Maschinenbaur und ein 120 Jahres altes Haus




Sehr geehrte Community,

stehe grade vor vielen Problemen... Da es mein erster Beitrag ist stell ich mich kurz vor. Studiere grade im 9 Semester Maschinenbau bin fast 30 Jahre, wohne nördliches NRW und da die Wohnung für meine Familie zu klein ist haben wir uns ein 120 Jahres altes Haus mit großem Grundstück gekauft. Mittlerweile habe ich das Erdgeschoss soweit entkernt.
Zum Haus es ist teilweise unterkellert (ca. 45 m²) Holzbalkendecke mit Heu-Lehm, im Erdgeschoss zweifaches Ziegel-Mauerwerk ca. 45cm, im Obergeschoss einfaches ca. 30 cm, Innenwände teilweise mit Holzbalken durchzogen, Holzfenster zweifach verglast (30 Jahre alt) und Sparrendach ohne Dämmung. So Hatte bereits den Fensterbauer, Maller für die Fassade und Schornsteinfeger da. Fensterbauer empfiehlt mir dreifach verglaste Fenster mit einem U-Wert von 0,5. Maller sagt er muss Styroporplatten von 14,5 cm aufbringen und der Schornsteinfeger sagt da die Heizunganlage älter als 30 ist muss die auch Neu (Gas)????? Das macht für mich Irgendwie kein Sinn... Aber jetzt zu meinen Fragen:
1. Muss ich wirklich bei so einer Wandstärke dämmen? Fassadenputz wollte ich aber schon neu machen da teilweise Risse sind.
2. Habe hier im Forum gelesen das der U-Wert der Fenster nicht zu großen Unterschied zum Mauerwerk haben sollten da die Ecken sonst anfangen zu schimmeln. Sprich wenn ich nicht dämme sollte die Fenster nicht unter 1,0 (U-Wert) sein da die Wände laut Energieausweis angeblich nur 1,3 haben.
3. Habe alle Balken oberhalb des Kellers gegen 12cm mal 24cm ausgetauscht da die alten morsch waren. Plane darauf 25mm OSB-Platten mit Kork und anschließend Bodenbelag anzubringen ist das empfehlenswert oder fehlt noch Dämmung??
4. Sollte ich den Dachboden einfach nur dämmen oder komplett neues Dach (Balken müssten teilweise ausgetauscht werden) setzen.
So hoffe sind nicht zu viele Fragen auf einmal. Bin leider voll der Anfänger in diesem Bereich aber die ersten zwei Wochen der Kernsanierung in unserem neuen Haus haben mir bereits mächtig Spaß und über Anregungen und Empfehlungen würde ich mich freuen. Viele Beiträge Hier haben mir bereits viel geholfen
LG Jura



Troll, Troll, trollig!



Troll, Troll, trollig!



Guten Abend,



können sie eventuell ein paar Bilder von ihrem Haus/Bauprojekt hochladen?

Den Maller ( Maler?) können sie schonmal vergessen.

Mit Grüßen
Danilo



Fragen...



- Budget ? Zeitplan ?
- Ziele - EnEv konform, besser, so günstig wie möglich ?
- Denkmal ?
- Wie gross ist der Dachüberstand ? (von wegen Aussendämmung)
- Wie sehen die Fenstergewände aus ?
- Ausbau des Dachbodens geplant / möglich ?
- Wie ist der Zustand des Dachs ?
- Keller wie feucht ?

0. Wenn der Heizkessel älter als 30 Jahre ist, besteht eine Nachrüstpflicht...

http://www.enev-online.com/enev_2014_volltext/10_nachruestung_anlagen_und_gebaeude.htm

Eine neue Heizung sollte möglichst auf den gedämmten Endzustand dimensioniert werden. In der Zwischenzeit kann man Spitzenlast mit einem Schwedenofen abdecken, oder mal einen warmen Pulli anziehen.

Heizlast kann man mit Danfoss Danbasic (kostenloser download) oder dem Wärmebedarfsrechner auf u-wert.net abschätzen.

