Bin völlig Planlos

04.10.2006



HAllo
Ich brauche nochmal die Hilfe der Forumsgemeinde.

Für unser Umgebindehaus gibt es nichts an Dokumentation oder Plänen. Ich würde gerne eine vollständige Dokumentation ( Planmappe) erstellen lassen.
Habe mich jetzt mehrfach erkundigt, und die Aussagen zu den notwendigen Unterlagen gehen aber doch weit auseinander.

Die Pläne sollen dann auch später für Denkmalschutz und Bauanträge verwendbar sein.
Das Fachwerk und das Dachgebälk gehört doch sinvollerweise bei den Plänen auch dazu , oder ?
Wie genau werden denn die Maße genommen?
Habe mehrfach gehört, das die Maße gerundet , bzw. die Wandstärken gemittelt werden ?

Könnt Ihr mir da Informationen geben, wie ich das am besten anstelle?
Vielleicht gibt es ja auch Mitglieder im Forum, die solche Arbeiten ausführen ?
Das Haus steht in Sachsen. Bilder sind im Profil vorhanden.

Vielen Dank schonmal vorab , für die Hilfe.

Grüße, Karin





Sehr geehrte Frau Issler,

eine Aufnahme des vorhandenen Bestandes ist bei geplanten Baumaßnahmen im Bestand und insbesondere bei Baudenkmälern unerläßlich. Diese umfaßt sämtliche Bauteile und Grundrisse.
Ich bevorzuge immer noch ein Handaufmaß mit Bandmaß, Meterstab, Lot, Wasserwaage, Schlauchwaage, Höhennivellements mit Nivelliergerät etc. insbesondere weil ich dadurch Besonderheiten und bauliche Eigenarten immer noch am schnellsten aufnehmen kann.
Leider erlebe ich auch immer wieder Bauaufnahmen, sehr schön mit CAD erstellt, die leider nicht die wesentlichen und wichtigen Punkte darstellen. Das mag zwar für die spätere Weiterverarbeitung bequemer sein, oftmals werden die eigentlichen Juckepunkte aber nicht erfaßt.
Für ein einfaches Fachwerkhaus reicht in der Regel ein einfaches Handaufmaß, historisch sehr bedeutende Gebäude sollten ggf. nach Absprache durch ein verformungsgerechtes Aufmaß dokumentiert werden. Das ist allerdings auch eine Kostenfrage und wird normalerweise auch von der Denkmalbehörde nicht vorgeschrieben.
Eine Mappe mit Planunterlagen, Schadensaufnahme, Instandsetzungskonzept und Kostenschätzung wird aber von den Denkmalbehörden immer gerne gesehen.
Damit Sie mal einen kleinen Einblick bekommen, habe ich Ihnen per E-Mail einen Auszug aus einem Angebotstext für ein Fachwerkhaus in Bonn gesendet.
Wesentliche Leistungen sind dort aufgelistet und erkennbar, diese müssen aber für jedes Gebäude bedarfsgerecht angepaßt werden.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Hallo Herr Kibies

Das hilft mir schon mal ein großes Stück weiter.

Jetzt hätte ich noch folgende Fragen :
Was ist denn ein verformungsgerechtes Aufmass?
Werden da dann die tatsächlich krummen Wände gemessen ?

Ansonsten wird das ausser Acht gelassen ?

Wird beim FAchwerk die Lage der Balken vermessen , oder einfach symbolisch eingezeichnet?

Ist das das bei den Balken des Dachgebälk ebenso?
Also beim normalen Aufmass nur symbolisch ?
Sollte ich nicht besser das Gebälk in einer echten Darstellung erfassen lassen?

Viele Grüßs aus dem Saarland , Karin





Hallo Frau Issler,

in einem verformungsgerechten Aufmaß werden, der Name sagt es ja schon, sämtliche Verformungen aller Bauteile aufgenommen.
Leider werden heute verformungsgerechte Aufmaße nur noch selten vergeben, es sei denn es handelt sich um historisch sehr wertvolles Gebäude, manchmal dient es dann auch nur noch zur Dokumentation, bis die völlige Entkernung oder sogar der Abriß droht.
Verschiedene Aufmaßsysteme haben sich mittlerweile etabliert, die Tachymetrie, Handaufmaß oder die photogrammetrische Methode. Seit neuestem gibt es auch 3D-Laserscanner für verschiedenste Aufgaben, sei es bei Fassadenaufnahmen oder bei der Innenraumerfassung.
Diese Methode halte ich aber in einem Fachwerkhaus für völlig unangebracht, denn wichtige Aussagen zur Konstruktion sind nicht deutlich. Natürlich können mit so einem Verfahren schneller mehr Meßpunkte erfaßt werden. Eindeutiger Vorteil in einem Handaufmaß ist allerdings, daß vom Planer vor Ort zugleich auch eindeutig der Bestand erfaßt wird. Ich mache zumindest dann in einem Abwasch etwas Bauforschung, Bauschäden werden auch schon einmal erfaßt. Daraus folgen Raumbuch, Bestandsbeschreibung, Kostenschätzung etc. Aussagekräftige Pläne, auch ein nicht verformungsgerechtes Handaufmaß, sollten daher alle konstruktiv wichtigen Bauteile beinhalten, diese sollten aufgemessen werden und auch dargestellt und nicht nur angedeutet werden. Dabei sind dann nur geringfügig größerer Abweichungen vorhanden, nachteilig wirken sich diese aber nicht aus.
Maßangaben in der Bauaufnahme (z.B. Sparrenquerschnitte und – abstände) können dann für weitere Leistungsphasen, Statik etc. verwendet werden. Per E-Mail habe ich Ihnen mal einen Plan eines einfachen Dachgeschoßes gesendet (Handaufmaß), die Maße sind in der Bauaufnahme festgehalten.
Diese Art der Plandarstellung benutzte ich seit Jahren erfolgreich auch für Folgeleistungen.
Ich hoffe, ich habe Ihnen ein wenig helfen können und Sie finden einen guten Planer in Ihrer Gegend.
Grüße
Bernd Kibies





Hallo Herr Kibies

Vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen. Das hat mich ein großes Stück weiter gebracht. Nun weiß ich auch, worauf ich bei den Ausführungen achten muss.
Werde nun mal einige Gespräche in der örtlichen Nähe führen.
Sicherlich habe ich jetzt auch das Wissen, was ich eigentlich haben möchte.

Wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

Viele Grüße, Karin





Hallo Frau Issler,
ergänzend möchte ich noch anmerken, daß es auch von Vorteil ist, wenn der Planer einen guten Statiker einbringt, der sich wirklich mit Fachwerkhäusern auskennt und mit dem er einige Projekte gemeinsam bearbeitet hat, bzw. diesen benennen kann.
Nicht alle Statiker sind leider gewillt mit historischer Bausubstanz behutsam umzugehen und errechnen unnötige "Sanierungs"-maßnahmen, die auch noch sehr kostenspielig sind.
Grüße
Bernd Kibies



regionaler Handwerkerpool



Durch intensives Internetfachsimpeln hat sich seit einigen Jahren eine gut funktionierende regionale handwerkertruppe durch fachwerk.de zusammengefunden, die auch stets gegenseitig öffentlich vermittelt.
Gemeinsame Messebesuche ergaben gute gemeinsame Fachlichkeiten und Basen.
Eine Planlosigkeit können wir Ihnen damit in der Region abnehmen und Ihnen in fast jeder Frage kompetente Partnerschaften bieten.
Die Verbindungen zu den Behörden sind dann das wenigere Übel, da fast alle Regionalmitglieder über sehr gute Kontakte verfügen.

Grüße Udo