Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?




Hallo miteinander, ich bin kürzlich auf die Wand Gestaltungstechnik Stucco lustro gestoßen und habe mich dazu etwas eingelesen. Die Informationsmenge ist gelinde gesagt überwältigend. Manches scheint sich auch zu widersprechen.

Meine erste Stuccowand habe ich neulich mit einem fertigset eines bekannten deutschen Händlers erstellt. Mit dem Ergebnis war ich recht zufrieden. Sehr glatt, aber viele stumpfe Bereiche.
Allerdings stellte sich heraus dass der Farbton nicht ganz zum Zimmer passte.
Deswegen wird das ganze jetzt noch mal überspachtelt, und der Farbton verändert.
Außerdem möchte ich die MarmorinoMischung jetzt selbst herstellen.
Dazu gibt es im Netz ja zahlreiche Anleitungen und geschilderte Mischungen. Meine erste Frage wäre, ob Sumpfkalk verwendet werden muss oder auch weisskalkhydrat verwendet werden kann.
Und dann wäre da noch die Frage wie ich maximalen Glanz erreichen kann. Was das angeht habe ich ganz Verschiedenes gelesen. Die einen meinen es würde am sumpfkalk liegen, andere meinen es würden nur am Verpressen liegen, andere sagen es liegt an der finalen Oberflächenbeschichtung mit Wachs oder doch dem bügeln oder oder..... bei meiner ersten wand konnte ich bei der letzten Schicht keine Veränderung des Glanzgrades mehr erzeugen egal wie sehr ich gepresst habe oder Wachs poliert habe. Stumpfe Stellen blieben stumpf.


Falls das hier das falsche Forum dafür sein sollte, bin ich auch für Hinweise auf andere Foren dankbar.





Das eigentlich unübersichtliche bei den Kalkglanzputztechniken sind die verschiedenen Begrifflichkeiten.

Marmorino meint ja eigentlich einen abgestuften mehrschichtigen Kalkputzaufbau. Je nach Art der Verarbeitung werden dann noch andere Begriffe verwendet.

Oft werden diese Begriffe nunmehr für einzelne Kalkspachtel verwendet.

Im Prinzip kann jeder Kalkputz auf Glanz gebracht werden, dass ist mehr vom Geschick des Verarbeiters abhängig. Dafür benötigt man etwas Erfahrung.

Im Prinzip legen wir uns eine "Sinterschicht" auf der Putzoberfläche an, die wir bei gewöhnlichen Putzarbeiten eigentlich vermeiden wollen oder gar Flächen mit dem Putzhobel zu rabottieren.

Da die Sinterschicht die Haftung weiterer Putzlagen erschwert und zu Materialspannungen mit Rissen in der Oberfläche führen kann.

Es ist also nicht unbedingt erforderlich für diese Arbeiten feinste Sumpfkalke oder Marmorstäube italienischer Provenienz zu verwenden werden. Allerdings erfordert nunmehr jede Materialkombination eine abgepasste Bearbeitung mit unterschiedlichen Werkzeugeinsatz und Timing. Gar hydraulische Kalkputze sind geeignet (Tadelakt).

Wenn du da eigene Mischungen machen willst wirst du um Versuche nicht umhin kommen. Selbst verschiedene Empfehlungen können für eine jeweilige Situation genau die Richtige sein.

Für eine optimalen Glanz ist beispielsweise nach dem "Verdichten" eine Seifenlösung in den noch nicht aufzustreichen hierdurch wird auch das nachfolgende "Verpressen" der Sinterschicht erleichtert. Auch entsteht eine wasserunlösliche Kalkseife die zusätzlich eine "Hydrophobierung" bewirkt.

Geeignet ist eine Pflanzenölseife wie sie beispielsweise als "Marseiller Seife" angeboten.

Erläutert wird das beispielsweise im Arbeitsblatt "geseifter Kalk" der Fa. Kreidezeit.

http://www.kreidezeit.de/Themenblaetter/Geseifter-Kalk.pdf

Wie gesagt es ist im Prinzip jeder Kalkputz bzw. -spachtel geeignet, natürlich auch jeder selbst gemischter.