1. Wenn der Putz neu gemacht wird, wird grundsätzlich eine Enev-konforme Dämmung verlangt. Das wären die Styroporplatten. Auch 45 cm alte Ziegel dämmen nicht besonders.

2. Ersatz der Fenster am besten gleichzeitig mit der Aussendämmung, dann kann man die Montageposition optimieren. Das hat wieder Einfluss auf den Innenausbau.

3. Warum die 24 cm Hohlraum in der Kellerdecke verschwenden ? Eine Holzbalkendecke braucht einen Einschub mit etwas Masse (zur Schwingungsdämpfung / Trittschall), ansonsten würde ich den Hohlraum ausdämmen. Mit Holzdielen braucht man kein OSB oder Kork.

4. Wenn das Dach halbwegs dicht ist, und die Zeit / das Budget knapp, erst mal den Dachboden günstig dämmen (z.B. nicht begehbare Holzflexmatten auslegen - kann man später zwischen den Sparren wiederverwenden wenn die Dicke stimmt). Wenn das Dach erneuert wird, auf jeden Fall richtig dämmen (Unterdachplatten, zwischen und etwas unter den Sparren).

Der Umbau von einem alten Haus ist ein Marathon, kein Sprint. Am Anfang muss ein Gesamtkonzept oder Vision stehen, dann stetig darauf hinarbeiten.

Wenn es schnell und günstig bewohnbar sein soll, würde ich erst mal die unabdingbaren Sachen erledigen (begehbarer Boden, legale Heizung), und die tief hängenden Früchte ernten (Kellerdecke, Dämmung Dachboden). Dach, Fassade und Fenster folgen später.



Budget



@ yogumon: Danke für Ihr Kommentar.
Mein Zeitplan sieht vor das wir spätestens Ende Sommer einziehen können bevor ich mit meiner Abschlussarbeit anfange. Aber ich weiß auch, dass ich dann noch längst nicht fertig bin mit der Renovierung oder besser gesagt ein 120 Jahre altes Haus braucht eine lebenslange Zuwendung.
Für die Renovierung habe ich ca. 80.000€ eingeplant (20.000 für Fenster und Türen, 15.000 für ca.200m² Fassade, 10.000 für Boden über Keller und Bodenbelag, 10.000 für Dach und Rest für Heizung und Malerarbeiten). Das Haus ist nicht denkmalgeschützt und diese Energieeinsparverordnung finde ich persönlich etwas übertrieben.
Ich werde versuchen heute Abend paar Bilder hochzuladen. Also bis dann und über weitere Kommentare freue ich mich.
LG JURA



U-wert



ist gar nicht so schlimm. Bei Innendämmung Außenwand ist es 0,35, da reichen 10 cm Holzweichfaser oder Multipor bequem auf den 45 cm Ziegeln aus. Mit einem zusätzlichen Dämmputz außen kann man das System dann auch weiter ertüchtigen falls man später noch möchte.

In den Boden zum Keller einen Blindboden einbringen dann je nach Material 10-15 cm Schüttung oder Dämmolle reichen für die EnEv bequem aus. Lässt sich alles bei U-Wert.net nachrechnen. Rieselschutz und Dampfsperren müssen je nach Material noch ergänzt werden. Bei Wandaufbau mit Multipor oder Holweichfaser kann auf die Dampfsperre verzichtet werden. Die Begründungen lassen sich bei U-wert.net nachlesen.

Dann noch die Oberste Geschossdämmung wie Yogumon vorgeschlagen hat, dann sollte das auch für Enev passen und das Budget nicht zu sehr belasten.

Gruß Herbert



Die Sanierungsplanung



sollte, wie bereits von den Vorschreibern angemerkt, einem Gesamtkonzept folgen. Nicht koordinierte Einzelmaßnahmen, Spontanplanungen etc. sind baukonstruktiv/bauphysikalisch und ökonomisch eher früher als später nachteilig.

