Marode Balken im Fachwerkhaus

18.12.2017 Florian


Marode Balken im Fachwerkhaus

Hallo erstmal zusammen,
ich wohne in einem Fachwerkhaus, in dem an der Außenwand einige Balken zum Teil vergammelt sind. Leider habe ich keine Ahnung wie man mit sowas umgehen muss bzw. was auf jeden Fall vermieden werden sollte. Ich habe mal ein paar Bilder für euch hochgeladen unter https://imgur.com/a/tIt3s.
Ein Bekannter meinte, das marode Holz der Balken muss ausgefräst und mit einer Holzspachtelmasse in Verbindung mit Harz abgedichtet werden.
Mein Vater meinte die Wände sind nicht tragend oder anders gesagt, das Dach wird komplett von Balken im Haus getragen.
Ich hab mich mal im Internet umgeschaut und bin dabei zufällig auf euch gestoßen und hab gedacht hier bin ich an der richtigen Adresse. Was würdet ihr dazu sagen, was muss gemacht werden und was lieber nicht?

Gruss Florian



Warum ist das Holz geschädigt?



Hallo Matthias,

ich würde mir erstmal die Frage stellen, warum die Balken geschädigt sind. Mir scheint, dass einige Ritzen bzw. Fugen zum Fachwerk mit Silikon, oder anderen elastischen Dichtstoffen hin verschlossen wurden. Diese sind zu entfernen.

Tiefere Fugen am Fachwerk mit Hanf ausstopfen. Die Fugen vom Mauerwerk wie folgt behandeln (Zitat eines Beitrags von Christoph Schwan, Architekt):

"Die Fugen am besten mit einer Bauklammer - vielleicht finden Sie sowas noch - mindestens 4 cm tief auskratzen, danach mit scharfem Wasserstrahl spülen.

Mörtelzusammensetzung:
Scharfer Sand, am besten Quetschsand mit einem Hohlraumanteil von maximal 25% verwenden. Den Hohlraumanteil ermittelt man, indem man auf den Herd getrockneten Sand - stinkt! - in einen Maßkrug füllt und mit Wasser auffüllt. Vorher und nachher wiegen. Das Differenzgewicht zeigt den Hohlraumanteil unmittelbar an. Meistens ist er zu hoch. Daher Sand mit anderer Körnung zumischen. Die Hohlraumprüfung solange wiederholen, bis es passt.
Sodann Kalkmörtel anmischen: 4 Teile Sand, 1 Teil Kalk. Dem Kalk 10% reines Trassmehl zumischen. Das führt zu zwei wichtigen Punkten: Schlagregensicherheit und Ausblühfreiheit. Immer nur soviel Mörtel anmischen wie man Verarbeiten kann, niemals alten Kalkmörtel wieder aufrühren. Mörtel nur erdfeucht, in der Hand muss er noch bröseln können.

Sodann die Fugen so vornässen, dass das Mauerwerk klatschnass ist. Am besten mit dem Vornässen 2 bis 3 Stunden vor der Verfugarbeit beginnen. Danach mit dem Fugeisen Fugmörtel hineindrücken.

Unter gar keinen Umständen die Fugen glattbügeln, damit würde nämlich das Bindemittel Kalk nach vorne gezogen und eine glasartige Haut bilden.

Stattdessen die Fuge steinbündig mit einem Holzspan abziehen. Danach das ganze mindestens 4 Wochen stehenlassen. Sodann die Fassade wieder gründlich einnässen. Nun kann mit verdünnter Salzsäure, bei Temperaturen über 10°Celsius auch mit Ameisensäure oder mit FEFIX der Kalkschleier entfernt werden. Entkalkte Flächen wiederum kräftig nachspülen.

Folgendes unter gar keinen Umständen machen:
*Hydrophobieren
*Abdichtung der Fugen zwischen Mauerwerk und Fachwerk

Lassen Sie sich keinerlei Bauchemie aufschwätzen. Ein kleiner Tipp zum Schluss: Wenn Sie einzelne Backsteine ums Verrecken nicht sauber bekommen, stellen Sie sich aus einem alten Backstein Ziegelmehl her. Das vermischen Sie mit FIXATIV der Firma Keim, damit können Sie die Backsteine Stück für Stück anstreichen. Vorher aber ausprobieren."

Fehlstellen im Holz werden durch Holz-Passstücke repariert, sofern die Balken nicht komplett oder tw. ersetzt werden müssen. Keine Dichtstoffe, Spachtelmassen (außer auf Leinölbasis bis 5mm Rissbreite) verwenden. Selbst die Sanopas-Risspaste von Caparol fand ich nicht wirklich überzeugend, Sie reißt meist nämlich wieder nach einigen Monaten wenn man sie nicht tief in den gereingten Spalt eingebracht hat.

