Fachwerksanierung mit hinterlüfteter Innenschale

14.05.2013



Hallo allerseits,

kann mir jemand pro und kontra geben bezüglich Wandaufbauten mit oder ohne Hohlschicht?



Ich...



... gebe zunächst ein allgemeines "kann man so nicht sagen"...
Ein bissel spezifischer dürfte die Frage schon sein...

MfG,
sh



ok



Hallo sh,

Was hast du denn für Erfahrungen mit den verschiedenen Aufbauten gemacht?

Gruß Emzet



Verschiedene...



... im Allgemeinen sind Konstruktionen ohne Luftraum vorzuziehen...

Mfg,
sh



Gut



Das ist auch mein Tenor. Doch Frage ich mich welche Schadensmechanismen bei hinterlüfteten Konstruktionen wirken, die einen Aufbau ohne Luftschicht rechtfertigen bzw. einen Aufbau mit Luftschicht nicht rechtfertigen.

Gruß Emzet



Gut



Das ist auch mein Tenor. Doch Frage ich mich welche Schadensmechanismen bei hinterlüfteten Konstruktionen wirken, die einen Aufbau ohne Luftschicht rechtfertigen bzw. einen Aufbau mit Luftschicht nicht rechtfertigen.

Gruß Emzet



Vor 16 Jahren



hat ein Maurerbetrieb vor unsere Fachwerkaußenwand (12 cm) innen eine Vorsatzschale aus 11,5-er Ytong mit Luftspalt zwischen 3 und 5 cm gesetzt. Unten auf die 60-iger Grundmauer zwischen die Fußschwelle und 2. Mauerlatte, oben mit Anschluss press an die Zimmerdecke (geputzte Schalung an Deckenbalken). Gerade heute habe ich ein Gefach aufgemacht, weil ich im Forum gelesen hatte, dass sich am Balkenwerk in diesem Fall Kondenswasser im Winter niederschlägt, weil der Taupunkt am Fachwerk liegt. Nun stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass das Fachwerk trocken und ohne Anzeichen von neuem Schädlingsbefall oder Schimmel/Pilzen ist. Trotzdem überlege ich, ob ich den Luftspalt schließe, damit eine durchgehende kapillar aktive Schicht entsteht, weil ich wegen Schlagregenbeanspruchung die Wand dämmen (80mm Holzfaser Unger-system) und mit hinterlüfteter Lärchenvorhangverschalung schützen will. Meine Frage wäre, womit der Luftspalt gefüllt werden sollte, Leichtlehm oder Ausblasen mit Isofloc?
Falls jemand auf meine Frage antwortet, obwohl dies nicht mein Tread ist, wäre ich sehr dankbar.

Ich hoffe, auch der Treadschreiber hat von meinem Beitrag einen Gewinn.

Danke
Pope



Hey Pope



Scheinbar funktioniert das bei Dir recht gut. Hast du ein Gefach am Fußschwellenanschluss geöffnet oder weiter oben? Die Probelmzonen liegen immer im Wandfußbereich. Wenn es keine Probleme gibt würde ich mit Veränderungen der physikalischen Eigenschften der Wand recht vorsichtig sein.

Gruß Emzet



Auf einen Einzeiler hin...



...wird wohl kein Fachvortrag kommen.

Kostenpflichtig gibt's sowas z.B. vom Institut für Bauklimatik in Dresden.

Ein Luftspalt zur Außenwand MIT Belüftung nach innen birgt die Gefahr von Kondensatanreicherungen aus der feuchten und warmen Innenluft. Ob da nun mehr Wasser abgelagert oder fortgeführt wird, ist mit Sicherheit komplex und möglicherweise gar nicht berechenbar. Zudem ist das keine bewährte oder oft praktizierte Bauweise. Ich kenne kein Beispiel.

Wozu muß man das also diskutieren? Allgemeines Interesse oder gibt es was Konkretes?

Grüße

Thomas





"Zudem ist das keine bewährte oder oft praktizierte Bauweise."

stimmt!

"Ich kenne kein Beispiel"

ich schon, unser Haus!

Zunächst in den 20er Jahren im Rahmen von Umbaumaßnahmen (Nutzfläche zu Wohnfläche) eine halbsteinige Innenschale aus Klinker davorgesetzt,

Später, etwa 70er Jahre, in mehreren Wohnräumen KS Wände vorgesetzt.
Ergebnis: die gesamte Schwelle (11 x 19 m) war zu ersetzen, oder war schon früher durch Ziegelmauerwerk ersetzt worden.

Auch wenn die Bausubstanz in mittlerer Wandhöhe vollkommen trocken war, waren die Schwellen hin, das konnte man von außen nicht sehen!
Nun könnte man argumentieren, dass dieses ohnehin auch ohne Innenschale eingetreten wäre. Mag sein.

Viel hängt davon ab, ob's in den Fächern durch die Ritzen zieht (dann wäre eine Sanierung der Außenschale aber vielleicht sinnvoller), ob der Luftspalt einen Luftaustausch hat, wie die Räume genutzt werden, welche Himmelsrichtung u.v.a.m.

Tatsache ist, dass diese Häuser über Jahrhunderte ohne Innenschalen gabaut worden sind und das es etliche Beispiele gibt, wo der nachträgliche Einbau nicht funktioniert hat.
Ich würde das nicht im Selbsversuch festellen wollen, wenn auch die Möglchkeit besteht, dass der Schaden erst sichtbar wird, wenn man es selbst nicht mehr erlebt.

