Aussteifende Wirkung Holzbalkendecke - Funktion Einschübe?

07.01.2010



Hallo liebe Community,

habe mal eine Frage bezgl. aussteifende Wirkung Holzbalkendecke.
Prinzipiell ist mir die Notwendigkeit der Aussteifung zur Aufnahme und Ableitung horizontaler Kräfte klar ( dank diesem auch für Laien verständlichen Artikel http://www.bauingenieur24.de/fachbeitraege/holzbau/234.htm und diesem Forumsbeitrag http://www.fachwerk.de/wissen/dielen-balken-11998.html ).

Die Frage die mich jetzt beschäftigt ist, inwiefern die Einschübe zwischen den Balken für die Aussteifung notwendig sind. In dem erwähnten Artikel werden Einschübe nicht erwähnt, sondern nur die Bretterschalung entsprechend dimensioniert, verlegt und vernagelt (verschraubt) und die andere Meinung ist, die Einschübe müssen drin bleiben.

Hintergrund ist, zum Einbringen einer Schüttdämmung obere Geschossdecke möchte ich die Einschübe herausnehmen, um die komplette Balkenhöhe zur Dämmung auszunutzen.
Bekomme ich dadurch ein statisches Problem?

Aus diversen Threads im Forum lese ich heraus, dass das entfernen der Einschübe aus Holzbalkendecken wohl praktiziert wird und by the way, neue Dielen dürften dann ja auch nicht mehr durch die Feder mit dem Holzbalken verschraubt werden, sondern nur von oben kraftschlüssig.

Vielen Dank für die Aufklärung!

Grüße
Jörg



Einschubdecke



Bei der klassischen Einschubdecke übernimmt der Einschub nur eingeschränkt horizontale Kräfte. Diese Kräfte werden quer zur Balkenlage von der Dielung und der Sparschalung an der Unterseite der Decke aufgenommen.
Trotzdem würde ich das System so belassen wie es ist.
Eine Deckenschüttung direkt auf die darunter befindliche Deckenverkleidung zu schütten hat erhebliche Nachteile, was Reparatur, Auswechselung oder das Verlegen von ELT- Installation usw. betrifft.
Auch betreffs des Schallschutzes sehe ich Nachteile.
Es gab immer wieder Modernisierungsvarianten für solche Decken ohne Einschub, dafür mit Kreuzstakung und einer Füllug aus Mineralwolle. Soweit mir bekannt ist, haben sich diese Varianten alle nicht durchsetzen können.

Viele Grüße



Einschübe



Hallo Herr Böttcher,

Danke für die schnelle Antwort!

Der Schallschutz ist bei meinem Objekt unkritisch, auch die Veränderung des Schwingungsverhalten (Masse der momentanen Sandschüttung) ist kein Problem da nur Dachboden (Lager).
ELT-Installation kann ich nachvollziehen, sehe ich aber nicht ganz so Kritisch da komplett neu und in kritischen Zimmern (Bad und Schlafzimmer bekommt abgehängte Decken zwecks Einbau Dampfbremse) unter Abhangdecke und man kommt ja auc jederzeit wieder dran.

Nachteil beim Einbelassen der Einschübe den ich sehe, ist die "nicht" stationäre Luftschicht zwischen Schalung und Einschüben mit anschliessender Dämmung. Ich müsste die Balken dann auch Aufständern um eine sinnvolle Dämmstärke zu erreichen und ich denke das Aufnageln der Dielung direkt auf die Balken ist kraftschlüssiger als auf die Ständer, welche ja auch nur wieder mit den Balken verschraubt sind.

Ich entnehme Ihren Ausführungen aber, dass das Entfernen der Einschübe statisch unbedenklich ist!?

Danke und Grüße
Jörg



Mehr Info



So ganz umfassend sind die bisherigen Angaben (Materialien und Materialstärken) bezüglich des geplanten Deckenaufbaus leider noch nicht.

- Es gibt noch keine Angaben zu der geplanten Abhängung
- Mit was soll überhaupt gedämmt werden?
- Sind die Einschübe eingenutet oder liegen diese auf Leisten auf?
- Wie sieht zukünftig der obere Abschluss zum Dachraum aus?
- Ist das Dach selbst neu aufgebaut worden (Folie, Dämmung, etc) oder noch
im Urzustand
- ...