- Wenn Sie den Putz erneuern, müssen Sie die Außenwand nach den Anforderungen der EnEv dämmen. Sie können sich auf Antrag und bei Nachweis der Nicht-Wirtschaftlichkeit der Dammmaßnahme auch davon befreien lassen. Darüber informiert die zuständige Baubehörde.
Die notwendige Dämmstärke hängt vom Wärmeleitwert des vorhandenen Mauerwerks ab und wird für gewöhnlich, zwischen 12-16cm liegen, je nach Wärmeleitgruppe der gebräuchlichsten (=preiswerteren) Dämmmaterialien.
- Der Ug-Wert des Fensters sollte unter dem der Wand liegen, da sonst die Wand der kältere Bauteil ist und sich dann verstärkt Kondensat/Schimmel dort bildet. Sie sind nicht verpflichtet eine 3-fachverglasung mit einem Ug-Wert von 0,5 einzubauen. Sie bekommen aber auch kein Fenster mehr mit einem niedrigeren Wert als 1,1
- Der Neu-Einbau einer kompletten Holzbalkendecke über EG muß gut überlegt sein und ist generell keine gute Idee. Die grundsätzlich vorhandene Kellerfeuchte, fehlende Bauwerksabdichtungen der KG-Aussenwände, aufsteigende MW-feuchte, Spritzwasserbelastung im Sockelbereich etc. können dazu führen, das die Deckenbalken im MW-Balkenauflager erneut gefährdet sind. Hier wäre eher eine Betondecke oder eine Konstruktion aus Stahlträger/Lewis-Platten/Estrich/Dämmung angemessen. Welche Möglichkeiten sinnvollerweise bei Ihnen bestehen, kann nur vor Ort entschieden werden. Auch hier muß die Dämmung den Anforderungen der EneV entsprechen.
- Ob Sie den Dachboden dämmen oder das Dachausbauen wollen, sollten Sie gleich zu Anfang entscheiden. Sie werden nicht in ein paar Jahren den Dachstuhl erneuern wollen, wenn Sie bereits eingezogen sind. Wenn Sie das alte Dach belassen, sollte die Dichtigkeit und der Erhaltungszustand der Eindeckung überprüft werden. Ein Dachausbau ist bauantragspflichtig.
- Beim nicht-unterkellerten Hausteil sollten Sie den Zustand der Böden gegen Erdreich untersuchen auf Vermorschung (bei Dielenboden) bzw. auf eine Feuchtebelastung.
- Heizungen, die vor 1985 eingebaut worden sind, dürfen nicht mehr betrieben werden.
- Vergessen Sie nicht, die Grund- / Entwässerungsleitungen zu überprüfen (Kanalinspektion). für Häuser, die vor 1965 gebaut worden sind, muß in NRW die Dichtheitsprüfung bis Ende des Jahres nachgewiesen worden sein. Außerdem sind dort bei Altbauten meistens noch einige Überrraschungen verborgen.
Unbedingt machen lassen, bevor Sie im Haus die komplette Sanitärverrohrung erneuern.

Ich empfehle bei einer Grundsanierung immer erst eine komplette Baufnahme durchzuführen, die den aktuellen Zustand genau wiedergibt und auf deren Grundlage eine Sanierungsplanung erfolgen kann. Stückwerk ist, wie gesagt, unbefriedigend und letztendlich teuer.





Mit 80.000 EUR schaffen Sie das nicht. Unter 200.000 EUR ist es völlig unrealistisch ein helbwegs energetisch akzeptables Haus zu sanieren...



Haussanierung



Nach dem jetzigen Informationsstand und ohne jeden Plan läßt sich kaum viel sinnvolles beitragen-
Kosten schon gar nicht.
Ist ja auch ein Unterschied, ob es sich um ein 80 qm Häuschen oder ein 300 qm Anwesen handelt.
Bei sehr viel Eigenleistung und entsprechenden Baukonstruktionen können erhebliche Kosten eingespart werden.

Gib doch deine emailadresse hier an, dann lassen sich bei Interesse solche Möglichkeiten mitteilen- und das selbstbaufreundlicher und ökologischer als Styroporplatten aufs Haus zu kleben.

Wurde kürzlich ein Bedarfs- Energieausweis erstellt ?
Hast du den beauftragt ?
Und natürlich sollte es ein Gesamtkonzept geben- auch unter Berücksichtigung div Fördermöglichkeiten für solche Vorhaben.

Andreas Teich