Fachwerkhaus(kauf) ohne Mängel

11.11.2007



Hallo,

nachdem ich hier schon eine Weile viele Themen um Schäden und Mängel beim Fachwerkhauskauf quergelesen habe, bin ich auch immer wieder geschockt, und versuche immer noch ein Fachwerkhaus 'einzuordnen'.

Ich lese hier so oft Beiträge, in denen beim Renovieren o.ä. nach dem Kauf irgendwelche (ggf. vom Vorbesitzer verschwiegene / verdeckte) Mängel gefunden wurden, oder in denen irgendwelche gutgemeinten Sanierungsarbeiten in die Hose gingen, und über die Jahre mehr Schaden angerichtet haben, als vorher.

Beim Lesen all dieser Beiträge bekommt man fast den Eindruck, es gibt gar kein intaktes Fachwerkhaus, alle Immobilien auf dem Markt sind Mogelpackungen oder in der Vergangenheit zumindest verkrüppelt worden. Ich wollte einfach mal die Frage stellen, ob es nicht auch den glücklichen (frischen) Fachwerkhausbesitzer gibt, der nach dem Kauf erstmal keine Probleme hatte, oder bei dessen Haus keine groben falschen Sanierungen vorlagen? Oder findet dieser sich einfach nicht in diesem Forum, weil die Leute erst anfangen zu recherchieren, wenn alles in den Brunnen gefallen ist.

Von 'kleineren' Dingen rede ich zur Zeit gar nicht. Ich meine ein Fachwerkhaus ist meist eben alt, dass es nicht ganz markelos ist, ist selbstredent. Ich denke selbst ein Haus aus den 90er ist nicht ohne Instandhaltungsbedarf. Aber hier lese ich so oft von Hausschwamm, verfaulten Balken, von Kellern deren Wände tropfen... Ich würde gerne mal etwas Positives lesen. Hatte niemand positive Erfahrungen nach dem Hauskauf?



Äusserst positive Erfahrungen



Ich glaube, da kann ich Sie beruhigen - zumindest ich habe sehr sehr positive Erfahrungen gemacht. Ich habe 2005 ein Haus von 1853 gekauft, teilweise Fachwerk (der Rest Ziegel).

Das Haus war sehr günstig (< Bauplatzkosten), es ist sehr schön (viel Holz, natürlich), es war so lala in Schuss, aber nichts ernstes - wurde alles von ansässigen Handwerksbetrieben schnell, gut und nicht teuer instandgesetzt oder umgebaut. Es lässt sich auch gut Heizen (etwa 17 L/Öl je qm und Jahr - bei Innentemperaturen um die 21 Grad). Was soll ich noch loben?

Das Glück war vielleicht, dass die letzten 40 Jahre ne arme Omi drin gelebt hatte. Es war also nicht von aktionswütigen Heimwerkeren saniert worden, sondern alles war vor dem grossen Plastikzeitalter in bester Handwerksmanier (und entsprechend haltbar und schön) gefertigt worden. Und die alte Omi hat es sehr gut gepflegt.

Also, ein echter Glücksgriff, und ich liebe mein Haus sehr. Ich bin mir sicher, es geht vielen hier genauso.