Also am besten mal den Aufbau aller Schichten von Innen nach Außen angeben, Bestand und Planung, dann kommen auch gewiss ein paar gute Vorschläge und es ist leichter zu ermessen ob sich der ganze Aufwand lohnt.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Geplanter Aufbau Decke



Hallo Herr Kornmayer,

der geplante Aufbau ist wie folgt von unten nach oben.
- Feinputz 1-3mm
- Fermacell Gipsfaserplatte 10mm
- Traglattung (24mm)
- Grundlattung (30mm) also in Summe 54mm Luft
- Dampfbremse
- Kalkputz auf Schilfputzträger zwischen 1cm und 2cm
- Sparrschalung 2cm
- 18cm Unifloc in Balkenzwischenräumen (bestehende Schüttung und Einschübe raus)
- alte Dielen ca. 25mm bzw. Rauhspund als Laufebene 28mm

Der Aufbau wurde bezgl. Tauwasserausfall gerechnet und ist in Ordnung, jedenfalls mit Dampfbremse. Für die normalen Wohnräume möchte ich experemintell herausfinden, ob der Aufbau auch ohne Dampfbremse von unten funktioniert, ansonsten werden diese Räume genauso aufgebaut.
Das Dach ist ein Walmdach/Schiefer ungedämmt und Dachraum ist belüftet und soll auch nicht ausgebaut werden.

Die Einschübe sind eingenutet.
Wie gesagt, ich möchte noch einmal sicherstellen, dass das entfernen der Einschübe keine negativen Auswirkungen auf die Statik hat.

Vielen Dank und Grüße
Jörg



Wenn die Dielung korrekt eingebaut



wird, kann auf die Einschübe aus statischer Sicht verzichtet werden.
Alle Randbedingungen müssen natürlich erfüllt sein: Balkenabstände im Verhältnis zur Brettdicke, Seitenverhältnisse der Decke und funktionierende zugfeste Verbindungen in die aussteifenden Wände.



Einschubdecke



Hallo Jörg,
für die Unterhangdecke empfehle ich Ihnen auf ein zugelassenes System eines Markenherstellers zurückzugreifen als sich die Fummelei mit den dünnen Lättchen anzutun.
Oder Sie greifen wenigstens zu Direktabhängern, das macht nicht ganz so viel Dreck und geht schneller und einfacher.
Sie ersparen sich die Grundlattung, die ohnehin zu schwach ist. Verwenden Sie als Traglattung Dachlatten oder besser Metallständerprofile.

Viele Grüße



Einschubdecke



Hallo Herr Heim, hallo Herr Böttcher,

Danke für die Hinweise und Klarstellung!

Brettdicken im Verhältnis zu Balkenabständen werde ich beachten und auch Verlegung, sprich versetzte Stösse auf den Balken (obwohl dies momentan nicht berücksichtigt ist, Originaldielen).
Bezgl. Seitenverhältnis und Zugankern gehe ich davon aus, dass dies passt, da die Konstruktion ja schon seit 135 Jahren hält ;-) Schaue mir die Zugankverbindungen wenn es offen ist aber noch mal an.

Werde wie von Herrn Böttcher empfohlen auf die Metallständerprofile zurückgreifen, macht das ganze wohl doch etwas einfacher. (Die Maße der "Lättchen habe ich übrigens aus der Fermacellanleitung bezogen auf Verlegeabstände und Last der 10mm Platten).

Also vielen dank noch einmal für die Hilfe!
(Dieser Thread mal 100% Sachbezogen :-) )

Viele Grüße
Jörg



Der Einschub...



...war mir im MFH auch des Brandschutzes wegen wichtig, in der Ausgangssituation war die OK Einschub allerdings nur 4-5cm unter der UK Dielung, darunter ein prächtiger Hohlraum (bei 22er Balken).

Verändert habe ich das wie folgt: Einschub demontiert, seitliche Latten desgleichen. 50mm hohe Latten knapp über den Schalbrettern an die Balken geschraubt, 50mm MiWo eingelegt (würde ich heute durch andere Materialien ersetzen), Einschubbretter aufgelegt und mit Lehm verstrichen. Ziegel eingelegt, mit Glühsand abgezogen. Lt. Frage geht es da mehr um Dämmung; also die Masse durch einen kapillaraktiven Dämmstoff ersetzen.

Grüße

Thomas