Poliert und zu maximalen Glanz befördert und vor Schmutz geschützt werden kann die Fläche da durch Auftrag von sogenannten Punischen Wachs, was ein in Soda verseiftes Binnenwachs ist. Damit kann man auch nachträglich noch arbeiten.

Bei der erneuten Auftrag von Putz bzw. Spachtel auf glänzende Kalkputze kann es wie vorbeschrieben zu Problemen bei der Haftung kommen.



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Vielen Dank für deine Meinung !
Ich habe gestern die zweite Schicht Eigenmischung aufgebracht und testweise verpresst. Leider kein Glanz, null. Woran kann das liegen?

Noch zum Aufbau:

Normal verputzte Wand- abgeschliffen- dann nach Anleitung Händlermischung Marmorino als Unterputz - dann drei lagen Stucco Veniziano bis Glanz - venezianische Seife.

>> Farbwechsel gewünscht

obere Schicht mit 150er abgeschliffen. 1. Schicht Eigenmischung (Weißkalkhydrat + Marmormehl <24my 1:1 , kein Öl oder Seife als zugabe). Viel Materialabrollung erlebt. 2. Schicht, nasser gearbeitet, weniger Materialabrollungen. Leider keinerlei Glanz.





Hm, dass ist nun wie gesagt alles eine Frage der abgestimmten Technik. Die zweite Schicht hast du nach dem abbinden der ersten aufgetragen?

Die (Kalk-) Mischung muss "fetter" sein. Kalkhydrat hat eine Dichte von 0,55 kg / Liter, Sumpfkalk hingegen von 1,34 kg / Liter.

Wenn ein Liter Kalkhydrat eingesumpft wird, erhält man ca. 0,7 Liter Kalkteig so das du die "Sumpfkalkrezeptur" mal 1,5 nehmen musst.

Sumpfkalk enthält halt mehr Wasser, was durch Lagerung feinteilig im Kalk dispergiert ist. Also die "buttrige" Konsistenz ist Merkmal von gutem Sumpfkalk und führt so zu mehr Geschmeidigkeit trotz wasserarmer Verarbeitung. Bei der Verwendung von Sumpfkalk wird man in der Regel kaum noch Wasser dazugeben müssen, wenn die Marmormehle eingesumpft wurden.

Bei "Trockenmischungen" der Hersteller behilft man sich da meist durch Zugabe von Ton (Porzellanerde) und Methylcellulose (nur dieses Zelluloseester ist in Kalk beständig), zur Wasserrückhaltung.



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Die zweite Schicht habe ich nach 24 Stunden aufgetragen.
Wenn ich dich richtig verstehe muss der kalkanteil rauf ? Werde dann mal 2:1 ausprobieren.
Der Zellulose war ich schon auf der Spur, denn das ist ja so ziemlich das einzige Zusatzmittel was auf den Fertigmischungen angegeben ist. Habe es nur bisher noch nicht im lokalen Handel zum Kaufen gefunden.
Wenn die neue KalkMischung auch nicht gut funktioniert, werde ich wohl doch Sumpfkalk nehmen. Bestellt ist er schon, aber die Lieferzeit zieht sich hin.

Danke für deine Infos. Habe ich so im Netz bisher nirgendwo lesen können.





Also ich lege einen weißen Feinputz (kleiner gleich 0,5 mm Korn oder auch feiner) als Grund und Egalisierungslage an. Und über diesen allerdings frisch in feucht die (bindemittelreiche) Kalkglätte (aus Marmormehlen und Pigmenten) in mehreren Lagen. Wie gesagt Timing, 24 Stunden dürften nur im Ausnahmefall (Luftfeuchte-, -temperatur) dazwischen liegen.

Schon beim Aufziehen entsteht schnell Glanz. Wie gesagt wir müssen das Calciumhydroxid mit bedacht zu einer feinen Sinterschicht an der Oberfläche verpressen, die rhombische Kritallstruktur mach den Glanz . Seifenlösung nicht vergessen und vorsichtig auftragen, damit es keine Flecken gibt.

