Mal wieder Kalkputz

19.01.2020 Hilmar



Hallo Forum,

ich habe eine Frage, die wohl irgendwie schon zig Mal gestellt und beantwortet wurde, aber ich bin noch nicht so richtig durchgestiegen.

Vorgeschichte:
Wir haben uns ein Haus Baujahr 1900 gekauft. Die (Kellerwände) bestehen aus Bruch-, Backstein und wohl Lehm. Der Vorbesitzer hat den Keller mit Zementputz verputzt. Vor unserem Kauf hat er diesen (auf unser Drängen) wieder entfernen müssen und hat es auch so getan, als wenn man auszieht. Also tiefe Löcher in die Wände gehauen etc., sieht echt schlimm aus. Der Keller ist echt feucht, Luftfeuchte um die 80% trotz über absolute Feuchte und Temperatur gesteuerte Lüftungsanlage, vorher 100% Feuchte. Jetzt haben wir die Wände so halbwegs trocken und wir möchten den Keller wieder in einen vernünftigen Zustand versetzen, sprich die Löcher und Unebenheiten halbwegs ausgleichen. Hierfür denke ich an einen Kalkputz.

Jetzt zur eigentlichen Frage:

Es gibt ja einige Varianten an Kalkputz. Ich möchte keinen hydraulischen Kalkputz verwenden. Ich habe jetzt ein Weißkalkhydrat gefunden und wollte mal fragen, ob es das richtige ist, sprich ein reiner Luftkalkputz mit höher Diffusionsoffenheit.

Die Zusammensetzung lautet:
Ca(OH)2 93,5%
CaO 72,5%
MgO 0,6%
SiO2 0,8%
Fe2O3 0,3%
Al2O3 0,4%
SO3 0,1%
CO2 1,3%
Hydratwasser 22,7%
Ca(OH)2 wasserlöslich 92,5%

Hierzu entsprechend Sand beimengen...

Wäre das der richtige Kalk für einen vernünftigen Feuchteausgleich oder gibt es hier was geeigneteres? Wie schon geschrieben, die Wände im Keller können so nicht bleiben, sieht aus wie im Steinbruch...

Vielen Dank, Euer Hilmar



Kellerwand verputzen



welches sind Deine Bedenken bezüglich des hydr. Kalkes ? Es gibt unterschiedliche Hydraulquantitäten, ich habe mit NHL 3,5 (z.B. von Otterbein) gute Erfahrungen gemacht. Den würde ich zumindest zum Auszwickeln der Löcher und Vorspritzen verwenden. Nur mal interessehalber: Was ist das für ein Hersteller, von dem Du da die Inhaltsstoffe so genau aufgelistet bekommen hast?



Mal wieder Kalkputz



Ich habe die Befürchtung, dass die Feuchtigkeit nicht weiter aus den Wänden herauskommen kann und wieder bis ins Treppenhaus hochzieht.

Der Hersteller ist Fels-Kalk, stand so in dem technischen Datenblatt drin...



Befürchtungen



Deine Befürchtungen haben nichts mit dem hydr. kalk zu tun. Ist denn die Wand naß? Wenn ja, woher kommt die Feuchte? Luftkalk carbonarisiert unter großem Feuchteeinfluss nicht aus, hyd. Kalkmörtel schon. Das angegebene Kalkhydrat ist der übliche Kalk für Luftkalkmörtel. Als Sand würde ich gewaschenen Sand Körnung 0-4 mm wählen.



Mal wieder Kalkputz



Einige Wände sind insbesondere im unteren Bereich, so 30 cm, zum Teil echt nass, darüber haben wir sie mittlerweile größtenteils trocken. Das hat wohl zwei Ursachen, zum einen durch falsche bzw. gar keiner Lüftung, dazu noch der je nach Niederschlag hohe Grundwasserpegel hier, der ohne Drainagepumpen den Keller absaufen lässt. Dann hat das Zukleistern mit Zementputz auch nicht echt geholfen. Meine Idee ist die zum Teil 5cm tiefen Löcher und die gröbsten Unebenheiten mit möglichst hoch diffusionsoffenem Putz zu verputzen, damit den Wänden die Chance zu geben weiter zu trocknen bzw. nicht wieder feucht zu werden und den Keller wieder etwas aufzuwerten.



salz



wird bei weiterer Trocknung zu einem nervigem problem werden.
wenn du es schaffst durch die automatische lüftung die wände zum großen teil trocken zu bekommen, wird sich ein feuchtehorizont einstellen, in dem immer wieder wasser mit salzhaltiger fracht verdunsten wird.

das Salz konzentriert sich auf und lässt die fugen bzw putz in dem bereich schnell wieder bröseln .
der reine zementputz war nicht die lösung und der reine kalkputz wird es auch nicht sein.

lass mal weiter etwas trocknen und schau bis wohin sich der feuchtehorizont einstellt.
bis knapp darüber kann man versuchen mit nem offenen Sanierputz mit viel porenvolumen zur salzaufnahme zu arbeiten.
darüber wird ein leicht hydraulischer kalkputz eine gute wahl sein können.
das kann auch dein kalkhydrat, ne hand Zement (oder ziegelpulver etc),sand und wasser sein.