Zur Prüfung einfach mal einen langen Spiralbohrer nehmen und am unteren Rand die Schwelle durchbohren (kann man leicht wieder verschließen), das Bohrmehl spricht Bände.

Gruß

G



@ GE



Ist der Hohlraum auch von innen belüftet? Das sollte noch weitaus seltener vorkommen, im Fachwerk ist's vermutlich der garantierte Balkentod.

Grüße

Thomas





@TWB

'eingebaute' Lüftungslöcher nach innen oder außen gab's nicht, aber so allerhand geschickte Konstruktionen.
Z.B.: die alten Heizungsrohre waren aufputz verlegt worden , dann durch den Dielenboden nach unten in ein riesen ausgestemmtes Loch in der oberen Kellerwand und dann unter der Kellerdecke weiter verlegt.
Dieses Loch hat sicher auch den Luftspalt erreicht mit dem Erfolg, dass bei jedem Schritt ein Luftwechsel via Luftspalt eingetreten ist.
Oder dort, wo in den 70er die üblichen Kunsttofffenster eingebaut worden waren mit so einer Art beschichteter Spanplatte als Laibung mit ein wenig MiWo wo es nicht so recht gepasst hat.

Ist jetzt alles weg.

Zu Illustration drei Bilder, welche Überraschungen man bei so etwas erleben kann, diese Konstriuktion ist immerhin etwa 90 Jahre alt, die Räume wurden viele Jahre nicht genutzt, Richtung Süd:

1. Einbausituation der alten Fenster





so sah es hinter der Vorsatzschale aus:

Wetterseite!





und das war die Schwelle, re war außen.
Da stand die Wand drauf.



@Thomas



Nichts konkretes. Ich würde auch immer einen homogenen Aufbau bevorzugen. In der Region Nord-West-Deutschland treffe ich aber oft auf diese Konstruktionen. Manchmal treten massive Schädigungen auf, manchmal auch nicht. Deshalb frage ich mich aus welchen Gründen bzw. welchen Mechanismen diese Art Wandkonstruktionen Schäden hervorrufen.



An alle!



Hier wurde angemerkt, dass nach 16 Jahren nicht passiert ist. 16 Jahre sind natürlich für Gebäude, die in der Regel deutlich älter sind, kein Maßstab. Ich habe aber auch Fälle in denen homogene Aufbauten zu Schäden geführt haben. So stell ich mir die Frage ob es bei energetischen Modernisierungen zwangsläufig zu Schäden kommt, da ja in beiden Fällen die Bauphysik der Wandaufbauten auf den Kopf gestellt wird.



16 Jahre später



bin ich auch klüger bzw. denke jetzt drüber nach, wie der Mangel beseitigt werden kann. Ich habe ja das unterste Gefach samt Füllgefach zwischen den Deckenbalkenköpfen und zwischen Fußschwelle und Grundbalken geöffnet weil! mir das ganze nicht geheuer war. Übrigens war von einer Hinterlüftung nach innen nie die Rede! Auch wollte ich nur ausdrücken, daß ich ein mittleres Inferno erwartet hatte und die Öffnung schon Wochen vor mich hergeschoben habe.
Ich wäre immer noch dankbar, wenn ich einen Rat zum Ausfüllen des Luftspaltes mit dem Ziel eines kapillaraktiven Wandaufbaus erhalten könnte, wenn es irgend geht, ohne die Vorsatzschale im gesamten OG rauszureißen. Ich kann praktisch nur Gefach für Gefach von außen bearbeiten.

Schöne bestehende Pfingstfeiertage euch allen
Pope





Das Problem beim Ytong ist doch, dass es sich eher wie ein Schwamm verhält und die Nässe aufnimmt, aber nicht ableitet (man möge mich korrigieren).
Daran ändert eine kapillaraktive Füllung in der Luftschicht ja auch nichts.
Wenn nach 16 Jahren bei dem aktuellen Nutzungs / Heizungs Lüftungeverhalten nichts passiert ist, würde ich auch nichts ändern.
Ich würde an den neuralgischen Punkten das eine oder andere Messkabel (Feuchte / Temperatur) einlegen, das Bohrloch wieder verschließen und gelegentlich mal das passende Messgerät anschließen.
So lange dabei keine Auffälligkeiten auftreten, würde ich alles so lassen wie es ist - aber nur im Falle, der von Pope geschildert wurde.

Die ursprüngliche Frage war:
"Fachwerksanierung mit hinterlüfteter Innenschale"

Dazu würde ich sagen:
von innen hinterlüftet: ist sicher nicht zu empfehlen,

von außen hinterlüftet: wozu braucht man dann die Vorsatzschale, außer damit es gerade wird?


GE



Es wäre der Unterhaltung echt dienlich...



zu unterscheiden zwischen der hinterlüfteten Innenschale der Eingangsfrage (da wären konstruktive Öffnungen nach innen bewusst angebracht), und einem konstruktiv vorgesehenen Hohlraum OHNE Lüftungsöffnungen nach innen.

Ersteres hat wohl kaum Vorbilder, aus gutem Grund. Letzteres scheint mir zumeist eher eine unbedachte Sanierungsmaßnahme mit hohem Schadenspotential, besonders im Fachwerk.

Ein Ziegelmauerwerk mit versetzten Hohlräumen wiederum funktioniert durchaus, wie auch Hohlblocksteine aller Art.

Grüße

Thomas