Geeignetes Werkzeug ist hier die halbe Miete das wirst du schon gemerkt haben. Wenn es mal mit der Haftung partiell Probleme gibt kann leichtes (!) Aufrauhen mit 1000 er Nasschleifpapier helfen.

Die Methylcellulose bekommt man eigentlich in jedem besseren Baumarkt. "Methylan normal" ("Tapetenleim") meist zu 125 Gramm Packung. Wichtig auf "normal" achten, wo anders sind eventuell Kunstharze drin.

Im Fachhandel wird hingegen häufig "Glutolin, Farbenleim L" angeboten.

Davon aber weniger als 1 Prozent zur Mischung geben. Auch ein ebenfalls geringer "Spritzer" Leinöl brint zusätzliche Punkte.

Was auch noch geht sind feine Zellulosefasern, diese werden als "Arbocel" im Fachhandel angeboten. Oder mal beim "Kalkladen.de" gucken, da gibt es ebenso Feinstfasern aus Hanf. Auch das wie gesagt im mit maximal 100 Promille vom Gewicht her zugeben.



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Kalkanteil erhöhen hat einen riesigen Effekt gebracht, Danke!!
Stumpfe Stellen sind leider unverändert dabei. Liegt das eher an fehlenden zuschlagstoffen oder der leider nicht 100% glatt zu bekommenden Altbauwand ?





Unebenheiten musst du schon vorher ausgleichen. Deswegen empfehle ich ja den abgestuften Aufbau. Mit dem Spachtel kannst du nichts mehr ausgleichen.

Leichte Vertiefungen lassen sich dann schwerer verpressen. Ggf Mailänder oder Venezianer Spachtel verwenden.

Auch sind natürlich unterschiedliche Materialstärken nicht immer einheitlich zu bearbeiten. Bei der "Fleckspachtelung" geben ja schon minimalste Materialauftrage (gewollte) optische Veränderung.

Ansonsten geht ja mit Wachs noch was. Ggf. maschinell aufpolieren. Wobei ich vermute das die "spiegelglänzenden" Flächen alle mehrfach super fein geschliffen wurden.

Aber da kannst du auch vierzehn Lagen Klavierlack auftragen.

Da ist halt Handarbeit, mit individueller Note, die bei einfacher Materialkombination noch mehr Charakter erhält.

Also ich sehe in dem "Feintuning" jetzt nicht unbedingt die Vollendung.



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Ich konnte mich jetzt endlich mal wieder dem Projekt widmen, und habe noch eine Frage. Kannst du eine Empfehlung in Sachen Grundierung machen? Ich musste alles Abschleifen , denn auf den glänzenden Bereichen der ersten Version hielt der neue Auftrag leider gar nicht. Und nun will ich grundieren, und das richtig.





Gründlich entstauben.

Soweit überhaupt nötig könne die Flächen mit einem verdünnten Kaseinleim (0,5 Prozent) gefestigt und in der Saugfähigkeit egalisiert werden.

Oder eben nur mit Sinterwasser behandeln.

Hast du den jetzt eine passende Mischung gefunden?



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Ja habe ich. Sumpfkalk klappt finde ich etwas besser, in der Verarbeitung.
Was ich leider unverändert nicht hinbekomme ist eine durchgehende glänzende Fläche. Bedeutet, es sind immernoch viele blinde Flecken enthalten. Falls da jemand Tipps hat wäre das toll!





Wie machst du es denn jetzt genau?



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Habe es wie bei der gekauften Fertigmischung gemacht: Grundputz aus Kalk, dann 3 Lagen DIY-Stucco-Veniziano. Letzte Lage verpresst und danach poliert / abgezogen .
Es sind weniger blinde Flecken als beim 1. Versuch, aber immernoch zu viele.
Poliermaschine habe ich da, bringt eher Nachteile, finde ich ("verschmiert", verringert Glanz).





Gut, die Beschreibung ist auch noch etwas zu pauschal.