Salz



Hallo MiKe,

vielen Dank, guter Punkt mit dem Salz, hab ich so nicht drüber nachgedacht. Ich habe über Sanierputz eigentlich nur schlechtes gelesen / gehört, auch von einem ortsansässigem Baustoffhändler weil der Sanierputz einfach das Wasser einschließen würde, Effekt wie Zementputz??? Hier sind meine Erfahrungen gleich null, bin also auf Eure angewiesen...

An welchen Sanierputz denkst du hier?



sanierputz



ist kein geschützter begriff, eher ein geflügeltes wort oder n werbegag ;)
daher kann man das nicht in einen topf werfen.

was der putz können sollte habe ich oben geschrieben.
glaub otterbein hat sowas im programm und sicher noch andere.

aber selbst wenn da ordentlich salz eingelagert werden kann, ist das irgendwann erschöpft.
dann muss mindestens im feuchtehorizont nachgearbeitet werden.

man sollte es daher mit der trocknung auch nicht übertreiben und nicht auf biegen und brechen die Luftfeuchtigkeit so niedrig wie möglich halten.

gibt halt mehrere ansätze dabei, das ist meiner.
gruß



Welcher Putz im Keller?



Gips-, Kalk-, Kalkzement- und Zementputze sind wegen zu hoher Wasseraufnahme und eines zu geringen Anteils von Poren und /oder geringer Wasserdampfdiffusion bei der Instandsetzung von feuchten Wänden ungeeignet. Sanierputze dagegen haben aufgrund ihrer Rohdichte - im Normalfall unter 1300 kg. pro m³ - einen großen Porenraum im Vergleich zu Kalkputz mit mehr als 1800 kg pro m³. Dieser Porenan¬teil ist notwendig, um die Salzkristallisation und die dadurch entstehenden Volumenvergrößerungen ohne Probleme in der Putzschicht zu ermöglichen.
Es gibt noch eine Reihe anderer wesentlicher Vorteile und Merkmale von Sanierputzen, deren Einsatz aber stets wohl überlegt werden sollte, da es andernfalls zu Schäden kommen könnte. Eines steht in jedem Fall fest: Je besser ein Sanierputz für eine Abtrocknung oder Verdunstung sorgt, um so mehr wird im Keller von außen oder unten aufgesaugt. Wenn keine dampfdichte Abdichtung von außen oder eine Horizontalsperre im Mauerwerk vorhanden ist, wird durch die Kapillarwirkung weiter Wasser und Salz nachgesaugt.
Mit nach WTA*– Richtlinien (siehe Merkblatt) geprüften Sanierputzen ist es möglich, nach einer Abdichtung oder einer Trockenlegung „über Oberkante Gelände“ die Mauer schadensfrei zu verputzen.
Eine Wand ist so normalerweise nach 1 bis 3 Jahren ausgetrocknet. Die Wärmedämmung wird verbessert, und aufgrund der wasserabweisenden Oberflächen findet eine Feuchteaufnahme so gut wie nicht mehr statt.

Anders ist es in einem Keller „unter Oberkante Gelände“, dessen Wände ständig feucht bleiben.
Dabei geschieht folgendes: je mehr innen abgesaugt wird, je besser also eine Verdunstung stattfindet, um so mehr kommt von außen oder unten nach. Es ist jedoch nicht nur Wasser, sondern es sind auch bauschädliche Salze, die von außen oder unten eindringen. Außerdem werden vom Mauerwerksquerschnitt baustoffeigene freie und lösliche Bestandteile mit an die Oberfläche transportiert.
Auch hier gilt: Je mehr und besser die Feuchtigkeit an der Innenseite abgegeben wird, umso schlechter ist die Wirkung. Sanierputze haben bei unsachgemäßer Anwendung nur eine be¬grenzte Lebensdauer oder sind gar von vornherein untauglich. Bei sehr feuchten Kellern besteht zudem das Problem, dass eine gewollte Hydrophobierung (Abstoßung von Feuchtigkeit) auf dem feuchten Mauerwerk nicht zu Stande kommt und somit auch kein Sanierputz wird. Es vergeht meist nur eine kurze Zeit, bis die Salze an der Oberfläche erscheinen.
Weitere Informationen zum Thema habe ich im Buch "Gesund wohnen in Altbauten" aber auch auf meiner Homepage unter "Aktuell" beschrieben.