbeiten und ganzflächig abwaschen. Sonst gibts keine geschlossene Fläche und ein reinigen wird zur Qual. (Wenn die Hausfrau beim wischen jedesmal 3 Feudel in Fussel verwandelt, wird sie den Boden bald verfluchen). Auf Fleckschutz kann man verzichten, wenn man leichte Verfärbungen akzeptiert. Man kann dafür auch Schmierseife verwenden, einen Tag vor dem Fugen aufpinseln. Wird beim abwaschen der Platten mit entfernt. Eventuell noch mit einem Zementschleierentferner reinigen und nach kompletter Austrocknung mit Öl oder Wachs behandeln.
MfG
dasMaurer



super....



die vielen tips hier. Ich denke jetzt hab ich die Infos die ich brauche. Nur was ich nicht verstehe. Wenn es guter Flexkleber auch tut, warum gibts einige die unbedingt Natursteinkleber empfehlen.

Da ich nur einen Versuch habe halte ich nochmals fest.

Ich leg erst mal trocken aus um zu sehen wie groß die Schwankungen in Format und höhe sind um dann die Fugenbreite zu bestimmen. Ich gehe derzeit von einer Fugenbreite von ca 1cm aus.

Dann suche ich mir die Gerade Wand im Raum. Im besten Falle wohl eine auf die man guckt wenn man den Raum betritt. Da lege ich halbe Fliesen (sozusagen als Bordüre entlang. Die Bordüre soll an allen Wänden entlang gehen. Allerdings ist die Frage was ich mache wenn die Räume nicht rechtwinkelig sind. lase ich die Bordüre trotzdem an der Wand entlang laufen, dann wäre der innere Teil auch schief. Geht nicht. Also wird man die Platten an der ungraden Wand dann von der Größe her etwas einpassen müssen, damit das verbleibende Viereck rechtwinkelig wird. Dann soll ein 5cm-Breiter Natursteineinleger als echte bordüre entlang gelegt werden und dann die normalformatigen Platten.)

Buttering-Floating hab ich verstanden. Hab ich auch schon mal so gemacht. Ich trage Kleber satt auf den Betonboden, durchkämme dann mit 10er Zahnung, Ziehe ebenfalls 10er Zahnung auf der Rückseite der Platte auf. Lege Platte knirsch an die erste an und schiebe dann in endgültige Position.

Frage: Wenn am Boden 10er Zahnung gekämmt wird und auf der Platte auch, komme ich dann vom kleberbett am Ende nicht deutlich über die 10mm? Oder wirds doch 10mm, weil ja die Kämmung quasi nur 50% der Fläche ausmacht.

Mörtelreste mache ich direkt weg wenn was drauf kommt.
Dann lasse ich trocknen.
Frage: was für trockenzeit muss ich denn so ca. rechnen (offene Räume, trocken, gute Zirkulation).

Vor dem Verfugen schmiere ich die Platten mit handelsüblicher Schmierseife ein?
Frage: Schmierseife muss einziehen und abgewischt werden, oder? Sonst würde der Überstand beim abziehen ja mit in die Oberfläche der Fugenmasse eingearbeitet werden.

Dann bringe ich die Fugenmasse in die Fugen und ziehe mit Gummiwischer ab.
Frage: ist das hier auch so wie beim Fliesen, dass ich dann mit dem Schwammbrett drüber gehe, wenn der Mörtelschleier grau wird? Nehm ich Schwammbrett oder Filzbrett?

Frage: wie erkenn ich denn dass die Fugenmasse soweit abgebunden hat, dass ich mit heißem Wasser die Oberfläche reinigen kann, damit der Schleier und die Schmierseife weg geht?

Hab gelesen, dass letzte Zementschleier nicht mit Salzsäure, sondern Zitronensäure entfernt werden können?
Frage: muss die Säure noch irgendwie neutralisiert werden?

Und dann behandle ich die Oberfläche mit Öl oder Wachs. Ich hab von meinem Vater noch 40kg reines biologisches Bienenwachs. Das wollte ich eigentlich verwenden. Mischung 1Teil Bienenwachs : 0,5Teile Orangenöl : 0,5 Teilen Terpentin und das ganze "heiß" auftragen.

Wow an was man da alles denken muss. Was hätte ich ohne die guten Antworten hier gemacht.

Ich werde viele Bilder machen und das ganze dann nach Fertigstellung hier einstllen. Könnte mir vorstellen dass es noch mehr Menschen gibt die genau die gleichen Fragen haben.

Und da soll noch einer sagen wir Frauen wären nur gut am Herd :-)

Danke Euch allen!!!
Sabine

Grundieren



natursteinkleber



wird bei Naturstein verwendet, weil derselbe auf säuren in anderen klebern reagieren kann (auch aufpassen, falls -was wir nicht hoffen....- Silikon verwendet wird!) und fleckig wird. cotto reagiert meines wissens eher auf laugen, nicht auf säuren. das gilt auch für reinigungsmittel!
man möge mich korrigieren, falls ich falsch liege!
gruß, carmen
zitronensäure müßte auch funktionieren (preiswert im naturkostladen - entkalker), nachwaschen.





Zum Verlegen.
Lege eine "Hauptrichtung" fest, d.h. ein Schnurschlag von der Tür zu einem gegenüberliegenden Fenster. Von dieser Schnur missest Du so den beiden parallelen Wänden, dass Du passenden Verschnitt hast (Riemchen, d.h. 1 cm breite Streifen an der Wand lang sehen z.B. nicht gut aus). Schnur parallel verschieben, bis das passt.
Gleiche Prozedur senkrecht dazu.
Dann legste die erste Reihe Platte entlang der Schnur aus, und zwar so, dass z.B. 5 Platten plus 5 Fugen genau 1 m ausmachen (wenn die Platten 19 x 19 sind und Du 1 cm Fugenbreite willst).
Dann genau senkrecht dazu die erste Reihe quer, in der Raummitte.
Im Beispiel würde man dann ein 1 x 1 m Raster mit der Schlagschnur auf den Boden zeichnen und immer Felder von 1 x 1 m fliesen. Randverschnitt erst verlegen, wenn die ganzen Platten alle verlegt sind.
Die Abzahnung hat den Sinn, dass man die Platte in die Bodenebene drücken und auch leicht schieben kann, ohne dass seitlich Kleber in die Fugen gedrückt wird und ohne dass die Fliese hohl liegt. Dazu muss man Zahnweite der Kelle, Kleberkonsistenz und aufgetragene Klebermenge aufeinander abstimmen - das ist schwer zu beschreiben, aber leicht auszuprobieren.
Wann der Mörtel abgebunden hat? Steht auf dem Sack. Wichtiger ist die Topfzeit, d.h. wie lange Du Zeit hast, den angemachten Kleber oder Fugenmörtel aufzubringen. Am Anfang lieber wenig aufs mal, aber öfter Mörtel anmischen.
Bei jeder Pause Kelle reinigen, Fliesenkleber lässt sich kaum mehr entfernen und mit verschmiertem Werkzeug kann man nicht arbeiten.