Wie gesagt, trage ich die Kalkglätte auf den Feinputz, nass in feucht und die lagen der Kalkglätte nass in frisch auf. Wobei ja die einzelnen Spachtellagen kaum noch spürbaren Materialauftrag zur folgen haben. Mit der Kelle verdichten. Weitere Verdichtung und Politur nach auftragen der Seifenlösung.

Später kann die Fläche noch gewachst und weiter poliert werden.

Ich kann mir vorstellen das bei zu langer Standzeit während der Verarbeitung oder schon bei der Materialmischung Probleme gibt.



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Ich habe übrigens auch schon mit verschiedenen Zeiten zwischen den einzelnen Lagen experimentiert. Scheint keinen wirklich großen Einfluss zu haben. Viele stucco Veneziano Anleitungen gehen ja von mehreren Stunden bis zu einem Tag Wartezeit zwischen einzelnen Lagen aus. Dann gegebenenfalls mit nachfeuchten vor Auftrag der nächsten Lage.

Beim Auftrag der letzten Lage : wie verpresst du denn das Ganze? Mit der vollen Fläche der Spachtel, oder nur der Kante? Also anziehen Und zeitgleich verpressen ?

Beim Polieren habe ich auch verschiedenes ausprobiert. Bei einigen stumpfen Flecken hilft "Polieren" mit der vollen Kelle, und bei anderen stumpfen Flecken hilft abziehen mit der Kante ca. Winkel 55 Grad. Aber bei sehr vielen hilft eben einfach gar nichts.

Ich teste heute Nachmittag mal auf absolut ebenem grundierten MDF.



Hier einen Kontakt aus der Nähe....



...zum Fachsimpeln.

http://www.zaenker-kmm.de/mat_kalk.htm

Richte ihm Grüße von mir mit aus.
Arbeitet sehr viel in DD.

FG Udo



Marmorino - Sumpfkalk oder nicht? - maximaler Glanz, wie?



Die Flecke sind übrigens dem Untergrund oder der unebenen Wand geschuldet. Auf MDF hatte ich mit nur einer einzigen Lage sofort spiegelglatten Hochglanz ohne jegliche Flecke...





Gut, da sind wir ja schon weit gekommen.

Mir ist noch eingefallen das die Fa. Auro ihrem Kalkspachtel zur Verarbeitung in der "Glattspachteltechnik" empfiehlt. Es gibt dazu auch ein Arbeitsblatt sowie ein Video für diese Anwendung.

Das Wandlasurwachs, ist die besagte (Bienen-) Wachsseife als punisches Wachs.

Deutlich aber zu sehnen das die Verarbeitung mit etwas Geduld und Übung auf passenden Untergründen kein Problem sein sollte.

Wobei der Spachtel, preislich übersetzt erscheint.

Ein Beispiel dafür das die Preisbildung für Kalkprodukte hier "emotionale" Aspekte, die der Kalktechnik zugeschrieben werden genutzt werden.

Die Fa. Remmers reizt das bis an die Grenze von Wucher aus und verlangt für seinen "Historic Kalkspachtel" gut 300 Euro für 20 kg.

Also wenn man in diesem Segment eine Alternative sucht sollte man da bei der Fa. Hessler Kalk gucken.

Da gibt es Sumpfkalk-Feinputze mit 0,5 und 1,0 mm Körnung und Glätten mit Marmormehlen um die 70 Euro fürs 20 kg Gebinde, mehr muss es auch nicht kosten.

Für Eigenmischung empfiehlt sich als Bindemittel immer der Weisfeinkalk (CL 90 Q, Branntkalk) "Ulmer Weiss" (Jurakalk) von "Märker", Kalkwerk Blaustein (Württemberg).

Oder Marmorweißkalkhydrat (CL 90 S) von "Märker" Kalkwerk Harburg (Schwaben) verwenden, wenn man den Kalk nicht selber löschen möchte.

Mehle von Marmor (CRISCARB CM) oder Jurakalk (Ulmer Weiss) bekommt man von"Eduard Merkle", Blaubeuren (Württemberg).

Körnungen von Marmor von 0,09 (90 my), 0,3, 0,5 und 1 mm bekommt man auch von der Fa. Hessler Kalk Wiesloch (Baden).