Wie diffusionsdicht sind die vorhandenen Anstriche?
Über das richtige Anstrichsystem wurde und wird hier fleissigst gestritten. Ich würde um Industriefarben einen Bogen machen und Leinölfarben lasierend streichen. Vorher natürlich einen geeignete Untergrund schaffen, d.h. Alle alte Farbe gründlich entfernen.
Alle Farben haen die Angewohnheit die Oberfläche mit der Anzahl der Schichten imer dichter zu machen. Risse kommen aber trotzdem immer wieder nach einiger Zeit: Die Folge, Wasser dringt ein in den Riss und wird durch die dichte Farbumgebung zurückgehalten. Das Holz feuchtet unter der Farbe auf und vergammelt oder wird von Schädlingen befallen.

Gruß
Detlef



Vergammelt.....



....in wie fern?
Nur farblich schlecht und leichte Weichstellen, wenn man daran kratzt?
Oder wenn man ein Messer nimmt und da hineinsticht, dass es fast ohne großen Kraftaufwand fast darin verschwindet?

Die Meinungen deiner beiden Herren (...auch wenn es der Vater ist!!), sind völlig haltlos, wenn nicht sogar, sträflichst inkompetent!!

Ein Fachwerkhaus bzw. diese Konstruktion ist eine in sich statische Gesamtkonstruktion.
Wenn da zwar ein oder ein paar Balken Schädigungen aufzeigen, fällt dieses Gebäude nicht gleich in sich zusammen, aber es verringert sich seine statische Situation und es können weitere Bauschäden sich daraus entwickeln.
Pilzbefall, Fäulnis durch Wassereintritte usw. usw.
Hier ist ein Bausachverständiger niotwendig in verbindung mit einem versierten Zimmermann für Fachwerksanierungsfragen.
Und auch nicht jeder Zimmermann ist da gleich zu behandeln.
Sehr wenige sind da kompetent, akribisch mit guter Handwerklichkeit und sachverstand diese Arbeiten zu betrachten und auch auszuführen.
Einfach etwas heraussägen und mit ein paar Nagel-Blechen und Kammnägeln neu einpfuschen, ist hier nicht der Sinn der Sache.

Darf ich nachfragen, in welcher Gegend du da zu Hause bist und dein Gebäude sich befindet?

FG Udo



Weitere Bilder


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Hallo Detlef,
ich vermute, dass die Schäden durch mangelnde Pflege und einer wasserabweisenden Farbe entstanden sind. Soweit ich
weiß wurde damals eine Farbe genommen im Sinne, wenn kein Wasser rein kann, bleiben die Balken trocken. Dass das nicht wirklich funktioniert ist mir an Balken aufgefallen, die äußerlich Top aber innen weich sind.

Hallo Udo,
der Zustand ist recht unterschiedlich. Manche Stellen sind komplett trocken und zeigen keine Probleme auf. Es gibt aber auch einige Stellen, wo sich richtige Löcher gebildet haben oder der Balken äußerlich gut aussieht aber innen drin weich wie Butter ist. Hier ist noch ein Bild, das so ziemlich die schlimmste sichtbare Stelle zeigt. Dass der Schaden von einem Fachmann begutachtet werden muss ist auch meine Meinung, die entsprechenden Personen zu überzeugen ist nur ein weiteres Problem.
Ich komme aus Bremen in der nähre Ritterhude, wenn das bekannt ist.

Gruß Florian



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Und ein weiteres Bild



Fachwerkschäden



Tja,
vermutlich falsche Wetterexposition kombiniert mit vernachlässigter Pflege und Instandhaltung. Dazu noch ein falscher Farbaufbau.
Das hat sich bitter gerächt.
Sie brauchen einen qualifizierten Holzschutzfachmann der erst einmal eine Bestandsaufnahme und Kartierung der Schäden vornimmt. Dann wird er sich den Fußbodenaufbau und den Wandübergang im OG näher anschauen.
Von diesem Ergebnis hängt die weitere Verfahrensweise ab.
Mit ein bisschen Holzkitt und ein paar ersetzten Teilstücken ist das jedenfalls nicht zu reparieren.
Gibt es eine Innendämmung?



Dämmung



Soweit mir bekannt gibt es keine Innendämmung, die Wände sind lediglich verputzt von innen.



Fachwerkschäden



Das verwundert mich. Das Gebäude wurde vor einigen Jahrzehnten saniert, schwerlich vorstellbar das nur von innen veputzt wurde. Wenn da falsches Lüftungsverhalten und falschverstandenes Energiesparen praktiziert wurde dann kann so eine Außenwand auch von innen auffeuchten, vor allem im Bereich der Deckeneinbindung.



Dämmung



Kurze Korrektur, also bezüglich der Dämmung ist noch ein kleiner Hohlraum zwischen Fachwerk und Innenwand vorhanden.
Die Innenwand besteht wohl aus ein Holz Zement Gemisch Heraklith etwa 5cm dick



Man kann leider...



...nicht immer verallgemeinern und es auf spezifische Dinge fußen lassen, sondern jedes ist im detail ein Einzelfall und muss auch so behandelt werden.
Vieles wird sich deckeln, aber eben nicht übertragen lassen.

Wie gesagt, Fachmann kommen lassen!!