stt



POSITIV



Ich – ich bin sehr glücklich mit dem Zustand des „frisch“ erworbenen Fachwerkhauses.
Es wurde allerdings – mal abgesehen von einer ziemlich brachialen „neuen“ Abwasserführung quer durch den Flur – nie wirklich daran herumsaniert.
Nach über 10 Jahren Leerstand gibt es da freilich einige Schäden, aber die sind nach Beseitigung der Ursachen allemal schneller behoben, als ein aufwendiger Rückbau mit oft unliebsamen Überraschungen.
Der Schornstein war im unteren Bereich ziemlich nass (nicht zu verwechseln mit „versottet“) – trocknet allerdings nach dem Entfernen von 3 Eimern nassem Ruß im Inneren und dem nassen losen Putz außen und langsamen Anheizen bereits wieder sehr gut ab.
Durch eine völlig zugewachsene Dachrinne und demzufolge jahrelange Beregnung der Fassade an dieser Stelle gibt es allerdings auch einen etwas größeren Schaden am Fachwerk der Nordseite.
Im OG gab es an der Decke zwei kleinere Wasserschäden – logisch: das einfachgedeckte Biberschwanzdach wurde jahrelang weder beobachtet noch gewartet. Die Holzspäne unter den Stößen der Dachziegel waren z.T. verrutscht - z. Großteil allerdings auch bereits sehr marode. Also habe ich zunächst in mühevoller Kleinarbeit neue Späne nachgeschoben. Die Dielung im DG hat natürlich auch ihre besten Jahre schon gehabt und sicher gibt es da oben nach dem Öffnen auch noch diesen oder jenen Schaden an den Balken.
Aber: Nach dem Entfernen der Tapeten habe ich in allen Räumen einen absolut trockenen, festen Kalkputz vorgefunden – außen die Gefache ebenso, z.T. leicht verwittert. Die Dielenböden (auch im EG) sind total in Ordnung - wurden sicher wie auch die meisten Zimmertüren um 1900 mal erneuert. Im EG scheint es eine Originaltür zu sein, die restlichen wurden wahrscheinlich nach dem Ausbau im angrenzenden Scheunengebäude wiederverwendet – sind allerdings dadurch sehr in Mitleidenschaft gezogen, wie leider auch das gesamte Scheunengebäude.
Die Hauseingangstür ist sicher auch irgendwann um 1900 erneuert worden, vielleicht sogar noch später; allerdings: das Sandsteingewände sieht unter der dicken Leimfarbeschicht noch ganz passabel aus (abgesehen von einigen brachialen Bohrlöchern zwecks Anbringen der Aussenbeleuchtung.)
Aber das Beste von allem: der originale Backofen im Flur. Mein Bäcker (bäckt selbst im Steinofen) hat ihn begutachtet und gemeint „kannst Du sofort anschüren und Brot backen“
Insgesamt ist es ein eher unspektakuläres, einfach gebautes kleines Fachwerkhäuschen – aber ehrlich und unverbaut. Zum Glück!
Gruß
Kathrin



Nicht mit den Augen kaufen



... sondern mit Verstand.
Wirklich schwierig ist es verdeckte Mängel vorab zu erkennen.
Alleine die Optik nützt wenig als Indikator.
Denn viele Schäden liegen im Detail und Schädigungen, die im Mittelbereich der Balken geschehen, kann man nicht einfach erkennen.

Wichtig ist oft der "Sanierungsgrad" bei den Häusern. Wenn in den letzten Jahren gebastelt, gestückelt und "saniert" wurde - erhöhte Vorsicht.

Falsche Materialien sind die Hauptursache von Schäden an "intakten" Gebäuden.
Das dicke Ende kommt dann noch!
Wie bei falschen Dämmungen ... Innendämmung: Finger weg - Aussendämmung - Kontrolle ...

Vorher Fachmann einschalten - nachher kann man die Qualität nicht mehr beeinflussen.

FK



Ein Fachwerkhaus



wird nie dauerhaft ohne Mängel bleiben, wenn nicht ein gewisses Maß an Pflege investiert wird.

Beim Fachwerk ist im Gegensatz zum Neubau alles reperabel!

Grüße



Hallo Markus,



die aufgabenlos glücklichen Fachwerkbesitzer haben einfach nichts zu schreiben; was sollten sie auch berichten?

"Super Haus" "Ja klar, meins auch"...

Es gibt sie aber, die Häuser ohne Hausschwamm, Schimmel, Dämmprobleme, giftige Ex-Schwiegermütter im Grundbuch etc.

Grüße

Thomas





naja, man kann auch bei einem Nicht-Fachwerkhaus Mängel haben. Z.B Hausschwamm.
Bei uns führte das zum Tausch zweier Decken (2x24qm), jeder Menge abgeschlegenem Putz, Schutthalden, Grabungen, Staub, Schweiss, Tränen....

Aber jetzt haben wir zwei wunderschöne Ziegeldecken und Holz um drei Winter lang zu heizen.